Hepatomegalie

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Hepatomegalie bedeutet Lebervergrösserung. Dabei vergrössern sich die verschiedenen Leberanteile gleichmässig (harmonische Hepatomegalie) oder ungleichmässig (disharmonische Hepatomegalie). Oftmals ist eine Lebererkrankung die Ursache für die vergrösserte Leber. Manchmal sind es aber auch Erkrankungen anderer Körperorgane. Lesen Sie hier mehr über Ursachen, Anzeichen und Behandlung einer Hepatomegalie.

hepatomegalie

Kurzübersicht

  • Behandlung: Je nach Auslöser, etwa bei Fettleber Alkoholverzicht und Ernährungsumstellung; entsprechend der Grunderkrankung eventuell medikamentöse oder operative Therapie
  • Ursachen: Alkoholmissbrauch, Überernährung, Viruserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, cholestatische Erkrankungen, Gefässerkrankungen, bestimmte Medikamente, Leberzysten, Tumoren
  • Wann zum Arzt?: Bei Völlegefühl und Druckgefühl im Oberbauch, aber auch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
  • Diagnostik: Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Ultraschall der Leber
  • Vorbeugen: Gesunder Lebensstil (ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol und andere Giftstoffe), gegebenenfalls Impfung gegen Virushepatitiden

Was ist eine Hepatomegalie?

Der Begriff Hepatomegalie bezeichnet eine Lebervergrösserung. Die Leber liegt als keilförmiges, zweilappiges Organ im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Sie ist das zentrale Stoffwechselorgan und mit etwa 1,5 Kilogramm die grösste Drüse des Körpers.

Ist die Leber krankhaft vergrössert, handelt es sich meistens um eine Fettleber. Selten sind andere Erkrankungen die Ursache einer Hepatomegalie. In vielen Fällen besteht neben der Lebervergrösserung gleichzeitig eine Milzvergrösserung. Mediziner sprechen dann von einer Hepatosplenomegalie.

Hepatomegalie: Wie kann sie behandelt werden?

Da die Lebervergrösserung eine Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen ist, gilt es, diese zu behandeln. Die häufigste Ursache der Hepatomegalie ist eine Fettleber. Hier ist es wichtig, die zugrunde liegende Erkrankung zu therapieren oder Lebensgewohnheiten zu ändern. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Auf Alkohol verzichten
  • Übergewicht abbauen (langsam und stetig!)
  • Körperlich aktiver werden

Zudem empfiehlt es sich, in Rücksprache mit dem Arzt eventuell leberbelastende Medikamente abzusetzen oder umzustellen, um einer Hepatomegalie entgegenzuwirken.

Stecken andere Grunderkrankungen hinter der Lebervergrösserung, sind die richtige Diagnose und eine gezielte Therapie entscheidend. So ist bei manchen Formen der Virushepatitis eine antivirale Therapie sinnvoll. Bei einem Gallenstau (Cholestase) empfiehlt sich – je nach Ursache – eventuell eine medikamentöse Therapie oder eine Operation.

Welche Ursache kann eine vergrösserte Leber haben?

Eine Hepatomegalie tritt als Begleiterscheinung verschiedener Krankheiten auf. Der häufigste Grund für eine Lebervergrösserung ist die Fettleber (Steatosis hepatis). Aber auch andere Lebererkrankungen sowie Erkrankungen anderer Organe rufen unter Umständen eine Hepatomegalie hervor:

Stoffwechsel- oder toxisch bedingte Lebererkrankungen

Die Leber reagiert auf verschiedene schädliche Einflüsse mit einer Verfettung, so zum Beispiel auf:

  • Chronischen Alkoholkonsum
  • Überernährung (Fettsucht)
  • Virus- oder Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes mellitus oder erhöhte Blutfettwerte)
  • Bestimmte Medikamente und Chemikalien

Von einer Fettleber sprechen Mediziner aber erst, wenn in mehr als der Hälfte aller Leberzellen Fett eingelagert ist. Sind weniger Zellen verfettet, nennt man das eine Leberverfettung. Die starke Fetteinlagerung führt zu einer Lebervergrösserung.

Weitere stoffwechsel- oder giftstoffbedingte Lebererkrankungen, die gegebenenfalls zu einer Hepatomegalie führen, sind Speicherkrankheiten (wie die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose) sowie bestimmte Formen der Stoffwechselkrankheit Porphyrie. Auch im Rahmen anderer Stoffwechselerkrankungen sowie hormoneller Erkrankungen kommt es zu einer Leberbeteiligung mit nachfolgender Hepatomegalie.

Entzündliche Lebererkrankungen

Entzündliche Lebererkrankungen sind weitere mögliche Ursachen einer Hepatomegalie. Die Entzündung wird dabei zum Beispiel durch Viren, eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunerkrankung), Alkohol oder Giftstoffe hervorgerufen.

