Spirometrie

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Die Spirometrie (auch: Spirographie) ist ein Routineverfahren zur Untersuchung der Lungenfunktion. Der Arzt misst dafür die Luftmenge und -geschwindigkeit beim Atmen. Er kann damit viele Lungenkrankheiten wie Asthma oder COPD erkennen oder den Therapieerfolg bei solchen Erkrankungen überprüfen. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Durchführung der Spirometrie, Auswertung und mögliche Risiken.

Lungentest Spirometrie

Spirometrie: Wann ist sie notwendig?

Gründe für eine spirometrische Untersuchung sind unter anderem:

  • Abklärung der Ursache von chronischem Husten oder Atemnot (Dyspnoe)
  • Verdacht auf Erkrankungen der Atemwege, der Lunge oder des Herzens
  • Verdacht auf Erkrankungen der Atemmuskulatur
  • chronischer Tabakkonsum
  • Lungenfunktionsprüfung vor Operationen
  • allgemeine Gesundheitsvorsorge
  • arbeitsmedizinische Kontrolle zur Prävention und Diagnostik von Berufskrankheiten

In der Regel trägt die Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung.

Spirometrie: Durchführung

Bei der Spirometrie erhält der Patient ein Mundstück, das zu einem Messgerät für und das er mit beiden Lippen fest umschließen soll. Seine Nase wird mit einer Nasenklemme verschlossen. Auf Anweisung des Arztes atmet der Patient nun für etwa fünf bis zehn Minuten durch das Mundstück ein und aus: Nach einer möglichst tiefen Einatmung soll der Patient so rasch und kräftig wie möglich ausatmen.

Das sogenannte Spirometer, das an das Mundstück angeschlossen ist, zeichnet die Kraft und das Volumen der Atemstöße auf und stellt die Atemzüge in einem Graphen dar. So kann der Arzt beurteilen, wie stark der Atemstrom ist und wie groß bestimmte Kenngrößen für die Lungenfunktion sind. Dazu zählen etwa die Einsekundenkapazität, FEV1 (= größtmögliches Lungenvolumen, das innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann) und die Vitalkapazität, FVC (= gesamtes Lungenvolumen, das nach tiefer Einatmung forciert ausgeatmet werden kann).

Damit die Befunde aussagekräftig sind, ist es sehr wichtig, dass der Patient den Anweisungen des Arztes während der Untersuchung exakt folgt und gut mitarbeitet.

Bronchospasmolysetest

In manchen Fällen (z.B. zur Diagnose von COPD oder Asthma) kombiniert der Arzt die Spirometrie mit einer weiteren Messung:

Zuerst wird die Spirometrie wie oben beschrieben durchgeführt. Dann atmet der Patient ein Medikament ein, das die Atemwege weiten kann (Bronchodilatator). Anschließend wird die Spirometrie wiederholt.

Der Vergleich der Messwerte vor und nach der Medikamentengabe hilft dem Arzt, die Diagnose einer Atemstörung einzugrenzen. Wenn sich die Einsekundenkapazität bei der zweiten Messung in einem bestimmten Ausmaß gegenüber der ersten Messung verbessert hat, hat der Bronchodilatator zuvor verengte Atemwege aufgeweitet - der Patient leidet wahrscheinlich unter Asthma.

Spirometrie: Auswertung

Anhand der erstellten graphischen Darstellung der Atemzüge kann der Arzt auf die Funktion der Lunge rückschließen. Denn unterschiedliche Erkrankungen haben jeweils spezifische Formveränderungen der Atemkurve zur Folge.

Erkrankungen mit verengten Atemwegen zeigen zum Beispiel eine verlängerte und verringerte Ausatmung. Der Tiffeneau-Index (= Verhältnis zwischen Einsekundenkapazität und Vitalkapazität) ist dann erniedrigt.

Ist die Vitalkapazität vermindert, kann das an einer verminderten Dehnbarkeit der Lunge (Restriktion) oder an einer Lungenüberblähung (Lungenemphysem) liegen. Weitere Untersuchungen sind dann nötig, um zwischen diesen beiden möglichen Ursachen zu unterscheiden.

Manche Lungenkrankheiten kann der Arzt mit der Spirometrie nicht feststellen. Patienten mit Ateminsuffizienz zeigen zum Beispiel fast normale Spirometrie-Kennwerte. Deshalb gehören zu diesem Lungenfunktionstest noch andere Untersuchungen.

Spirometrie: Welche Risiken gibt es?

Bei der Spirometrie handelt es sich um ein einfaches und praktisch risikofreies Verfahren. Durch das tiefe Atmen kann es manchmal zu Hustenreiz und Mundtrockenheit oder leichtem Schwindel kommen. Beides verfliegt aber rasch wieder.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Peter Borlinghaus
Quellen:
  • Bösch, D. & Crieé, C.-P.: Lungenfunktionsprüfung. Springer Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Deutsche Lungenstiftung & Verband Pneumologischer Kliniken: "Medikamentöser Test (Bronchospasmolysetest)", unter: www.lungenaerzte-im-netz.de (Abruf: 01.07.2021)
  • S2k-Leitlinie "Spirometrie" der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (Stand: 2015)
  • S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD) der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (Stand: 2018)
  • Siegenthaler, W. et al: Siegenthalers Differenzialdiagnose. Georg Thieme Verlag, 19. Auflage, 2005
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