Hypercholesterinämie

Von , Arzt
Aktualisiert am
Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Bei der Hypercholesterinämie handelt es sich um eine Störung des körpereigenen Fettstoffwechsels. Sie äussert sich durch erhöhte Cholesterinwerte im Blut der Betroffenen und hat gegebenenfalls schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Zur Behandlung einer Hypercholesterinämie raten Experten unter anderem zu einer Anpassung des Lebensstils. Erfahren Sie hier mehr über die Hypercholesterinämie: Definition, Ursachen, Symptome und Behandlung.

Hypercholesterinämie, Fettstoffwechselstörung

Kurzübersicht

  • Symptome: Zunächst keine Beschwerden, aber auf Dauer möglicherweise schwerwiegende Folgen wie eine Gefässverkalkung
  • Behandlung: Unter anderem Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, medikamentöse Behandlung hoher Cholesterinwerte und bestehender Grunderkrankungen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Unter anderem cholesterinreiche Ernährung, Vererbung, andere Grunderkrankungen oder bestimmte Medikamente
  • Diagnostik: Blutuntersuchung, Krankengeschichte und körperliche Untersuchungen
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Variiert je nach Ursache der Hypercholesterinämie

Was ist Hypercholesterinämie?

Die Hypercholesterinämie ist eine Störung des Fettstoffwechsels im Körper. Die Krankheit ist durch eine erhöhte Menge an Cholesterin im Blut gekennzeichnet. Cholesterin (Cholesterol) ist ein lebenswichtiger Naturstoff tierischer Zellen.

Es ist überaus wichtig für den Aufbau der Zellmembran. Ausserdem wird Cholesterin zur Herstellung von Gallensäuren für die Fettverdauung im Darm und zur Synthese von Geschlechtshormonen (Testosteron, Östradiol, Progesteron) benötigt. Auch das Stresshormon Cortisol und der Botenstoff Aldosteron (Wasser- und Salzhaushalt) bilden sich aus Cholesterin.

Nur einen kleinen Teil des Cholesterins nehmen wir mit der Nahrung auf. Einen weit grösseren Anteil stellt der Körper selbst her, hauptsächlich in der Leber und der Darmschleimhaut. Diesen Vorgang nennt man Cholesterinbiosynthese. Dabei entsteht als Zwischenprodukt 7-Dehydrocholesterin. Dieser Stoff ist die Vorstufe zum lebenswichtigen Vitamin D.

Normalerweise liegt der Gesamtcholesterinwert im Blut unter 200 Milligramm Cholesterin pro Deziliter. Leicht erhöhte Cholesterinwerte (200-239 mg/dl) betrachten Mediziner als grenzwertig. Bei weiter ansteigenden Werten handelt es sich um einen zu hohen Cholesterinspiegel, also eine Hypercholesterinämie.

Lipoproteine

Cholesterin kommt nur zu etwa 30 Prozent frei im menschlichen Körper vor. Die restlichen 70 Prozent sind mit Fettsäuren verbunden (Cholesterinester). Als fettähnliche Substanz ist Cholesterin nicht wasserlöslich. Für den Transport im Blut muss es jedoch wasserlöslich sein.

Dazu verbinden sich das Cholesterin und die Cholesterinester mit anderen Stoffen. Zusammen mit Lipiden (Fette: Triglyceride, Phospholipide) und Eiweissen (Apoproteine) bildet es Fett-Eiweiss-Komplexe, sogenannte Lipoproteine.

Je nach Zusammensetzung unterscheidet man verschiedene Lipoproteine. Zu den wichtigsten zählen Chylomikronen, VLDL ("very low density lipoproteins"), LDL ("low density lipoproteins") und HDL ("high density lipoproteins"). Ausserdem gibt es noch IDL ("intermediate density lipoproteins"), das zwischen LDL und VLDL steht, und das Lipoprotein a, das im Aufbau dem LDL ähnelt.

Chylomikronen transportieren Nahrungsfette (Triglyceridanteil: 85 Prozent) aus dem Darm in den Körper. VLDL wiederum besteht hauptsächlich aus in der Leber gebildeten Triglyceriden. Dieses Lipoprotein wird schliesslich in IDL und LDL umgewandelt. Dabei verliert es seine Fette, wohingegen der Cholesterinanteil steigt.

Bei einer Hypercholesterinämie spielen die Lipoproteine LDL und HDL eine entscheidende Rolle. Sie bestehen grösstenteils aus Cholesterin und halten den Cholesterinhaushalt im Gleichgewicht. LDL transportiert Cholesterin von der Leber über das Blut zu den übrigen Körperzellen.

Vermehrte LDL bedeuten also auch erhöhte Cholesterinwerte bis hin zur Hypercholesterinämie. Das Cholesterin lagert sich infolgedessen in den Blutgefässen ab und führt so zur Arteriosklerose, im Volksmund als Gefässverkalkung bekannt.

Diesem wirkt das Lipoprotein HDL entgegen. Es transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber und verhindert damit einen erhöhten Cholesterinspiegel.

Deshalb ist LDL auch als "schlechtes" und HDL als "gutes Cholesterin" bekannt.

Hypercholesterinämie in der Gruppe der Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörungen bezeichnet man auch als Hyperlipoproteinämie, Hyperlipidämie oder Dyslipidämie. Neben der Hypercholesterinämie zählt auch die Hypertriglyceridämie dazu. Darüber hinaus gibt es eine kombinierte Hyperlipidämie. Hierbei haben Betroffene ein hohes Cholesterin und hohe Triglyceridfette im Blut.

Wie äussert sich Hypercholesterinämie?

