Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Von , Ärztin
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) ist eine tödlich verlaufende Krankheit des Nervensystems. Patienten leiden an schnell fortschreitender Demenz, Bewegungsstörungen oder Muskelzuckungen. Bisher gibt es keine Therapie. Lesen Sie hier mehr zu Symptomen, Diagnostik und Therapie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Alter Mann im Rollstuhl

Kurzübersicht

  • Symptome: Psychisch auffällig wie depressiv, apathisch, schnell fortschreitende Demenz, unkoordinierte Bewegungen und Muskelzuckungen, Empfindungs-, Gleichgewichts- sowie Sehstörungen, steife Muskulatur
  • Ursachen: Sporadische Form (ohne ersichtlichen Grund), genetische Ursache, Übertragung durch medizinische Eingriffe (iatrogene Form), durch Verzehr von befallenen Lebensmitteln oder Bluttransfusion (neue Form vCJK), Auslöser sind fehlgefaltete Proteine (Prionen), die sich vor allem in Nervenzellen ablagern, Gehirn lockert sich schwammartig auf
  • Vorbeugen: Verzicht auf Rindfleischprodukte aus Nervengewebe, wie Rinderhirn, eine Impfung gegen die Erkrankung gibt es derzeit nicht, neue Hygienevorschriften, wie bei der Verarbeitung von Fleisch, bei medizinischen Eingriffen und Bluttransfusionen, minimieren das Übertragungsrisiko
  • Untersuchungen:Überprüfen von Koordination und Reflexen, Untersuchung von Nervenwasser (Liquor) und Blut, Messung der Hirnströme (EEG), bildgebende Verfahren (MRT), sichere Bestätigung nach dem Tod durch Obduktion
  • Behandlung: Derzeit keine Therapie vorhanden, gegen Muskelzuckungen helfen Antikonvulsiva (wie Clonazepam oder Valproinsäure), Antidepressiva bei Depressionen, Neuroleptika bei Halluzinationen und Unruhe
  • Prognose: Keine Heilung möglich, tödlicher Verlauf, Dauer zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) nicht genau geklärt, vermutet werden Jahre bis Jahrzehnte

Was ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit?

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde erstmals 1920 von den Neurologen Creutzfeld und Jakob beschrieben. Sie zählt zu den sogenannten übertragbaren, schwammartigen Gehirnerkrankungen (transmissible spongiforme Enzephalopathien, TSE). Bei diesen Krankheiten lockert sich das Hirngewebe schwammartig auf, und das Gehirn verliert nach und nach seine Funktion.

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit tritt in verschiedenen Formen auf. Dazu zählen:

  • Sporadische CJK: Entsteht spontan ohne ersichtlichen Grund, ist am häufigsten mit 80 bis 90 Prozent der Fälle, betrifft zumeist Menschen, die älter als 59 Jahre sind
  • Familiäre CJK: Genetisch bedingt, macht sich meist um das 50. Lebensjahr bemerkbar
  • Iatrogene CJK: Übertragung über erkranktes Gewebe bei medizinischen Eingriffen, indirekt von Mensch zu Mensch
  • Variante CJK (vCJK): Übertragung durch Verzehr von befallenen Lebensmitteln (wie Fleisch von verseuchten Rindern oder Schafen) oder über Bluttransfusion, Durchschnittsalter weniger als 30 Jahre

Transmissible spongiforme Enzephalopathien sind nicht nur beim Menschen, sondern auch im Tierreich bekannt. Ihnen gemeinsam ist, dass sie leicht Artengrenzen überspringen, also zum Beispiel von einem Schaf auf ein Rind oder von einem Rind auf den Menschen übertragen werden. Seit etwa 200 Jahren ist die TSE "Scrapie" bei Schafen bekannt.

In den 1990er Jahren gab es vor allem in Grossbritannien viele Rinder mit einer bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE). Infolge dieser Epidemie tritt die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen seit 1996 auf. Bisher wurden weltweit mehr als 200 Fälle der vCJK gemeldet, davon kamen 178 Patienten aus Grossbritannien (Stand 2021).

In der Schweiz treten durchschnittlich zehn bis 15 Fälle von CJK pro Jahr auf, wobei die Diagnose immer auf die sporadische, genetische oder iatrogene Form lautet. Bisher gab es keine Fälle der neuen Variante von CJK.

Was sind die Symptome?

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit äussert sich in einer sogenannten Enzephalopathie – einem Sammelbegriff für Erkrankungen des Gehirns. Sie zeigt sich hauptsächlich durch folgende Symptome:

  • Psychische Auffälligkeiten: zum Beispiel Depression, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Apathie, Persönlichkeitsveränderungen
  • Schnell fortschreitende Demenz mit Verwirrtheit, veränderter Wahrnehmung, Konzentrationsstörungen
  • Unkoordinierte Bewegungen (Ataxie)
  • Unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien)
  • Empfindungsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Unkontrollierbare Muskelbewegungen (Chorea)
  • Muskelsteifigkeit (Rigor)
  • Sehstörungen

Bei der sporadischen Form ist das wichtigste Symptom die Demenz. Im Endstadium ist der Patient bewegungs- und teilnahmslos.

