Gürtelrose (Herpes zoster)

Gürtelrose Ausschlag
Eine Hand im Blauen Handschuh zeigt auf den Gürtelrose-Ausschlag auf dem Bauch eines Mannes (03-21-13 © gokhan ilgaz / iStockphoto)

Die Gürtelrose ist ein schmerzhafter, bläschenförmiger Ausschlag der Haut, der durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) aus der Familie der Herpes-Viren hervorgerufen wird. Herpes zoster ist nicht mit Herpes simplex zu verwechseln, der in Form von gruppierten Bläschen als "Fieberblasen" unter anderem an den Lippen (Herpes labialis) oder im Genitalbereich (Herpes genitalis) auftritt.

Entstehung
Symptome & Verlauf
Diagnose
Komplikationen
Behandlung

Die Gürtelrose ist eine häufige Krankheit. Die Ursache ist eine in der Vergangenheit, oft in der Kindheit erfahrene Varicella-Zoster-Virus Infektion, die Windpocken auslöst. Die Viren werden durch Tröpfcheninfektionen von einer Person auf die andere übertragen. Die Erstinfektion mit dem Varicella-Zoster-Virus findet meist in der Kindheit statt und verursacht Windpocken. Nach dem Abheilen verschwinden die Viren nicht vollständig aus dem Körper, sondern einige "schlummern" lebenslang im Körper. Sie können nach Jahren reaktiviert werden und eine Gürtelrose hervorrufen.

Wie entsteht die Gürtelrose?

Grundsätzlich kann das Varicella-Zoster-Virus zwei Erkrankungen auslösen:

Beim Erstkontakt, der zu 90% im Kindesalter erfolgt, verursacht das Virus Windpocken. Nach dem Abheilen der Erkrankung zieht es entlang der Nervenbahnen zu den Nervenwurzeln, wo es in einem inaktiven Zustand verharrt - das Virus "schläft".

Ein gesundes Immunsystem hält das Varicella-Zoster-Virus üblicherweise zeitlebens in Schach. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt (durch andere Erkrankungen oder hohes Lebensalter), können die Viren reaktiviert werden und eine weitere Erkrankung auslösen - die Gürtelrose.

Auch Stress kann eine Rolle spielen. Menschen, deren Immunsystem etwa durch HIV/Aids, eine Krebstherapie oder aufgrund einer Transplantation geschwächt ist, erkranken mit größerer Wahrscheinlichkeit an der Gürtelrose bzw. zeigen einen schwereren Krankheitsverlauf.

Hierzulande weisen nicht weniger als 98% der 40-Jährigen Antikörper gegen die Varicella-Zoster-Viren auf. Das bedeutet, dass sie Kontakt mit VZV hatten und immun gegen Windpocken sind.

Wie verläuft die Gürtelrose?

Die Gürtelrose verläuft meist in zwei Phasen: der Vorläufer- und der Akutphase. Nach anfänglichen Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und/oder Fieber kommt es nach zwei bis drei Tagen zur Akutphase. In dieser Phase bildet sich entlang des Haut-Versorgungsgebietes des betroffenen Nervs ein Ausschlag, der sich durch gruppiert stehende kleine Bläschen auf entzündlich gerötetem Untergrund bemerkbar macht. 

Symptome von Gürtelrose nach Phase
Vorläuferphase Akutphase Höhepunkt
Kopfschmerzen Ausschlag Bläschen platzen auf
Abgeschlagenheit Bläschen Verschorfung
Fieber entzündete, gerötete Haut  

Nach drei bis fünf Tagen hat die Gürtelrose ihren Höhepunkt erreicht. Danach platzen die Bläschen auf und verschorfen. Gürtelrose-Patienten sind ab dem Auftreten der Hautbläschen bis zu deren vollständigen Verkrusten ansteckend.

Vorläufer-/ Prodromalphase: Erste Anzeichen machen sich bemerkbar

Diese Phase ist individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Es können Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten und Fieber auftreten. In drei Viertel der Fälle entstehen brennende Schmerzen und ein Taubheitsgefühl im Bereich der Hautstellen, in denen das Virus die Nervenbahnen entlangwandert. Diese Nervenbahnen bilden typischerweise einen gürtelförmigen, von der Wirbelsäule Richtung Brustbein verlaufenden Halbkreis um den Körper - daher der Name Gürtelrose.

Wirklich gürtelförmig tritt die Gürtelrose jedoch nur in rund der Hälfte aller Fälle auf. Es können auch das Gesicht, die Beine, Füße, Arme und Hände sowie das Gesäß betroffen sein - Bereiche also, in denen die Nervenbahnen nicht gürtelförmig verlaufen. Dort können die Schmerzen und der Ausschlag groß- und kleinflächig auftreten. Charakteristischerweise befällt der Ausschlag nur eine Körperhälfte, ist also einseitig. Die Schmerzen können relativ heftig sein.

Akutphase der Gürtelrose

Nach zwei bis drei Tagen geht die Erkrankung in die Akutphase über. Entlang des Haut-Versorgungsgebietes des betroffenen Nervs bildet sich ein Ausschlag, der durch gruppiert stehende kleine Bläschen auf entzündlich gerötetem Untergrund charakterisiert ist. Damit erinnert er etwas an die Windpocken, ist aber im Gegensatz zu diesen immer auf einen bestimmten Bereich begrenzt.

Nach drei bis fünf Tagen hat der Ausschlag seinen Höhepunkt erreicht. Die Bläschen platzen auf, und es entstehen kleine Wunden, die nach und nach von Schorf bedeckt werden. Manchmal kann sich eine heftige Überempfindlichkeit gegenüber leichten Berührungen (Allodynie) zeigen. Nach zwei bis drei Wochen fällt der Schorf in der Regel ab.