Die Hypercholesterinämie, also erhöhte Cholesterinwerte im Blut, verursacht selbst keine Beschwerden. Vielmehr ist die Hypercholesterinämie ein Anzeichen für andere Erkrankungen und einen bestimmten Lebensstil. Auf Dauer hat ein hohes Cholesterin im Blut aber möglicherweise schwerwiegende Folgen.

Arteriosklerose

Für die Cholesterinverteilung im Körper ist das LDL verantwortlich, das bei einer Hypercholesterinämie typischerweise erhöht ist. Sind die HDL-Lipoproteine verringert, ist auch der Cholesterin-Rücktransport zur Leber gestört.

Die Folge ist eine Hypercholesterinämie. Das überschüssige Cholesterin lagert sich in den Gefässwänden ab. Daraufhin setzt ein Prozess ein, der den Gefässen (Schlagadern = Arterien) letztendlich schadet.

Denn mit dem Cholesterin lagern sich Fette, Kohlenhydrate, Blutbestandteile, Fasergewebe und Kalk in die Gefässwand ein und es kommt zur Arteriosklerose.

KHK und Herzinfarkt

Bei einer Gefässverkalkung verengen die Arterien zunehmend. Sind die Herzkranzgefässe betroffen, sprechen Ärzte von einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Auf diesem Weg führt eine Hypercholesterinämie womöglich auch zum Herzinfarkt.

So ist das Herzinfarktrisiko bei einem Gesamt-Cholesterinspiegel (HDL plus LDL) von 250 mg/dl etwa verdoppelt. Bei einem Gesamtwert von über 300 mg/dl ist es viermal so hoch wie bei Personen mit normalem Cholesterinspiegel.

Die Herzkranzgefässe sind dabei zum Teil fast vollständig verschlossen und der Herzmuskel erhält nicht mehr ausreichend Sauerstoff. Betroffene beklagen ein Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust. Herzrasen, Schwindel, Schweissausbrüche und Kurzatmigkeit zählen ebenfalls zu den Anzeichen eines Herzinfarktes.

PAVK und Schlaganfall

Schädigt eine Hypercholesterinämie die Arterien der Beine, kommt es möglicherweise zur sogenannten Schaufensterkrankheit. Mediziner sprechen von einer pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Die Patienten leiden dann an schmerzhaften Durchblutungsstörungen, vor allem unter Belastung (zum Beispiel beim Spazierengehen).

Sind aufgrund einer Hypercholesterinämie Hals- und Hirnarterien verengt, kommt es unter Umständen zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn. Es drohen kurzzeitige (TIA=transitorisch ischämische Attacke) neurologische Ausfälle wie halbseitige Lähmungen bis hin zum Schlaganfall (ischämischer Hirninfarkt).

Xanthome

Xathome sind Fettablagerungen im Gewebe, vornehmlich in der Haut. Durch die Hypercholesterinämie oder eine Hypertriglyceridämie lagern sich Fette und Cholesterin beispielsweise am Rumpf oder an den Händen ein und bilden gelb-orange Hautverdickungen (plane Xanthome). Lagert sich erhöhtes Cholesterin in den Augenlidern ab, sprechen Ärzte von Xanthelasmen.

Grössere Hautverdickungen von gelb-bräunlicher Farbe an Ellenbogen oder Knie bezeichnen Ärzte als tuberöse Xanthome. Xanthome an den Finger- oder Achillessehnen sind ebenfalls Symptome einer Hypercholesterinämie.

Für eine Hypertriglyceridämie typisch sind zudem gelbliche Knoten auf geröteter Haut insbesondere am Gesäss und den Streckseiten der Arme und Beine. Mediziner sprechen bei diesen Hauterscheinungen von eruptiven Xanthomen. Fetteinlagerungen an den Handlinien sprechen meist für eine Erhöhung von IDL und VLDL.

Hypercholesterinämie am Auge

Lagert sich zu hohes Cholesterin in der Hornhaut der Augen ab, bildet sich am Hornhautrand ein sichtbarer Trübungsring von grauweisser Farbe. Ärzte sprechen in diesem Fall von einem Arcus (lipoides) corneae. Dieser Lipidring kommt bei älteren Menschen häufig vor und gilt als harmlos. Bei Erwachsenen unter 45 Jahren ist er jedoch ein deutlicher Hinweis auf eine Hypercholesterinämie.

Wie wird Hypercholesterinämie behandelt?

Das Ziel der Hypercholesterinämie-Therapie ist in erster Linie, das Risiko gefährlicher Gefässverkalkungen und damit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Durch eine Behandlung lassen sich LDL- und HDL-Cholesterin sowie die Triglyceride in einem bestimmten Zielbereich senken.

Für Triglyceride gilt es, einen Zielwert von unter 150 mg/dl zu erreichen. Das HDL-Cholesterin liegt idealerweise über 40 mg/dl bei Männern und über 50 mg/dl bei Frauen.

Die empfohlenen LDL-Cholesterin-Werte variieren entsprechend dem sogenannten kardiovaskulären Risiko eines jeden Patienten. Hierfür hat die European Society of Cardiology (ESC) ein SCORE-Modell entwickelt, das vorrangig Geschlecht, Alter, Raucherstatus, systolischer (oberer) Blutdruckwert und insgesamt erhöhte Cholesterinwerte berücksichtigt. Der daraus ermittelte ESC-Score erfasst das Risiko für ein tödliches Herz-Kreislauf-Ereignis innerhalb der folgenden zehn Jahre.

