Gürtelrose-Impfung

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Gürtelrose-Impfung kann sowohl vor dem Hautausschlag als auch vor den begleitenden Nervenschmerzen schützen. Für wen eine Impfung gegen Gürtelrose sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen sie haben kann, lesen Sie hier!

Gürtelrose-Impfung für ältere Frau

Was ist die Gürtelrose-Impfung?

Die Experten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen die Gürtelrose-Impfung für ältere Menschen und Personen, die in naher Zukunft eine immunschwächende Therapie erhalten (z.B. Chemotherapie).

Sie kann vor einer Gürtelrose (Herpes zoster) an der Haut schützen. Außerdem kann die Gürtelrose-Impfung der begleitenden Nervenentzündung vorbeugen. Diese äußert sich durch starke Schmerzen im betroffenen Hautareal. Die Schmerzen können auch noch Wochen und Monate nach Abklingen der Hautveränderungen anhalten (Postzoster-Neuralgie). Im Körper schlummernde Windpocken-Viren lösen den schmerzhaften Hautausschlag einer Gürtelrose hervor.

Der Gürtelrose-Impfstoff

Für die Gürtelrose-Impfung (Herpes-zoster-Impfung) empfehlen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) einen Lebendimpfstoff. Er enthält abgeschwächte (gemilderte) Gürtelrose-Erreger (= Windpocken-Erreger, Varizella-zoster-Viren), die das Immunsystem zur Bildung spezifischer Antikörper anregen.

Es gibt auch einen Totimpfstoff gegen Gürtelrose, der bestimmte Bestandteile des Gürtelrose-Erregers enthält. Dieser ist in der Schweiz jedoch derzeit noch nicht zugelassen.

Die Gürtelrose-Impfung ist nicht zum Schutz vor einer Windpocken-Erstinfektion zugelassen. Dagegen gibt es eine eigene Windpocken-Impfung.

Gürtelrose-Impfung: Wem wird sie empfohlen?

Sinnvoll ist die Gürtelrose-Impfung für ältere Menschen, weil sie deutlich häufiger an Herpes zoster erkranken können als jüngere. Vor allem Personen mit einer schweren Grunderkrankung oder einem schwachen Immunsystem (entweder krankheitsbedingt oder infolge einer Behandlung wie Chemotherapie) sind gefährdet: Sie sind nicht nur anfälliger für eine Gürtelrose-Erkrankung, sondern entwickeln auch öfters schwere Verläufe und Komplikationen.

Deshalb empfehlen die Experten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) die Gürtelrose-Impfung mit dem Lebendimpfstoff hierzulande folgenden Personengruppen:

  • Personen im Alter von 65 bis 79 Jahren, die ihr Gürtelrose-Risiko senken möchten.
  • Menschen im Alter von 50 bis 79 Jahren, bei denen in naher Zukunft eine abwehrunterdrückende Therapie (Immunsuppression z.B. bei Chemotherapie oder Kortisontherapie) geplant ist.

Der Gürtelrose-Impfstoff ist erst ab einem Alter von 50 Jahren zugelassen!

Gürtelrose-Impfung: Wer darf nicht geimpft werden?

In folgenden Fällen darf die Gürtelrose-Impfung nicht verabreicht werden:

  • Bei bekannter Allergie auf einen der Bestandteile des Impfstoffes
  • Wenn nach der ersten Dosis der Gürtelrose-Impfung allergische Reaktionen aufgetreten sind
  • Bei aktiver, unbehandelter Tuberkulose sowie bei Personen mit einer mittelgradigen oder schweren Störung der zellulären Immunabwehr
  • Wenn jemand gerade eine akute, schwere, fieberhafte Erkrankung hat (dann sollte die Impfung auf später verschoben werden)
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit

Für Kinder und Jugendliche ist die Gürtelrose-Impfung nicht vorgesehen. Ohnehin ist der verfügbare Lebendimpfstoff für diese Altersgruppe nicht zugelassen.

