Nervenschmerzen

Von , Medizinredakteurin
Tanja Unterberger

Tanja Unterberger studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. 2015 begann sie ihre Arbeit als Medizinredakteurin bei NetDoktor in Österreich. Neben dem Schreiben von Fachtexten, Magazinartikeln sowie News bringt die Journalistin auch Erfahrung im Podcasting und in der Videoproduktion mit.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Nervenschmerzen (auch neuropathische Schmerzen genannt) treten häufig infolge einer Schädigung von Nerven des peripheren oder zentralen Nervensystems auf. Weitere mögliche Auslöser sind eine Fehlfunktion oder eine Funktionsstörung. Von den Schmerzen betroffen sind oft Kopf, Arme, Hände, Beine und Füße. Häufige Ursachen sind Krankheiten, Entzündungen, Infektionen oder Verletzungen. Für die Therapie setzt der Arzt Medikamente und Physiotherapie ein, manchmal ist eine Operation notwendig. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlung lesen Sie hier!

Mann mit Nervenschmerzen wird von einem Arzt untersucht

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Schmerzen, die durch Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven entstehen.
  • Behandlung: Die Therapie orientiert sich an der Ursache. Meist behandelt der Arzt die Schmerzen mit Medikamenten. Infrage kommen außerdem Krankengymnastik, Akupunktur, Psychotherapie, Operation.
  • Symptome: Typische Symptome sind einschießende, elektrisierende, stechende oder brennende Schmerzen, Kribbeln, Taubheit sowie verstärkte Schmerzen durch Reize, die eigentlich keine Schmerzen auslösen, z.B. Berührung (Allodynie).
  • Ursachen: Häufige Ursachen sind Verletzungen (z.B. nach Unfall), Quetschungen (z.B. Bandscheibenvorfall), Entzündungen (z.B. Gürtelrose) oder Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Multiple Sklerose).
  • Diagnose: Gespräch mit dem Arzt, neurologische Untersuchungen (z.B. Testung der Nervenfasern auf Wärme, Kälte, Vibration, Druck)
  • Verlauf: Die Heilungschancen variieren sehr stark, da sie von der jeweiligen Ursache abhängen. Werden die Schmerzen nicht frühzeitig behandelt, werden sie unter Umständen chronisch. In vielen Fällen lässt sich die Lebensqualität durch geeignete Therapien deutlich verbessern.
  • Vorbeugen: Gesunder Lebensstil (z.B. regelmäßig bewegen, ausgewogen ernähren, Stress vermeiden)

Was sind Nervenschmerzen?

Bei Nervenschmerzen – auch neuropathische Schmerzen genannt – handelt es sich um Schmerzen, die auftreten, wenn Nerven und deren Strukturen (z.B. Nervenfasern, Nervenzellen) gereizt oder geschädigt sind. Die Schädigungen treten etwa durch Entzündungen der Nerven, aber genauso bei Verletzungen nach einem Unfall oder einer Erkrankung wie Multiple Sklerose oder Diabetes mellitus auf.

Typisch sind teils starke Schmerzen, die anfallsartig einschießen. Sie sind mal brennend, stechend oder dumpf. Auf herkömmliche Schmerzmedikamente sprechen Nervenschmerzen wenig bis gar nicht an. Dabei treten häufig auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit an den betroffenen Stellen auf. Neuropathische Schmerzen strahlen meist in den Körperbereich aus, der von einem oder mehreren Nerven versorgt wird (z.B. Arme, Beine, Kopf, Haut, Rücken). Die Schmerzen sind oder werden bei Betroffenen unter Umständen chronisch.

Der Begriff "Neuropathie“ ist ein Überbegriff für Erkrankungen der Nerven. Man unterscheidet zentrale Neuropathien, also solche, die vom zentralen Nervensystem (kurz ZNS: Gehirn und Rückenmark) ausgehen, von peripheren Neuropathien. Hier sind Nerven außerhalb des ZNS die Schmerzursache. Eine Neuropathie betrifft entweder einzelne Nerven (Mononeuropathie) oder mehrere Nerven (Polyneuropathie).