Laut der ESC lassen sich Patienten entsprechend ihres kardiovaskulären Risikos ausserdem in vier Risikokategorien einteilen:

Risiko

niedrig

  • Berechneter ESC-Score für 10-Jahres-Risiko unter einem Prozent

moderat

  • Berechneter ESC-Score für 10-Jahres-Risiko grösser gleich einem Prozent, aber kleiner als fünf Prozent

hoch

  • Berechneter ESC-Score für 10-Jahres-Risiko grösser gleich fünf Prozent, aber kleiner als zehn Prozent

sehr hoch

  • Berechneter ESC-Score für 10-Jahres-Risiko über zehn Prozent

Bei Patienten mit einem sehr hohen Risiko raten Experten zu einem LDL-Cholesterin-Zielwert von 55 mg/dl und bei einem hohen Risikozu einem Zielwert von 70 mg/dl. Im Falle eines moderaten Risikos wird ein LDL-Cholesterin-Wert von 100 mg/dl und bei einem niedrigen Risiko ein Zielwert von unter 116 mg/dl empfohlen.

Zu den weiteren Behandlungszielen zählen:

  • Verhinderung oder Therapie einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • Vermeidung oder Beseitigung von Xanthomen, einer Fettleber etc.

Stufen der Hypercholesterinämie-Behandlung

Im Falle einer Hypercholesterinämie steht an erster Stelle die Änderung der Lebensgewohnheiten sowie der Ernährung. Übergewichtigen Patienten empfehlen Experten, ein normales Körpergewicht zu erreichen. Normalgewichtigen raten Ärzte hingegen, ihr Gewicht zu halten.

Viele Patienten stellen sich die Frage "Cholesterin zu hoch, was tun?" Folgende Tipps unterstützen Sie gegebenenfalls dabei, eine Hypercholesterinämie zu bekämpfen beziehungsweise zu vermeiden:

Treiben Sie Sport oder gestalten Sie Ihren Alltag bewusst aktiv.

Steigen Sie beispielsweise Treppen, statt den Aufzug zu benutzen! Fahren Sie mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit! Dadurch wirken Sie nicht nur einer LDL-Hypercholesterinämie entgegen, sondern senken auch Ihren Wert für Triglyceride.

Zudem steigt das "gute" HDL. Darüber hinaus nehmen Sie auf diesem Weg am effektivsten ab und beugen weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Diabetes vor.

Vermeiden Sie den übermässigen Einsatz von Butter.

Vielen Betroffenen hilft es bereits, Butter durch Diätmargarine und Pflanzenöle zu ersetzen. Im Allgemeinen ist ein hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren vorteilhaft. Gesättigte Fettsäuren gilt es hingegen zu vermeiden.

Manche Experten gehen davon aus, dass der zu hohe Cholesterinwert auf diesem Weg um etwa elf Prozent zu senken ist. Empfehlenswert sind Produkte mit Phytosterinen (zum Beispiel Sitostanol). Sie hemmen die Aufnahme von Cholesterin und sollen dessen Herstellung im Körper begrenzen.

Kindern und Jugendlichen mit Hypercholesterinämie raten Ärzte zu einer täglichen Zufuhr von etwa ein bis drei Gramm. Zu viel Phytosterine bewirken allerdings den gegenteiligen Effekt. Sie haben grosse Ähnlichkeit zu Cholesterin und lösen ihrerseits womöglich Gefässverkalkungen aus.

Vermeiden Sie verstecktes Fett.

Dieses findet sich vor allem in Milch und Milchprodukten (etwa Käse), Wurst, Sossen und Fertiggerichten. Auch Fastfood ist in der Regel fettreich. Verwenden Sie stattdessen fettreduzierte Produkte, um einer Hypercholesterinämie entgegenzuwirken.

Wählen Sie ausserdem magere Fleisch- und Wurstsorten, die wenig gesättigte Fettsäuren enthalten. Dazu zählen beispielweise fettarme Fische wie Forelle oder Kabeljau, Wild, Kalb und Geflügel.

Bereiten Sie Ihre Speisen fettarm zu und essen Sie täglich Obst und Gemüse.

Kochen Sie am besten ohne Speisefett. Grillen und Dünsten sind geeignete Zubereitungsarten, um eine Hypercholesterinämie zu senken oder ihr vorzubeugen. Experten empfehlen ausserdem, Obst und Gemüse als Rohkost zu verzehren (beispielsweise in einem Salat).

Reduzieren Sie cholesterinreiche Nahrungsmittel.

Dazu zählen vor allem Eigelb (und dessen Weiterverarbeitung wie Mayonnaise), Innereien oder Schalen- und Krustentiere.

Achten Sie auf Eiweiss und Ballaststoffe.

Vor allem pflanzliches Eiweiss, das insbesondere in Sojaprodukten enthalten ist, ist in der Lage, eine Hypercholesterinämie möglicherweise zu senken. Denn dadurch erhöht sich die Aufnahme von LDL und der hohe Cholesterinwert sinkt.

Ballaststoffe hingegen machen lange satt und verhindern damit oft übermässiges Essen. Haferkleie, Pektin, Guar und Flohsamen sagt man nach, dass sie sogar direkt auf die Hypercholesterinämie einwirken. Allerdings schwächen viele Ballaststoffe möglicherweise die Wirkung cholesterinsenkender Medikamente ab oder heben sie auf.

Hören Sie nach Möglichkeit auf zu rauchen und trinken Sie Alkohol nur in Massen.

Bei einer schweren Hypertriglyceridämie empfehlen Ärzte sogar einen vollständigen Verzicht auf Alkohol. So beugen Sie auch anderen gesundheitlichen Problemen wie Leberschäden vor. Ausserdem ist es ratsam, bei einer Hypercholesterinämie mit erhöhten Triglyceriden auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu verzichten.

Bevorzugen Sie "komplexe" Kohlenhydrate.

Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen, die wie Perlen in einer Kette aneinandergereiht sind. Kurze Ketten nimmt der Körper schnell auf. Diese sind eher schädlich für den körpereignen Zuckerhaushalt. Sie befinden sich in besonders süssen Speisen (zum Beispiel Süssigkeiten). Allerdings sind Kohlenhydrate ein wichtiger Energielieferant. Essen Sie deshalb langkettige, komplexe Kohlenhydrate wie etwa in Vollkornprodukten enthalten.

