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Anämie (Blutarmut)

rote Blutkörperchen
Der normale Hämoglobinwert im Blut liegt bei gesunden erwachsenen Frauen über 12mg/dl und bei Männern über 13mg/dl. (RomanenkoAlexey / Shutterstock)

Unter dem Begriff Anämie versteht man einen Mangel an Hämoglobin bzw. Erythrozyten im Blut.

Kurzfassung:

  • Der normale Hämoglobinwert im Blut liegt bei gesunden erwachsenen Frauen über 12mg/dl und bei Männern über 13mg/dl.
  • Eine Anämie kann viele Ursachen haben, wobei zwischen einer Blutzellbildungsstörung im Knochenmark, einem Verlust an Erythrozyten oder einer Kombination aus beiden, unterschieden werden.
  • Typische Symptome sind Blässe, Abgeschlagenheit und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit.
  • Zur Diagnosesicherung muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Allgemeines zur Anämie

Die Anämie wird umgangssprachlich auch als Blutarmut bezeichnet, obwohl es im Grunde genommen zu keinem Mangel an Blutvolumen im Körper kommt. Der Begriff, Anämie beschreibt einen Mangel an Hämoglobin bzw. Erythrozyten (roten Blutkörperchen).

  • Erythrozyten

Erythrozyten sind scheibenförmige Zellen ohne Zellkern. Sie werden im Knochenmark gebildet. Die Anzahl der neu gebildeten Erythrozyten wird von Erythropoetin reguliert, einem Hormon, das abhängig von der Sauerstoffkonzentration im Blut in der Niere gebildet wird.

Ein gesunder Erwachsener hat insgesamt ungefähr 25.000 Milliarden Erythrozyten. Sie unterliegen einem ständigen Auf- und Abbau. Die Lebensdauer von gesunden Erythrozyten beträgt etwa 120 Tage, um dann vor allem durch die großen Fresszellen in der Milz abgebaut zu werden. Die Zeitspanne zur Bildung neuer funktionsfähiger Erythrozyten aus den Vorstufen beträgt etwa sechs Tage.

  • Hämoglobin

Der wichtigste Bestandteil der Erythrozyten ist Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dieses besteht wiederum aus Eiweiß (Globin) und dem eigentlichen Blutfarbstoff, dem Häm, einer eisenhaltigen Substanz, die für die Bindung des Sauerstoffs verantwortlich ist. Die Hauptaufgabe der Erythrozyten ist der Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen der Lunge und dem Gewebe (Körperzellen).

Bei speziellen Anämieformen können neben einem reduzierten Hämoglobin auch normale Werte für Erythrozyten und/oder Hämatokrit (prozentualer Anteil der Zellbestandteile am Gesamtvolumen des Blutes) vorliegen. Der Hämoglobinwert ist daher der wichtigste Anhaltspunkt zur Feststellung einer Anämie und sollte bei gesunden erwachsenen Frauen über 12mg/dl, bei Männern über 13mg/dl liegen.

+++ Mehr zum Thema: Hämoglobin +++

Ursachen für eine Anämie

Eine Anämie kann viele Ursachen haben. Möglich sind:

Der häufigste Auslöser ist die sogenannte Eisenmangelanämie. Ohne ausreichende Bereitstellung von Eisen, kann nicht ausreichend Hämoglobin gebildet werden. Gleichzeitig schrumpfen die Erythrozyten und werden kleiner als normal, weshalb diese Form der Anämie auch als mikrozytäre (kleinzellige) Anämie bezeichnet wird.

Zweithäufigster Grund für eine Anämie sind Entzündungs- und Tumoranämien, die auch als Anämien chronischer Erkrankungen bezeichnet werden. Mögliche Auslöser dafür sind:

Wird eine Anämie hingegen durch einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure ausgelöst, werden im Knochenmark weniger Erythrozyten gebildet. Die entstehenden Erythrozyten sind jedoch größer als normal (makrozytäre Anämie).

Liegt die Ursache in der Niere selbst, spricht man von einer renalen Anämie. Eine renale Anämie wird durch eine mangelnde Produktion des Hormons Erythropoetin verursacht, wodurch der Anreiz zur ausreichenden Produktion der Erythrozyten wegfällt. Bei einer renalen Anämie werden zwar weniger, dafür normalgroße Erythrozyten gebildet (normozytäre Anämie).