Bei der übertragenen neuen Variante vCJK überwiegen zunächst die psychischen Auffälligkeiten. Die Demenz und gestörte, unkontrollierte Bewegungen treten erst später im Verlauf der Krankheit auf.

Wie steckt man sich an?

Eine Ansteckung mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erfolgt auf verschiedenen Wegen. Eine iatrogene Übertragung bedeutet, dass die Ansteckung "durch einen Arzt verursacht" wurde. So ist zum Beispiel bei Operationen durch verunreinigtes neurochirurgisches OP-Besteck oder durch Bluttransfusionen eine Übertragung möglich. Weitere Beispiele sind eine Hornhauttransplantation am Auge oder eine Transplantation von harter Hirnhaut (Dura mater) unter der Voraussetzung, dass der Spender an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit litt.

Früher wurden Wachstumshormone aus der Hirnanhangdrüse von Leichen für eine Therapie verwendet. Auch dabei wurden die Operierten mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit infiziert, wenn die Spender erkrankt waren.

Eine andere Übertragungsform ist die orale Aufnahme der Erreger. Noch vor einigen Jahren gab es bei Stämmen in Neuguinea den Brauch, das Gehirn von Toten rituell zu verspeisen. Dadurch verbreitete sich die Krankheit (Kuru-Krankheit) dort stark. Auch die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine übertragene Form. Ursache ist höchstwahrscheinlich mit BSE-Erregern verseuchtes Rindfleisch, das von Patienten verspeist wurde.

Prionen als Auslöser

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wird durch sogenannte Prionen verursacht. Prionen sind infektiöse Eiweisspartikel (Proteine), die den meisten Desinfektionsverfahren widerstehen. Auch extreme Hitze oder radioaktive Strahlung haben keinen Einfluss auf sie. Grundsätzlich sind Prionen "blosse Eiweisse" und viel einfacher in ihrer Struktur als Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, die die meisten Infektionskrankheiten auslösen. Prionen sind als Krankheitserreger erst seit einigen Jahren bekannt und noch nicht abschliessend erforscht.

Wissenschaftler vermuten, dass Prionen entstehen, indem ein normales Protein fehlgefaltet wird und eine neue Struktur annimmt. Dieses Protein veranlasst wiederum andere Proteine, ebenfalls fehlerhafte Strukturen zu bilden. Auf diese Weise sammeln sich viele fehlgefaltete Eiweisse im Körper an und lagern sich vor allem in Nervenzellen ab. Die Nervenzellen werden geschädigt und gehen zugrunde, sodass eine schwammartige Auflockerung des Gehirns entsteht.

Wie entstehen die Prionen?

Für die Ausprägung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind auf unterschiedliche Art und Weise veränderte Prionen verantwortlich. Bei der sporadischen CJK ist bislang nichts über den genauen Entstehungsmechanismus der Prionen bekannt.

Die familiäre Creutzfeldt-Jakob-Krankheit entsteht aufgrund einer fehlerhaften Erbinformation. Eine Mutation im Erbgut bewirkt, dass sich Eiweisse fehlerhaft zusammensetzen und so Prionen entstehen. Bislang sind über 30 verschiedene Mutationen bekannt und allen liegt eine autosomal-dominante Vererbung zugrunde. Das bedeutet, dass sich diese Erbinformation gegenüber einer anderen durchsetzt und nur ein Elternteil das fehlerhafte Gen in sich tragen muss, damit auch das Kind erkrankt.

Steckt man sich beim Umgang mit Erkrankten an?

Eine direkte Übertragung der verschiedenen CJK-Formen von Mensch zu Mensch über soziale oder sexuelle Kontakte ist bisher nicht beschrieben worden. Somit besteht nach jetzigem Kenntnisstand keine Infektionsgefahr im täglichen Umgang mit erkrankten Personen sowie bei der Pflege.

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: BSE

Alles Wichtige zur bovinen spongiformen Enzephalopathie lesen Sie im Beitrag BSE.

Ist ein vorbeugender Schutz möglich?

Um sich vor der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu schützen, sollten Sie auf Rindfleischprodukte aus Nervengewebe, wie Rinderhirn, verzichten. Darüber hinaus wurde die Verfütterung von Tiermehlen an Nutztierarten verboten, um soweit wie möglich auszuschliessen, dass Risikomaterial in die menschliche Nahrungskette gelangt. Milch und Milchprodukte sind risikofrei. Eine Impfung gegen die Erkrankung gibt es bislang nicht.

Hygienevorschriften

Um die Übertragung bei medizinischen Eingriffen zu minimieren, hat das Bundesamt für Gesundheit besondere Hygiene-Richtlinien für den Schutz vor einer Übertragung von CJK bei invasiven Eingriffen erlassen.

Welche Untersuchungen und Diagnosen gibt es?