Bleiben Sie ausgewogen.

Zu harte Diäten schaden dem Körper eher als dass sie ihm nutzen! Daher geht es bei einer Umstellung darum, sich langfristig andere Ernährungsgewohnheiten anzutrainieren und nicht abrupt auf alles zu verzichten.

Häufige erfolglose Diätversuche erhöhen sogar das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Deshalb sprechen Ernährungswissenschaftler lieber von einer fettmodifizierten Kost: Sie ändern am besten nur einen Teil Ihrer Ernährungsgewohnheiten und konzentrieren sich auf pflanzliche statt tierische Fette.

Nahrungszusammensetzung

Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihrer Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) spricht sich hinsichtlich der täglichen Nahrungszusammensetzung für folgende Empfehlung aus:

Nährstoff

Menge bzw. Anteil an gesamter Energiezufuhr pro Tag

geeignete Lebensmittelbeispiele

Kohlenhydrate

50-60 Prozent

Obst, Kartoffeln, Gemüse, Getreideprodukte

Eiweiss

10-20 Prozent

Fisch, mageres Geflügel, fettreduzierte Milch(produkte)

Ballaststoffe

mehr als 30 Gramm/Tag

Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Haferkleie (Cerealien)

Fett

25-35 Prozent

Butter, Bratfett, fetthaltige Fleisch- und Milchprodukte

Achtung vor verstecktem Fett!

Fettsäuren

gesättigte 7-10 Prozent

tierisches Fett

einfach ungesättigte 10-15 Prozent

mehrfach ungesättigte 7-10 Prozent

Raps-, Oliven-, Soja-, Maiskeim-, Sonnenblumenöl, Diät-Margarine

Cholesterin

weniger als 200-300 Gramm/Tag

Eigelb (nicht mehr als zwei pro Woche), Eigelbprodukte (z.B. Eiernudeln, Mayonnaise), Innereien

Behandlung anderer Erkrankungen

Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die eine Hypercholesterinämie begünstigen. Daher behandelt Ihr Arzt auch diese Krankheiten. Fachleute empfehlen Patienten, die an einer Zuckerkrankheit oder an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, die Therapievorschläge ihres Arztes unbedingt zu beachten.

Nehmen Sie auch Ihre Medikamente konsequent ein, um einer Hypercholesterinämie erfolgreich entgegenzuwirken. Haben Sie Zweifel oder Fragen, zögern Sie nicht, Ihren Arzt um Rat zu fragen.

Medikamentöse Hypercholesterinämie-Behandlung

Gelingt es nicht ausreichend, die Hypercholesterinämie durch eine Umstellung des Lebens- und Ernährungsstils zu senken, verschreibt Ihnen der Arzt Medikamente gegen den erhöhten Cholesterinspiegel. Kinder mit Hypercholesterinämie erhalten in der Regel erst ab sieben bis acht Jahren eine medikamentöse Behandlung.

Zu Beginn einer medikamentösen Hypercholesterinämie-Behandlung verordnet der Arzt in der Regel nur ein Präparat, meist Statine. Lassen sich die hohen Cholesterinwerte dadurch nicht ausreichend senken, erhöht er die Dosis.

Kommt es nach drei bis sechs Monaten zu keiner nennenswerten Besserung, erweitert er die Therapie mit anderen Hypercholesterinämie-Medikamenten.

Statine (CSE-Hemmer)

Statine hemmen ein Eiweiss namens HMG-CoA-Reduktase. Dieses Enzym benötigen die Leberzellen, um das körpereigene Cholesterin herzustellen. Bei einer Hemmung des Enzyms sinkt der Cholesterinspiegel in den Zellen (Cholesterin-Synthese-Enzymhemmer = CSE-Hemmer).

Infolgedessen entstehen vermehrt LDL-Rezeptoren in der Zellhülle. Über diese "Fangarme" ist es der Zelle möglich, Cholesterin aus dem Blut aufzunehmen. Die Hypercholesterinämie sinkt.

Anionenaustauschharze – Gallensäurebinder

Die Gallensäuren-Produktion findet in der Leber statt. Aus ihr besteht die Gallenflüssigkeit, die im Dünndarm zur Verdauung dient. Die cholesterinhaltigen Gallensäuren gelangen später über das Blut zurück zur Leber, wo sie erneut zu Galle werden (enterohepatischer Kreislauf).

Anionenaustauschharze beziehungsweise Gallensäurebinder binden eben diese Gallensäuren im Darm. Dadurch verschwinden sie mit ihrem Cholesterin aus dem enterohepatischen Kreislauf.

Um neues Cholesterin für die Galle zu gewinnen, regen die Leberzellen ihre LDL-Rezeptoren an. Cholesterin gelangt aus dem Blut und die Hypercholesterinämie bessert sich.

Bekannte Wirkstoffe sind Colestyramin und Colesevelam. Beide kommen jedoch nur noch selten in Kombinationstherapien zum Einsatz.

Cholesterinabsorptionshemmer

Der Wirkstoff heisst Ezetimib und verhindert die Aufnahme (Absorption) von Cholesterin aus dem Darm. Für die Hypercholesterinämie-Behandlung gibt es eine feste Kombination mit dem CSE-Hemmer Simvastatin.

Fibrate

Ärzte setzen neben der Hypercholesterinämie-Therapie Fibrate vor allem dazu ein, einen erhöhten Triglycerid- und erniedrigte HDL-Spiegel zu behandeln. Die Wirkung ist vielschichtig. Unter anderem steigt der Abbau triglyceridreicher Lipoproteine.