Hämolytische Anämien werden in intrakorpuskuläre und extrakorpuskuläre Formen unterteilt. Bei der intrakorpuskulären hämolytischen Anämie kann der vorzeitige Zerfall der Erythrozyten auf Abnormitäten derselben zurückgeführt werden (u.a. veränderte Löslichkeit oder Struktur). Extrakorpuskuläre hämolytische Anämien werden auf eine Ursache außerhalb der Erythrozyten zurückgeführt (u.a. Antikörperbildung oder äußere Krafteinwirkung).

Akute (z.B. durch Verletzungen bzw. bei Operationen) und chronische (z.B. bei langsam blutenden Magengeschwüren) Blutungen sind ebenfalls recht häufig und führen zu erniedrigten Hämoglobinwerten, als Folge des direkten Verlustes der Erythrozyten und durch die Entstehung eines Eisenmangels. Gleichzeitig ist der Erythropoetinspiegel kompensatorisch erhöht.

Eine Sonderform der Anämie ist die sogenannte Schwangerschaftsanämie, welche erstmals in Folge einer Schwangerschaft auftritt. Hier sind mehrere Faktoren beteiligt. Zunächst die Verdünnung des Blutes durch die Zunahme der Flüssigkeitsmenge im Körper, dann der Eisenmangel der werdenden Mutter und schließlich kann auch ein Folsäuremangel die Vermehrung der roten Blutzellen verlangsamen. Ausgelöst werden die Mangelzustände durch den, mit der Schwangerschaft verbundenen, erhöhten Bedarfs.

+++ Mehr zum Thema: Eisenmangelanämie +++

Welche Symptome treten bei einer Anämie auf?

Die typischen Beschwerden einer Anämie lassen sich vor allem auf den Mangel an Hämoglobin zurückführen. Hierzu gehören:

  • blasse Farbe von Haut und Schleimhaut
  • Abgeschlagenheit und allgemeine Müdigkeit
  • Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Atemnot
  • Herzklopfen bei Anstrengung
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen

+++ Mehr zum Thema: Anämie während der Schwangerschaft +++

Wie wird eine Anämie diagnostiziert?

Zur Diagnosesicherung muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Sind Erythrozyten und/oder Hämoglobin vermindert, werden zur genaueren Unterscheidung verschiedene Blutwerte gemessen:

Eine Verminderung der Retikulozyten ist ein Hinweis für eine Bildungsstörung (z.B. Eisenmangel oder eine Knochenmarksschädigung), eine Erhöhung für einen vermehrten Verbrauch der Erythrozyten durch Abbau oder Verlust. Im Blutausstrich werden alle Blutzellen unter dem Mikroskop genau betrachtet. Es werden Veränderungen der Form und der Größe der Erythrozyten festgehalten.

+++ Mehr zum Thema: Blutabnahme +++

Wie wird eine Anämie behandelt?

Die Behandlung der Anämie ist von der Ursache abhängig und sehr unterschiedlich.

  • So wird bei Eisenmangelanämien Eisen zugeführt, während bei Vitamin B12- oder Folsäuremangelanämien entsprechend eines bzw. beide dieser Vitamine ergänzt werden.
  • Renale Anämien werden in der Regel mit der Substitution von künstlichem Erythropoetin therapiert.
  • Die Behandlung der hämolytischen Anämie richtet sich nach der Ursache und macht zum Beispiel bei Autoimmunhämolyse die Gabe von Glukokortikoiden oder eines Immunsuppressivum notwendig. Bei anderen Formen kann das Weglassen von bestimmten Medikamenten oder Nahrungsmitteln hilfreich sein.
  • Die Stillung von akuten bzw. chronischen Blutungen durch Anlegen eines Wundverbandes, das Veröden von Gefäßen oder dem Einnahmestopp spezieller Medikamente sind bei verletzungsbedingten Anämien Mittel der Wahl.

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Autoren:
OA Dr. Siegfried Sormann,
Medizinisches Review:
OA Dr. Siegfried Sormann
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B and Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

Karow T, Lang-Roth R. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Auflage 29, 2021

Behnisch W, Muckenthaler M und Kulozik A. S1-Leitlinie: Eisenmangelanämie, Stand 2016 (letzter Zugriff am 17.12.20).

Johnson-Wimbley TD, Graham DY. Diagnosis and management of iron deficiency anemia in the 21st century. Therap Adv Gastroenterol. 2011; 4(3):177-184.
 

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