Infektionskrankheiten durch Haustiere

Ene Schwangere Frau streichelt eine Katze.
Ene Schwangere Frau streichelt eine Katze. (niderlander)

Es sind vor allem Parasiten wie Bandwürmer, Spulwürmer und auch Einzeller, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Zwar können Haustiere, vor allem durch Bisse, auch Bakterien übertragen, und auch Pilze und Viren kann man sich schon einmal von einem Tier holen; aber all diese Infektionen sind vergleichsweise selten. NetDoktor recherchierte bei dem bekannten österreichischen Parasitologen Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck, Abteilung für medizinische Parasitologie des Klinischen Instituts für Hygiene, Universität Wien.

"Drei parasitäre Erkrankungen sind von der Häufigkeit bzw. von der Gefährlichkeit her die wichtigsten Krankheiten, die man sich von Haustieren holen kann", erläutert Aspöck, "nämlich die Toxoplasmose, die Echinokokkose und die Toxokarose. Besonders die Toxokarose (Infektion mit dem Hunde- oder Katzenspulwurm) ist häufiger als man meint und wird oft lange nicht erkannt."

Toxoplasmose

Die Toxoplasmose ist eine häufige Infektion, die durch den Einzeller "Toxoplasma gondii" hervorgerufen wird. Für immungesunde Personen ist diese Infektion zwar harmlos, sie tritt auch zumeist gar nicht in Erscheinung. Gefährlich ist allerdings die mögliche Übertragung auf den Fetus während einer Schwangerschaft. Auch für Personen, die an einer Immunschwäche leiden oder Medikamente nehmen müssen, die das Immunsystem schwächen, kann eine latente Toxoplasma-Infektion zur tödlichen Gefahr werden.

Die hauptsächliche Ansteckungsquelle der Toxoplasma-Infektion ist die Katze, genauer gesagt: der Katzenkot, der so genannte Oozysten, ein Entwicklungsstadium des Toxoplasma, enthält. Wichtig ist dabei zweierlei: Zum einen sollte jede Frau schon vor der Schwangerschaft wissen, ob sie immun oder nicht immun gegen Toxoplasma ist. Hat sie schon einmal in ihrem Leben eine Toxoplasma-Infektion gehabt, so besteht zumeist eine lebenslange Immunität, weil die Oozysten normalerweise im menschlichen Körper verbleiben, bei gesundem Immunsystem dort aber keine Krankheit hervorrufen können.

Aspöck: "Wenn eine solche Immunität besteht, ist keine Gefahr für die Schwangerschaft gegeben." Etwa 35 % aller Frauen im gebärfähigen Alter haben Antikörper gegen Toxoplasmen. 

Ist hingegen keine Immunität gegen Toxoplasma vorhanden, so ist es wichtig, darauf zu achten, dass keine Ansteckung während der Schwangerschaft erfolgt. Andernfalls sind schwere Schäden beim Ungeborenen zu befürchten. Die wichtigste Maßnahme ist dabei, die Katze ausschließlich mit Nahrung zu füttern, die sicher keine Erreger enthält. Das ist einerseits Dosenfutter, andererseits gekochtes Fleisch. Infektionsgefährdet ist die Katze dann, wenn sie Mäuse oder andere Kleintiere frisst, oder auch, wenn sie mit rohem Fleisch oder Innereien gefüttert wird, von denen nicht sicher ist, dass sie frei von Toxoplasmen sind.

Im Zweifelsfall ist es auch möglich, die Katze selbst auf Ausscheidung von Oozysten bzw. Immunität gegen Toxoplasmose untersuchen zu lassen. Etwa 0,5 bis 1 % aller Katzen scheiden in Europa Oozysten aus, wobei die Ausscheidung etwa zwei bis drei Wochen anhält. Normalerweise scheidet eine Katze nur einmal in ihrem Leben Oozysten aus und wird dann immun gegen den Erreger.

"Auf jeden Fall sollte eine schwangere Frau, die nicht immun gegen Toxoplasmen ist, wenn irgend möglich das Katzenkisterl nicht selbst ausleeren, um den Kontakt mit Katzenkot möglichst zu vermeiden", erklärt der Parasitologe.

Muss also bei Schwangerschaft die Katze aus dem Haus?

Aspöck: "Nur in besonders gelagerten Fällen, z. B. wenn die Schwangere keine Immunität hat und es nicht möglich ist, die Katze daran zu hindern, Mäuse zu fangen, wie etwa auf einem Bauernhof." 

In Österreich wird jede nicht-immune Schwangere alle zwei Monate auf Toxoplasmose untersucht. Ist in der Schwangerschaft tatsächlich eine Infektion mit Toxoplasma eingetreten, so kann man sie mit meist gutem Ausgang behandeln.