Hinsichtlich einer Hypercholesterinämie gilt es jedoch eines zu beachten: In Kombination mit Statinen steigt das Risiko, dass es zu Muskelschäden kommt (Myopathie; selten auch Rhabdomyolyse mit Auflösung der Muskelfasern).

Nikotinsäure

Dieses Arzneimittel kombinieren Mediziner ebenfalls mit Statinen, um eine Hypercholesterinämie zu behandeln. In einer 2011 in den USA durchgeführten Studie mit einem bestimmten Nicotinsäurepräparat in Kombination mit Statinen bestätigte sich ein Nutzen allerdings nicht.

Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sank nicht im Vergleich zu Hypercholesterinämie-Patienten, die nur CSE-Hemmer einnahmen. Vielmehr kam es sogar vermehrt zu Schlaganfällen, weshalb man das Präparat vom Markt nahm. Auch der Nachfolger ist nicht mehr erhältlich.

Omega-3-Fettsäuren

Den Omega-3-Fettsäuren sagt man zahlreiche Vorteile nach. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA veröffentlichte 2010 einen Bericht zu behaupteten Wirkungen verschiedener Omega-3-Fettsäuren, da es diesbezüglich viele zum Teil widersprüchliche Studien gibt.

Gemäss den Expertenaussagen unterstütze die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren eine normale Herzfunktion. Allerdings verneinten die Experten den positiven Effekt auf eine Hypercholesterinämie.

Auch vorteilhafte Wirkungen auf das Immunsystem oder den Blutzuckerhaushalt bestätigten sie nicht. Da Omega-3-Fettsäuren jedoch sehr nebenwirkungsarm sind, empfehlen sie manche Ärzte, um eine Hypertriglyceridämie zu senken. Sie sind zudem gut mit anderen Fettsenkern kombinierbar.

PCSK9-Hemmer

Nach langer Forschung liess man im Herbst 2015 schliesslich PCSK9-Hemmer zur Behandlung hoher Cholesterinwerte in Europa zu. Bei den Wirkstoffen dieser Medikamentengruppe handelt es sich um Eiweisse, genauer um Antikörper, die an PCSK9-Enzyme binden und diese somit wirkungslos machen. Dadurch stehen wieder mehr LDL-Rezeptoren zur Verfügung, die einer Hypercholesterinämie entgegenwirken.

PCSK9-Hemmer kommen vor allem bei schweren (familiären) Hypercholesterinämien in Kombination mit Statinen zum Einsatz, insbesondere wenn vorangegangene Therapien einen hohen Cholesterinwert nur unzureichend gesenkt haben.

Ausserdem haben Ärzte die Möglichkeit, diesen Wirkstoff zu verordnen, falls der Patient Statine nicht verträgt. PCSK9-Antikörper verabreicht der Arzt in der Regel alle zwei bis vier Wochen mithilfe einer Spritze unter die Haut (subkutan). Aufgrund der hohen Behandlungskosten erfolgt der Einsatz von PCSK9-Hemmern jedoch eher zurückhaltend.

LDL-Apherese

In manchen Fällen ist es nicht möglich, eine Hypercholesterinämie selbst durch mehrere Medikamente ausreichend zu senken. Dies ist beispielsweise bei schweren familiären Hypercholesterinämien der Fall. Bestehen zudem Gefässschäden, "wäscht" man das Blut ausserhalb des Körpers und beseitigt das zu hohe Cholesterin.

In einem künstlichen Kreislauf leiten Schläuche das Blut zu einer Maschine. Diese teilt es entweder in Plasma und Zellen auf oder reinigt es direkt von LDL.

Anschliessend führen Schläuche das nun "saubere" Blut wieder zum Körper zurück. Mittels der LDL-Apherese ist es auch möglich, erhöhte Lipoprotein-a-, IDL- und VLDL-Spiegel zu senken. Das Verfahren kommt für gewöhnlich einmal in der Woche zur Anwendung. Parallel behandeln Mediziner die Hypercholesterinämie weiterhin mit Medikamenten.

Hypercholesterinämie: Ursachen und Risikofaktoren

Je nach Ursache einer Hypercholesterinämie lassen sich verschiedene Formen unterschieden.

Reaktiv-physiologische Form

In diese Gruppe fällt beispielweise eine cholesterinreiche Ernährung. Als Reaktion darauf ist der Fettstoffwechsel im menschlichen Körper überlastet. Vermehrt aufgenommenes Cholesterin scheidet der Körper nicht mehr schnell genug aus und hohe Cholesterinwerte entstehen.

Alkohol führt gegebenenfalls zu einer Hypercholesterinämie, vor allem bei vermehrten IDL im Blut. Bei der reaktiv-physiologischen Form sind erhöhte Cholesterinwerte allerdings nur vorübergehend festzustellen. Nach kurzer Zeit normalisieren sich die Werte wieder.

Sekundäre Form

Bei der sekundären Form einer Hypercholesterinämie verursachen andere Erkrankungen hohe Cholesterinwerte. Dazu zählen unter anderem Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), das sogenannte nephrotische Syndrom oder ein Stau von Gallenflüssigkeit in den Gallengängen (Cholestase). Ausserdem sind bestimmte Medikamente in der Lage, eine Hypercholesterinämie auszulösen.

Diabetes mellitus

Normalerweise nehmen bestimmte Empfängerstrukturen (LDL-Rezeptoren) der Körperzellen das LDL auf. Der hohe Cholesterinwert im Blut sinkt dadurch. Eben diese LDL-Aufnahme verzögert sich bei Diabetes Typ 1, da hier der Botenstoff Insulin fehlt.