Gürtelrose-Impfung: Wie oft wird geimpft?

Damit die Gürtelrose-Impfung mit dem Lebendimpfstoff ihre volle Wirkung entfalten kann, ist nur eine Impfdosis nötig. Der Arzt spritzt sie in der Regel unter die Haut oder in den Muskel im Oberarm bzw. im Schulterbereich.

Leiden Sie unter einem geschwächten Abwehrsystem, dann besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt, wann der richtige Zeitpunkt für die zwei Gürtelrose-Impfungen ist. Das gilt besonders dann, wenn Ihre Immunschwäche durch eine medizinische Behandlung (wie Chemo- oder Kortisontherapie) bedingt ist.

Gürtelrose-Impfung: Auffrischung?

Die Frage, ob und wann man die Gürtelrose-Impfung auffrischen sollte, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig beantworten. Dafür sind noch weitere Langzeitbeobachtungen von Geimpften nötig. Einen Zeitpunkt für eine Gürtelrose-Auffrischimpfung gibt es also nicht.

Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die Schutzwirkung der Gürtelrose-Impfung (Totimpfung) nach vier Jahren nur leicht abgenommen hat. Weitere Studien deuten darauf hin, dass Geimpfte auch noch deutlich länger vor Gürtelrose geschützt sind.

Gürtelrose-Impfung: Wie wirksam ist sie?

Sowohl einer Gürtelrose-Erkrankung als auch anhaltenden Nervenschmerzen (postherpetische Neuralgie, Postzosterschmerz) kann der empfohlene Gürtelrose-Lebendimpfstoff gut vorbeugen. Er ist für Menschen in der Schweiz ab 50 Jahren zugelassen. Studien zeigen, dass durch die Impfung für einen Zeitraum von drei Jahren ungefähr die Hälfte der Gürtelrose-Fälle und rund zwei Drittel der Fälle einer postherpetischen Neuralgie bei gesunden Über-60-jährigen vermieden werden können.

Mit der Zeit nimmt der Impfschutz leicht ab: So sinkt zwischen vier und sieben Jahre nach der Impfung die Wirksamkeit des Impfstoffs auf etwa 40 Prozent der vermiedenen Fälle von Gürtelrose und 60 Prozent der vermiedenen Post-Zoster-Neuralgien.

Gürtelrose-Impfung: Nebenwirkungen

Die Gürtelrose-Impfung mit dem Lebendimpfstoff gilt als sicher. Die Studien, die zur Zulassung (Genehmigung) des Impfstoffes durchgeführt werden mussten, erbrachten keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen oder das Auftreten von Autoimmunerkrankungen infolge der Impfung.

Etwa jeder zweite Geimpfte entwickelt lokale Reaktionen an der Einstichstelle (Schmerzen, Rötung, Schwellung). Auch allgemeine Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen, sowie Müdigkeit treten in manchen Fällen auf. Die meisten dieser Impfreaktionen verlaufen jedoch leicht.

Diese Nebenwirkungen der Gürtelrose-Impfung zeigen, dass der Körper auf den Lebendimpfstoff reagiert. Sie klingen meist schon nach ein bis vier Tagen wieder ab.

Gürtelrose-Impfung: Was sonst noch wichtig ist

Kombination mit anderen Impfungen

Die Zielgruppen der Gürtelrose-Impfung und der Influenza-Impfung (Grippeimpfung) überschneiden sich teilweise: Für Senioren sind in der Regel beide Impfungen ratsam. Diese können auch gleichzeitig verabreicht werden - vorausgesetzt, für die Grippe-Impfung wird ein Totimpfstoff (inaktivierter Impfstoff) ohne sogenannte Wirkverstärker (Adjuvantien) verwendet.

Ob - abgesehen von der Grippe-Impfung ohne Wirkverstärker - auch andere Impfungen zugleich mit der Impfung gegen Gürtelrose gespritzt werden können, weiß man bislang nicht.