Wie unterscheiden sich Nervenschmerzen von anderen Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen unterscheiden sich von anderen Schmerzen wie zum Beispiel Kopf- oder Rückenschmerzen. Hier sind die Nerven nur die „Übermittler“ der Schmerzen. Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven selbst die Auslöser oder zumindest in Teilen die Schmerzursache.

Wer ist betroffen?

In Deutschland sind Schätzungen zufolge insgesamt etwa fünf Millionen Menschen von Nervenschmerzen betroffen. Bei Tumorpatienten treten neuropathische Schmerzen bei circa 20 Prozent auf, bei chronischen Schmerzpatienten etwa bei 35 Prozent aller Betroffenen.

Neuropathische Schmerzen gehören neben Rückenschmerzen und Kopfschmerzen zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen.

Was kann man gegen Nervenschmerzen tun?

Neuropathische Schmerzen behandelt der Arzt je nach Ursache auf unterschiedliche Weise. Häufig kommt eine Kombination aus mehreren Maßnahmen infrage. Hierzu gehören beispielsweise Medikamente, Akupunktur, Physiotherapie, Psychotherapie, Entspannungsverfahren und Patientenschulungen sowie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).

Behandlung der auslösenden Ursache

Bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen versucht der Arzt zunächst, die Ursache der Neuropathie (Nervenschädigung) zu beseitigen bzw. so gut wie möglich zu behandeln. Dazu ist es beispielsweise notwendig, dass Betroffene, falls möglich, auf potenziell nervenschädigende Substanzen (z.B. Alkohol oder bestimmte Krebsmedikamente) verzichten. Löst eine Erkrankung wie etwa Diabetes mellitus die Nervenschmerzen aus, behandelt der Arzt zuerst diesen (z.B. durch eine verbesserte Einstellung des Blutzuckers mit Medikamenten).

Ist eine Bakterien- oder Virusinfektion (z.B. bei Gürtelrose) für die Schmerzen verantwortlich, verabreicht der Arzt Antibiotika gegen Bakterien bzw. Medikamente gegen Viren (Virostatika). Manche Erkrankungen wie etwa das Karpaltunnelsyndrom oder bestimmte Tumorerkrankungen drücken mitunter auf die Nerven, zwängen sie ein oder schädigen sie anderweitig.

Dann ist eine Operation nötig, die die Nerven vom Schmerzauslöser befreien, etwa wenn diese eingeklemmt sind. Manchmal wird der Arzt die Schmerzen auch ausschalten, in dem er die betroffenen Nerven mit Medikamenten verödet.

Behandlung mit Medikamenten

Neuropathische Schmerzen sind nicht leicht zu behandeln, weil viele „klassische" Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (nicht-steroidale Antirheumatika, kurz: NSAR), nicht oder nicht ausreichend wirken.

Der Arzt setzt daher meist folgende Schmerzmittel gegen Nervenschmerzen ein, die deutlich wirksamer sind:

Antikonvulsiva (z.B. die Wirkstoffe Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin) als Kapseln, Tabletten und als Lösung zum Einnehmen; wirken krampflösend, verringern die Reizweiterleitung an den Nervenbahnen, vermindern die Erregbarkeit der Nerven

Trizyklische Antidepressiva (z.B. die Wirkstoffe Amitriptylin, Imipramin oder Doxepin) als Tabletten, Dragées, Tropfen und als Spritze; wirken schmerzlindernd, verstärken die Wirkung von Schmerzmitteln

Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. die Wirkstoffe Duloxetin, Venlafaxin, Milnacipran) als Tabletten, Kapseln oder Pellets; wirken schmerzlindernd, hemmen die Schmerzempfindlichkeit

Opiate (z.B. die Wirkstoffe Tramadol, Hydromorphon, Fentanyl) in allen möglichen Darreichungsformen: Tablette, Kapsel, Lösung, Pflaster, Spritze, Infusion, Nasenspray, Brausetablette, Lutschtablette, Zäpfchen oder Tropfen; wirken stark schmerzlindernd, unterdrücken die Weiterleitung sowie Verarbeitung von Schmerzreizen

Örtliche Schmerztherapie (z.B. die Wirkstoffe Lidocain, Capsaicin, Botulinumtoxin) als Salben, Pflaster oder Spritzen; wirken betäubend und schmerzlindernd

Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, wie das jeweilige Mittel zu dosieren und anzuwenden ist.