Das Cholesterin verbleibt deshalb im Blut und der Patient bekommt eine Hypercholesterinämie. Bei der Fettsucht (Adipositas) ist die Bildung von LDL-Cholesterin gesteigert. Zudem wirkt Insulin nicht mehr richtig (Insulinresistenz, Diabetes Typ 2). Fettsäuren gelangen vermehrt in die Leber, wodurch VLDL zunehmen (Hypertriglyceridämie).

Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion führt unter Umständen ebenfalls zu einer Hypercholesterinämie. Bei einer Hypothyreose sind die Botenstoffe der Schilddrüse vermindert. Sie beeinflussen jedoch massgeblich die Stoffwechselvorgänge im Körper. Bei niedrigen Schilddrüsenhormonen bilden sich beispielsweise weniger LDL-Rezeptoren, was letztlich zu einem erhöhten Cholesterinwert führt.

Nephrotisches Syndrom und Cholestase

Das nephrotische Syndrom entsteht aufgrund einer Schädigung der Nieren. Typischerweise finden sich erhöhte Eiweisswerte im Urin (Proteinurie), erniedrigte Eiweisse im Blut (Hypoproteinämie, Hypalbuminämie) und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme).

Darüber hinaus zählen eine Hypercholesterinämie und -triglyceridämie zu den klassischen Anzeichen eines nephrotischen Syndroms. Dabei ist das "gute" HDL-Cholesterin oft vermindert.

Des Weiteren führt ein Stau von Gallenflüssigkeit in den Gallengängen (Cholestase) zu erhöhten Lipoprotein-Werten und damit zu einer Hypercholesterinämie.

Medikamente

Auch zahlreiche Medikamente beeinflussen den Fettstoffwechsel eventuell nachteilig. Meist führen Kortisonpräparate zu einer Hypercholesterinämie. Behandlungen mit Östrogenen, die Pille, Wassertabletten (Thiazide) oder Betablocker erhöhen meist die Triglyceride im Blut.

Ausserdem hat man hohe Cholesterinwerte bei Schwangeren beobachtet. In diesem Fall hat die Hypercholesterinämie jedoch kaum einen Krankheitswert.

Primäre Form

Hier spricht man auch von einer familiären beziehungsweise erblichen (hereditären) Hypercholesterinämie. Die Ursache zu hoher Cholesterinspiegel liegt hierbei in einem Defekt des Erbguts. Experten unterscheiden eine polygenetische von einer monogenetischen Hypercholesterinämie.

Bei der polygenetischen Hypercholesterinämie führen mehrere Fehler in den Bausteinen des menschlichen Erbgutes (Gene) zu leicht erhöhten Cholesterinwerten. Äussere Faktoren wie eine schlechte Ernährung und Bewegungsmangel kommen meist hinzu.

Familiäre monogenetische Hypercholesterinämie

Bei der monogenetischen Hypercholesterinämie liegt der Fehler allein in dem Gen, das die Information für die Herstellung von LDL-Rezeptoren enthält. Sie dienen dazu, das LDL-Cholesterin aus dem Blut zu beseitigen.

Bei der monogenetischen familiären Hypercholesterinämie fehlen diese Rezeptoren oder ihre Funktion entweder vollständig (homozygote Merkmalsträger) oder die Rezeptoren sind weniger aktiv (heterozygote Träger). Betroffene ohne gesundes Gen (Homozygote) haben im Falle der monogenetischen familiären Hypercholesterinämie bereits im Kindes- oder Jugendalter erste Symptome.

Heterozygote haben ein krankes und ein gesundes Gen und erleiden meist im mittleren Lebensalter erste Herzinfarkte, sofern sie ihre Hypercholesterinämie nicht behandeln lassen. Die familiäre Hypercholesterinämie vererbt sich möglicherweise an die nächste Generation (autosomal-dominanter Erbgang).

Bei Patienten mit einer familiären Hypercholesterinämie handelt es sich um kardiovaskuläre Hochrisikopatienten. Ohne Behandlung führt die familiäre Hypercholesterinämie wegen eines erhöhten kardiovaskulären Risikos gegebenenfalls zu einer verkürzten Lebenserwartung. Eine normale Lebensdauer ist jedoch möglich, wenn Diagnose und Behandlung frühzeitig erfolgen.

Hypercholesterinämie durch verschiedene Apolipoproteine

Ein weiterer Gendefekt betrifft das Apolipoprotein B100. Dieses Eiweiss ist am Aufbau der LDL beteiligt und hilft bei der Aufnahme des LDL-Cholesterins in die Zelle. Genauer gesagt bewerkstelligt es die Bindung von LDL an seinen Rezeptor.

Ist die Funktion des Apolipoproteins B100 gestört, verbleibt mehr Cholesterin im Blut. Diese Hypercholesterinämie vererbt sich unter Umständen ebenfalls (autosomal-dominant). Neben dem Apolipoprotein B100 gibt es auch verschiedene Apolipoprotein-E-Formen.

Die Medizin hat festgestellt, dass eine Hypercholesterinämie vor allem bei Menschen mit dem Apolipoprotein E 3/4 und E 4/4 auftritt. Bei Ihnen ist zudem das Risiko erhöht, an Alzheimer zu erkranken.

Hypercholesterinämie durch PCSK9

PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) ist ein körpereigenes Eiweiss (Enzym), das vornehmlich in den Leberzellen vorkommt. Dieses Enzym bindet LDL-Rezeptoren, woraufhin sich deren Anzahl reduziert.

Infolgedessen "fischen" die Leberzellen unter Umständen weniger Cholesterin aus dem Blut. Es kommt zur Hypercholesterinämie. Studien haben gezeigt, dass gewisse Fehler im Erbgut (Mutationen) des Enzyms dessen Wirkung verstärken ("gain of function").

