Chronische Bronchitis

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und , Biologin und Medizinredakteurin
und , Medizinredakteurin und Biologin
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Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die chronische Bronchitis ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen der Atemwege. Hauptursache ist Rauchen. Typisches Symptom ist chronischer Husten mit Auswurf. In schweren Fällen kommt Atemnot hinzu. Eine chronische Bronchitis betrifft in der Mehrzahl männliche Raucher. Lesen Sie alles Wichtige über Symptome, Behandlung und Gefahren der chronischen Bronchitis!

Chronische Bronchitis

Kurzübersicht

  • Symptome: Häufiger Husten mit Auswurf (verstärkte Schleimbildung); später Atemnot bei Belastung oder auch ohne Belastung, geminderte Leistungsfähigkeit; bei Komplikationen Herzrhythmusstörungen, bläuliche Haut und Nägel durch Sauerstoffmangel sowie Ödeme
  • Behandlung: Tabakkonsum einstellen, nicht-medikamentös durch Inhalation, Klopfmassagen, Atemgymnastik; medikamentös mit bronchienerweiternden Wirkstoffen oder Kortison; Antibiotika bei bakterieller Sekundärinfektion
  • Ursachen: Primär Rauchen, seltener genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse wie Schadstoffe
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), körperliche Untersuchung mit Abhören der Lunge, Lungenfunktionstest (Spirometrie), Röntgen-Thorax, Computertomografie (CT), Untersuchung des Auswurfs und der Blutgase, ggf. Elektrokardiografie (EKG) und Echokardiografie (Herzultraschall) bei Komplikationen
  • Prognose: Selten heilbar, im frühen Stadium mit Therapie oft gute Prognose; bei fortgeschrittener Bronchitis (COPD) besteht Gefahr für Komplikationen wie Rechtsherzschwäche oder Herzrhythmusstörungen sowie Atemnot, die Prognose ist dann deutlich schlechter
  • Vorbeugung: Rauchstopp, Kontakt mit Reizstoffen meiden, gesunder Lebensstil mit regelmässiger Bewegung; einer erblich-bedingten chronischen Bronchitis lässt sich kaum vorbeugen

Was ist eine chronische Bronchitis?

Mediziner nennen eine Bronchitis chronisch, wenn jemand in zwei aufeinander folgenden Jahren für jeweils mindestens drei Monate fast täglich unter Husten mit Auswurf leidet. Bei den Betroffenen ist die Schleimhaut der Bronchien chronisch entzündet. Die Bronchien sind grosse Verästelungen der Luftröhre im Brustkorb.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der chronischen Bronchitis:

  • Einfache (nicht-obstruktive) chronische Bronchitis: Hierbei sind die Bronchien chronisch entzündet. Es ist meist die leichtere der beiden Krankheitsformen.
  • Obstruktive chronische Bronchitis: Hier sind die chronisch-entzündeten Bronchien zusätzlich verengt (Obstruktion = Verlegung, Blockierung). Ärzte sprechen auch von chronisch-obstruktiver Bronchitis (COB), im Volksmund ist häufig die Rede von "Raucherhusten".

Eine obstruktive chronische Bronchitis entwickelt sich meist weiter zu einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung(COPD). Dann sind zusätzlich die Lungenbläschen überbläht (Lungenemphysem). Die COPD ist also eine chronisch-obstruktive Bronchitis in Kombination mit einem Lungenemphysem. Die Krankheit zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen.

Wer ist von chronischer Bronchitis betroffen?

In der Schweiz leiden etwa 400.000 Menschen an einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor: Jeder zweite Raucher über 40 Jahren hat eine chronische Bronchitis – Männer erkranken dabei häufiger als Frauen. Fast alle Patienten haben geraucht oder tun es auch nach der Diagnosestellung weiter.

Symptome

Die chronische Bronchitis geht mit produktivem Husten (Husten mit Auswurf) einher. Besonders morgens macht er sich bemerkbar. Normalerweise ist der Auswurf schleimig-weisslich. Haben sich auf der entzündeten Bronchialschleimhaut zusätzlich Bakterien ausgebreitet, verfärbt sich der Auswurf gelblich-eitrig.  

Bei zusätzlichem Reizen der chronisch entzündeten Bronchien (etwa durch Luftschadstoffe, Tabakrauch, Infektionen et cetera) verschlimmern sich die Symptome meist.

Husten mit mehr oder weniger Auswurf ist auch das typische Anzeichen einer akuten Bronchitis. Bei der chronischen Bronchitis sind die Beschwerden aber deutlich weniger ausgeprägt.

Der Allgemeinzustand des Patienten ist bei einer chronischen Bronchitis in der Regel gut. Probleme beim Atmen treten nicht beziehungsweise kaum auf.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich oft aus einer einfachen chronischen Bronchitis eine chronisch-obstruktive Bronchitis, das heisst: Die entzündeten Bronchien verengen sich zunehmend. Das behindert das Durchströmen der Luft beim Ein- und Ausatmen.

Bei einer leichten Verengung tritt nur unter Belastung Atemnot auf, etwa beim Laufen. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, verengen sich die Atemwege aber zunehmend. Dadurch fällt das Atmen immer schwerer. Schon bei mässiger Anstrengung (etwa Treppensteigen) kommen die Patienten schnell ausser Atem. Im schlimmsten Fall verursacht eine obstruktive chronische Bronchitis Atemnot auch ohne körperliche Anstrengung (also in Ruhe).

Das erschwerte Atmen kostet die Patienten viel Energie. Sie sind deshalb nur vermindert leistungsfähig.

Als wichtigste Komplikation einer obstruktiven chronischen Bronchitis gilt eine Überlastung des rechten Herzens (Cor pulmonale). In der Folge treten dann meist Herzrhythmusstörungen auf. Durch die verminderte Pumpkraft des Herzmuskels lagert sich Wasser in das Gewebe der Beine ein (Ödeme). Ausserdem leiden die Betroffenen ständig unter einem erheblichen Sauerstoffmangel. Bläuliche Lippen und Fingernägel sind Anzeichen dafür.

In allen Stadien einer obstruktiven chronischen Bronchitis besteht die Gefahr, dass es zu Symptomen eines Lungenemphysems kommt: Indem Lungenbläschen überdehnen und zugrunde gehen und die Atemleistung der Lunge dauerhaft abnimmt. Die Lunge überbläht. Aus der chronischen Bronchitis hat sich dann eine COPD entwickelt. Der Übergang ist dabei fliessend.

Durch die chronische Bronchitis ist die Selbstreinigungskraft der Lunge beeinträchtigt. Die Patienten sind daher anfällig für zusätzliche bakterielle Atemwegsinfektionen. Auch das Risiko für eine Lungenentzündung ist erhöht.

Kann eine chronische Bronchitis behandelt werden?

Rauchen ist der wichtigste Auslöser für eine chronische Bronchitis. Die Behandlung ist deshalb nur dann erfolgreich, wenn Betroffeneauf den Tabak komplett verzichten ("Rauchstopp"). Auch Passivrauchen ist zu vermeiden. Anderen Schadstoffen, welche die Bronchien reizen, ist ebenfalls nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen. Kommt der Patient am Arbeitsplatz in Kontakt mit solchen Reizstoffen, ist eventuell eine Umschulung ratsam.

Die weitere Therapie der chronischen Bronchitis hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Prinzipiell gibt es nicht-medikamentöse und medikamentöse Massnahmen.

Nicht-medikamentöse Massnahmen

Unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung gilt: Die chronische Bronchitis erfordert eine intensive Schulung des Patienten. Dieser ist nämlich in der Lage, durch entsprechende Verhaltensänderungen und viel Eigeninitiative das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten – indem der Betroffene lernt, wie man richtig inhaliert und mithilfe einer Klopfmassage festsitzenden Schleim in den Bronchien ablöst.

Sinnvoll sind auch spezielle Atemtechniken. Häufig empfehlen Ärzte etwa die "Lippenbremse": Dabei atmet der Patient durch die fast geschlossenen Lippen aus. So entsteht ein höherer Druck in den Bronchien, was deren Zusammenfallen vermindert. Auch eine Atemgymnastik ist hilfreich und unterstützt die Atemarbeit. Dabei zeigt ein Physiotherapeut dem Patienten geeignete Übungen.

Eine chronische Bronchitis verleitet viele Patienten dazu, sich zu schonen. Das gilt besonders, wenn sie zusätzlich verengte Atemwege haben (obstruktive chronische Bronchitis). Es ist aber sehr wichtig, dass die Patienten körperlich aktiv bleiben. Regelmässige Bewegung und Sport steigern die allgemeine Belastbarkeit und die Lebensqualität. Ist die chronische Bronchitis schon weiter fortgeschritten, trainieren Sie am besten unter ärztlicher Aufsicht.

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist ebenfalls sehr wichtig. Sie fördert allgemein die Gesundheit. Besonders wichtig ist sie bei untergewichtigen Patienten. Vor allem die obstruktive chronische Bronchitis kostet mitunter so viel Kraft, dass die Betreffenden deutlich an Gewicht verlieren. Dann ist kalorienreichere Ernährung angezeigt. Achten Sie ausserdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Medikamente bei chronischer Bronchitis

Bei Bedarf verschreibt der Arzt bronchienerweiternde Medikamente(Bronchodilatatoren), zum Beispiel sogenannte Beta-Sympathomimetika. Sie lindern die Atemnot, die eine obstruktive chronische Bronchitis begleitet.

Manchmal erhalten die Patienten sogenannte Glukokortikoide ("Kortison"). Diese hemmen die chronische Entzündung in den Bronchien und wirken abschwellend auf die Schleimhaut. Die Wirkstoffe sind meist zu inhalieren.

Geht die chronische Bronchitis zusätzlich mit einer bakteriellen Infektion einher, verschreibt der Arzt Antibiotika.

Eine (obstruktive) chronische Bronchitis verschlechtert sich mitunter akut (Exazerbation). Mögliche Auslöser sind zum Beispiel akute Infektionen mit Bakterien oder Viren. Dann ist eine schnelle und intensive Behandlung durch den Arzt nötig, gegebenenfalls in einem Krankenhaus.

Manche Patienten berichten, dass ihnen schleimlösende Mittel (wie Acetylcystein oder Ambroxol) gut tun. Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Was führt zu einer chronischen Bronchitis?

Die chronische Bronchitis ist in erster Linie eine "Raucherkrankheit": Tabakrauch schädigt direkt die Schleimhaut der Atemwege. Sie entzündet sich und produziert vermehrt zähen Schleim.

Ausserdem hemmt Tabakrauch die Bewegung der Flimmerhärchen in den Bronchien. Diese befördern normalerweise Schleim, Keime und andere Fremdstoffe in Richtung Ausgang (Luftröhre und Rachen). Bei Rauchern sind sie dazu aber nicht mehr ausreichend in der Lage.

Die Kombination aus vermehrter Schleimbildung und einem beeinträchtigten Abtransport des Schleims ist typisch für eine chronische Bronchitis.

Seltenere Ursachen für chronische Bronchitis

Seltener lösen Schadstoffe in der Umwelt und am Arbeitsplatz eine chronische Bronchitis aus. Das sind zum Beispiel Gase, Stäube und Dämpfe, welche die Atemwege reizen. Beispiele sind Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon, Cadmium, Silikate, Holz-, Papier-, Getreide- und Textilstäube.

Ebenfalls selten entsteht eine chronische Bronchitis durch sogenannte endogene Faktoren. Das sind Faktoren, die beim Patienten selbst liegen, beispielsweise genetische Faktoren. So löst in manchen Fällen der angeborene Mangel des Enzyms Alpha-1-Antitrypsin eine chronische Bronchitis aus. Auch ein sogenanntes Antikörpermangelsyndrom kommt als Ursache infrage. Andere Menschen leiden an einer angeborenen Störung der Flimmerhärchen in den Atemwegen. Sie entwickeln oft schon in der Kindheit eine obstruktive chronische Bronchitis.

Bei einigen Patienten hat sich ein schwerer akuter Atemwegsinfekt zu einer chronischen Bronchitis ausgeweitet. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn Betroffene den Infekt nicht oder erst spät behandeln lassen – ein Infekt also verschleppt wird. Auch wiederholte Atemwegsinfekte tragen zur Entstehung einer chronischen Bronchitis bei.

Mediziner diskutieren über weitere Risikofaktoren für (obstruktive) chronische Bronchitis. Dazu zählen etwa ein geringes Geburtsgewicht, frühkindliche Infektionen, eine Neigung zu allergischen Erkrankungen (wie Neurodermitis, Heuschnupfen, allergisches Asthma) sowie ein überempfindliches Atemwegssystem.

Wie lässt sich eine chronische Bronchitis feststellen?

Bei Verdacht auf eine chronische Bronchitis ist ein erfahrener Hausarzt oder ein Lungenfacharzt (Pneumologe) der richtige Ansprechpartner.

Der Arzt unterhält sich zuerst ausführlich mit dem Patienten, um dessen Krankengeschichte zu erheben (Anamnesegespräch). Mögliche Fragen dabei sind:

  • Welche Symptome haben Sie genau? Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Sind Sie Raucher?
  • Seit wann und wie viel rauchen Sie?
  • Waren/Sind Sie einer besonderen Schadstoffbelastung ausgesetzt, etwa am Arbeitsplatz?
  • Haben Sie irgendwelche Vor- oder Grunderkrankungen?

Danach folgt die körperliche Untersuchung. Unter anderem hört der Arzt dabei mit dem Stethoskop die Lunge ab. Es fallen ihm dabei meist Rasselgeräusche auf. Liegt eine obstruktive chronische Bronchitis vor, ist im Allgemeinen ein sogenanntes Giemen zu hören. Das ist ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Es deutet auf verengte Atemwege hin.

Lungenfunktionstest

Mit einem Lungenfunktionstest prüft der Arzt, wie gut die Lunge des Patienten arbeitet. Das ist vor allem bei obstruktiver chronischer Bronchitis wichtig. Zur Verfügung stehen verschiedene Methoden, beispielsweise die Spirometrie. Noch genauer lässt sich die Lungenfunktion mit einer sogenannten Bodyplethysmografie testen.

Eine Peak-Flow-Messung hilft ebenfalls dabei, das Ausmass einer obstruktiven chronischen Bronchitis einzuschätzen. Ausserdem erlauben es wiederholte Peak-Flow-Messungen, den Erfolg einer Behandlung zu beurteilen. Besteht der Verdacht, dass der Patient eine überempfindliche Bronchialschleimhaut hat, wird mit Methacholin oder Histamin ein Provokationstest gemacht. Dafür wird ein feiner Dampf des Wirkstoffs eingeatmet. Dann misst man mittels Peak-Flow-Meter, ob sich die Strömungsgeschwindigkeit der Luft beim Ausatmen verringert hat.

Röntgenuntersuchung des Brustkorbs

Röntgenaufnahmen des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) dienen vor allem dazu, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschliessen. So lösen zum Beispiel Lungenkrebs und Lungen-Tuberkulose ähnliche Symptome wie eine chronische Bronchitis aus. Das Gleiche gilt für Fremdkörper in der Lunge sowie sogenannte Bronchiektasen (Aussackungen der Bronchien).

Eine chronische Bronchitis hinterlässt auf dem Röntgenbild unregelmässige, diffuse Streifen- oder Bandschattenstreifen. Mediziner sprechen hierbei von Plattenatelektasen oder "dirty chest". Die Schatten entstehen dadurch, dass in den Lungenbläschen zu wenig oder keine Luft enthalten ist. Der entsprechende Lungenbereich ist dadurch vermindert oder gar nicht entfaltet.

Weitere Untersuchungen

Manchmal kommt die Computertomografie (CT) zum Einsatz, die den Brustkorb bildlich darstellt. So lassen sich etwa Bronchiektasen ausschliessen.

Der Arzt untersucht mitunter eine Probe des abgehusteten Auswurfs (Sputum) genauer. So lässt sich zum Beispiel feststellen, ob sich zusätzlich eine bakterielle Infektion in den Atemwegen ausgebreitet hat.

Oft messen Ärzte die Blutgase, also den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt sowie den pH-Wert des Blutes. Aus den Ergebnissen lässt sich abschätzen, wie weit fortgeschritten eine chronische Bronchitis ist. Das ist besonders bei obstruktiver chronischer Bronchitis wichtig.

Wenn der Arzt vermutet, dass eine obstruktive chronische Bronchitis die rechte Herzhälfte überbelastet (Cor pulmonale), sind weitere Untersuchungen nötig. Dazu gehören vor allem eine Elektrokardiografie (EKG) sowie eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie). Eventuell ist eine Untersuchung mittels Herzkatheter sinnvoll.

Eine chronische Bronchitis entwickelt sich meist erst im höheren Alter. Ist der Patient aber jünger als 45 Jahre und/oder gibt es Fälle von COPD in seiner Familie, ist die Ursache oft ein vererbbarer Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (Antitrypsinmangel). Auch ein angeborener Mangel an bestimmten Antikörpern (Antikörpermangelsyndrom) steckt gegebenenfalls dahinter. Entsprechende Hinweise liefert eine Blutuntersuchung.

Wie sieht der Behandlungserfolg bei chronischer Bronchitis aus?

Selten ist eine chronische Bronchitis heilbar – Voraussetzung dafür ist, sie befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium und der Auslöser (Rauchen, andere Schadstoffe et cetera) wird strikt gemieden. Aber auch eine einfache chronische Bronchitis bleibt meist lebenslang bestehen. Die Lebenserwartung ist mit entsprechender Behandlung im Allgemeinen sehr hoch und Betroffene erreichen ein hohes Alter – die einfache chronische Bronchitis verkürzt nicht die Lebenszeit.

Bei knapp 20 Prozent der Patienten entsteht jedoch mit der Zeit aus der einfachen eine obstruktive chronische Bronchitis. Die Atemwege sind dann dauerhaft verengt. Mit Medikamenten (wie Sympathomimetika) lässt sich diese Verengung nur teilweise rückgängig machen oder es lassen sich zumindest die Beschwerden lindern.

Entwickelt sich aus der obstruktiven chronischen Bronchitis eine COPD, ist die Prognose weniger günstig, da die COPD eine sehr ernste und fortschreitende Lungenerkrankung ist. Sie verkürzt die Lebenserwartung eines Patienten um etwa acht bis zehn Jahre.

Eine weitere gefürchtete Komplikation ist die Rechtsherzschwäche (Cor pulmonale).

Ausserdem macht eine chronische Bronchitis generell anfälliger für Infektionen, beispielsweise Grippe (Influenza) und Lungenentzündung. Solche Komplikationen verschlechtern meist den Zustand eines Patienten deutlich. Deshalb empfehlen Ärzte, dass sich Menschen, die eine obstruktive chronische Bronchitis haben, regelmässig gegen Grippe und Pneumokokken (häufige Auslöser von Lungenentzündung) impfen lassen.

Lässt sich einer chronischen Bronchitis vorbeugen?

Da Rauchen die Hauptursache für eine chronische Bronchitis ist, lässt sich der Erkrankung am besten dadurch vorbeugen, das Rauchen stark zu reduzieren oder vollständig einzustellen. Nur ein "Rauchstopp" verhindert eine übermässige Reizung der Schleimhäute in den Atemwegen, insbesondere der Bronchien.

Meiden Sie Reizstoffe, die als Auslöser infrage kommen. Sprechen Sie mit dem Arbeitgeber, wenn Sie den Verdacht haben, dass es in Ihrem beruflichen Umfeld (am Arbeitsplatz) Substanzen gibt, die Ihre Atemwege reizen. Möglicherweise ist eine Umstrukturierung oder ein Arbeitsplatzwechsel erforderlich.

Liegen erbliche Risikofaktoren vor, lässt sich einer chronischen Bronchitis kaum beziehungsweise gar nicht vorbeugen. Führen Sie einen möglichst gesunden Lebensstil und bleiben Sie regelmässig in Bewegung, um Komplikationen vorzubeugen.

Weiterführende Informationen

Leitlinien:

  • S2k-Leitlinie "Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten" der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) (Stand: 2019): www.awmf.org
  • S2k-Leitlinie "Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)" der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) (Stand: 2018): www.awmf.org

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Beate Eigler
Autoren:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter
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Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
J42J41
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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