Balanitis

Von , Arzt
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Die Balanitis ist eine Entzündung der Eichel (Glans penis), der Spitze des Penis. Betroffenen fällt meist eine deutliche, schmerzhafte Rötung oder Veränderung der Eichel auf. Es gibt sowohl infektiöse als auch nicht infektiöse Ursachen. Meist lässt sie sich gut behandeln. Informieren Sie sich hier über die Ursache, Behandlung, Symptome und den Verlauf der Eichelentzündung!

Ein Mann hält schützend die Hände vor seinen Schritt.

Kurzbeschreibung

  • Ursachen und Risikofaktoren: Es gibt viele mögliche Ursachen für eine Eichelentzündung, insbesondere zählen dazu Probleme bei der Körperhygiene und Infektionen. Generell kommt eine Balanitis häufiger bei Personen mit unbeschnittener Vorhaut vor.
  • Behandlung: Die Art der Therapie hängt von der Ursache ab. Meistens handelt es sich um eine äusserliche Therapie, beispielsweise Bäder und Salben.
  • Symptome: Zu den häufigten Symptomen bei Balanitis zählen Schmerzen, Ausschläge, Ausfluss und weitere Veränderungen an der Eichel.
  • Dauer: Der Krankheitsverlauf hängt von der Ursache, aber auch vom gesundheitlichen Zustand des Patienten ab.
  • Diagnose: Zur Diagnose wird der Arzt erst die Krankengeschichte erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Bei Verdacht auf eine infektiöse Balanitis nimmt er einen Abstrich von Eichel und Harnröhreneingang zur Bestimmung der möglichen Krankheitserreger.
  • Vorbeugen: Da eine Balanitis besonders häufig durch Probleme bei der Intimhygiene und Infektionen im Genitalbereich entsteht, helfen eine angemessene Intimpflege sowie der Schutz vor beim Geschlechtsverkehr übertragenen Erregern, das Risiko für eine Balanitis zu verringern.

Welche Ursachen hat eine Balanitis?

Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen für die Entstehung einer Balanitis. Oft liegt eine Kombination mehrerer Ursachen vor. So begünstigt eine mechanische Reizung oft eine Infektion. Bei einem Drittel aller Patienten wird keine eindeutige Ursache der Eichelentzündung festgestellt.

Die Ursachen der Balanitis lassen sich grob in nicht-infektiöse und infektiöse Ursachen einteilen. Eine Eichelentzündung tritt jedoch auch im Rahmen anderer Erkrankungen auf.

Nicht-infektiöse Ursachen der Balanitis

Eine häufige Ursache für eine Entzündung der Eichel ist mangelnde oder übertriebene Reinigung („Reinlichkeitsbalanitis“). Bei mangelnder Hygiene sammelt sich zurückbleibendes Smegma an – eine gelblich-weisse Masse aus Talgdrüsensekret, Hautzellen und Bakterien) und führt potenziell zu einer Balanitis.

Auch hoher mechanischer und chemischer Stress provozieren manchmal eine Balanitis. Dies geschieht zum Beispiel durch Desinfektionsmittel und übertrieben kräftiges Waschen.

In manchen Fällen ist die Balanitis auch Folge einer Reizung (Irritation) oder allergischen Reaktion auf Medikamente, Duftstoffe oder (Latex-)Kondome.

Infektiöse Ursachen der Balanitis

Die beiden häufigsten Ursachen für eine Balanitis sind vermutlich Pilz- und Bakterieninfektionen.

Zu bakteriellen Ursachen der Balanitis zählen Infektionen mit Staphylokokken, Enterokokken, Streptokokken und mit Mycobacterium tuberculosis, dem Erreger der Tuberkulose. Ausserdem ist das Bakterium Gardnerella vaginalis möglicher Auslöser einer Balanitis. Dieser Keim ist häufig Ursache einer bakteriellen Scheidenentzündung (Vaginose), und es ist möglich, dass er bei Kontakt auf den Penis übertragen wird und so eine Eichelentzündung auslöst.

Eine durch Hefepilzeverursachte Balanitis wird auch als Balanitis candidomycetika bezeichnet. Wie auch Bakterieninfektionen zeigen sich Pilzinfektionen entweder nur lokal oder aber systemisch (also auch im restlichen Körper).