Folglich steigen hohe Cholesterinwerte weiter an. Allerdings sind auch Fälle bekannt, in denen PCSK9 seine Funktion durch Mutationen verloren hat ("loss of function"), wodurch das Risiko einer Hypercholesterinämie vermindert ist.

Weitere vererbbare Dyslipidämien

Andere Fettstoffwechselstörungen beruhen möglicherweise ebenso auf Gendefekten. Betroffene haben auch hier meist erhöhte Cholesterinwerte im Blut:

Krankheit

Störung

Krankheitsmerkmale

Familiäre kombinierte Hyperlipoproteinämie

  • Überproduktion und Abbaustörung von VLDL
  • autosomal-dominant vererbbar
  • Hypercholesterinämie
  • Hypertriglyceridämie
  • erhöhtes KHK-Risiko

Familiäre Hypertriglyceridämie

  • autosomal-dominant vererbbar
  • Hypertriglyceridämie
  • erniedrigter HDL-Spiegel
  • erhöhtes Risiko einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • KHK-Risiko nur bei sehr niedrigen HDL-Werten erhöht

Familiäre Dysbetalipoproteinämie

  • mehrere Störungen, vor allem im IDL/VLDL-Stoffwechsel
  • Apolipoprotein E 2
  • eher selten
  • Hypercholesterinämie (bei sehr cholesterinreichen VLDL)
  • Hypertriglyceridämie
  • sehr hohes KHK-, PAVK- und Schlaganfall-Risiko
  • Handlinienxanthome und Tubero-eruptive Xanthome typisch

Hyperchylomikronämie

  • bei ausgeprägten Hypertriglyceridämien
  • Defekt des Enzyms Lipoproteinlipase oder
  • Mangel an Apolipoprotein CII
  • Hypertriglyceridämie
  • erhöhtes Pankreatitis-Risiko
  • im Kindesalter eruptive Xanthome und Lebervergrösserung möglich

Familiäre Hypoalpha-lipoproteinämie

  • = Tangier-Krankheit
  • gestörte Cholesterinfreisetzung
  • niedrige HDL-Spiegel (auch Gesamtcholesterin erniedrigt)
  • erhöhtes KHK-Risiko
  • Nervenschäden möglich
  • im Kindesalter typisch sind vergrösserte Mandeln mit gelb-orangen Flecken

Ausserdem ist womöglich das Lipoprotein a erhöht. Es ist aus LDL und dem Apolipoprotein a aufgebaut. Es hemmt unter anderem Vorgänge bei der Blutgerinnung, insbesondere bei der Auflösung von Blutgerinnseln (Plasminogen-Konkurrent).

Dadurch beschleunigt sich die Gefässverkalkung (Blutgerinnsel sind an der Plaquebildung in den Gefässwänden beteiligt). Bei einer LDL-Hypercholesterinämie steigert das Lipoprotein a also das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich.

Diagnose und Untersuchung

Der Hausarzt oder ein Facharzt für Innere Medizin (Internist) stellt eine Hypercholesterinämie durch eine Blutuntersuchung fest. In vielen Fällen fallen die erhöhten Cholesterinwerte zufällig auf.

Die Blutentnahme erfolgt in der Regel nüchtern, idealerweise nach zwölfstündigem Fasten (vor allem wichtig für Triglyceride). Anschliessend untersucht geschultes Personal das Blut im Labor auf Triglyceride, LDL- und HDL- sowie Gesamtcholesterin und unter Umständen auch auf Lipoprotein a.

Sind die Werte erhöht, nimmt der Arzt erneut Blut ab, diesmal nach Nahrungsaufnahme.

Für gesunde Erwachsene ohne Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gelten gemäss europäischer Leitlinien folgende Zielwerte:

LDL-Cholesterin

< 115 mg/dl

HDL-Cholesterin

Frauen > 45 mg/dl, Männer > 40 mg/dl

Triglyceride

< 150 mg/dl

Lipoprotein a (Lp a)

< 30 mg/dl

Hat die Blutabnahme eine Hypercholesterinämie aufgedeckt, überprüft der Arzt die Werte nach etwa vier Wochen.

Des Weiteren bestimmt er anhand der LDL- und HDL-Cholesterinwerte den "Arteriosklerose-Risiko-Index". Dazu teilt er den LDL-Wert durch den HDL-Wert (LDL/HDL-Quotient). Je mehr LDL- und je weniger HDL-Cholesterin jemand besitzt, desto höher der Quotient, und umgekehrt.

Bei Menschen, die keine sonstigen Risikofaktoren für Arteriosklerose (wie Bluthochdruck) haben, raten Experten zu einem LDL/HDL-Quotient unter vier. Dagegen wird bei Menschen mit solchen weiteren Risikofaktoren ein Quotient unterhalb von drei und bei Menschen, die beispielsweise bereits Arteriosklerose haben, ein Quotient unterhalb von zwei empfohlen.

Der LDL-/HDL-Quotient hat mittlerweile etwas an Bedeutung verloren, wenn es um die Abschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos (kardiovaskuläres Risiko) geht. Offenbar besteht nämlich bei extrem hohen Werten an "gutem" HDL-Cholesterin (oberhalb von ca. 90 mg/dl) eine erhöhte Gefahr für Arteriosklerose. Beim HDL-Cholesterin gilt also nicht: Je mehr, desto besser.

Da die Hypercholesterinämie ein Symptom darstellt, ist es wichtig, dass Ärzte eine genauere Diagnose der zugrundeliegenden Krankheit stellen. Dafür hat die Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft ein Schema herausgegeben, mit dessen Hilfe sich die Hypercholesterinämien einer Krankheit zuordnen lassen.

