Propranolol

Von Karina Suchowski
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Propranolol gehört zur Gruppe dersogenannten Betablocker. Der Wirkstoff kann den Blutdruck senken und den Herzrhythmus normalisieren. Damit eignet sich Propranolol in erster Linie zur Behandlung von Bluthochdruck und verschiedenen Herz-Erkrankungen. Die Entwicklung kardioselektiver Betablocker hat jedoch dazu geführt, dass Propranolol heutzutage vor allem bei anderen Erkrankungen eingesetzt wird. Hier lesen Sie alles Wichtige über Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen!

So wirkt Propranolol

Propranolol  gehört zur Arzneistoffklasse der Beta-Rezeptorenblocker (Betablocker). Als solcher greift er im vegetativen (autonomen) Nervensystem an, das unter anderem den Blutdruck und die Herzarbeit steuert. In beiden Fällen erfolgt die Regulierung über bestimmte Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter), darunter vor allem über Adrenalin.

Dieses Hormon wird im Nebennierenmark produziert, kann an bestimmten Andockstellen (Beta-Rezeptoren) am Herzen binden und so das Signal für eine Beschleunigung des Herzschlags geben. Zudem kann Adrenalin die Bronchien weiten und den Stoffwechsel (Glykogen- und Fettabbau) anregen und steigern.

Propranolol konkurriert mit Adrenalin um die Beta-Rezeptoren und verdrängt den Botenstoff letztendlich. Somit kann Adrenalin nicht mehr seine herzschlagsteigerde Wirkung entfalten – mit der Folge, dass der Herzschlag sich verlangsamt und der Blutdruck sinkt. Ein wichtiger Effekt dabei ist auch, dass der Sauerstoffverbrauch des Herzens verringert wird.

Im Gegensatz zu neueren Vertretern ist Propranolol ein unselektiver Betablocker. Das bedeutet, es hemmt sowohl Beta-1-Rezeptoren (finden sich vorwiegend im Herzen) als auch Beta-2-Rezeptoren (unter anderem in der Lunge). Aufgrund dessen hat der Wirkstoff in der Behandlung von Herzerkrankungen mittlerweile an Bedeutung verloren.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Propranolol wird in der Regel als Tablette eingenommen und gelangt über die Darmwand ins Blut. Abgebaut wird der Wirkstoff in der Leber, die Ausscheidung der Abbauprodukte erfolgt hauptsächlich über die Nieren. Bereits vier bis fünf Stunden nach der Einnahme ist die Hälfte der ursprünglichen Wirkstoffmenge wieder aus dem Körper entfernt.

Wann wird Propranolol eingesetzt?

Propranolol ist ein Medikament bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anwendungsgebiete im Einzelnen sind:

  • Bluthochdruck
  • Koronare Herzkrankheit
  • bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen
  • funktionelle (nicht organisch bedingte) Herzbeschwerden
  • Muskelzittern unbekannter Ursache (essenzieller Tremor)
  • Vorbeugung von Migräne
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Darüber hinaus kann der Wirkstoff bei einfachen Angstzuständen (wie Stressangst oder Angst vor einer Prüfung) für Linderung sorgen. Die Anwendung in dieser Indikation erfolgt allerdings ausserhalb der Zulassung ("Off-Label-Use").

So wird Propranolol angewendet

Propranolol wird in der Regel über den Verdauungstrakt verabreicht, also etwa in Tablettenform oder als Lösung. Wie oft und in welcher Dosierung der Wirkstoff eingenommen werden muss, wird individuell vom Arzt festgelegt.

In manchen Fällen wird der Wirkstoff intravenös verabreicht, also direkt in eine Vene gespritzt.

Welche Nebenwirkungen hat Propranolol?

Einige Nebenwirkungen entstehen durch die Wirkung an anderen Rezeptoren des vegetativen Nervensystems. So kommt es häufig zu Schwindel, Kopfschmerzen, Schwitzen, Schlafstörungen, Taubheits- und Kältegefühl in den Gliedmassen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Auch ein Abfallen der Herzfrequenz ist möglich.

Eine bestehende Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) oder bestehendes Asthma beziehungsweise chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen können sich unter Propranolol-Anwendung weiter verschlechtern. Das Gleiche gilt für periphere Durchblutungsstörungen.

Was ist bei der Einnahme von Propranolol zu beachten?

Gegenanzeigen

Propranolol sollte in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:

  • niedriger Blutdruck (Hypotension)
  • Herzmuskelschwäche verbunden mit Wasseransammlungen im Gewebe und Atemnot (akut dekompensierte Herzinsuffizienz)
  • Schock
  • Störungen in der Erregungsbildung- oder Erregungsweiterleitung im Herzen (wie AV-Block Grad II oder III)
  • gleichzeitige Einnahme von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazemtyp (z.B. gegen Bluthochdruck oder Angina pectoris)
  • gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern = Monoaminooxidase-Hemmern (u.a. bei Depressionen und Parkinson)

Wechselwirkungen

Einige Arzneistoffe können die Wirkung von Propranolol auf Herz und Kreislauf verstärken oder sogar negativ beeinflussen und sollten daher nicht gleichzeitig eingenommen werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Herzglykoside (zur Behandlung von Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen)
  • Narkosemittel (Narkotika)
  • Phenothiazine (zum Beispiel gegen Psychosen eingesetzt)
  • Blutdruckmedikamente

Propranolol kann die Blutkonzentration des Migräne-Mittels Rizatriptan erhöhen. Dessen Dosierung sollte deshalb höchstens 5 Milligramm betragen.

Arzneistoffe, die über dasselbe Enzymsystem in der Leber abgebaut werden wie Propranolol, können mit dem Betablocker in Wechselwirkung treten. Womöglich ist dann eine Dosisanpassung notwendig. Dies betrifft zum Beispiel:

  • Rifampicin (Antibiotikum)
  • Warfarin (Gerinnungshemmer)
  • Theophyllin (Reservemedikament bei Atemwegserkrankungen)

Altersbeschränkung

Propranolol kann in entsprechender Dosierung ab der Geburt eingesetzt werden. Liegt eine schwere Nieren- oder Leberschwäche vor, muss die Dosierung angepasst werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Der Betablocker darf in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es notwendig ist. Eine Überwachung des Ungeborenen beziehungsweise Neugeborenen kann in der Folge erforderlich sein. Der Einsatz von Propranolol in der Stillzeit ist ebenfalls möglich. 

So erhalten Sie Medikamente mit Propranolol

Medikamente mit Propranolol sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig. Sie sind also nur auf Rezept erhältlich.

Seit wann ist Propranolol bekannt?

Propranolol war der erste Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der Betablocker. Es wurde in den 1960er Jahren vom späteren Nobelpreisträger James Whyte Black entwickelt und kam 1964 auf den Markt. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Häussler, B.: Arzneimittel-Atlas 2012, Springer Verlag, 2013.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Propranolol, unter: www.embryotox.de (Abruf: 30.10.2021).
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