Behandlung ohne Medikamente

Darüber hinaus wirken auch Behandlungen ohne Medikamente unterstützend gegen Nervenschmerzen. Dazu zählen beispielsweise:

Krankengymnastik: Eine Physio- und/oder Ergotherapie hilft in vielen Fällen, Nervenschmerzen zu lindern. Sie umfasst unter anderem Übungen, die Muskeln kräftigen, Massagen und physikalische Behandlungen (z.B. Anwendungen mit Wärme, Kälte, Licht oder elektrischen Reizen).

Mithilfe der Therapie lernen Betroffene, dass man sich auch mit Schmerzen bewegen kann. Wesentliches Ziel dabei ist es, gemeinsam mit dem Patienten und dessen Familie, Angehörigen und Umfeld (z.B. Arbeitsplatz), Bewegung und die Teilnahme am aktiven Leben zu fördern.

Akupunktur: Auch Akupunktur hilft bei Nervenschmerzen. Dazu sticht der Akupunkteur feine Einmalnadeln in bestimmte Hautpunkte des Körpers. Dies verursacht kaum Schmerzen. Dort bleiben sie etwa 20 bis 30 Minuten und entfalten ihre schmerzlindernde Wirkung, während der Patient sich auf der Liege entspannt.

Ruhigstellen des betroffenen Körperteils (z.B. mittels Schiene): Manchmal hilft es, den betroffenen Körperbereich mittels Schienen oder Bandagen vorübergehend ruhig zu stellen. Dies empfiehlt sich zum Beispiel, wenn Nerven durch eine Verletzung gereizt oder entzündet sind.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Auch die TENS hilft Menschen mit Nervenschmerzen manchmal. Dabei werden elektrische Impulse mittels Hautelektroden auf betroffene Körperteile übertragen. Der Strom reizt die im Gewebe liegenden Nerven, wodurch das Gehirn chemische Substanzen freisetzt, die die Schmerzwahrnehmung dämpfen.

Kältetherapie: Auch Kältemaßnahmen wie kühlende Sprays, Kältepackungen oder kalte Wickel versprechen vielen Menschen mit Nervenschmerzen Linderung. Oft hilft auch ein Aufenthalt in einer Kältekammer. Dazu stellen Sie sich mit Badehose oder Bikini zuerst für eine halbe Minute in eine minus 60 Grad Celsius kalte Vorkammer, anschließend für etwa zweieinhalb Minuten in eine Kammer bei minus 110 Grad Celsius.

In die Kältekammer sollten Sie nur nach einem ärztlichen Check und auf Empfehlung Ihres Arztes gehen. Wichtig dabei ist, dass Sie gesund sind und sich wohlfühlen.

Entspannungsübungen: Entspannungstechniken setzen das Schmerzempfinden (zusätzlich) herab. Dazu zählen etwa autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson, Hypnose, Meditation oder Biofeedback.

Psychotherapie: Auch eine begleitende psychologische Unterstützung (z.B. eine Psychotherapie) wirkt unterstützend gegen Nervenschmerzen. Dabei lernen Betroffene, mit den Schmerzen umzugehen und Möglichkeiten zu finden, trotz der Schmerzen ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen (Schmerzakzeptanz). Viele Schmerzpatienten reduzieren dadurch die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich.

Tipps und Hausmittel

Einige Menschen mit Nervenschmerzen berichten, dass ihnen bestimmte Hausmittel Linderung verschaffen. Demnach können vor allem Wärme und/oder Kälte gegen die Schmerzen helfen. Für Kälteanwendungen eignen sich Kühlkompressen, für Wärmeanwendungen warme Bäder oder Heizkissen. Manche profitieren auch von Wechselbädern in warmem und kaltem Wasser.