Beispiele für entzündliche Lebererkrankungen, die manchmal mit einer Hepatomegalie einhergehen, sind eine akute oder chronische Leberentzündung (Hepatitis), Leberzirrhose sowie Lebergranulome. Granulome sind entzündungsbedingte, knötchenförmige Gewebeneubildungen. Sie entstehen zum Beispiel im Rahmen von Tuberkulose, AIDS oder Sarkoidose.

Erkrankungen mit Gallenstau

Erkrankungen, die mit einer Abflussstörung der Gallenflüssigkeit verbunden sind (cholestatische Erkrankungen), sind ebenfalls mögliche Auslöser einer Hepatomegalie.

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber gebildet und zur Unterstützung der Fettverdauung in den Dünndarm abgegeben (mit der Gallenblase als Zwischenspeicher). Bei einem dauerhaften Rückstau der Galle kommt es zu einer Lebervergrösserung. Dabei liegt die Stauursache entweder innerhalb oder ausserhalb der Leber. Beispiele für cholestatische Erkrankungen mit möglicher Hepatomegalie sind:

  • Gallenwegsverschluss (etwa durch Gallensteine)
  • Primäre biliäre Zirrhose
  • Gallenstau durch Medikamente
  • Gallenstau in der Schwangerschaft

Erkrankungen der Blutgefässe

Manchmal entsteht eine Hepatomegalie durch eine die Blutgefässe betreffende (vaskuläre) Erkrankung. Ein Beispiel dafür ist die Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz): Hierbei ist die rechte Herzkammer nicht mehr in der Lage, das aus dem Körper kommende venöse Blut weiter in den Lungenkreislauf zu pumpen. In der Folge staut sich das venöse Blut zurück, was neben gestauten Halsvenen manchmal zu einer Stauungsleber mit Lebervergrösserung führt.

Auch bei einer fehlerhaften Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer (Trikuspidalklappenfehler) sowie bei einem sogenannten "Panzerherz" (konstriktive Perikarditis) staut sich das venöse Blut gegebenenfalls bis in die Leber zurück.

Andere Gefässerkrankungen, die potenziell eine Hepatomegalie nach sich ziehen, sind zum Beispiel ein (un-)vollständiger Verschluss der grossen Lebervenen (Budd-Chiari-Syndrom), ein gerinnselbedingter Verschluss der unteren Hohlvene (Vena-cava-inferior-Thrombose) sowie ein Verschluss oder eine Aussackung (Aneurysma) der Leberarterie.

Infektionen

Infektionen mit verschiedenen Krankheitserregern zählen ebenfalls zu den möglichen Ursachen einer Hepatomegalie. So ziehen beispielsweise eine Entzündung der Gallengänge (Cholangitis), Leberabszesse und parasitäre Lebererkrankungen (wie Echinokokkose oder Schistosomiasis) manchmal eine Lebervergrösserung nach sich. Darüber hinaus entpuppt sich eine Hepatomegalie manchmal auch als reaktive Leberveränderung bei Infektionskrankheiten.

Zystenleber und Leberzysten

Leberzysten sind glatt begrenzte, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume in der Leber, deren Grösse zwischen wenigen Millimetern und zehn Zentimetern variiert. Sie treten entweder einzeln oder zu mehreren auf. Ist die Leber von Zysten durchsetzt, spricht man von einer Zystenleber. Bei sehr grossen Zysten sowie einer Zystenleber entwickelt sich unter Umständen eine Lebervergrösserung.

Tumoren

In einigen Fällen sind gut- oder bösartige Lebertumoren der Grund für eine Hepatomegalie. Ausserdem bilden bösartige Tumoren in anderen Körperregionen (wie Dickdarm-, Magen- oder Brustkrebs) manchmal Tochtergeschwüre in der Leber (Lebermetastasen), die dann zu einer Lebervergrösserung führen.

Wann zum Arzt?

Bei Druckgefühl und/oder Schmerzen im Oberbauch – eventuell begleitet von weiteren Beschwerden – ist es sinnvoll, zur Abklärung einen Arzt aufzusuchen. Möglicherweise steckt eine Hepatomegalie dahinter.

In den meisten Fällen fällt eine Hepatomegalie jedoch erst im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung auf, zum Beispiel im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder als Zufallsbefund bei anderen Untersuchungen.

Hepatomegalie: Was macht der Arzt?

Zunächst erhebt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese): Er befragt Sie ausführlich zu Ihren Beschwerden, möglichen Vorerkrankungen (wie Hepatitis, Tumoren) und eventuellen Grunderkrankungen (Fettstoffwechselstörung, Diabetes, Gallensteine et cetera).