"Dabei ist es sehr wichtig, zu wissen, dass die Schwangere selbst bei einer Toxoplasma-Infektion zumeist keine Symptome hat."

Eine andere gefährliche Situation im Zusammenhang mit Toxoplasmen ist Immunschwäche, entweder durch Medikamente, wie man sie nach Transplantationen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen bekommt, oder durch HIV-Infektion.

"Bei diesen Patienten können im Körper schlummernde Toxoplasmen durch die Schwäche des Immunsystems aktiv werden und massive Krankheitsbilder, z. B. Hirnabszesse, erzeugen", sagt Aspöck.

Obwohl viele Menschen die Toxoplasmen ohnehin schon von Kindheit an mit sich herumtragen, ist es im Zweifelsfall für immungeschwächte Menschen ratsam, den Kontakt zu Hauskatzen zu vermeiden.

Echinokokkose

Selten, aber lebensgefährlich, ist die Infektion mit dem Hundebandwurm, Echinococcus granulosus, oder dem Fuchsbandwurm, Echinococcus multilocularis. Der Hundebandwurm löst die so genannte zystische Echinokokkose aus, von der es in Österreich maximal 70 Fälle pro Jahr gibt. Die gefährlichere, aber noch seltenere Form, die durch den Fuchsbandwurm ausgelöste alveoläre Echinokokkose, die unbehandelt die Leber vollständig zerstört, kommt nur maximal fünf- bis sechsmal pro Jahr in Österreich vor.

In beiden Fällen ist der Mensch im biologischen Kreislauf des Bandwurms ein "falscher Zwischenwirt", also eigentlich gar nicht als Träger des Bandwurms vorgesehen. Holen kann man sich den Wurm, wie der Name schon sagt, vom Hund bzw. vom Fuchs, selten auch von der Katze. Der Hund scheidet Glieder des Bandwurms aus, in denen Eier enthalten sind. Echinokokkuszysten in der Leber können beim Menschen sehr groß werden - in Extremfällen fassen sie bis zu 30 Liter Flüssigkeit. Solche Zysten können von erfahrenen Chirurgen zur Gänze entfernt werden.

Wie schützt man sich vor dieser Infektion?

Aspöck: "Ganz einfach: Man soll niemals Hunde, die man nicht kennt, streicheln und dann, ohne sich die Hände zu waschen, etwas essen oder die Finger zum Mund führen!" 

Hitze zerstört die Eier schnell. In Österreich sind allerdings weit weniger als 1 % der Hunde befallen, in Ländern Südosteuropas, Vorderasiens oder Nordafrikas sind es hingegen bis zu 50 % und mehr. Die Echinokokkose ist auch medikamentös behandelbar, wobei die vorhandenen Medikamente (Mebendazol, Albendazol) die Zysten zwar nicht beseitigen, diese aber immerhin im Wachstum behindern.

Toxokarose

Die Toxokarose entsteht durch den Hunde- oder Katzenspulwurm. Wenn der Mensch die Eier dieses Wurms von Hund oder Katze aufnimmt, entsteht eine Larve, die durch den menschlichen Körper wandert.

Aspöck: "Das Problem bei dieser Krankheit ist, dass sie oft sehr unspezifische Symptome macht und deshalb lange nicht erkannt wird." 

Schwere Symptome entstehen erst dann, wenn die Larve entweder ins Auge oder ins Gehirn gelangt. Ausgeschieden werden die Eier des Hundespulwurms vor allem von ganz jungen Hunden, die zumeist schon im Mutterleib angesteckt worden sind.

Bis zu 200.000 Eier pro Tag können von einem Wurm ausgeschieden werden. Auch diese Eier sind durch Hitze leicht zu zerstören. In Österreich sind ungefähr 3 % aller Menschen - einzelne Gruppen, wie Tierärzte, bis zu 30 % - von dieser Infektion betroffen, in den meisten Fällen allerdings ohne klinische Symptomatik. Die Toxokarose ist behandelbar, das Standardmedikament ist Albendazol.

 Pseudokrätze

Fast alle Haustiere haben Milben, die auch den Menschen befallen, sich aber am Menschen nicht vermehren können. Man spricht von "Pseudokrätze" oder "Pseudoskabies". Auch hier sind Immungeschwächte in einer schlechteren Position, weil sich bei ihnen diese Milben möglicherweise doch vermehren können.

Wer von einem Haustier gebissen wird, sollte in jedem Fall zum Arzt gehen und antibiotisch behandelt werden. "Generell muss man sagen, dass die Gefahr, sich bei seinem eigenen Haustier anzustecken, nicht sehr groß ist, wenn man gewisse Vorsichtsmaßnahmen befolgt und das Tier regelmäßig vom Tierarzt untersucht und geimpft wird", so Aspöck abschließend.

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