Falls die Nervenschmerzen von Taubheit oder Missempfindungen begleitet sind, gilt es darauf zu achten, dass Wärme- und Kälteanwendungen nicht zu Verbrühungen und Verbrennungen sowie im Fall von Kälte zu Erfrierungen führen. Schließlich spüren Betroffene unter Umständen nicht oder nur eingeschränkt, wenn es zu kalt oder zu heiß ist.

Auch eine gesunde Ernährung, die viele B-Vitamine enthält, ist bei Nervenschmerzen hilfreich. Vor allem Vitamin B6 und B12 benötigt der Körper für eine optimale Nervenversorgung. Diese kommen vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milch vor, aber auch in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.

Pflanzliche und homöopathische Mittel

Auch pflanzliche Arzneimittel, Heilkräuter oder homöopathische Mittel wie Globuli sollen manchen Menschen mit Nervenschmerzen helfen. In Form von Tees, Auszügen, Tinkturen, Salben, Kapseln oder Wickeln eingenommen oder angewendet, sollen sie schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Speziell gegen Nervenschmerzen sollen sich zum Beispiel die Rinde der Silberweide, Weihrauch, Chili (enthält Capsaicin), Teufelskralle, Beinwell und Arnika bewährt haben.

Homöopathische Mittel wie Globuli mit Spigelia (Wurmkraut) sollen außerdem bei regelmäßig auftretenden Schmerzen helfen. Bei akut auftretenden Nervenschmerzen soll Verbascum (Königskerze) Linderung verschaffen.

Die Wirksamkeit von Hausmitteln, pflanzlichen und homöopathischen Mitteln ist bislang nicht oder nur unzureichend durch Studien belegt. Wenden Sie diese nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt an!

Grundsätzlich sollten Nervenschmerzen frühzeitig von einem Arzt abgeklärt und behandelt werden!

Operation

Lassen sich die neuropathischen Schmerzen trotz verschiedener Therapieansätze nicht ausreichend lindern, hilft je nach Ursache nur eine Operation gegen die Nervenschmerzen.

Dazu führt der Arzt zum Beispiel eine Neuromodulation durch. Hier setzt er operativ Elektroden in der Nähe des Rückenmarks ein. Diese geben spezielle elektrische Impulse ab, die die neuropathischen Schmerzen deutlich verringern. Oft sind Betroffene danach in der Lage, die Einnahme von Schmerzmitteln um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.

Manchmal muss der Arzt Nervenfasern des betroffenen Nervs teilweise oder vollständig operativ entfernen oder einen Teil des Nervs herausschneiden und so durchtrennen, um den Schmerz „auszuschalten“.

Ist ein Nerv eingeklemmt, legt der Arzt den Nerv durch eine Operation frei, um den Druck zu beseitigen, der die Schmerzen verursacht.

Bei neuropathischen Schmerzen besteht das Risiko, dass der Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt und die Schmerzen chronisch werden. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, dass ein Arzt die Nervenschmerzen möglichst früh und wirksam

Wie äußern sich neuropathische Schmerzen?

Die Symptome bei Menschen mit neuropathischen Schmerzen können sich deutlich voneinander unterscheiden und im Laufe der Zeit mal mehr, mal weniger intensiv sein.

Betroffene beschreiben die schmerzhaften Symptome häufig als:

  • brennend
  • kribbelnd (z.B. Ameisenlaufen)
  • stechend
  • einschießend
  • elektrisierend

Die Symptome treten oft in Ruhe auf. Manchmal empfinden Betroffene bereits sanfte Berührungen oder warmes Wasser als schmerzhaft. Das bezeichnen Mediziner als Allodynie. Von Hyperalgesie spricht der Arzt, wenn ein schmerzhafter Reiz viel stärkere Schmerzen auslöst, als es bei Menschen ohne Nervenschmerzen der Fall wäre. Beides ist typisch für neuropathische Schmerzen.

Weitere Symptome sind:

  • Verminderte Wahrnehmung von Vibrationen
  • Reduziertes Temperaturempfinden
  • Kribbelndes bis taubes Gefühl (Hypästhesie) im betroffenen Bereich
  • Schwäche bis hin zu Lähmungen

Da neuropathische Schmerzen einerseits schwierig zu behandeln, andererseits für die Betroffenen besonders belastend sind, ist das Risiko hoch, dass die Schmerzen chronisch werden.

