Cholangiozelluläres Karzinom

Von , Ärztin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Ein cholangiozelluläres Karzinom (CCC, Cholangiokarzinom, Gallengangskarzinom) ist eine seltene, bösartige Geschwulst der Gallengänge. Erst wenn der Tumor grösser wird, bekommen Betroffene Symptome wie zum Beispiel eine Gelbsucht. Da die Krankheit deshalb meist erst spät erkannt wird, sind die Heilungschancen begrenzt. Hier lesen Sie alles Wichtige über das Gallengangskarzinom.

Cholangiozelluläres Karzinom, Gallenblase, Gallengänge

Kurzübersicht

  • Symptome: Unter anderem Stuhlentfärbung, dunkler Urin, Juckreiz (Pruritus), Gewichtsverlust, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Die Ursache ist nicht genau bekannt. Wichtigster Risikofaktor ist das Alter, ausserem begünstigen bestimmte Erkrankungen Gallengangskrebs (zum Beispiel Gallengangssteine oder parasitäre Erkrankungen).
  • Diagnose: Körperliche Untersuchung, Leberwerte (Blutuntersuchung), verschiedene bildgebende Verfahren wie zum Beispiel die Ultraschalluntersuchung
  • Behandlung: Wichtigste Massnahme ist die Operation zur Entfernung des Tumors. Ist dies nicht möglich, kommen Chemotherapie und unterstützende Therapien zum Einsatz.
  • Verlauf und Prognose: Da der Tumor meist erst spät entdeckt wird, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist, ist die Prognose eher ungünstig.

Was ist ein cholangiozelluläres Karzinom?

Ein cholangiozelluläres Karzinom (CCC, Cholangiokarzinom, Gallengangskarzinom) ist eine bösartige (maligne) Geschwulst der Gallengänge. Der Krebs zählt zu den primären Lebertumoren, ebenso wie das hepatozelluläre Karzinom (HCC).

Ein cholangiozelluläres Karzinom ist eine seltene Krebserkrankung, die in Europa jährlich bei maximal drei bis vier von 100.000 Menschen auftritt. Im Durchschnitt erkranken Betroffene um das 60. Lebensjahr. Insgesamt sind Männer etwas häufiger vom Gallengangskrebs betroffen als Frauen.

Anatomie der Gallengänge

Die Leber bildet täglich 600 bis 800 Milliliter Gallenflüssigkeit (Galle). Diese gelangt über die Gallenwege in den Darm. Die Gallengänge beginnen als kleinste Gallenkapillaren zwischen den Leberzellen und fliessen dann zu grösseren Gallengängen zusammen. Sie vereinen sich zu einem rechten und linken Lebergang.

Daraus entsteht der gemeinsame Lebergang (Ductus hepaticus communis). Von ihm geht ein Gang ab zur Gallenblase (Ductus cysticus). Anschliessend verläuft er als Ductus choledochus bis zum Zwölffingerdarm, wo er sich mit dem Pankreasgang (Ductus pancreaticus) vereint.

Die Galle gelangt von der Leber zunächst in die Gallenblase, wo sie eingedickt und gespeichert wird. Anschliessend wird sie in den Zwölffingerdarm abgegeben und mit ihr alle Stoffe, die der Körper nicht mehr benötigt.

Formen des cholangiozellulären Karzinoms

Mediziner unterteilen das Gallengangskarzinom entsprechend seiner anatomischen Lage in drei Typen:

  • Intrahepatisches CCC (in der Leber gelegen; bis zum rechten und linken Lebergang)
  • Perihiläres CCC (sogenannter Klatskin-Tumor; bis zum Ductus choledochus)
  • Distales CCC (bis zum Zwölffingerdarm)

Symptome

Ein cholangiozelluläres Karzinom verursacht häufig lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb erfolgt die Diagnose des Gallengangstumors oft erst im fortgeschrittenen Stadium. Symptome, die Betroffene mit einem Gallengangskarzinom haben, sind unter anderem:

  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Stuhlentfärbung
  • Dunkler Urin
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Gewichtsverlust
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Appetitverlust
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Flüssigkeitsansammlung im Bauch (Aszites)

Cholangiozelluläres Karzinom: Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache des cholangiozellulären Karzinoms ist unbekannt. Oft lassen sich ausser einem höheren Lebensalter auch keine besonderen Risikofaktoren bei den Betroffenen ausfindig machen. Lediglich einige Erkrankungen sind dafür bekannt, dass sie die Entstehung von Gallengangskrebs begünstigen. Dazu zählen:

  • Erweiterungen der Gallenwege ausserhalb der Leber (Choledochuszysten)
  • Chronische Entzündungen der Gallenwege
  • Gallengangsteine (Choledocholithiasis)
  • Parasitäre Erkrankungen der Gallenwege (zum Beispiel Trematoden oder Leberegel)
  • Primär sklerosierende Cholangitis (auch PSC, eine entzündliche Erkrankung der Gallenwege)

Mögliche weitere Risikofaktoren sind unter Umständen Hepatitis-B- und -C-Infektionen, eine Leberzirrhose, Alkohol- und Nikotinkonsum und die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus.

Untersuchungen und Diagnose

Für den Arzt ist es wichtig, bei Verdacht auf einen Gallengangstumor zunächst andere Erkrankungen der inneren Organe auszuschliessen, die ähnliche Symptome verursachen. Dazu gehört zum Beispiel ein Pankreaskopfkarzinom, ein Tumor der Bauchspeicheldrüse. Deshalb befragt er den Betroffenen zunächst zu seiner Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei erkundigt er sich beispielsweise:

  • Ob es in der letzten Zeit zu einem ungewollten Gewichtsverlust gekommen ist
  • Ob die Haut juckt
  • Ob der Stuhlgang heller oder der Urin dunkler ist als sonst
  • Ob der Betroffene sich häufiger erbrechen muss

Körperliche Untersuchung

Anschliessend folgt eine körperliche Untersuchung. Unter anderem tastet der Arzt den Bauch ab. Dabei fühlt er bei fortgeschrittenem Gallengangskrebs eine vergrösserte Gallenblase unterhalb der letzten rechten Rippe. Besteht gleichzeitig eine Gelbsucht, sprechen Mediziner von einem Courvoisier-Zeichen. Es deutet auf einen Verschluss der ableitenden Gallenwege hin. Das hat zur Folge, dass sich die Gallenflüssigkeit bis in die Leber zurückstaut.

Laboruntersuchungen

Zudem nimmt der Arzt dem Betroffenen beim Verdacht auf ein cholangiozelluläres Karzinom Blut ab. Er lässt es im Labor auf bestimmte Werte hin untersuchen, die bei einem Gallengangskarzinom häufig verändert sind. Dazu gehören die Leberenzyme Alanin-Aminotransferase (ALAT), Aspartat-Aminotransferase (ASAT), Glutamatdehydrogenase (GLDH), Gamma-Glutamyltransferase (γ-GT) und alkalische Phosphatase (AP). Sie alle sind bei Leberschäden häufig erhöht.

Ausserdem bestimmt das Labor den Bilirubin-Wert im Blut. Das Abbauprodukt des Blutfarbstoffs führt unter anderem dann zur Gelbsucht, wenn es nicht ausreichend über die Galle ausgeschieden wird.

Weitere Diagnostik

Liefern die körperliche Untersuchung und die Laborwerte Hinweise auf ein Gallengangskarzinom, führt der Arzt unter Umständen eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) des Bauches durch. Es kommt auch vor, dass der Arzt bei einer routinemässigen Ultraschall-Untersuchung zufällig ein cholangiozelluläres Karzinom feststellt.

Zur weiteren Abklärung führen Mediziner meist eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) durch, um ein cholangiozelluläres Karzinom nachzuweisen.

Ausserdem kommt häufig die sogenannte endoskopische retrograde Cholangiografie (ERC) zur Diagnostik des Gallengangskarzinoms zum Einsatz. Dabei wird ein Endoskop, also ein Schlauch mit einer Kamera am vorderen Ende, über den Mund und die Speiseröhre bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben. Dort sucht der Arzt die Mündungsstelle des Ductus choledochus auf und spritzt ein Kontrastmittel hinein.

Danach macht er ein Röntgenbild des Bauches, auf dem dann das Kontrastmittel zu sehen ist. Es sollte sich in den Gallengängen verteilen. Spart es einen Gallengang aus, so ist dies zum Beispiel ein Hinweis auf einen Stein oder einen Tumor.

Als Alternative zur ERC gibt es die perkutane transhepatische Cholangiografie (PTC). Dabei spritzt der Arzt ebenfalls Kontrastmittel in die Gallengänge, in diesem Fall aber über eine Nadel, die er unter Röntgenkontrolle durch die Haut und die Leber bis in die Gallengänge vorschiebt.

Im Rahmen einer ERC oder PTC lässt sich auch eine Endosonografie durchführen. Dabei handelt es sich um eine Ultraschall-Untersuchung, bei der der Arzt den Ultraschallkopf nicht auf die Haut hält. Stattdessen führt er bei der sogenannten intraduktalen Sonografie (IDUS) die Zugangswege der ERC oder PTC, um die Minischallköpfe in die Gallengänge zu transportieren.

Auch mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) ist es möglich, das cholangiozelluläre Karzinom zu diagnostizieren.

Cholangiozelluläres Karzinom: Behandlung

Bei einem cholangiozellulären Karzinom entscheidet sich der Arzt in der Regel für eine Operation. Sie ist der einzige Therapieansatz, der die Möglichkeit der Heilung bietet. Bei dem Eingriff versucht der Chirurg, den gesamten Gallengangstumor zu entfernen. Je nachdem, wo dieser sich befindet und wie weit er sich ausgebreitet hat, entnimmt er dafür nicht nur Gallengänge, sondern auch die Gallenblase und Teile der Leber. An die Operation schliesst sich unter Umständen eine Chemotherapie an, um verbleibende Tumorzellen abzutöten.

Sollte eine Operation nicht möglich oder nicht erfolgreich sein, gibt es palliative Behandlungsmöglichkeiten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich bereits Absiedelungen (Metastasen) des Tumors in anderen Organen gebildet haben. Palliativ bedeutet, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist, sich aber die Beschwerden des Betroffenen durch die Therapie verbessern lassen.

Bei der palliativen Therapie des Gallengangskarzinoms kommt zum Beispiel eine Chemotherapie mit den Wirkstoffen Gemcitabin und Cisplatin zum Einsatz. Beide Substanzen gehören zu den Zytostatika. Das sind Medikamente, die die Vermehrung der Tumorzellen aufhalten. Spricht der Tumor nicht gut auf diese Substanzen an, stehen weitere Zytostatika wie Oxaliplatin und 5-Fluoruracil zur Verfügung.

Ausserdem setzt der Arzt als unterstützende Therapie häufig einen sogenannten Stent in die Gallengänge ein. Dabei handelt es sich um ein kleines Röhrchen, das die Gallengänge offenhält, sodass die Gallenflüssigkeit besser abfliesst. Unter Umständen versucht der Arzt auch, mithilfe von Radiofrequenz- oder Lasertherapie die Gallengänge offenzuhalten.

Krankheitsverlauf und Prognose

Ein cholangiozelluläres Karzinom hat meist eine schlechte Heilungschance. Das liegt vor allem daran, dass es in vielen Fällen erst spät Symptome verursacht und daher erst spät erkannt wird.

Die Überlebenschance ist vor allem davon abhängig, ob es möglich ist, das Gallengangskarzinom in einer Operation vollständig zu entfernen. Nach einer geglückten kompletten Entfernung leben nach fünf Jahren noch bis zu 40 Prozent der Betroffenen. Ist es nicht möglich, ein cholangiozelluläres Karzinom vollständig herauszuschneiden, ist die Überlebensrate sehr gering. Ist der Tumor nicht operabel, beträgt die mittlere Überlebenszeit zwei bis sechs Monate.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Martin Schäfer
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
C22C24C23
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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