Die Diagnose der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit stellt der Arzt vor allem aufgrund von klinischen Symptomen. Vor der körperlichen Untersuchung stellt Ihnen der Arzt unter anderem folgende Fragen, um die Krankheitsgeschichte (Anamnese) zu erfassen:

  • Welcher Tag ist heute?
  • Wo befinden Sie sich?
  • Sind Sie zufrieden?
  • Litt ein Verwandter von Ihnen an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit?
  • Haben Sie eine Hornhauttransplantation erhalten?

Körperliche Untersuchungen

Anschliessend untersucht Ihr Arzt Sie körperlich und testet dabei die Funktionsweise des Nervensystems. Dazu zählen Koordinationsübungen oder Kraftmessungen sowie die Überprüfung von Reflexen und Berührungsempfinden.

Untersuchung des Nervenwassers

Häufig wird mit einer Lumbalpunktion Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) gewonnen. Dieses umfliesst Gehirn und Rückenmark und enthält mitunter Hinweise auf mögliche Krankheitsursachen. Der Arzt sticht unter örtlicher Betäubung am unteren Rücken des sitzenden Patienten eine Kanüle ein und schiebt sie bis zum sogenannten Spinalkanal vor, in dem sich das Rückenmark umgeben von Liquor befindet. Leidet der Patient an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, findet man in vielen Fällen erhöhte Konzentrationen an bestimmten Eiweissen wie zum Beispiel die Proteine „14-3-3“ oder „tau“. Bei der übertragenen Variante vCJK ist dies selten der Fall.

Eine neu entwickelte Methode, die "Real-Time Quaking-Induced Conversion" (RT-QuIC), weist bereits kleinste Mengen der fehlgefalteten Proteine im Liquor nach und ist so zu einem wichtigen Bestandteil der Diagnostik geworden.

Elektroenzephalografie (EEG)

Darüber hinaus leitet der Arzt die Hirnströme mit einer Elektroenzephalografie (EEG) ab. Dazu bringt er Elektroden am Kopf des Patienten an. Ein Gerät zeichnet die elektrischen Aktivitäten im Gehirn auf. Bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zeigen sich etwa ab zwölf Wochen nach Beginn der Erkrankung spezifische Veränderungen im EEG, die im weiteren Verlauf mitunter wieder fehlen. Bei der vCJK treten diese Veränderungen nur selten auf.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) lässt sich die schwammartige Auflockerung und Schrumpfung des Gehirns darstellen. Ausserdem sind Veränderungen, die auf mögliche Ablagerungen von Proteinen hindeuten, in bestimmten Gebieten des Gehirns (häufig in den Stammganglien) zu erkennen.

Blutuntersuchung

Derzeit werden Bluttests entwickelt, mit denen sich die sporadische und genetische Form der CJK nachweisen lässt. Diese neuen Tests messen hirnspezifische Neurofilamente (Bestandteile von Nervenzellen) im Blut, die bereits kurz vor dem Ausbruch der Erkrankung nachweisbar sind.

Obduktion

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit lässt sich erst nach dem Tod des Patienten sicher bestätigen. Der Pathologe entnimmt dazu Gewebsproben aus dem Gehirn und untersucht sie unter dem Mikroskop, nachdem mit Farbstoffen die Proteinablagerungen in den Nervenzellen gefärbt wurden. Bei etwa einem Drittel der Patienten sind auch in der Milz und in Muskeln Prionen vorhanden.

Wie ist die Behandlung?

Eine Therapie, die an den Ursachen der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit ansetzt, gibt es bisher nicht. Deshalb behandelt der Arzt gezielt im Rahmen einer sogenannten symptomatischen Therapie die einzelnen Symptome. Derzeit wird an entsprechenden Medikamenten geforscht, um die Krankheit zu heilen.

Gegen Muskelzuckungen helfen sogenannte Antikonvulsiva. Diese Medikamente werden auch bei der Therapie von Krampfanfällen angewendet. Bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kommen vor allem die Wirkstoffe Clonazepam und Valproinsäure zum Einsatz.

Antidepressiva werden darüber hinaus bei Depressionen, sogenannte Neuroleptika bei Halluzinationen und Unruhe eingesetzt.

Wie sind der Krankheitsverlauf und die Prognose?

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist nicht heilbar und endet nach kurzer Zeit immer tödlich. Wie lange es nach der Ansteckung dauert, bis die Krankheit ausbricht (Inkubationszeit), ist noch nicht abschliessend geklärt. Mediziner gehen davon aus, dass es Jahre bis Jahrzehnte dauert.

Je nachdem, an welcher Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit der Patient leidet, unterscheidet sich im Einzelfall der Verlauf. Die sporadische Form tritt meist zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf und schreitet rasch fort. Sie führt in der Regel innerhalb von sechs Monaten zum Tod. Die familiär bedingte Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verläuft etwas langsamer und beginnt bereits um das 50. Lebensjahr herum.

An der vCJK erkranken Patienten deutlich früher, noch vor dem 30. Lebensjahr. Die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit dauert länger und endet etwa nach zwölf bis 14 Monaten tödlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Patrick Bussfeld
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
A81
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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