Nervenschmerzen führen aufgrund ihrer Intensität bei den Betroffenen oft zu weiteren Beschwerden wie Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Angstzuständen und Depressionen.

Wo treten die Schmerzen auf?

Da Nervenstränge den gesamten Körper durchziehen, sind Schmerzen in nahezu allen Körperbereichen möglich. Betroffen davon sind beispielsweise: der Kopf (z.B. Kopfhaut), der Nacken, das Gesicht (z.B. hinter dem Ohr), der Hals (meist seitlich), der Rumpf, die Rippen, der Rücken, die Schulter, die Arme (z.B. Unterarm, Oberarm), die Hände, die Beine (z.B. Oberschenkel, Knie), die Füße (vor allem am Fußrücken), die Zehen, die Zähne, der Kiefer, die Haut, der Bauch, der Beckenboden.

Wie entstehen Nervenschmerzen?

Nervenschmerzen haben eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen. Sie entstehen beispielsweise durch Verletzungen, Quetschungen, Infektionen, Entzündungen oder Erkrankungen. Durch die beschädigten oder in ihrer Funktion gestörten Nerven leiten sie ununterbrochen Schmerzsignale an das Gehirn weiter, und das Schmerzempfinden ist gesteigert.

Schon die Kleidung auf der Haut oder normale Berührungen empfinden Betroffene dann unter Umständen als quälend schmerzhaft. Abhängig davon, wo die Ursache liegt, unterscheidet man zwei Klassen von Nervenschmerzen:

Periphere Neuropathie

Dabei gehen die Schmerzen vom peripheren Nervensystem aus. Damit sind alle Nerven gemeint, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Sie verbinden beispielsweise Kopf, Gesicht, Augen, Nase, Muskeln und Ohren mit dem Gehirn.

Beispiele peripherer Neuropathien sind unter anderem:

  • Schmerzen auf der Haut bei akuter Herpes-Zoster-Infektion (Gürtelrose), die meist nur an einer Körperhälfte auftreten
  • Post-Zoster-Neuralgie: Starke Nervenschmerzen, die nach einer Gürtelrose bestehen bleiben
  • Phantomschmerz: Der Betroffene nimmt Schmerzen in einem Körperteil wahr, der nicht mehr vorhanden ist, meist infolge einer Amputation.
  • Trigeminusneuralgie: plötzlich heftige Schmerzen im Gesicht
  • Diabetische Neuropathie (Polyneuropathie): Hohe Blutzuckerwerte bei Menschen mit Diabetes mellitus schädigen Nerven an verschiedenen Stellen im Körper, die unter anderem zu brennenden Schmerzen führen, oft an den Füßen.
  • Bannwarth-Syndrom: Schmerzen (z.B. Kopf,- Gesichts- oder Bauchschmerzen), die nach einer Borreliose-Infektion auftreten.
  • Impingement-Syndrom (Engpass-Syndrom): Schmerzen, wenn Nerven zusammengedrückt oder eingeengt werden. Es tritt häufig an der Schulter auf.
  • Karpaltunnel-Syndrom: Ein Engpass im Sehnenfach des Handgelenks klemmt hierbei den mittleren Armnerv ein.

Zentrale Neuropathie

Die Schmerzen gehen vom zentralen Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) aus.

Auslöser für zentrale Neuropathien sind beispielsweise:

  • Schlaganfall (Hirninfarkt)
  • Neurologische Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose (MS)
  • Entzündungen und Abszesse
  • Verletzung des Rückenmarks und der Wirbel (z.B. Bandscheibenvorfall)
  • Tumoren
  • Verletzungen der Nerven (z.B. Nervenschmerzen durch Unfälle oder nach Operationen)

Ferner sind Verspannungen, psychisch bedingter Stress, Alkoholmissbrauch, Medikamente (z.B. Chemotherapie oder altersbedingte Abnutzungen) mögliche Ursachen für Nervenschmerzen.

Welcher Arzt stellt die Diagnose? Und wie?