Gürtelrose-Impfung nach Erkrankung

Zwar erkranken die meisten Menschen nur einmal an Herpes zoster, einige aber auch mehrmals. Das bedeutet: Auch wenn Sie schon einmal die Gürtelrose hatten, kann die Impfung gegen Gürtelrose noch sinnvoll sein. Sie verringert dann das Risiko, dass Sie erneut die schmerzhafte Nervenentzündung (eventuell mit Komplikationen) entwickeln. Ärzte verabreichen die Impfung, sobald die Erkrankung vorüber ist und die akuten Symptome abgeklungen sind.

Die Impfung eignet sich nicht zur Behandlung der Gürtelrose oder ihrer Spätfolgen (wie postherpetische Neuralgie)!

Impfung ohne bekannte Windpocken-Erkrankung?

Manche Menschen wissen nicht, ob sie schon einmal die Windpocken (auch Varizellen, Spitze Blattern oder Wilde Blattern genannt) hatten und deshalb an Gürtelrose erkranken können. Allerdings sind Windpocken-Viren hoch ansteckend. Daher geht man davon aus, dass fast die ganze erwachsene Bevölkerung (99 Prozent) über 40 Jahren in der Schweiz bereits Windpocken hatte und den Erreger somit schlummernd in sich trägt. Die Gürtelrose-Impfung macht also auch Sinn, wenn Sie sich bezüglich einer früheren Windpocken-Erkrankung unsicher sind.

Nur in bestimmten Fällen stellen Mediziner vor der Impfung mittels eines Bluttests sicher, dass jemand bereits Windpocken hatte (erkennbar an spezifischen Antikörpern im Blut). Das gilt bei Immundefekte und vor einer geplanten Therapie, die das Immunsystem unterdrückt (immunsuppressive Therapie) wie vor einer Organtransplantation. Ergibt der Bluttest, dass der Betreffende noch nicht Windpocken hatte, ist hier statt der Gürtelrose-Impfung die Impfung gegen Windpocken ratsam.

Gürtelrose-Impfung: Kosten

In der Schweiz werden die Kosten für den Gürtelrose-Impfstoff von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung derzeit nicht erstattet. Wer sich in der Schweiz gegen Gürtelrose impfen lassen möchte, kann den Lebendimpfstoff kostenpflichtig in der Apotheke anfordern und diesen von seinem Arzt verimpfen lassen. Viele private Krankenversicherungen bezahlen die Impfung gegen Herpes zoster oder übernehmen zumindest einen Teil der Kosten.

Gürtelrose-Impfung knapp: Wer bekommt sie?

Manchmal werden Impfstoffe knapp. Das kann auch die Gürtelrose-Impfung betreffen, beispielsweise in Krisenzeiten: Der Impfstoff kann dann nicht mehr ausreichend hergestellt und geliefert werden. Was Ärzte tun, wenn diese Lieferengpässe bei der Gürtelrose-Impfung auftreten, lesen Sie in unserem Artikel Impfstoffknappheit.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
B02B01
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF): Evaluation der Impfung gegen Herpes zoster gemäss den Analysekriterien für nationale Impfempfehlungen in der Schweiz, Dezember 2015
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Windpocken & Gürtelrose, unter: www.bag.admin.ch (Abrufdatum: 18.08.2021)
  • Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK): Impfplan Österreich 2021, unter: www.sozialministerium.at (Abrufdatum: 18.08.2021)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): "Gürtelrose-Impfung bei Erwachsenen"; unter: www.impfen-info.de (Abruf: 07.05.2020)
  • Fachinformationen zu Gürtelrose-Impfstoffen, unter: www.fachinfo.de (Abrufdatum: 18.08.2021)
  • Robert Koch-Institut (RKI): "Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung"; unter: www.rki.de (Abruf: 07.05.2020)
  • Swissmedic, die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte: Zugelassene Impfstoffe und Blutprodukte, unter: www.swissmedic.ch (Abrufdatum: 18.08.2021)
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