Ebenfalls wichtig zur Abklärung einer Hepatomegalie sind Angaben über Ihren Alkohol- und Medikamentenkonsum, (Auslands-)Reisen in der Vergangenheit und auffällige Gewichtsveränderungen. Im Anschluss an das Gespräch folgen verschiedene Untersuchungen.

Körperliche Untersuchung

Der Arzt tastet den Bauch ab (Palpation), um die Grösse der Leber abzuschätzen und mögliche Hinweise auf die Ursache der Hepatomegalie zu erhalten. So fühlt sich die Leber bei einer Hepatitis und einer Stauungsleber weich und glatt an und schmerzt eventuell bei Druck. Dagegen weist eine harte, unregelmässige bis höckerige Leber beispielsweise auf eine Leberzirrhose oder Leberkrebs als mögliche Ursache der Hepatomegalie hin.

Ebenfalls durch Abtasten untersucht der Arzt die Grösse der Milz. Denn eine Hepatomegalie (Lebervergrösserung) geht oft Hand in Hand mit einer Splenomegalie (Milzvergrösserung) – zusammen dann Hepatosplenomegalie genannt.

Ausserdem begutachtet der Arzt die Haut im Hinblick auf Anzeichen von Gelbsucht (Ikterus) oder die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose (eventuell dunkle Hautpigmentierung). Auch sogenannte Leberhautzeichen sind aufschlussreich, also charakteristische Hautveränderungen bei chronischen Lebererkrankungen (wie Leberzirrhose). Dazu zählen beispielsweise Spidernävi (sichtbare Erweiterung von Hautarterien, die an Spinnenbeine erinnert) und gerötete Handinnenflächen (Palmarerythem).

Hinweise auf die Ursache einer Hepatomegalie liefern auch andere körperliche Anzeichen. So sprechen zum Beispiel geschwollene Beine (Beinödeme) und gestaute Halsvenen für eine Rechtsherzschwäche.

Blutuntersuchungen

Hat die körperliche Untersuchung eine Hepatomegalie bestätigt, erfolgt eine Blutanalyse. Dabei werden zum Beispiel das Differenzialblutbild, die Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG), verschiedene Leberenzyme, der Eisen- und Cholesterinspiegel sowie die Blutgerinnung (Quick-Wert/INR) bestimmt.

Ist die Hepatomegalie von einer Milzvergrösserung begleitet (Hepatosplenomegalie), ordnet der Arzt eventuell weitere Blutuntersuchungen an (wie den Coombs-Test zum Nachweis von Antikörpern gegen rote Blutkörperchen).

Bildgebende Verfahren

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomensonografie) gehört ebenfalls zur Routine bei der Abklärung einer Hepatomegalie. Dabei begutachtet der Arzt Leber, Milz, Gallenwege und das Pfortadersystem – das venöse Gefässsystem, welches das Blut aus Magen, Darm und Milz über die Pfortader zuerst zur Leber und dann weiter in die untere Hohlvene leitet.

Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs liefert gegebenenfalls weitere Hinweise auf den Grund der Hepatomegalie. Fallen beim Röntgen zum Beispiel ein vergrössertes Herz oder ein Pleuraerguss auf, weist dies auf eine mögliche Rechtsherzschwäche hin. Auch (bösartig) angeschwollene Lymphknoten (Lymphome) lassen sich auf dem Röntgenbild erkennen.

Weitere Untersuchungen

Vermutet der Arzt als Grund für die Hepatomegalie bestimmte Erkrankungen, sind gegebenenfalls weitere Diagnoseschritte notwendig. So entnimmt der Arzt beispielsweise bei Verdacht auf eine bestimmte Form der Tuberkulose (Miliartuberkulose) oder auf Sarkoidose als Auslöser der Lebervergrösserung eine Gewebeprobe aus der Leber (Leberpunktion).

Hepatomegalie: So beugen Sie vor

Hinter einer Hepatomegalie steckt in den meisten Fällen eine Fettleber. Wird diese weiterhin durch Alkohol, Medikamente oder andere Einflüsse belastet, kommt es eventuell zu einer Fettleberentzündung (Steatohepatitis) oder sie geht mit der Zeit in eine gefährliche, irreversible Leberzirrhose über.

Sie haben die Möglichkeit, selbst einiges für die Gesundheit Ihrer Leber zu tun. Entscheidend ist ein gesunder Lebensstil, denn zu viel Alkohol, zu viel und zu fettes Essen, Übergewicht und Bewegungsmangel belasten das Organ.

Entsprechende Impfungen schützen vor bestimmten Formen der Hepatitis. Ihr Arzt berät Sie darüber, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind. Lassen Sie zudem regelmässig Ihre Leberwerte checken, damit Sie rechtzeitig Bescheid wissen, wenn Ihre Leber leidet. Dann kommt es gar nicht erst zu einer Hepatomegalie.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
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Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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