Varicella-Zoster-Viren können auch die Hirnnerven befallen. Davon betroffen ist oftmals der Nervus trigeminus, der für die Versorgung des Gesichts verantwortlich zeichnet. In solchen Fällen kann der Ausschlag auch auf Stirn, Nase, Auge und an der Kopfhaut entstehen. Meist ist eine starke Lidschwellung zu sehen.

In seltenen Fällen kommt es zu einer Gürtelrose ohne Hautausschlag (Herpes sine herpete): Die betroffene Hautpartie schmerzt stark, zeigt jedoch keinerlei Veränderung. Weitere Sonderformen der Gürtelrose können bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auftreten. Dazu zählen jene Formen der Gürtelrose, die sich auf dem ganzen Körper ausbreitet (Zoster generalisatus), und jene, die sich auf beiden Körperhälften zeigt (Zoster bilateralis).

In rund 90 Prozent der Fälle ist die Gürtelrose nach einem Monat ausgeheilt. Nur selten dauert die Akutphase bis zu acht Wochen. Ist das Immunsystem stark geschwächt, besteht eine höhere Anfälligkeit für einen schweren Verlauf bzw. Komplikationen.

Wie wird Herpes zoster diagnostiziert?

Vor dem Auftreten der Hautveränderungen ist die Diagnose häufig unklar, weil Schmerzen als vordergründiges Symptom auf verschiedene Erkrankungen hindeuten können. Erst in Kombination mit dem typischen halbseitigen Ausschlag erkennt der Arzt für gewöhnlich recht schnell, dass es sich um eine Gürtelrose handelt.

Zur Diagnosesicherung können ein Tznach-Test mit dem Mikroskop und genetische Labormethoden (PCR) von Abstrichmaterial der Haut beitragen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Herpes-zoster-Komplikationen sind relativ häufig. Zu den lokalen, also den Ausschlag betreffenden Komplikationen zählen die Infektion des Ausschlags mit Bakterien und eine Narbenbildung der Haut. Weiters sind schwerwiegendere, folgenreiche Komplikationen möglich:

  • Post-Zoster-Neuralgie
  • Vernarbung
  • Bakterielle Infektion
  • Hornhaut- und Bindehautentzündung bis hin zur Erblindung (Zoster ophthalmicus) 
  • Entzündung des Hörnervs mit der Gefahr der Ertaubung (Zoster oticus)
  • Lähmungen, insbesondere Lähmung der Gesichtsmuskulatur (Facialisparese)
  • Hirnhautentzündung

Was ist die Post-Zoster-Neuralgie?

Eine schwerwiegende und oft langwierige Komplikation der Gürtelrose ist der Post-Zoster-Nervenschmerz (auch: Post-Zoster-Neuralgie, postherpetische Neuralgie), eine Form von neuropathischen Schmerz. In diesem Fall können die Schmerzen nach dem Abheilen des Ausschlags über Jahre weiterbestehen. Definitionsgemäß bestehen die Schmerzen bei der Post-Zoster-Neuralgie länger als vier Wochen oder treten erst vier Wochen nach einer schmerzfreien Phase auf. Ungefähr 10 - 20 Prozent aller unbehandelten an Gürtelrose Erkrankten entwickeln diese chronische Komplikation. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen.

Wie wird Gürtelrose behandelt?

Bei der Behandlung der Gürtelrose ist die möglichst zeitige Behandlung mit Virustatika, also einer Behandlung, die der Vermehrung von Viren entgegenwirkt, wichtig. Begleitend werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Somit soll die Dauer und Ausdehnung des Ausschlages eingeschränkt werden.

Meist erfolgt neben einer Schmerztherapie auch eine lokale Therapie mit z.B. einer Zinkschüttelmixtur.

++ Mehr zum Thema: Gürtelrose Behandlung ++

Ist die Gürtelrose ansteckend?

Sowohl die Windpocken als auch die Gürtelrose sind bei einer Erstinfektion sehr ansteckend. Die Windpocken werden durch eine Tröpfcheninfektion , das heißt beim Sprechen, Atmen, Niesen oder Husten übertragen, wobei eine Ansteckung auch über größere Distanzen ("mit dem Wind") möglich ist. Eine Infektion durch geplatzte Bläschen (Schmierinfektion) ist eher selten.

Personen, die bereits die Windpocken hatten, müssen selbst bei engem Kontakt zu Menschen mit Gürtelrose keine Ansteckung befürchten. Auch Personen, die gerade eine Gürtelrose haben, sind grundsätzlich keine besonderen Verhaltensregeln zum Vorbeugen einer Ansteckung ihrer Mitmenschen nötig, da Herpes zoster wenig ansteckend ist. Eine Ausnahme gilt für Schwangere und immungeschwächte Personen.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Personen mit Immunschwäche sowie Schwangere sollten den Kontakt mit Menschen, die an Gürtelrose erkrankt sind, unbedingt meiden. In der Schwangerschaft kann eine Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus vor der 24. Schwangerschaftswoche sowie kurz vor der Geburt zu Missbildungen des Kindes bzw. Komplikationen führen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Ichiro Okamoto

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Zoster und Zosterschmerzen. Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Stand Juli 2007. 

Tschachler E: Herpes zoster. AKH Consilium. 
Schulzeck S, Gleim M: Zosterneuralgie. Schmerztherapie der akuten Phase und bei Post-Zoster-Neuralgie. Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie 44 (10) 2009, S. 640-655.

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