Morbus Basedow

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Morbus Basedow ist neben der Hashimoto-Thyreoiditis die zweite wichtige Autoimmunerkrankung der Schilddrüse: In beiden Fällen lösen spezifische Antikörper autoimmun bedingte Entzündungsprozesse aus. Diese führen bei Morbus Basedow zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Daneben kann Morbus Basedow Augen, Unterschenkel, Hände und Füsse betreffen. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Morbus Basedow.

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Morbus Basedow: Ursache und Risikofaktoren

Bei Morbus Basedow bildet der Körper bestimmte Abwehrstoffe (Antikörper), welche die Hormonproduktion der Schilddrüse steigern. Fast alle Patienten bilden den sogenannten TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Er richtet sich gegen jene Andockstelle, über die das Hormon TSH die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt. Auf diese Weise wirken TRAK wie TSH. Die Schilddrüse schüttet folglich vermehrt die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ins Blut aus und Betroffene entwickeln eine Schilddrüsenüberfunktion.

Da sich die Antikörper gegen körpereigene Strukturen richten, zählt die Basedow-Krankheit zu den Autoimmunerkrankungen. Sie wird auch als Basedowsche Krankheit, Basedow-Krankheit, immunogene Hyperthyreose oder Immunthyreopathie vom Typ Basedow bezeichnet.

Morbus Basedow trifft bevorzugt Frauen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Ausserdem tritt die Erkrankung familiär gehäuft auf. Grund sind bestimmte Genveränderungen, die einen Morbus Basedow begünstigen.

Ob und wann die Basedowsche Krankheit ausbricht, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Manchmal folgt der Krankheitsausbruch auf eine Virusinfektion oder eine schwere psychische Belastung. In anderen Fällen erkranken Patienten aus völligem Wohlbefinden heraus an Morbus Basedow.

So wie die Hashimoto-Thyreoiditis tritt auch Morbus Basedow unter Umständen zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf wie beispielsweise Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennieren), Typ-1-Diabetes oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, Einheimische Sprue).

Morbus Basedow: Symptome

Die drei Leitsymptome von Morbus Basedow sind:

  • Vergrösserung der Schilddrüse („Kropf“, Struma)
  • Hervortreten der Augäpfel (Exophthalmus)
  • Herzrasen (Tachykardie)

Diese drei Symptome zusammen werden auch „Merseburger Trias“ genannt und kommen in dieser Kombination bei jedem zweiten Betroffenen vor.

Neben den hervortretenden Augäpfeln kann es im Augenbereich noch zu weiteren Veränderungen kommen wie Lidschwellungen und Bindehautentzündung. Mediziner sprechen von endokriner Orbitopathie. Auch trockene Augen mit Lichtscheu, vermehrtem Tränen, Druck- und/oder Fremdkörpergefühl sind möglich. In schweren Fällen können auch Sehverschlechterung und Doppeltsehen auftreten.

Weitere Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bei Morbus Basedow sind zum Beispiel Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Wärmeüberempfindlichkeit, Schweissausbrüche, erhöhter Blutdruck, Haarausfall, häufiger Stuhlgang, Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit bei Frauen, Muskelschwäche, innere Unruhe, Reizbarkeit, Angstzustände und Konzentrationsschwäche.

Seltener entwickeln Morbus Basedow-Patienten Schwellungen im Bereich der Unterschenkel (prätibiales Myxödem), Hände und Füsse (Akropachie).

Morbus Basedow: Diagnose

Der Arzt führt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Anschliessend folgt eine körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung sowie Begutachtung der Augen, Unterschenkel und Hände.

Wichtig für die Diagnose ist die Blutuntersuchung: Der Arzt bestimmt das Hypophysenhormon TSH (stimuliert die Hormonproduktion in der Schilddrüse) und Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Ausserdem wird die Blutprobe auf die für Morbus Basedow typischen Antikörper (Autoantikörper) untersucht: Der TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK, auch TSH-Rezeptor-Autoantikörper) und der Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-Ak, anti-TPO).

Im Rahmen der Morbus Basedow-Diagnose begutachtet der Arzt ausserdem die Schilddrüse mittels Ultraschall.

Morbus Basedow: Therapie

Patienten mit Morbus Basedow erhalten zunächst etwa ein Jahr lang sogenannte Thyreostatika, also Medikamente zur Hemmung der Hormonproduktion in der Schilddrüse (wie Thiamazol oder Carbimazol). Am Anfang werden zusätzlich Betablocker zur Linderung der Hyperthyreose-Symptome (wie Herzrasen) gegeben. Mittel der Wahl ist dabei Propranolol, das zudem verhindert, das T4 in das wesentlich aktivere T3 umgewandelt wird.

Der Arzt kontrolliert etwa sechs Monate nach Therapiebeginn, wie viele TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) der Patient noch im Blut hat. Ist der Wert immer noch sehr hoch (> 10 IU/l), ist es unwahrscheinlich, dass die Therapie langfristig anschlägt. Der Patient erhält dann eine Radiojodtherapie oder eine Operation. Besonders bei Hochrisikopatienten ist es wichtig, diese Therapie frühzeitig einzuleiten.

Bei etwa der Hälfte der Patienten ist nach etwa einjähriger Thyreostatikagabe die Erkrankung ausgeheilt, sodass keine weiteren Medikamente notwendig sind.

Wenn hingegen nach 1- bis 1,5-jähriger Anwendung von Thyreostatika die Schilddrüsenüberfunktion immer noch besteht oder nach einer zunächst auftretenden Besserung erneut aufflackert (Rauchen erhöht das Rückfallrisiko!), sollte die Schilddrüsenfunktion dauerhaft ausgeschaltet werden.

Dies geschieht entweder mittels Radiojodtherapie oder durch operative Entfernung der Schilddrüse (meist das ganze Organ). Die Patienten müssen im Anschluss lebenslang die fehlenden Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen. Das geht aber mit weniger Komplikationen und Nebenwirkungen einher, als es bei einer jahrelangen oder dauerhaften Einnahme von Thyreostatika der Fall wäre.

Vor einer Operation muss die Schilddrüsenfunktion medikamentös normalisiert werden, weil es sonst zu einer thyreotoxischen Krise (Thyreotoxikose) kommen kann. Dieses lebensbedrohliche Krankheitsbild kann unter anderem zu hohem Fieber, Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, Muskelschwäche, Unruhe, Bewusstseinsstörungen und Benommenheit bis hin zu Koma und Kreislaufversagen sowie eine Funktionsschwäche der Nebennieren führen.

Behandlung von Schwangeren

Schwangere Frauen erhalten Thyreostatika, wenn sie eine manifeste Schilddrüsenüberfunktion haben, ihre Schilddrüsenwerte also erhöht sind. Im ersten Schwangerschaftsdrittel verschreibt der Arzt Propylthiouracil, danach ist auch eine Therapie mit Thiamazol möglich. Engmaschige Kontrollen der Schilddrüsenwerte sind sehr wichtig.

Behandlung der Augensymptome

Bei Morbus Basedow mit endokriner Orbitopathie kann Kortison gegeben werden. Es hilft gegen das Hervortreten der Augäpfel und die starken Schwellungen im Augenbereich. In leichten bis mittelschweren Fällen wird oft zusätzlich Selen verabreicht. Trockene Augen lassen sich mit befeuchtenden Augentropfen, Salben oder Gelen behandeln.

Bei schweren Fällen von endokriner Orbitopathie ist zudem eine Bestrahlung oder eine Operation möglich.

Rauchende Basedow-Patienten haben ein etwa achtfach erhöhtes Risiko, eine endokrine Orbitopathie zu entwickeln. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist folglich eine entscheidende Massnahme.

Morbus Basedow: Prognose

Nach einer ein- bis eineinhalbjährigen Behandlung mit Thyreostatika ist Morbus Basedow bei gut der Hälfte aller Betroffenen ausgeheilt. Die Erkrankung kann jedoch erneut aufflammen, meist innerhalb eines Jahres nach Behandlungsende. Die Schilddrüsenfunktion muss dann endgültig ausgeschaltet werden.

Eine gefürchtete Komplikation der Schilddrüsenüberfunktion aufgrund von Morbus Basedow oder einer anderen Erkrankung ist die thyreotoxische Krise. Die Sterblichkeit liegt hier bei über 20 Prozent. Mehr über eine Hyperthyreose und mögliche Folgen lesen Sie in unserem Artikel „Schilddrüsenüberfunktion“.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
E05
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Ahmadzadehfar, H.: Schilddrüse, novum publishing GmbH, 2011
  • Battegay, E.: Siegenthalers Differenzialdiagnose, Georg Thieme Verlag, 2012
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Schilddrüsenüberfunktion, unter: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 26.03.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Morbus Basedow, unter: www.endokrinologie.net (Abrufdatum: 26.03.2021)
  • Gallwitz, B. et al.: Endokrinologie und Diabetes, Georg Thieme Verlag, 2009
  • Herold, G. (Hrsg.): Innere Medizin, Eigenverlag, 2021
  • Rinninger, F. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2010
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