Bei Nervenschmerzen ist zunächst der Hausarzt erster Ansprechpartner. Dieser überweist bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen an einen Facharzt. Die Diagnose bei Nervenschmerzen stellt ein Neurologe.

Die wichtigsten Maßnahmen für eine sichere Diagnose sind das Gespräch mit dem Arzt (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung. Wichtig ist vor allem, die Ursache der Schmerzen zu finden, um die passende Therapie möglichst schnell einzuleiten.

Gespräch mit dem Arzt

Zu Beginn führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Dabei erkundigt er sich nach der Krankengeschichte des Betroffenen, insbesondere nach eventuellen Nervenverletzungen oder -schädigungen, etwa durch einen Unfall. Außerdem fragt er (z.B. mithilfe eines Schmerzfragebogens) gezielt nach den typischen Symptomen und Zeichen von neuropathischen Schmerzen und sammelt Informationen über Dauer, Schmerzcharakter und Intensität.

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung dient dazu, typische neuropathische Beschwerden wie Taubheit, Lähmungserscheinungen oder Allodynie (Schmerzen bei sanften Berührungen) zu erfassen, die dem Betroffenen oft gar nicht bewusst sind. Mithilfe der quantitativen sensorischen Testung (QST) untersucht der Arzt durch thermische (z.B. Wärme, Kälte) und mechanische (z.B. Druck, Vibration) Reize die Haut und darunterliegende Bereiche auf die Funktion der Schmerzfasern.

Anschließend misst der Arzt die Nervenleitgeschwindigkeit (Neurographie) und entnimmt gegebenenfalls eine kleine Probe aus dem betroffenen Nerv (Biopsie), um das Nervengewebe auf Veränderungen zu untersuchen (neurohistologische Untersuchung).

Mithilfe weiterer neurologischer Untersuchungen wie den „somatosensibel evozierten Potenzialen“ (SEP) testet der Arzt die Leitfähigkeit und damit die Funktion der Nervenbahnen von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn. Dazu platziert er eine Stimulationselektrode in der Nähe eines sensiblen Nervs.

Oft setzt er darüberhinaus bildgebende Verfahren ein, zum Beispiel die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Diese machen eine Nervenschädigung direkt sichtbar. Zudem untersucht der Arzt das Blut des Betroffenen.

Sind Nervenschmerzen heilbar?

Je früher Nervenschmerzen ärztlich behandelt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Im Umkehrschluss ist das Risiko, dass die Schmerzen chronisch werden, umso höher, je später die Therapie beginnt. Löst eine Grunderkrankung die Schmerzen aus, ist es jedoch oft möglich, diese und mit ihr auch die Schmerzen zu heilen.

Bei chronischen Schmerzen ist es wichtig, dass der Arzt realistische Behandlungsziele vor der Therapie zusammen mit dem Patienten bespricht. Ein realistisches Ziel ist zum Beispiel, dass sich die Schmerzen um mehr als 30 bis 50 Prozent verringern, sich die Schlaf- und Lebensqualität verbessern und Betroffene arbeitsfähig bleiben.

Wie lange halten Nervenschmerzen an?

Je nach Ursache verschwinden Nervenschmerzen nach einigen Minuten, Stunden, Tagen oder Wochen wieder. Oft bleiben sie aber auch über mehrere Monate bestehen und werden chronisch.

Wie kann man Nervenschmerzen vorbeugen?

Grundsätzlich lässt sich einer Nervenschädigung nicht vollkommen vorbeugen, da es dafür viele mögliche Ursachen gibt. Allerdings lässt sich das Risiko für Nervenschmerzen durch eine gesunde, achtsame Lebensweise reduzieren. Hierzu ist es zum Beispiel wichtig, dass Sie sich ausgewogen ernähren, regelmäßig bewegen sowie Stress und Unfallrisiken vermeiden.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Tanja Unterberger
Tanja Unterberger

Tanja Unterberger studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. 2015 begann sie ihre Arbeit als Medizinredakteurin bei NetDoktor in Österreich. Neben dem Schreiben von Fachtexten, Magazinartikeln sowie News bringt die Journalistin auch Erfahrung im Podcasting und in der Videoproduktion mit.

Quellen:
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich