AV-Block

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Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Der AV-Block (atrioventrikuläre Block) ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die elektrischen Signale vom Herzvorhof verlangsamt oder gar nicht mehr zur Herzkammer weitergeleitet werden. Die Herzfrequenz sinkt hierdurch unter Umständen. Manchmal treten Schwindel oder Bewusstlosigkeit auf. Durch einen Herzschrittmacher lässt sich die Rhythmusstörung therapieren. Lesen Sie alles zu Symptomen, Diagnose und Therapie eines AV-Blocks.

Herzschrittmacher hilft bei AV-Block

Was ist ein AV-Block?

In Ruhe schlägt das Herz etwa 60- bis 80-mal pro Minute. Bei jedem Herzschlag kontrahiert der Herzmuskel und pumpt dabei das sauerstoffarme Blut aus dem Körper in die Lunge und das aus der Lunge kommende, mit Sauerstoff angereicherte Blut in den Körper.

Der Auslöser für jede Kontraktion, und somit für jeden Herzschlag, ist ein elektrischer Impuls. Er entsteht im Herzen selbst, im sogenannten Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens. Vom Sinusknoten aus wird der elektrische Impuls über die Vorhöfe zum AV-Knoten geleitet.

Er befindet sich im rechten Vorhof an der Grenze zur Herzkammer und stellt die einzige elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern dar. Über den AV-Knoten gelangt der elektrische Impuls über eine nachgeschaltete Gruppe spezialisierter Herzmuskelzellen, das His-Bündel und die Purkinje-Fasern, zu den Muskelzellen der linken und rechten Herzkammer.

Bei einem atrioventrikulären Block ist die Erregungsübertragung zwischen Vorhöfen und Herzkammern gestört. Die elektrischen Impulse werden bei den Betroffenen nur langsam oder in schweren Fällen gar nicht mehr vom AV-Knoten in die Herzkammern geleitet. Menschen über 70 Jahre mit Herzerkrankungen sind am häufigsten von einem AV-Block betroffen.

Welche Schweregrade gibt es beim AV-Block?

Je nach Schweregrad unterscheiden Ärzte drei Formen des AV-Blocks:

Bei einem AV-Block 1. Grades (AV-Block 1) ist die Weiterleitung des elektrischen Signals zwar nicht unterbrochen, jedoch verzögert. Meistens haben die Betroffenen keine Symptome. Der Block wird häufig nur durch Zufall im EKG (Elektrokardiogramm) sichtbar.

Ein AV-Block 2. Grades (AV-Block 2) ist dadurch gekennzeichnet, dass nicht alle elektrischen Signale aus dem Vorhof die Kammern erreichen. Ärzte unterscheiden beim AV-Block 2. Grades zwei verschiedene Typen, den AV-Block Wenckebach und den AV-Block Mobitz. Beim Typ Mobitz wird nur jeder zweite oder dritte elektrische Impuls über den AV-Knoten weitergeleitet und die dazwischenliegenden nicht.

Beim Typ Wenckebach wird die Weiterleitung periodisch von Impuls zu Impuls träger, bis sie schliesslich einmalig ganz ausfällt. Danach beschleunigt sich die Weiterleitung zunächst wieder, um sich daraufhin erneut zu verlangsamen. Mediziner sprechen aufgrund dieses Musters von der sogenannten Wenckebach-Periodik. Ein AV-Block 2. Grades tritt manchmal auch bei jungen, herzgesunden Menschen auf.

Bei einem AV-Block 3. Grades (AV-Block 3) ist die Überleitung des Signals vom Vorhof zur Kammer komplett unterbrochen, beide sind entkoppelt. Die Herzkammern sind allerdings in der Lage, selbst elektrische Impulse – und damit Herzschläge – zu generieren. Der Herzschlag verlangsamt sich jedoch in der Regel deutlich, zum Teil auf nur 20 bis 30 Schläge pro Minute. Rund zwei Prozent der über 70-Jährigen erleiden einen AV-Block 3. Er ist sehr gefährlich.

Welche Symptome treten beim AV-Block auf?

Beschwerden treten meist erst ab einem AV-Block 2. Grades auf. Sie sind vor allem davon abhängig, wie lange die einzelnen Herzschläge auseinanderliegen. Der Herzschlag selbst fühlt sich manchmal unregelmässig an. Vielen Betroffenen ist übel oder anhaltend schwindelig, unter Umständen verlieren sie das Bewusstsein. Häufig sinkt die körperliche und geistige Belastbarkeit, Betroffene leiden zuweilen an Atemnot oder ermüden leicht.

Beim AV-Block 3. Grades sinkt der Puls unter Umständen auf weniger als 40 Schläge pro Minute. Daher werden verschiedene Organe nur noch schlecht durchblutet. Wenn die elektrische Weiterleitung komplett blockiert ist, dauert es teilweise einige Zeit, bis der von den Kammern erzeugte Ersatzrhythmus anspringt. Bis dahin wird das Gehirn kaum noch durchblutet. Teilweise treten Schwindel- oder Ohnmachtsanfälle auf.

Bei einem Stillstand, der länger als 20 Sekunden dauert, sind Krampfanfälle oder ein Atemstillstand möglich. Daher ist der AV-Block 3 ein lebensbedrohliches Ereignis.

Lässt sich ein AV-Block heilen?

Je nach Grad des AV-Blocks ist die Prognose unterschiedlich. Wenn der AV-Block durch Medikamente ausgelöst wurde, so verschwindet er oft, nachdem diese abgesetzt werden. Das Gleiche gilt, wenn heilbare Grunderkrankungen für den AV-Block verantwortlich sind, die erfolgreich behandelt wurden.

In den Fällen, in denen das Reizleitungssystem dauerhaft geschädigt und der AV-Block nicht heilbar ist, schützt in der Regel die Implantation eines Herzschrittmachers vor Komplikationen. Es ist allerdings im Krankheitsverlauf möglich, dass ein AV-Block 1 oder 2 in einen höhergradigen AV-Block übergeht. 

Ein AV-Block 3. Grades ist unbehandelt aufgrund der sehr langsamen Herzfrequenz und der Gefahr langer Pausen zwischen den Herzschlägen potenziell lebensbedrohlich. Eine langfristige Schrittmacherbehandlung ist deshalb bei einigen Betroffenen unerlässlich, begünstigt jedoch langfristig unter Umständen eine Herzschwäche.

Wie hoch die Lebenserwartung bei einem schweren AV-Block ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Sie hängt massgeblich von der Schwere der Symptome und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Schwerbehinderung durch AV-Block?

Ob Herzrhythmusstörungen wie der AV-Block als Behinderung oder sogar Schwerbehinderung anerkannt werden, hängt davon ab, wie stark sie die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Auf einen entsprechenden Antrag hin ermittelt ein ärztlicher Gutachter den Grad der Behinderung.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein AV-Block entsteht meistens bei Erkrankungen des Herzens wie Herzschwäche, Herzmuskelentzündungen, angeborenen Herzfehlern, koronarer Herzerkrankung oder Herzinfarkt. Unter Umständen lösen auch rheumatische Erkrankungen, Tumore oder Herzklappen- und Bypassoperationen einen AV-Block aus. Eine weitere Ursache für einen AV-Block ist die Einnahme bestimmter Medikamente. Hierzu zählen Wirkstoffe, die bei Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommen.

Man geht davon aus, dass psychische Faktoren, Stress, Nervosität und Angst zwar grundsätzlich Herzrhythmusstörungen begünstigen, als typische Auslöser eines AV-Blocks gelten sie jedoch nicht.

Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt erfragt zunächst, welche Beschwerden der Betroffene hat, ob er unter anderen Erkrankungen leidet oder ob er Medikamente einnimmt. Dies ist wichtig zu wissen, da manche Wirkstoffe den Herzrhythmus beeinflussen. Anschliessend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt unter Umständen bereits einen verlangsamten Puls feststellt.

In den meisten Fällen reicht ein sogenanntes Elektrokardiogramm (EKG), um die Rhythmusstörung zu diagnostizieren. Bei einem EKG zeichnet der Arzt die elektrischen Herzströme auf. Manchmal ist dies über längere Zeit nötig, um die Rhythmusstörung zu erfassen (Langzeit-EKG). Da ein AV-Block teilweise nur unter körperlicher Belastung auftritt, ist ein sogenanntes Belastungs-EKG hilfreich. Hierbei radelt der Betroffene während der Aufzeichnung der Herzströme auf einer Art Hometrainer.

Behandlung

Bei Menschen, die an einem AV-Block leiden, ist es zunächst wichtig, die möglichen Ursachen zu beseitigen. Gelingt dies, bildet sich ein AV-Block unter Umständen komplett zurück. Wenn der Betroffene beispielsweise bestimmte Medikamente einnimmt, die einen AV-Block unter Umständen begünstigen, ist es ratsam, diese abzusetzen oder gegen andere Wirkstoffe auszutauschen. Liegen dem AV-Block andere Erkrankungen zugrunde, ist es notwendig, diese so gut wie möglich zu behandeln.

Eine symptomatische Behandlung ist bei einem AV-Block 1. Grades oder einem AV-Block 2. Grades vom Typ Wenckebach meist nicht notwendig. Manchmal kommen bei einem sehr langsamen Herzschlag Medikamente zum Einsatz. Wenn Betroffene Beschwerden haben oder schon einmal bewusstlos geworden sind, ist es meistens erforderlich, einen Herzschrittmacher einzusetzen. Er übernimmt die Aufgaben des Sinus- und AV-Knotens, wenn der Herzschlag zu langsam wird.

Bei einem AV-Block 3. Grades ist ein dauerhafter Herzschrittmacher oft auch dann ratsam, wenn der Betroffene keine Beschwerden hat. Er ist unter Umständen sogar lebensrettend.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Annett Blättermann
Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
R00I48I46I47I49I45I44
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • AMBOSS: AV-Block, unter: www.amboss.com (Abrufdatum: 13.12.2021)
  • Baenkler, H.-W. et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, 4. Auflage 2021
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Versorgungsmedizinverordnung – VersMedV – Versorgungmedizinische Grundsätze. (Stand: Januar 2021)
  • Deutsche Herzstiftung, www.herzstiftung.de (Abrufdatum: 30.11.2021)
  • Herold. G. et al.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2022
  • Knabben, V. et al.: Third-Degree Atrioventricular Block. StatPearls (Internet), Stand August 2021
  • Medscape Online: Sandesara, CM et al.: Atrioventricular Block http://emedicine.medscape.com/article/151597-overview (Abrufdatum: 30.11.21)
  • Schmaltz, A.A.: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der pädiatrischen Kardiologie. Urban & Fischer Verlag, 1. Auflage 2007
  • Zipes, D.P. et al.: Braunwalds Heart Disease. Saunders Verlag, 11. Auflage 2018
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