Candida albicans, ein Hefepilz, ist der häufigste Erreger einer Balanitis candidomycetika. Teilweise lässt sich auch bei Menschen ohne Symptome der Hefepilz Candida albicans auf der Eichel nachweisen, doch nur ein geringer Teil davon entwickelt eine Balanitis. Unbeschnittene Männer bekommen häufiger eine Balanitis durch Pilze als beschnittene Männer. In den meisten Fällen überträgt sich der Pilz durch Sexualkontakt.

Eine andere Pilzinfektion, nämlich mit Malassezia furfur, ist die sogenannte Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor). Diese Form von Hautpilz ist in Europa relativ selten, in tropischen Gebieten jedoch häufig. Sie betrifft besonders Rücken, Schultern, Nacken und Brust, manchmal auch andere Körperstellen wie eben den Penis. Charakteristisch für diese Pilzinfektion sind scharf begrenzte, bräunliche und schuppende Läsionen.

Andere Pilzinfektionen greifen noch seltener auf den Penis über. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Pilze, die sich in der Leiste festsetzen und sich im Laufe der Zeit kontinuierlich auf den Penis ausbreiten.

Die Entzündung der Glans penis tritt auch im Rahmen von Geschlechtskrankheiten auf. Besonders zu nennen sind hier Infektionen mit Herpesviren und humanen Papillomaviren (HPV) – vor allem Typ 6 und 11. Speziell HPV führt zu langwierigen Balanitiden, die nicht einfach zu besiegen sind.

Weitere mögliche Auslöser sind Trichomonaden, Gonokokken (Erreger der Gonorrhö/"Tripper"), Treponema pallidum (Erreger der Syphilis) und Haemophilus ducreyi (Erreger von Ulcus molle).

Balanitis im Rahmen anderer Erkrankungen

Verschiedene Hauterkrankungen fördern die Entstehung einer Balanitis oder lösen diese sogar aus. Dazu zählen seborrhoische Dermatitis, Schuppenflechte (Psoriasis) sowie die Autoimmunerkrankung Pemphigus vulgaris.

Auch Lichen sclerosus ist hier zu nennen. Die chronische Hauterkrankung unklarer Ursache ruft typische weisse Plaques an der Vorhaut und der Eichel hervor. Diese Form der Eichelentzündung wird als Balanitis xerotica obliterans bezeichnet. Im Verlauf der Krankheit bilden sich Narben, und die Vorhaut wird dünn. Die Narben führen zu einer Verengung der Vorhaut (Phimose). Die Erkrankung greift mitunter auf die Harnröhre über.

Im Rahmen der reaktiven oder postinfektiösen Arthritis (ehemals Reiter-Krankheit), einer nicht-infektiösen Entzündung, entwickeln rund ein Viertel der Betroffenen eine Balanitis. Diese Erkrankung ist durch die drei Symptome Gelenkentzündung, Harnröhrenentzündung und Bindehautentzündung charakterisiert. Sie tritt meist ein bis vier Wochen nach einem Harnwegs- oder Magen-Darm-Infekt auf.

Bei älteren Männern über 60 Jahren tritt die Balanitis plasmacellularis Zoon auf. Die Ursache für diese Form der Eichelentzündung ist unklar. Es kommt zu kleinen Blutungen und Ablagerungen von Hämosiderin, einem Eisenspeicherprotein. Zusätzlich infiltrieren Immunzellen das Gewebe der Eichel.

In seltenen Fällen führt eine Entzündung von Bindegewebssträngen zum Absterben von Gewebe und löst so eine gefährliche Balanitis gangraenosa aus. Diese bedarf einer notfallmässigen Behandlung.

Balanitis im Rahmen einer Krebsbehandlung

Eine sogenannte BCG-Instillation wird im Rahmen der Behandlung eines Blasenkarzinoms zur Vorbeugung von Rückfallen von Blasenkrebs eingesetzt. BCG ist die Abkürzung für die Bakterienart Bacillus-Calmette-Guérin. Bei der BCG-Instillation spült der Arzt die Harnblase mit abgeschwächten BCG-Bakterien, die eine lokale Entzündung auslösen, die wiederum das Immunsystem aktiviert. Das soll die weitere Entwicklung von Krebszellen hemmen. Selten kommt es im Rahmen dieser Behandlung zu einer sogenannten granulomatösen Balanitis.

Risikofaktoren für eine Balanitis

Hauptrisikofaktor für eine Balanitis ist eine schlechte Intimpflege. Es ist wichtig, den Penis und im Besonderen die Eichel täglich mit warmem Wasser abzuwaschen und Smegma zu entfernen. Unterlassene Reinigung, aber auch zu aggressive Reinigung fördern die Entstehung einer Balanitis.

Auch eine schlecht zurückziehbare, verengte Vorhaut (Phimose) begünstigt eine Eichelentzündung, denn diese erleichtert es Erregern, sich auf der Eichel festsetzen und ausbreiten. Aus diesem Grund scheint eine Beschneidung das Risiko für Balanitis deutlich zu senken.

Menschen mit bestimmten Erkrankungen haben statistisch gesehen häufiger eine Balanitis als sonst Gesunde. Das gilt vor allem bei Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Vermutlich fördert der Zucker im Urin von Diabetikern die Entstehung einer Balanitis. Diabetes-Patienten haben oft eine Pilzinfektion als Ursache der Balanitis.

Auch schweres Übergewicht sowie die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden als Risikofaktoren für eine Eichelentzündung angesehen.

Wie behandelt man Balanitis?

Die Therapie einer Eichelentzündung richtet sich nach verschiedenen Faktoren: Ursache der Entzündung, Eichel-Befund und Allgemeinzustand des Patienten. Grundlage jeder Balanitis-Therapie ist eine gute und angemessene Intimpflege. Dazu gehört tägliches Waschen des Genitalbereichs mit warmem Wasser genauso wie gutes Abtrocknen. Zur Unterstützung der Therapie bietet sich als Hausmittel an, Sitzbäder zu machen. Bei fast allen Infektionen sollten Partner mitbehandelt werden, auch wenn diese bisher keine Symptome zeigen.

Lokale Balanitis-Behandlung meist ausreichend

Bei einer infektiösen Eichelentzündung genügt meist eine lokale (äusserliche) Balanitis-Therapie. Gegen Bakterien wird meist eine Salbe mit dem Antibiotikum Metronidazol verordnet. Es hat ein sehr weites Wirkspektrum. Gegen Pilze wird zumeist Cotrimazol angewendet, das gegen eine Vielzahl von Pilzen wirkt. Dies reicht in der Regel aus, um die Infektion zu besiegen. Sollte nach vierwöchiger Anti-Pilztherapie kein Erfolg zu erkennen sein, empfiehlt es sich, die Diagnose zu überdenken.

Bei einer Balanitis nicht-infektiöser Ursache wird in aller Regel zunächst eine lokale Therapie mit einer Kortison-Salbe ausprobiert. Das Glukokortikoid Kortison dämpft die Entzündung und verbessert so meist deutlich die Symptome. Es ist jedoch zu beachten, dass sich unter Umständen unter Kortison-Therapie auch die Symptome von Krebs(vorstufen) bessern und dann nach Absetzen der Salbe wieder auftreten.

Hilft Kortison nicht, ist eine Salbe mit Pimecrolimus eine weitere Option. Dieses Medikament hemmt die Entzündungsreaktion stärker als Kortison.

Systemische Balanitis-Therapie mit Tabletten

In bestimmten Situationen müssen die Medikamente als Tablette eingenommen werden. Das gilt etwa bei Diabetes mellitus, schwerer Alkoholkrankheit, Chemotherapie, AIDS und bei längerer Einnahme von Kortison. Zusätzlich muss in diesen Fällen mit einem erhöhten Risiko für ein Wiederauftreten der Infektion gerechnet werden.

Operation

Bei wiederholten Balanitiden sowie bei verengter Vorhaut spricht der Arzt unter Umständen eine Beschneidung (Zirkumzision) als Behandlungsoption an. Dabei wird die Vorhaut des Penis operativ entfernt. Beschnittene Männer sind zumeist weniger empfänglich für Infektionen. Besonders bei Lichen sclerosus wird oft ein chirurgischer Eingriff als Vorbeugung gegen eine Verengung der Harnröhre durchgeführt.

Balanitis-Therapie bei Kindern

Für Kinder gibt es spezielle Therapieempfehlungen, die zu beachten sind. Die Eltern oder das Kind selber sollten täglich konsequent die Intimpflege bei zurückgezogener Vorhaut durchführen. Nach Absprache mit dem Kinderarzt wird dieser gegebenenfalls eine geeignete Salbe verschreiben.

Wenn die Vorhaut verengt ist, sollte sie, wenn überhaupt, nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt zurückgeschoben werden. Dies ist oft sehr schmerzhaft und unangenehm. Aus diesem Grund wird von Fall zu Fall die Anwendung lokaler Betäubung mit einer Salbe oder die Gabe von Schmerzmitteln (eventuell auch lokal) erwogen.

Welche Symptome bei Balanitis?

Das Hauptsymptom der Balanitis ist eine mehr oder weniger schmerzhaft gerötete und entzündete  Eichel. Entzündet sind in der Regel jedoch nur die oberen Hautschichten und nicht die tiefen Schwellkörper der Eichel. Betroffene berichten oft von Ausschlägen und unklaren Veränderungen an der Eichel. Eine juckende Eichel ist ebenfalls ein häufig genanntes Symptom.

In der Regel leiden betroffene Männer auch an Ausfluss aus dem Penis. Dieser Ausfluss kann verschiedenfarbig und übelriechend sein. Die Konsistenz ist häufig eitrig. Das Zurückziehen der Vorhaut ist meist erschwert und schmerzhaft. Dies passiert aber auch dann, wenn die Eichel anschwillt (Ödem). Dadurch bereitet das Wasserlassen Probleme und ist schmerzhaft. In schweren Fällen stört dies teilweise die Kontrolle des Urinstrahls. Manchmal ist die Balanitis sogar mit einer – wenn auch nur zeitweisen – Impotenz verbunden.

Die Eichelentzündung bleibt in den meisten Fällen auf den Penis begrenzt. Systemische Zeichen einer Entzündung wie Fieber, Unwohlsein oder auch Erbrechen sind bei einer Balanitis untypisch. Bei einigen Vorerkrankungen sind aber auch schwere systemische Reaktionen möglich. Dies gilt im Besonderen bei zusätzlich bestehenden Krankheiten, die das Immunsystem beeinträchtigen. Tiefe Schäden der Haut der Eichel, auch mit Blutungen, treten nur bei fortgeschrittener schwerer Erkrankung auf.

Hinweise auf die Ursache der Balanitis

Zusätzlich gibt es eine Reihe von Balanitis-Zeichen, die bereits Hinweise auf einen möglichen Auslöser bieten. Einige sind hier beispielhaft aufgeführt:

  • Bei einer Infektion mit dem Herpesvirus bildet sich eine Vielzahl von gruppierten Bläschen. Die Infektion wird meist durch Fieber und eine Schwellung der Leistenlymphknoten begleitet.
  • Eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) löst Kondylome aus. Das sind blumenkohlartige Wucherungen, die sich häufig an der Basis der Eichel befinden.
  • Die Syphilisinfekton führt zu einem schmerzhaften Geschwür mit einem harten Rand.
  • Erhabene Rötungen oder weissliche Verfärbungen mit Juckreiz sind Hinweise auf eine Pilzinfektion.
  • Die Balanitis im Rahmen der reaktiven oder postinfektiösen Arthritis zeigt sich durch Rötungen, die durch einen weissen Rand abgegrenzt sind, sowie durch Hautschäden an der Eichel.
  • Die Balanitis plasmacellularis Zoon ist eine chronische Eichelentzündung ungeklärter Ursache. Sie zeichnet sich durch glatte, lackartige und rotbraune Stellen aus.

Dauer: Wie lange dauert die Erkrankung?

In den allermeisten Fällen ist die Balanitis-Behandlung dauerhaft erfolgreich. Wenn die Therapie nicht anschlägt, passt der Arzt die Wahl des Medikaments an, um die Eichelentzündung besser zu behandeln. Aufgrund der vielfältigen Ursachen hängt die Dauer der Therapie sowohl vom Zustand des Patienten als auch von der Ursache und den möglichen Therapie-Optionen ab.

Eine unbehandelte Balanitis steigt mitunter entlang der Harnwege auf. Mögliche Folgen sind ein Harnwegsinfekt, eine Blasen- oder Prostataentzündung. Harnwegsinfekte sind bei Männern selten und müssen konsequenter als bei Frauen behandelt werden.

Wenn sich die Balanitis – trotz richtiger Therapie – nicht bessert, weist dies potenziell auf einen bösartigen Prozess hin. In diesem Fall sollte eine Biopsie durchgeführt werden. In den meisten Fällen handelt es sich dann um die Vorstufe einer Krebserkrankung (Erythroplasie Queyrat), die sich in manchen Fällen zu einem Karzinom weiterentwickelt.

Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem sollte vor allem eine infektiöse Balanitis besonders aufmerksam beobachtet werden. Einerseits ist es leicht möglich, dass sich die Infektion ausdehnt und weitere Teile des Körpers erfasst. Anderseits ist die Balanitis möglicherweise ein erstes Anzeichen für eine im Körper bestehende Infektion.

Zudem nehmen Infektionen bei geschwächtem Immunsystem oft deutlich schwerere Verläufe als bei gesunden Menschen, und es besteht die Gefahr schwerer Hautschäden mit Blutungen. Eine anhaltende Pilz-Balanitis führt daher in bei manchen immungeschwächten Patienten zu einer schmerzhaften Entzündung von blutabführenden Gefässen.

In seltenen Fällen resultiert aus einer Balantis eine Vorhautverengung (Phimose). 

Was ist Balanitis?

Die Balanitis ist eine Entzündung der Eichel des Penis. Als Glans penis oder Eichel bezeichnet man die Verdickung am Ende des Penis. Sie ist ein sehr empfindlicher Teil des männlichen Körpers, da sie mit vielen sensiblen Nerven ausgestattet ist. Bei nicht-beschnittenen Männern ist die Eichel durch die Vorhaut bedeckt. Bei einer Erektion zieht sich die Vorhaut in der Regel hinter die Eichel zurück. Das innere Blatt der Vorhaut liegt der Eichel direkt auf, sodass eine Entzündung an der Eichel sehr häufig auf die Vorhaut übergreift. Dies bezeichnet man als Balanoposthitis. Wiederkehrende und langandauernde Episoden der Eichelentzündung sind möglich.

Am häufigsten tritt die Balanitis bei unbeschnittenen Männern auf und dabei fast gleich häufig in allen Altersklassen. In Abhängigkeit vom Alter ist aber die Häufigkeit der verschiedenen Ursachen der Eichelentzündung unterschiedlich. Es wird insgesamt geschätzt, dass zwischen drei und elf Prozent der Männer pro Jahr an einer Balanitis erkranken. Die meisten Studien untersuchten jedoch nur Kinder und sexuell aktive Männer.

Balanitis: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf eine Eichelentzündung sollten Männer zum Urologen gehen. Am Anfang der Balanitis-Diagnostik steht das ausführliche Gespräch mit dem Patienten zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Der Arzt fragt dabei zum Beispiel:

  • Wie intensiv betreiben Sie die Intimpflege?
  • Haben Sie Veränderungen an der Eichel oder dem Penis bemerkt?
  • Leiden Sie an Schmerzen oder Juckreiz?
  • Haben Sie Probleme beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr?
  • Sind bei Ihnen Hauterkrankungen oder andere Krankheiten bekannt?

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung müssen die Lymphknoten, vor allem in der Leiste, und die Eichel untersucht werden. Bereits beim Betrachten der Glans penis fallen dem Arzt gegebenenfalls eine Rötung und Schwellung auf. Zusätzlich werden häufig verschiedenfarbige Verfärbungen beobachtet. Falls vorhanden, wird die Vorhaut genau mituntersucht. Oft ist sie ebenfalls von der Entzündung betroffen. Auch auf eine etwaige Verengung der Vorhaut wird der Arzt achten.

Wie näher bei den Symptomen beschrieben, lassen sich viele Ursachen einer Balanitis durch typische, sichtbare Veränderungen der Eichel feststellen wie zum Beispiel gruppierte Bläschen bei einer Herpesinfektion.

Bei Verdacht auf eine infektiöse Eichelentzündung sollte dennoch zur Feststellung des Erregers ein Abstrich von der Glans penis und dem Harnröhreneingang gemacht werden. Dieser Abstrich wird unter dem Mikroskop begutachtet. Teilweise werden die unterschiedlichen Bakterien oder Pilze so mithilfe von Spezialfärbungen identifiziert. Setzt der Arzt eine Kultur an, um vorhandene Erreger heranzüchten, lassen sich diese damit noch besser identifizieren.

In sehr seltenen Fällen, insbesondere bei bestimmten Pilzarten, wird bei Balanitis-Patienten das Blut auf den Erreger oder Antikörper gegen den Erreger untersucht. Die Blutuntersuchung bleibt jedoch in der Regel unklaren und schweren Fällen vorbehalten.

Eine kleine Gewebeentnahme (Biopsie) wird bei einer unklaren und komplizierten Balanitis erwogen. Bei einer infektiösen Balanitis sind die Befunde einer Biopsie jedoch meist unspezifisch. Eine Biopsie dient in unsicheren Fällen vor allem dazu, dem Verdacht auf einen Tumor oder einer Hauterkrankung nachzugehen. Es gibt nämlich eine Reihe von Krankheiten, die einer Balanitis ähneln oder eine komplizierte Form der Balanitis sind. Dazu zählen eine bestimmte Krebsvorstufe (Erythroplasie Queyrat), das Peniskarzinom, die autoimmune Gefässerkrankung Behçet-Krankheit sowie infekt- oder medikamenteninduzierter Ausschlag (Steven-Johnson-Syndrom).

Bestehen Probleme beim Wasserlassen, wird der Arzt den Harnröhrenausgang auf Entzündungszeichen untersuchen. Er fragt den Patienten, ob sich die Vorhaut beim Wasserlassen „aufbläst“. Bei Hinweisen auf eine Mitbeteiligung des Harntrakts wird der Arzt eine Ultraschalluntersuchung der Blase machen, um abzuklären, ob eine Behinderung des Urinabflusses vorhanden ist.

Es ist möglich, dass eine Balanitis durch mehrere Ursachen gleichzeitig ausgelöst worden ist. Dies heisst, dass auch nach einer vermeintlich festgestellten Ursache eventuell noch weiter nachgeforscht werden sollte. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass zusätzlich zu einer durch das humane Papillomavirus verursachten Warze eine weitere Infektion besteht.

Warnzeichen für einen komplizierten Verlauf der Balanitis sind:

  • Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis)
  • schlecht kontrollierter Diabetes mellitus
  • Unfähigkeit, die Vorhaut zurückzuziehen
  • Blockaden beim Wasserlassen

Vorbeugen

Eine Balanitis entsteht häufig durch zu aggressive oder mangelhafte Intimhygiene. Daher ist eine angemessene Intimpflege wichtig, um das Risiko für eine Balanitis zu senken. Auch wenn Risikofaktoren wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung sich nicht verhindern lassen, ist es dennoch möglich, Infektionen im Genitalbereich vorzubeugen, die das Risiko für eine Balanitis erhöhen. Eine grosse Rolle spielt hier beispielsweise der Schutz vor beim Geschlechtsverkehr übertragenen Erregern.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Geoff Hackett
Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
N48
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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  • Altmeyer, P. et al.: Bildlexikon der Dermatologie, Springer Verlag, 2013
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  • Mayser, P.: Mykotische Infektionen des Penis, J Urol Urogyn 1/1999: 28-33
  • Schmelz, H.U. (Hrsg.): Facharztwissen Urologie Differenzierte Diagnostik und Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2014
  • Wikström A. et al.: Human papillomavirus-associated balanoposthitis – a marker for penile intraepithelial neoplasia, Int J STD AIDS 2013, 24: 938-943
  • Wray AA et al. Balanitis. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing (Stand August 2021)
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