Schilddrüsen-OP

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Unter einer Schilddrüsen-OP versteht man meist die teilweise oder gesamte Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie). Notwendig wird dies zum Beispiel bei einer Krebserkrankung oder einer Schilddrüsenvergrösserung. Lesen Sie alles über den Ablauf der Schilddrüsen-OP, wann sie angewandt wird und welche Risiken sie birgt.

Schilddrüsen-Op

Was ist eine Schilddrüsen-OP?

Bei einer Schilddrüsenoperation wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt. Sie befindet sich am Hals unterhalb des Kehlkopfes und besteht aus zwei Lappen, die über eine Gewebebrücke (Isthmus) verbunden sind. Je nachdem, was davon sie entfernen, unterscheiden Mediziner verschiedene Verfahren einer Schilddrüsen-OP:

  • Thyreoidektomie (Thyroidektomie): Vollständige Entfernung der Schilddrüse
  • subtotale bzw. fast-totale Schilddrüsen-OP: Entfernung des grössten Teils der Schilddrüse (Verbleib von insg. ein bis vier bzw. weniger als zwei Milliliter)
  • Hemithyreoidektomie/totale Lappenresektion: Ärzte entnehmen einen kompletten Schilddrüsenlappen (inkl. dem Verbindungsgewebe zum anderen Lappen)
  • subtotale bzw. fast-totale Lappenresektion: Nur ein Teil eines Schilddrüsenlappens wird herausgeschnitten, es verbleiben ein bis vier bzw. weniger als ein Milliliter Lappengewebe
  • Enukleation: Entfernung eines Knotens
  • Knotenexstirpation/-exzision: Entfernung eines Knotens mit einem Rand aus gesundem Schilddrüsengewebe
  • Isthmusresektion: Das Schilddrüsengewebe, das die beiden Schilddrüsenlappen verbindet, wird entfernt

Überdies gibt es noch die Schilddrüsen-Operation nach Riedel-Hartley–Dunhill: Ärzte entfernen einen Lappen komplett und verkleinern den verbliebenen auf ein Restgewebe von ein bis vier Milliliter (also eine totale + eine subtotale Lappenresektion).

Eine Schilddrüsen-OP erfolgt klassischerweise durch einen vier bis fünf Zentimeter langen Hautschnitt im unteren Halsbereich (Kocher-Kragenschnitt). Es handelt sich also um eine „offene“ Schilddrüsen-OP. Daneben gibt es auch minimalinvasive Schilddrüsenoperationen, bei der Ärzte die Schilddrüse über eine Sonde entfernen und dafür nur kleinste Hautschnitte benötigen. Derartige Eingriffe werden nur an spezialisierten Zentren durchgeführt.

Wann führt man eine Schilddrüsen-OP durch?

Häufigster Grund für eine Schilddrüsenentfernung sind bösartige Neubildungen. Auch wenn ein Knoten in der Schilddrüse entdeckt wird, über dessen Gut- oder Bösartigkeit keine sichere Aussage getroffen werden kann, muss operiert werden. Weitere Gründe für eine Schilddrüsen-OP sind:

In manchen Fällen kann der Arzt alternativ eine Radiojodtherapie durchführen, Genaueres dazu lesen Sie im Beitrag Radiojodtherapie.

Was macht man bei einer Schilddrüsen-OP?

Bevor der Arzt die Schilddrüse entfernt, macht er verschiedene Untersuchungen, um die OP individuell zu planen. Dazu gehören die Ultraschalluntersuchung, die Schilddrüsenszintigrafie, bildgebende Verfahren (MRT oder CT) sowie die Kehlkopfspiegelung. Ausserdem bestimmt er den Kalzium Spiegel im Blut.

Beginn der Schilddrüsen-OP

Der Patient erhält eine Vollnarkose, sodass er während des Eingriffs nicht bei Bewusstsein ist und keine Schmerzen hat. Der Arzt desinfiziert grosszügig das Operationsfeld und deckt den Patienten mit sterilen Tüchern unter Aussparung der vorderen Halsregion ab. Dann kann der Chirurg mit der eigentlichen Entfernung der Schilddrüse beginnen. Dabei überwacht er gegebenenfalls mithilfe eines sogenannten Neuromonitoring-Systems die umliegenden Nerven – berührt er einen Nerv mit dem Operationsbesteck ertönt ein Warnsignal.

Totale Thyreoidektomie

Die totale Thyroidektomie kommt zum Beispiel bei der Entfernung des Kropfes (Struma-OP, Strumektomie, Strumaresektion) und grossen Krebsgeschwüren zum Einsatz. Der Chirurg setzt einen meist vier bis fünf Zentimeter langen Hautschnitt. Nach Möglichkeit sucht er sich dafür eine Hautfalte, um ein besseres kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Nun durchtrennt der Arzt die Fettgewebsschicht mit einer elektrischen Schere, die etwaige Blutungen sofort stillt. Liegt die Schilddrüse frei, trennt der Chirurg sie vom umliegenden Gewebe.

Der Arzt kann nun die ganze Schilddrüse entfernen, wobei er die Nebenschilddrüsen, falls er sie auffindet, belässt. Die Nebenschilddrüsen sind nur etwa so gross wie ein Reiskorn und können an unterschiedlichen Stellen im Hals liegen. Falls der Operateur erst beim Untersuchen der entnommenen Schilddrüse die Nebenschilddrüsen findet, pflanzt er diese in eine künstlich geschaffene Tasche in der Halsmuskulatur wieder ein. Dort kann die Nebenschilddrüse wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Hemithyreoidektomie

Bei einer Hemithyreoidektomie wird nur einer der beiden Schilddrüsenlappen entfernt. Sie wird ebenfalls bei einem Kropf, aber auch bei einseitigen Krebsgeschwüren angewandt. Der Zugang erfolgt wie bei der totalen Thyreoidektomie. Hat der Arzt eine gute Sicht auf den freiliegenden Schilddrüsenlappen, durchtrennt er die Brücke aus Bindegewebe, die die beiden Lappen verbindet.

Enukleation und Knotenexzision

Die Enukleation kommt bei der Entfernung kleiner, gutartiger Knoten zum Einsatz. Der Chirurg setzt hierbei einen kleinen Schnitt, durch den er sich vorsichtig Zugang zum Knoten verschafft. Anschliessend entfernt er diesen mit einer Ultraschallschere oder einem elektrischen Messer. Beschränkt er sich auf den Knoten und dessen Kapsel, handelt es sich um eine Enukleation. Entfernt der Arzt auch noch einen kleinen Teil des umliegenden Schilddrüsengewebes (Randsaum), spricht man von Knotenexzision beziehungsweise –exstirpation.

Subtotale Schilddrüsen-OP

Die subtotale Schilddrüsenresektion ist ein eher seltener Eingriff und kommt in der Regel nur noch zum Einsatz, wenn eigenständig hormonproduzierende Zellen über die ganze Schilddrüse verteilt sind. Der Operateur entfernt dabei grosse Teile der Schilddrüse, so dass am Ende nur noch ein bis vier Milliliter gesundes Gewebe verbleiben.

Operieren Chirurgen auf diese Weise nur an einem Lappen, nennt man das subtotale Lappenresektion.

Nach der Schilddrüsen-OP

Nach der Schilddrüsenentfernung vernäht der Arzt zunächst die Muskel- und Fettschicht mit selbstauflösenden Fäden, dann auch den Hautschnitt möglichst spannungsfrei, um einer unästhetischen Narbenbildung vorzubeugen. Die Wunde wird mit sterilen Pflastern verbunden. Im Anschluss wird der Patient in den Aufwachraum gebracht, wo er sich von der Narkose erholen kann.

Welche Risiken birgt eine Schilddrüsen-OP?

Die Schilddrüsen-OP ist ein chirurgischer Routineeingriff. Dennoch kann es, wie bei jeder Operation, zu Komplikationen kommen. Mögliche Folgen der Operation können sein:

  • Nachblutung, eventuell mit operativer Entfernung des Blutergusses
  • Wundheilungsstörung
  • Infektion des Operationsgebietes
  • Kosmetisch unbefriedigendes Ergebnis bei deutlicher Narbenbildung

Verletzung von Nerven

Bei der Schilddrüsen-Entfernung können wichtige Nerven geschädigt werden, die in der Nähe der Schilddrüse verlaufen. Wird der sogenannte Rekurrensnerv auf einer Halsseite verletzt, kann es zu einer leichten Heiserkeit kommen. Bei der seltenen beidseitigen Durchtrennung des Nervs kommt es zu Atemnot, gegebenenfalls muss der Patient künstlich beatmet werden.

Schädigung der Nebenschilddrüsen

Die Nebenschilddrüsen schütten das Hormon Parathyrin aus und steuern damit den Kalziumhaushalt. Kalzium ist wichtig für die Funktion von Nerven und Muskeln und es stabilisiert die Knochen. Durch den Stress der Schilddrüsen-OP kann die Funktion der Nebenschilddrüsen beeinträchtigt werden und der Kalziumspiegel sinken. Meist erholen sich die Nebenschilddrüsen wieder und der Kalziumhaushalt normalisiert sich. Geschieht dies nicht, muss dem Körper das fehlende Kalzium in Tablettenform zugeführt werden. Das gilt auch, wenn die Nebenschilddrüsen bei der OP verletzt oder versehentlich entnommen wurden.

Was muss ich nach einer Schilddrüsen-OP beachten?

Wie bei jeder Operation kann es in den ersten Tagen nach dem Eingriff zu Wundschmerz kommen. Wenn nötig, verschreibt Ihnen Ihr Arzt ein schmerzstillendes Medikament. Um die Wunde zu schützen, sollten Sie sich nur unter Aussparung der Halsregion oder unter Verwendung eines speziellen Duschpflasters waschen.

Hormonersatztherapie nach Schilddrüsen-OP

Durch die Entfernung der Schilddrüse fehlen dem Körper die von ihr gebildeten Hormone Trijodthyronin und Thyroxin (T3 und T4). Diese müssen nach der vollständigen Schilddrüsen-OP dauerhaft zugeführt werden. Ihr Arzt verschreibt Ihnen hierzu Tabletten, die Sie täglich einnehmen müssen. Nach vier bis sechs Wochen kontrolliert er den Hormonspiegel im Blut und passt die Dosis an Ihren individuellen Bedarf an. Wird bei Ihrer Schilddrüsen-OP nur ein Teil der Schilddrüse entfernt, ist die Einnahme von Hormonen meist nicht notwendig.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Autschbach, R. et al.: Chirurgie in 5 Tagen, Band 1, Springer Verlag, 1. Auflage, 2012
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie: Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen, Stand: Oktober 2015, derzeit in Überarbeitung, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 25.03.2021)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie: Operative Therapie maligner Schilddrüsenerkrankungen, Stand: November 2012, derzeit in Überarbeitung, unter: www.dgav.de (Abrufdatum: 25.03.2021)
  • S2-Leitlinie „Operative Therapie maligner Schilddrüsenerkrankungen“, Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Stand: 2012.
  • Schiergens, T. (Hrsg.): BASICS – Chirurgie, Urban&Fischer/Elsevier Verlag, 4. Auflage, 2019
  • Schwarz, N. et al.: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thieme Verlag, 7. Auflage, 2013
  • Siewert, R. et al.: Praxis der Viszeralchirurgie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2007
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