LDL-Cholesterin-Blutwert

Familienanamnese für Erkrankungen der Herzkranzgefässe (KHK)

Diagnose

> 220 mg/dl

positiv

Familiäre Hypercholesterinämie

negativ

Polygene Hypercholesterinämie

190-220 mg/dl

positiv

Familiäre kombinierte Hyperlipidämie (insb. bei erhöhten Triglyceriden)

negativ

Polygene Hypercholesterinämie

160-190 mg/dl

positiv

Familiäre kombinierte Hyperlipidämie (insb. bei erhöhten Triglyceriden)

negativ

Rein ernährungsbedingte Hypercholesterinämie

Die Diagnose einer Hypercholesterinämie verschlüsseln Ärzte mit dem ICD-10-Code E78 – "Störungen des Lipoproteinstoffwechsels und sonstige Lipidämien" beziehungsweise mit E78.0. – "Reine Hypercholesterinämie".

Krankengeschichte (Anamnese)

Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ist bei einer Hypercholesterinämie von entscheidender Bedeutung. Sie liefert dem Arzt Hinweise auf mögliche Ursachen und Risikofaktoren.

Dabei befragt Sie der Arzt zu Ihren Ernährungsgewohnheiten und Alkohol- oder Zigarettenkonsum. Nennen Sie dem Arzt auch bekannte Krankheiten, unter denen Sie leiden, beispielsweise Diabetes, Schilddrüsen- oder Lebererkrankungen. Unter anderem stellt Ihnen der Arzt folgende Fragen:

  • Rauchen Sie? Wie viel Alkohol trinken Sie in etwa?
  • Leiden Sie bereits unter Erkrankungen? Wenn ja, unter welchen?
  • Nehmen Sie dauerhaft Medikamente ein und wie heissen diese?
  • Verspüren Sie manchmal in den Beinen Schmerzen beim Spazierengehen, unter Umständen derart stark, dass Sie stehenbleiben müssen?
  • Haben Sie Familienmitglieder mit einer Hypercholesterinämie?

Körperliche Untersuchung

Nach der ausführlichen Befragung untersucht Sie Ihr Arzt körperlich. Risikofaktoren wie starkes Übergewicht lassen sich auf den ersten Blick feststellen. Wichtig ist auch, wie das Fett verteilt ist. Besonders das Bauchfett gilt im Zusammenhang mit einer Hypercholesterinämie als bedenklich.

Möglicherweise berechnet der Arzt Ihren BMI (Body-Mass-Index) aus Körpergewicht und -grösse. Darüber hinaus misst er Blutdruck und Puls und hört Herz und Lungen ab (Auskultation).

Risikoberechnung

Im Rahmen der Untersuchungen des Körpers und des Bluts bestimmt der Arzt einen Risikowert für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Wert gibt an, wie hoch das Risiko ist, dass der jeweilige Patient in den kommenden zehn Jahren einen Herzinfarkt erleidet.

Dafür gibt es verschiedene Berechnungssysteme. Verbreitet sind der PROCAM- und CARRISMA-Risikorechner, der Framingham-Score vor allem in den USA und der ESC-Score für tödliche Ereignisse. Alle berücksichtigen unter anderem erhöhte Cholesterinwerte.

Weitere Untersuchungen

Unter Umständen führt der Arzt weitere Untersuchungen durch. Gibt es Anzeichen für Krankheiten, die eine Hypercholesterinämie verursachen, gilt es, diese abzuklären. Mithilfe eines Ultraschalls (Sonografie) macht der Arzt zudem den Zustand grosser Schlagadern – beispielsweise der Halsschlagadern (Karotisarterien) – sichtbar und beurteilt den Grad der Gefässverkalkung.

Durch die sogenannte Doppler-Sonde (Duplex-Sonografie) lässt sich die Durchblutung der Arterien auch hörbar überprüfen. Besteht der Verdacht einer erblichen Hypercholesterinämie, ist es möglich, die Diagnose durch Gen- und Familienuntersuchungen zu bestätigen.

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf einer Hypercholesterinämie ist individuell sehr verschieden. Je nach Ursache unterscheidet sich das Ausmass des erhöhten Cholesterinspiegels. So haben Menschen mit erblich bedingter Hypercholesterinämie ein deutlich höheres Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Untersuchungen zeigen, dass betroffene Männer und Frauen oft schon vor dem 60. Lebensjahr ein Blutgerinnsel in den Herzkranzgefässen hatten.

Beim Risiko einer Gefässverkalkung und folgender Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen zudem viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Achten Sie deshalb auf einen gesunden Lebensstil. Befolgen Sie ausserdem den Rat Ihres Arztes und gehen Sie regelmässig zu Kontrolluntersuchungen.

Die einzelnen Therapieformen sprechen nämlich bei jedem Patienten unterschiedlich an. Letztendlich bestimmen Sie durch Ihren persönlichen Einsatz massgeblich den Erfolg der Behandlung und haben die Möglichkeit, den gefährlichen Folgeerkrankungen einer Hypercholesterinämie vorzubeugen.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autor:

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

ICD-Codes:
E78
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Arzneiverordnung in der Praxis "Fettstoffwechselstörungen", Arzneimittelkommission der Dt. Ärzteschaft
  • Cholesterinratgeber der Dt. Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen & Empfehlungen, unter: www.lipid-liga.de (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft, http://www.dgfett.de/ (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: ESC/EAS Pocket Guidelines. Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien (Version 2019), unter: leitlinien.dgk.org (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Nephrologie: Online Risikorechner für familiäre Hypercholesterinämie, unter: www.dgfn.eu (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V.: Fettstoffwechselstörungen, Stand: 2018, unter: http://www.lipid-liga.de/ (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag 2022
  • ICD-10-GM-2022 Code Suche, unter: www.icd-code.de (Abrufdatum: 03.02.2022)
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, 2. Auflage, 2012
  • Pschyrembel online, Klinisches Wörterbuch, unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 03.02.2022)
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich