Synkope (Ohnmacht)

Von , Medizinredakteurin
und , Notfallsanitäter und Dozent im Rettungsdienst
Aktualisiert am
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Andreas Fromm

Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

Alle NetDoktor.ch-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Eine Synkope ist eine kurze Ohnmacht, auch Kreislaufkollaps genannt. Der Betroffene verliert für wenige Sekunden bis Minuten das Bewusstsein. Die Ursache ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns, die oft harmlose Gründe hat. Manchmal steckt jedoch auch eine ernsthafte Grunderkrankung hinter der Synkope. Erfahren Sie hier, was eine Synkope auslöst, wie Sie bei einer Ohnmacht Erste Hilfe leisten und wie Sie einem Kreislaufkollaps am besten vorbeugen.

Synkope: Ohnmacht, Kollaps

Kurzübersicht

  • Ursachen: Kurzzeitiger Sauerstoffmangel im Gehirn, z. B. durch Nervenüberreaktion, schnelles Aufstehen aus dem Liegen, hohen Druck im Bauchraum (Niesen, Pressen auf der Toilette etc.), Krampfadern, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Medikamente
  • Behandlung: Erste Hilfe in Form von Hochlagern der Beine, frische Luft, zudecken; bei längerer Ohnmacht: Rettungsdienst alarmieren, stabile Seitenlage; bei Atemstillstand: Wiederbelebung; langfristig bei Bedarf Behandlung der Grunderkrankung
  • Wann zum Arzt? Bei unklarer Ursache oder wiederholten Synkopen ist eine ärztliche Abklärung in jedem Fall sinnvoll.
  • Vorbeugen: Vermeiden von langem Stehen, stickigen Räume, Stress und weiteren Auslösern; vorbeugend helfen auch Kompressionsstrümpfe, regelmässiger Ausdauersport, genügend Trinken. Bei ersten Anzeichen einer Synkope hinlegen und Beine hochlagern!

Was ist eine Synkope?

Bei einer Synkope handelt es sich per Definition um eine plötzliche, kurze Ohnmacht – einen sogenannten Kreislaufkollaps. Dabei verlieren die Betroffenen ihre Körperspannung und fallen buchstäblich um. Eine Synkope ist für Umstehende manchmal erschreckend, in den meisten Fällen aber harmlos. Meist sind die Betroffenen rasch wieder ansprechbar.

Ursache ist eine plötzliche Minderdurchblutung im Gehirn – daher der Kreislaufkollaps. Das Gehirn reagiert sehr empfindlich, wenn es zu wenig Blut und damit zu wenig Sauerstoff erhält: Der Betroffene verliert schnell das Bewusstsein. Liegt er erst einmal waagerecht, strömt wieder mehr Blut ins Denkorgan. Darum erholt man sich nach einer Synkope meist rasch wieder.

Welche Formen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich Synkopen in verschiedene Formen einteilen:

  • Vasovagale Synkope: Fehlregulation des autonomen Nervensystems, bei der sich plötzlich die Gefässe weiten und zu wenig Blut ins Gehirn gelangt
  • Konvulsive Synkope: Bewusstlosigkeit, die von krampfartigen Bewegungen der Arme und Beine, manchmal auch von Zuckungen begleitet wird
  • Orthostatische Synkope: Kreislaufkollaps bei zu schnellem Aufstehen aus einer liegenden Position
  • Kardiale Synkope: Verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns infolge von Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzerkrankungen
  • Zerebrovaskuläre Synkope: Durch Anzapfphänomene ("Steal-Syndrome") verursachte Minderdurchblutung des Gehirns

Weitere Formen akuter Bewusstlosigkeit

Neben Synkopen gibt es weitere Formen plötzlicher Bewusstlosigkeit:

Psychisch bedingte Pseudosynkopen

Wird jemand aufgrund einer psychischen Überforderung ohnmächtig, sprechen Mediziner von einer Pseudosynkope.

Manche Menschen verdrängen extreme seelische Erlebnisse, die dann auf körperlicher Ebene wieder aufbrechen (man spricht hierbei von einer Konversionsstörung). Eine Form der Reaktion ist, dass die Betroffenen in einen Zustand der Bewusstlosigkeit fallen, der – im Gegensatz zu einer echten Synkope – meist einige Minuten andauert. Gelegentlich wird er von krampfartigen Bewegungen begleitet.

Bei einer Synkope fallen Betroffene meist bei geöffneten Augen um. Eine Pseudosynkope dagegen findet im Allgemeinen bei geschlossenen Augen statt.

Schlaganfall und andere gefässbedingte Durchblutungsstörungen

Auch bei einem klassischen Schlaganfall erhält das Gehirn zu wenig Sauerstoff. Grund ist ein verstopftes oder geplatztes Gefäss im Gehirn. Die Betroffenen brechen zusammen. Ein solcher Kollaps dauert länger als eine Synkope und hinterlässt häufig bleibende Schäden im Gehirn.

Blutzuckerentgleisung bei Diabetes

Menschen mit Diabetes mellitus verlieren bei einer schweren Unterzuckerung (Hypoglykämie) manchmal das Bewusstsein (hypoglykämische Krise). Bei sehr stark erhöhten Zuckerwerten droht ein diabetisches Koma. In beiden Fällen brauchen Betroffene schnell ärztliche Hilfe!

Absencen bei Epilepsie

Auch manche Formen der Epilepsie äussern sich in relativ kurzen Ohnmachtsanfällen. Die Betroffenen sind dann während alltäglicher Handlungen für einige Sekunden nicht mehr ansprechbar und reaktionslos. Der Blick ist oft starr, die Augäpfel sind vielfach verdreht.

Im Gegensatz zu einer Synkope haben diese sogenannten Absencen nichts mit einem Kreislaufzusammenbruch zu tun, sondern nehmen ihren Ursprung in den Nervenzellen (Neuronen) des Gehirns.

Ursachen einer Synkope

Mediziner teilen Synkopen abhängig von ihren Ursachen in verschiedene Kategorien ein:

Nervensystem: Vasovagale Synkope

Die vasovagale Synkope (Reflexsynkope) beruht auf einer Fehlregulation des sogenannten autonomen (vegetativen) Nervensystems. Dieses willentlich nicht beeinflussbare Nervensystem gliedert sich zwei Teile: Sympathikus und Parasympathikus.

Eine vasovagale Synkope entsteht, wenn das autonome Nervensystem reflexartig zu heftig auf einen Reiz (wie Schreck, Kälte, Schmerz) antwortet: Die Gefässe werden plötzlich weit gestellt (durch Hemmung des Sympathikus), wodurch das Blut in den Beinen "versackt", und/oder der Herzschlag verlangsamt sich oder setzt kurz aus (vermittelt durch den Vagusnerv, der zum Parasympathikus zählt). Das Resultat in allen Fällen: Das Gehirn bekommt kurzzeitig zu wenig Blut (und damit Sauerstoff), sodass der Betroffene ohnmächtig wird.

Mögliche Auslöser einer vasovagalen Synkope sind:

Überreaktion des Vagusnervs

Schmerz, Schreck, Angst, extreme Kälte oder Hitze, psychischer Stress, langes Stehen und sogar Lärm provozieren manchmal eine Überreaktion des Vagusnervs (Nervus vagus). Dieser reguliert unter anderem den Herzschlag. Das ist beispielsweise die Entstehung einer Ohnmacht durch Stress.

Auch wenn im Bauchraum oder Brustkorb starker Druck aufgebaut wird (wie beim Stuhlgang oder heftigem Schnäuzenbeim Naseputzen), tritt bei manchen Menschen eine Ohnmacht auf. In solchen Fällen ist die Synkope ungefährlich und tritt meist nur vereinzelt auf. Bei einigen Menschen scheint das autonome Nervensystem allerdings besonders empfindlich zu sein. Dann kommt es öfters zu einem kleinen Kreislaufkollaps.

Störung des autonomen Nervensystems

Hinter einer vagalen Synkope steckt manchmal auch eine grundlegende Störung des autonomen Nervensystems. In der Medizin spricht man dann von einer autonomen Neuropathie. Eine solche äussert sich durch verschiedene Symptome wie Herzrasen, Schwindel und Lähmungserscheinungen – und Synkopen.

Karotissinussyndrom

Bei Menschen, die am sogenannten Karotissinussyndrom leiden, regiert die Halsschlagader (Arteria carotis) überempfindlich auf Druck.

Die Halsschlagader ist mit Rezeptoren ausgerüstet, die dem Gehirn melden, wenn der Blutdruck zu hoch ist. Das Hirn sorgt dann über das autonome Nervensystem dafür, dass sich die Gefässe weiten und der Herzschlag verlangsamt – der Blutdruck sinkt.

Bei Menschen mit Karotissinussyndrom reagieren diese Rezeptoren übersensibel. Manchmal reicht dann schon eine Berührung am Hals (etwa beim Rasieren) oder starkes Drehen des Kopfes, dass sich die Gefässe plötzlich weiten und der Blutdruck abfällt. Unter Umständen tritt dann eine Synkope auf, weil das Gehirn zu wenig durchblutet wird.

Bei jüngeren Menschen kommt diese Art der Synkope eher selten vor. Bei Älteren ist sie hingegen nicht ungewöhnlich.

Kreislauf: Orthostatische Synkope

Eine orthostatische Synkope tritt auf, wenn jemand schnell aus einer liegenden Position aufsteht. Dabei sackt das Blut, das sich im Liegen gleichmässig auf den Körper verteilt hat, der Schwerkraft folgend in die untere Körperhälfte. Das Gehirn bekommt dann kurzzeitig zu wenig Blut, was die Synkope auslöst.

Normalerweise bereitet schnelles Aufstehen aus dem Liegen keine Probleme. Eine orthostatische Synkope tritt nur dann auf, wenn die Funktion des sogenannten Sympathikus gestört ist. Im vegetativen Nervensystem fungiert dieses wichtige Nervengeflecht als Gegenspieler des Parasympathikus. Während der Nervus vagus (als Teil des Parasympathikus) die Gefässe weitet, sind die Nerven des Sympathikus dafür zuständig, die Gefässe zu verengen und so den Blutfluss zu drosseln.

Beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen verhindert der Sympathikus so normalerweise ein Absacken des Blutes in die Beine – er löst reflexartig eine Verengung der Gefässe aus. Bei einer orthostatischen Synkope funktioniert dieser Mechanismus aber nicht zuverlässig.

Einige Faktoren begünstigen unter Umständen eine orthostatische Synkope:

  • Zu wenig Flüssigkeit: Wenn etwa das zirkulierende Blutvolumen durch grösseren Flüssigkeitsmangel reduziert ist, macht sich das Absacken in die untere Körperhälfte beim Aufstehen deutlicher bemerkbar. Das Risiko einer Synkope ist dann höher.
  • Krampfadern: Krampfadern (Varizen) sind krankhaft erweiterte Venen an der Hautoberfläche. An den Beinen wirken sie mitunter wie ein zusätzliches Flüssigkeitsreservoir. Bei Betroffenen versackt folglich ein grösseres Blutvolumen in den Beinen, wenn sie aus dem Liegen aufstehen. Das provoziert unter Umständen eine orthostatische Synkope.
  • Nervenschäden bei Diabetes: Die hohen Blutzuckerwerte bei Diabetes hinterlassen mit der Zeit oft Schäden an den Nerven. Eine solche diabetische Polyneuropathie betrifft unter Umständen auch das autonome Nervensystem. Bei manchen Patienten ziehen sich dann die Gefässe zu langsam zusammen, wenn sie aus dem Liegen aufstehen.

Herz: Kardiale Synkope

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) beeinträchtigen die Blut- und damit Sauerstoffversorgung des Gehirns manchmal so stark, dass eine Synkope auftritt. Schlägt das Herz beispielsweise zu langsam (Bradykardie) oder zu schnell (Tachykardie), pumpt es nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf. Das Gehirn bekommt in der Folge kurzzeitig nicht genügend Sauerstoff. Mögliche Folge ist ein Kreislaufkollaps.

Auch andere Erkrankungen begünstigen manchmal eine Synkope, indem sie bewirken, dass das Herz bei jeder Kontraktion zu wenig Blutvolumen in den Kreislauf pumpt. Ein möglicher Auslöser ist zum Beispiel eine verengte Aortenklappe (Aortenklappenstenose). Das Gleiche gilt bei einem krankhaft verdickten Herzmuskel (hypertrophe Kardiomyopathie). Ebenso löst ein Herzinfarkt manchmal eine Ohnmacht aus.

Gehirn: Zerebrovaskuläre Synkope

Diese vierte grosse Gruppe von Synkopen beschreibt sogenannte Anzapfphänomene, auch Steal-Syndrome genannt.

Das wichtigste Beispiel ist das Subclavian-steal-Syndrom. Es tritt auf, wenn die Schlüsselbeinarterie (Arteria subclavia) verengt ist. Dann erhält die Armmuskulatur, die von dieser Arterie versorgt wird, nicht genug Blut. Zum Ausgleich zapft die Schlüsselbeinarterie die Wirbelarterie (Arteria vertebralis) an, die Blut ins Gehirn leitet. Im Prinzip "stiehlt" die Schlüsselbeinarterie (englisch "to steal" = stehlen) Blut aus der Arteria vertebralis und damit vom Gehirn. Letzteres erhält dann weniger Blut. Betroffene fallen in der Folge manchmal gehäuft in Ohnmacht.

Medikamente

Auch bestimmte Medikamente sind mögliche Ursachen einer Synkope. Dazu gehören solche gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Herzrhythmusstörungen. Wenn Sie solche Präparate einnehmen und häufiger in Ohnmacht fallen, empfiehlt es sich, mit Ihrem behandelnden Arzt zu sprechen. Vielleicht ist es möglich, auf ein anderes Präparat auszuweichen, das Ihren Kreislauf weniger beeinträchtigt.

Was tun bei einem Kreislaufkollaps?

Die Synkope gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen in die Notaufnahme kommen. Kein Wunder – plötzlich das Bewusstsein zu verlieren, ist für viele ziemlich beunruhigend.

Erste Hilfe

Wer dabei ist, in Ohnmacht zu fallen, hat meist keine Zeit mehr, sich selbst zu helfen. Umso wichtiger ist es, dass umstehende Personen bei einer Synkope richtig reagieren und Erste Hilfe leisten. Wenn Sie also sehen, dass jemand ohnmächtig wird, ergreifen Sie folgende Massnahmen:

  • Sprechen Sie den Betroffenen an und rütteln Sie vorsichtig an seiner Schulter.
  • Hält die Synkope weiter an, legen Sie den Ohnmächtigen auf den Rücken, lagern Sie seine Beine hoch. In vielen Fällen kommt er dann rasch von selbst wieder zu sich, da die Blutzufuhr zum Gehirn im Liegen besser ist.
  • Haben Sie den Verdacht, dass ein Herzinfarkt die Ursache der Ohnmacht ist, richten Sie den Oberkörper des Betroffenen im Liegen eher etwas auf. Rufen Sie in diesem Fall umgehend den Rettungsdienst.
  • Nach dem Erwachen ist es wichtig, den meist verwirrten und verunsicherten Patienten zu beruhigen und mit ihm zu sprechen.
  • Kommt der Betroffene nicht gleich wieder zu sich, rufen Sie den Rettungsdienst.
  • Bleiben Sie beim Patienten und lassen Sie ihn nicht aus den Augen.
  • Überprüfen Sie regelmässig, ob der Patient noch atmet. Legen Sie dazu Ihr Ohr an Mund und Nase des Betroffenen und hören Sie auf Atemgeräusche. Atmet er noch, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Das verhindert, dass sich der Ohnmächtige an seiner Zunge oder an Erbrochenem verschluckt.
  • Decken Sie den Patienten zu, um eine Unterkühlung zu verhindern.
  • Wenn Sie keine Atmung feststellen, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung (Reanimation).

Das Gefährliche an einer Bewusstlosigkeit ist, dass die natürlichen Schutzreflexe des Körpers nicht mehr funktionieren. Dazu gehören etwa der Schluck- oder Hustenreflex. Erbrochenes oder Blut im Mundraum gelangt daher leicht in die Atemwege. Ausserdem erschlafft die Muskulatur – in Rückenlage sinkt daher oft die Zunge nach hinten und verschliesst die Atemwege. Beides lässt sich mit der stabilen Seitenlage verhindern.

Wie wird eine Synkope langfristig behandelt?

Wie genau die langfristige Behandlung beziehungsweise Therapie von Synkopen sich gestaltet, hängt von ihrer Ursache ab. Liegt eine Grunderkrankung wie Diabetes oder eine Herzrhythmusstörung vor, ist es wichtig, dass diese angemessen therapiert wird. Bei ansonsten gesunden Patienten, die zu vasovagalen oder orthostatischen Synkopen neigen, ist in der Regel keine langfristige Therapie erforderlich. Bei häufigen kurzen Ohnmachten ist es jedoch hilfreich, vorbeugend auf Vorsymptome zu achten und entsprechende Gegenmassnahmen zu üben.

Synkope: Wann zum Arzt?

Eine kurze Ohnmacht infolge eines Kreislaufkollapses ist in den meisten Fällen harmlos. Dennoch ist es grundsätzlich sinnvoll, eine Ohnmacht beim Arzt oder im Krankenhaus abklären zu lassen. Dort lässt sich herausfinden, ob die Synkope eine ernste Ursache hat, die behandelt werden muss. Auch wenn Sie beobachten, dass ein Betroffener durch einfache Massnahmen wie Hinlegen oder das Hochlagern der Beine nicht wieder zu sich kommt, empfiehlt es sich unbedingt, den Notarzt zu rufen.

Wenn Sie wissen, dass Sie zu Synkopen neigen und keine ernste Ursache dahinter steckt, ist es nicht notwendig, wegen jeder Episode einen Arzt aufzusuchen.

Wann ist eine Synkope gefährlich?

Selbst wenn eine Synkope für gewöhnlich harmlos ist und/oder zumindest keinen Notfall darstellt – beim Umkippen passiert es leicht, dass der Betroffene gefährlich stürzt oder einen Unfall verursacht (etwa bei einer Ohnmacht beim Rad- oder Autofahren).

Die wohl gefährlichste Variante stellt die kardiale Synkope dar. Die zugrunde liegenden Herzprobleme sind nämlich potenziell lebensbedrohlich. Das gilt besonders, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt werden.

Tritt eine Synkope zusammen mit Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust auf, ist sofort der Notarzt zu rufen. Möglicherweise handelt es sich um einen Herzinfarkt.

Auch bei einer Synkope in Verbindung mit blasser, kaltschweissiger Haut sowie bläulichen Lippen gehören Betroffene in die Notaufnahme. Die Symptome zeigen möglicherweise einen Schock und ernsten Sauerstoffmangel an.

Synkope: Vorbeugen

Es gibt verschiedene Massnahmen, um einer Synkope vorzubeugen. Besonders wenn Sie häufiger in Ohnmacht fallen, sind folgende Tipps oft hilfreich:

  • Versuchen Sie, auslösende Faktoren zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise langes Stehen, längere Aufenthalte in warmen und stickigen Räumen, Stress, aber auch Alkohol.
  • Besser ist es, wenn Sie Ihre Nase nicht zu heftig schnäuzen und beim Stuhlgang nicht zu stark pressen. Vermeiden Sie es auch, schwere Lasten ruckartig anzuheben.
  • Mit regelmässigem Ausdauersport sowie einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme helfen Sie, Ihren Kreislauf zu stabilisieren. Das verhindert unter Umständen die eine oder andere Synkope.
  • Auch mit Wechselbädern nach Kneipp lässt sich der Kreislauf ankurbeln.
  • Kompressionsstrümpfe unterstützen den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen. Gerade bei Tätigkeiten und Berufen, die längeres Stehen erfordern, sind sie ein wirksames Hilfsmittel, um einer Synkope vorzubeugen.

Vorboten erkennen und gegensteuern

Wer bereits mehrmals eine Synkope erlebt hat, erahnt die nächste oft schon anhand bestimmter Vorboten. Zu diesen Warnzeichen zählen akuter Schwindel, Übelkeit, plötzliches Schwitzen, "weiche Knie" und das berühmte Schwarzwerden vor Augen. Mit ein paar Tricks lässt sich die Bewusstlosigkeit dann eventuell noch abwenden:

  • Schon ein tiefer Atemzug frischer, kühler Luft bringt den Kreislauf manchmal wieder in Schwung.
  • Legen Sie sich rasch auf den Rücken und lagern Sie Ihre Beine hoch. Das verhindert oftmals, dass das Blut in den Beinen versackt, und damit die Synkope oder zumindest einen Sturz, falls Sie doch ohnmächtig werden.
  • Machen Sie sogenannte isometrische Muskelübungen. Dabei werden die Gefässe in den Muskeln kontrahiert, sodass das Blut darin in Richtung Herz gedrückt wird. Das funktioniert etwa, indem Sie die Beine überkreuzen, fest aneinanderpressen und gleichzeitig Bein-, Bauch- und Gesässmuskulatur anspannen. Eine andere Übung: Die Hände ineinander haken und versuchen, kräftig auseinanderzuziehen.
  • Manchmal hilft schon ein Schluck kalten Wassers, um eine drohende Synkope zu verhindern.

Synkope: Untersuchungen und Diagnose

Welche Behandlung der Arzt vornimmt, hängt von der Ursache der Synkope ab. Die Gründe für den kurzen Bewusstseinsverlust werden vom Arzt beziehungsweise in der Notaufnahme abgeklärt.

Meist hilft dem Arzt bereits ein Patientengespräch (Anamnese), um mögliche Ursachen auszumachen.

Hilfreich für die Diagnostik ist auch ein aktiver Stehtest, bei dem der Arzt Puls und Blutdruck über einige Minuten im Liegen und Stehen überwacht. Auch eine Kipptischuntersuchung (Tilt-Test) kommt manchmal zum Einsatz: Diese hilft dabei, eine vasovagale Synkope zu diagnostizieren. Dabei legt die Untersuchungsperson sich auf eine verstellbare Liege. Unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle versucht der Arzt, eine Ohnmacht zu provozieren.

Bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen wird die Herzaktivität des Patienten mit einer Elektrokardiografie (EKG) einige Zeit über Monitor kontrolliert und überwacht. Eventuell sind weiterführende Untersuchungen notwendig – zum Beispiel ein Herzultraschall (Echokardiografie), um strukturelle Veränderungen am Herzen zu erkennen, oder ein Belastungs-EKG, also eine Elektrokardiografie bei körperlicher Anstrengung.

Besteht Verdacht auf eine Karotissinusstenose, ist eine sogenannte Karotissinusmassage bei der Diagnostik hilfreich. Dabei massiert der Arzt unter EKG-Kontrolle für jeweils zehn Sekunden die Rezeptorpunkte der Karotisarterien und beobachtet, wie das Herz-Kreislauf-System reagiert.

Häufige Fragen zur Synkope

Was ist eine Synkope?

Eine Synkope (auch Ohnmacht genannt) ist ein kurzzeitiger, plötzlicher Bewusstseinsverlust. Sie tritt auf, wenn das Gehirn vorübergehend unzureichend durchblutet wird, zum Beispiel bei akuten heftigen Schmerzen, einem grossen Schreck, abruptem Aufstehen aus dem Liegen oder verschiedenen Erkrankungen. Von einer Ohnmacht erholt man sich meist vollständig.

Was löst eine Synkope aus?

Eine Synkope (Ohnmacht) entsteht durch eine vorübergehende unzureichende Blutversorgung des Gehirns. Dafür gibt es verschiedene mögliche Ursachen wie plötzliches Aufstehen aus dem Liegen, heftiges Erschrecken, grosse Angst, Herzprobleme oder bestimmte Medikamente.

Was kann man gegen Synkope tun?

Legen Sie eine ohnmächtige Person flach auf den Rücken lagern Sie ihre Beine hoch, um den Blutfluss zum Gehirn zu verbessern. Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, sollten Sie den Oberkörper der liegenden Person etwas aufrichten und umgehend den Rettungsdienst alarmieren. Prüfen Sie regelmässig Puls und Atmung des Ohnmächtigen (ggf. Wiederbelebung starten).

Wann kann eine Synkope gefährlich werden?

Eine Synkope (Ohnmacht) kann zum einem gefährlich sein, wenn sie durch ernsthafte Herzprobleme oder andere schwere Krankheiten verursacht wird. Zum anderen kann man sich verletzen, wenn man plötzlich in Ohnmacht fällt (z.B. stürzen oder am Steuer eines Wagens einen Unfall bauen). Bei häufigen oder unerklärlichen Synkopen sollte man immer einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Wie lange darf eine Synkope dauern?

Eine Synkope (Ohnmacht) dauert normalerweise nur Sekunden bis Minuten an. Hält der Bewusstseinsverlust länger als 5 Minuten an, deutet das auf einen ernsthaften Zustand wie einen Schlaganfall hin und stellt einen medizinischen Notfall dar. In diesem Fall sollten Sie umgehend den Rettungsdienst alarmieren.

Wie kündigt sich eine Synkope an?

Kurz vor einer Synkope (Ohnmacht) können Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Schwitzen, Blässe, Sehstörungen, Ohrensausen oder ein Gefühl von Wärme und Schwäche auftreten. Einige Menschen verspüren auch ein Gefühl der "Unwirklichkeit" oder Benommenheit. Manche Synkopen treten allerdings auch vollkommen plötzlich und ohne Vorwarnung auf.

Wie fühlt man sich nach einer Synkope?

Nach einer Synkope ist man oft verwirrt, benommen, müde oder schwach. Körperliche Symptome wie Schwindel, Übelkeit und möglicherweise Kopfschmerzen sind möglich. Häufig erinnern sich Betroffene nicht daran, wie sie in Ohnmacht gefallen sind.

Sollte man nach einer Synkope zum Arzt?

Ja, man sollte eine Synkope grundsätzlich von einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen. Eine Ohnmacht ist zwar oft harmlos, sie kann aber auch ernste Ursachen haben, etwa eine (bislang unentdeckte) Herzerkrankung.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Marian Grosser, Carola Felchner
Autoren:

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Andreas Fromm
Andreas Fromm

Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

Quellen:
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Bewusstlosigkeit prüfen, unter: www.drk.de (Abruf: 22.06.2022)
  • DRK-Mönchengladbach e. V.: Bewusstlosigkeit, unter: www.drk-mg.de (Abruf: 22.06.2022)
  • ESC Pocket Guidelines: Diagnose und Management von Synkopen, Stand: 2018, unter: leitlinien.dgk.org (Abruf: 22.06.2022)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Synkopen, Stand: Januar 2020, unter: www.register.awmf.org (Abruf: 22.06.2022)
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: Synkope, unter: www.pschyrembel.de (Abruf: 22.06.2022)
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich