Rifampicin

Von Felix Hintermayer
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Rifampicin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Rifamycine. Es wirkt gegen verschiedene Bakterien, vor allem Mycobakterien. Besonders effektiv ist der Wirkstoff gegen jede Form von Tuberkulose. Gegen diese Infektionskrankheit wird Rifampicin in Kombination mit weiteren Medikamenten eingesetzt. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Wirkung und Anwendung von Rifampicin, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

So wirkt Rifampicin

Das Antibiotikum Rifampicin ist gegen verschiedene Bakterienstämme wirksam. Es blockiert ein bakterielles Enzym (RNA-Polymerase), das die Keime zur Bildung lebenswichtiger Proteine brauchen. Sie sterben in der Folge ab. Das Antibiotikum hat also eine bakterizide (bakterienabtötende) Wirkung.

Weil es sich gut im Körper verteilt - Rifampicin besitzt auch eine gute intrazelluläre Wirkung -, wird es meist zur Behandlung von empfindlichen Erregern eingesetzt, die sich im Inneren von Körperzellen aufhalten, beispielsweise diverse Mycobakterien.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Rifampicin wird nach der Einnahme über den Mund gut aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Dort bindet es zu etwa 80 Prozent an Plasmaproteine und wird gleichmässig im Körper verteilt. Besonders hohe Konzentrationen lassen sich in der Lunge und Galle feststellen.

Ungefähr zwei bis fünf Stunden nach der Einnahme hat die Hälfte des Antibiotikums hauptsächlich mit der Galle (und damit mit dem Stuhl) den Körper wieder verlassen. Diese Eliminationshalbwertszeit verkürzt sich bei längerer Therapiedauer.

Wann wird Rifampicin angewendet?

Rifampicin wird angewendet zur:

  • Behandlung der Tuberkulose (in Kombination mit weiteren Medikamenten)
  • Behandlung von Infektionen mit nicht-tuberkulösen Mycobakterien (in Kombination mit anderen Medikamenten)
  • Behandlung der Lepra (in Kombination mit anderen Medikamenten)
  • Behandlung bestimmter nicht-mycobakterieller Infektionen (in Kombination mit anderen Medikamenten)
  • Behandlung der Brucellose (in Kombination mit einem Tetracyclin-Antibiotikum)
  • Vorbeugung (Prophylaxe) einer durch Meningokokken ausgelösten Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis)

Wie lange Rifampicin eingenommen muss (und ggf. mit welchen anderen Medikamenten), hängt von der jeweiligen Infektion ab.

So wird Rifampicin angewendet

Der Wirkstoff wird meist oral eingenommen. Tuberkulose-Patienten erhalten üblicherweise einmal täglich zehn Milligramm Rifampicin pro Kilogramm Körpergewicht. Bei anderen Infektionen beträgt die Dosierung meist zweimal täglich sechs bis acht Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Welche Nebenwirkungen hat Rifampicin?

Relativ viele Patienten entwickeln während der Behandlung leichte Funktionsstörungen der Leber. Schwere toxische Leberschäden sind aber selten.

Da schwere Nebenwirkungen im Bereich der Leber vor allem bei einem vorgeschädigten Organ auftreten, wird die Leberfunktion vor Therapiebeginn überprüft. Während der Behandlung sollten regelmässig die Leberwerte (wie Leberenzyme) überprüft werden.

Weitere mögliche Rifampicin-Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Zyklusstörungen, Hautreaktionen (wie Rötung, Juckreiz) sowie ein vorübergehender Mangel an bestimmten Blutzellen (neutrophile Granulozyten und Thrombozyten). Auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Appetitmangel können auftreten.

Manche Patienten entwickeln grippeähnliche Beschwerden (vor allem bei unregelmässiger Einnahme oder bei Wiederbeginn einer unterbrochenen Einnahme des Antibiotikums).

Rifampicin kann sämtliche Körperflüssigkeiten (Urin, Speichel, Schweiss, Tränen, Stuhl etc.) orangerot färben.

Sollten Sie unter starken Nebenwirkungen leiden oder andere als die genannten Beschwerden während der Behandlung entwickeln, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf.

Was ist bei der Einnahme von Rifampicin zu beachten?

Gegenanzeigen

Rifampicin darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Rifamycine
  • schwerer Leberfunktionsstörung
  • gleichzeitiger Behandlung mit bestimmten Wirkstoffen gegen HIV (mit Protease-Hemmstoffen, nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmstoffen oder Integrase-Hemmstoffen)
  • gleichzeitiger Behandlung mit bestimmten Wirkstoffen gegen Hepatitis C (mit Nichtstrukturprotein 5A-Hemmstoffen oder den Polymerase-Hemmstoffen Dasabuvir und Sofosbuvir)
  • gleichzeitiger Behandlung mit Voriconazol (Antipilzmittel)
  • gleichzeitiger Behandlung mit Cobicistat (Booster für manche Antibiotika)

Wechselwirkungen

Gefährlich werden kann auch die Kombination mit weiteren leberschädigenden Medikamenten sowie die Anwendung von Rifampicin bei regelmässigem Alkoholkonsum.

Das Antibiotikum regt die Bildung von Leberenzymen stark an. Davon betroffen sind CYP-Enzyme (wie CYP3A4, CYP2, CYP2B, CYP2C), UDP-Glucuronosyl-Transferase 1A (UGT1A) sowie P-Glykoproteine. Diese Enzyme sorgen unter anderem für den Abbau verschiedener Arzneimittel - auch von Rifampicin selbst. Das Antibiotikum kann also den eigenen Abbau und den von anderen Arzneistoffen beschleunigen.

Beispiele für solche Arzneistoffe sind orale Verhütungsmittel, orale Diabetes-Medikamente, Cumarine (Gerinnungshemmer), Glukokortikoide ("Kortison") sowie Herz-Kreislauf-Mittel (wie Digitoxin und Betablocker). Durch den beschleunigten Abbau kann deren Wirkung sowie die von Rifampicin selbst verringert oder komplett aufgehoben sein. So kann etwa eine Frau während einer Rifampicin-Therapie trotz Einnahme der Verhütungspille schwanger werden.

Ihr Arzt wird Sie daher vor Beginn der Rifampicin-Behandlung sehr gründlich nach anderen Arzneimitteln fragen, die Sie einnehmen, um Wechselwirkungen so gut es geht von vornherein zu vermeiden.

Während der Behandlung mit Rifampicin sollten Sie - bevor Sie ein neues Medikament zusätzlich einnehmen (auch freiverkäufliche und pflanzliche Präparate) - zuerst Ihren Arzt oder Apotheker fragen, ob sich das betreffende Medikament für die gleichzeitige Anwendung eignet.

Altersbeschränkung

Rifampicin kann, wenn es notwendig ist, bereits Säuglingen in angepasster Dosierung verabreicht werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Eine akute Tuberkulose in der Schwangerschaft kann mit Rifampicin behandelt werden. Bei anderen Infektionen sollte die Anwendung dagegen kritisch geprüft werden - es empfiehlt sich, hier nach Möglichkeit auf andere und besser erprobte Antibiotika auszuweichen.

Bei längerer Anwendung von Rifampicin in der Schwangerschaft kann die Bildung von Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren gehemmt werden. Das Neugeborene kann in der Folge zu Blutungen neigen. Um solche zu verhindern, bekommt es sofort nach der Geburt Vitamin K verabreicht.

Auch bei Tuberkulose in der Stillzeit gehört Rifampicin zu den Mitteln der Wahl. Bisherigen Berichten zufolge besteht kein Risiko für den gestillten Säugling, wenn die Mutter mit dem Antibiotikum behandelt wird. In einzelnen Fällen bekommen Babys einen dünnere Stuhlgang und selten Durchfall.

So erhalten Sie Medikamente mit Rifampicin

Rifampicin ist in oraler Form (etwa als Tablette) sowie als Infusionslösung erhältlich. Der Wirkstoff ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz in jeder Darreichungsform und Dosierung rezeptpflichtig.

Seit wann ist Rifampicin bekannt?

Im Jahr 1957 wurden antibakteriell wirksame Substanzen aus dem Pilz Streptomyces mediterranei isoliert und Rifamycine genannt. Ihr bekanntester Vertreter ist Rifampicin.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Adam, D. et al.: Die Infektiologie, Springer-Verlag, 2013.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 17. Auflage, 2010.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Rifampicin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 16.01.2022).
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