Blasenkrebs

Von , Chemikerin, Medizinjournalistin
Aktualisiert am
Ingrid Müller

Ingrid Müller ist Chemikerin und Medizinjournalistin. Sie war zwölf Jahre Chefredakteurin von NetDoktor.de. Seit März 2014 arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin unter anderem für Focus Gesundheit, das Gesundheitsportal ellviva.de, den Verlag living crossmedia und den Gesundheitschannel von rtv.de.

Alle NetDoktor.ch-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Blasenkrebs (Blasen- oder Harnblasenkarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Harnblasen. Warum Blasenkrebs entsteht, ist noch nicht genau geklärt. Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das Rauchen. Im frühen Stadium verursacht er kaum Beschwerden. Je früher die Diagnose des Blasenkrebs erfolgt, umso besser ist die Heilungschance. Lesen Sie hier mehr über das Blasenkarzinom.

blasenkrebs

Kurzübersicht

  • Symptome: Keine bestimmten Symptome, meist lange gar keine, Verfärbung des Urins durch Blutbeimengung, Störungen bei der Entleerung der Blase wie häufiges Wasserlassen, Schmerzen beim Urinieren
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Umso früher die Diagnose, desto besser die Prognose; liegt der Blasenkrebs nicht im Muskelgewebe vor, sind die Heilungschancen besser, mit Therapie je nach Stadium meist behandelbar
  • Ursachen und Risikofaktoren: Hauptrisikofaktor ist das Rauchen, daneben Kontakt mit Gefahrenstoffen (z.B. beruflich), chronische Blasenentzündungen, bestimmte Medikamente
  • Diagnostik: Ärztliches Gespräch, körperliche Untersuchung, Untersuchungen des Urins, Blasenspiegelung, Biopsie, bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
  • Behandlung: Abhängig von der Art des Tumors und des Stadiums: Tumorentfernung über Blasenspiegelung, offene Operation, Blaseninstillationen, Chemo- und/oder Strahlentherapie sowie Immuntherapie möglich
  • Vorbeugen: Rauchverzicht, kein Kontakt mit Gefahrenstoffen (Sicherheitsmassnahmen beachten), früh Arzt aufsuchen bei Blasenproblemen

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Wand der Harnblase. In den allermeisten Fällen geht er von der Harnblasenschleimhaut (Urothel) aus. Mediziner sprechen dann von Urotheltumoren.

Beim Blasenkrebs bilden sich veränderte Zellen, die sich schneller teilen als normale, gesunde Zellen. Wenn diese veränderten Zellen in andere Organe und anderes Gewebe gelangen, ist es möglich, dass sie dort Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden.

Weltweit ist Blasenkrebs die siebthäufigste Krebsart. Bis zum 25. Lebensjahr ist der Blasenkrebs bei beiden Geschlechtern sehr selten und tritt gleichermassen häufig auf. Das Risiko für einen Blasentumor steigt mit dem Alter und stärker bei Männern. Im Schnitt sind Männer bei der Diagnosestellung 75 Jahre und Frauen etwa 76 Jahre alt.

Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs ist das Rauchen – es erhöht das Risiko für ein Blasenkarzinom um das Doppelte bis Sechsfache im Vergleich zu einem Nichtraucher. Auch das Passivrauchen ist gefährlich. Der Tabakkonsum ist vermutlich für etwa 50 Prozent aller Fälle von Blasenkrebs verantwortlich.

Wie äussert sich Blasenkrebs?

Wie bei den meisten bösartigen Tumoren gibt es bei Blasenkrebs keine spezifischen Symptome. Aus diesem Grund ist es möglich, dass hinter den Beschwerden sowohl ein Blasenkrebs steckt als auch viele andere Erkrankungen des Harntraktes.

Dennoch gilt: Wenn Sie diese Blasenkrebs-Symptome bei sich feststellen, ist es in jedem Fall dringend ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Folgenden Symptome weisen mitunter auf Blasenkrebs hin:

  • Blut im Urin: Das häufigste Warnsignal für einen Tumor in der Blase ist eine rötliche bis braune Verfärbung des Urins, nicht zwangsläufig dauerhaft und meist schmerzfrei. Diese entsteht durch geringe Blutbeimengung im Urin. Ist diese mit dem blosse Auge erkennbar, ist der Blasenkrebs meist in einem weiter fortgeschrittenen Stadium, als wenn die Blutbeimengung den Urin noch nicht verfärbt.

Diese Blutbeimengungen sind kein charakteristisches Blasenkrebs-Symptom, sondern kommen bei vielen Harnwegs- und Nierenerkrankungen vor. Oft suchen die meisten Betroffenen erst dann einen Arzt auf, wenn der Urin deutlich blutig ist. In der Regel ist der Blasenkrebs zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten. Aus diesem Grund ist es ratsam, dieses Symptom frühzeitig abklären zu lassen.

  • Häufiger Harndrang: Beschwerden beim Wasserlassen wie verstärkter Harndrang mit der häufigen Entleerung nur kleiner Mengen Harns (Pollakisurie) sind abklärungsbedürftig. Sie sind in manchen Fällen ein Hinweis auf einen Tumor in der Blase.
  • Störungen der Blasenentleerung:Von Ärzten als Dysurie bezeichnet. Das Wasserlassen ist erschwert und funktioniert oft nur tröpfchenweise. Manchmal ist dies mit Schmerzen verbunden. Viele interpretieren diese Symptome fälschlicherweise als Blasenentzündung.
  • Schmerzen: Bei Schmerzen in den Flanken ohne erkennbaren Grund ist Vorsicht geboten, hier ist es erforderlich, einen Arzt aufzusuchen. Denn Schmerzen treten oft erst in weit fortgeschrittenen Blasenkrebsstadien auf. Dann verengt der Blasentumor bereits die Harnleiter oder die Harnröhre.
  • Entzündungen:Chronische Blasenentzündungen weisen unter Umständen auf Blasenkrebs hin, besonders wenn eine Behandlung mit Antibiotika keinen Erfolg bringt.

Daneben gibt es allgemeine, aber seltenere Hinweise auf Blasenkrebs wie Erschöpfung oder Gewichtsverlust. Mit dem menschlichen Geruchssinn lässt sich Blasenkrebs im Urin nicht erkennen.

Ist Blasenkrebs heilbar?

Die Heilungschance des Blasenkrebs hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählt:

  • Wie weit ist der Tumor fortgeschritten? Ist er oberflächlich oder geht er von tieferen Gewebestrukturen aus? Hat er sich schon in andere Strukturen oder Organe ausgebreitet?
  • Handelt es sich um einen aggressiv wachsenden Blasenkrebs?
  • Sind Lymphknoten befallen oder liegen bereits Metastasen vor?

Bei den meisten Blasenkrebs-Patienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnose ein frühes Stadium vor. Die Aussichten auf Heilung sind dann günstig, weil die Tumore in diesem Stadium relativ selten Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden und sich der Krebs in der Regel vollständig operativ entfernen lässt.

Sobald der Blasenkrebs in die Muskelschicht der Harnblase vordringt (muskelinvasive Tumoren), steigt die Gefahr der Metastasenbildung. Denn das Muskelgewebe ist gut durchblutet und Tumorzellen gelangen über den Blutstrom in andere Organe. Hat sich der Blasenkrebs auf diese Weise ausgebreitet, ist die Prognose schlechter.

Sind die Tumorzellen schon über die Harnblase hinausgewachsen oder liegen Fernmetastasen in Lunge, Leber oder Skelett vor, sinken die Überlebenschancen bei Blasenkrebs weiter. Deshalb ist es wichtig, Blasenkrebs so früh wie möglich von einem Arzt diagnostizieren und behandeln zu lassen.

Da der Blasenkrebs in einigen Fällen nach der Entfernung wieder auftritt, sind regelmässige Nachsorgetermine notwendig. So lassen sich mögliche Rückfälle (Rezidive) rechtzeitig erkennen und behandeln.

Unbehandelt hindert den Blasenkrebs nichts an seiner Ausbreitung. Aus diesem Grund führt der bösartige Tumor im Verlauf zu Metastasen im Körper und früher oder später zum Tod.

Was verursacht Blasenkrebs?

In 90 Prozent der Fälle geht der Blasenkrebs vom Urothel aus. Dies sind bestimmte Gewebeschichten der Schleimhaut, die die Harnblase sowie andere Harnwege wie Harnleiter oder -röhre auskleiden. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko für Blasenkrebs erhöhen – oft sind es äussere Einflüsse.

Rauchen: Hauptfaktor für Blasenkrebs

Rauchen ist – wie beim Lungenkrebs – ein erheblicher Risikofaktor für Blasenkrebs. Die Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch gelangen ins Blut, die Niere filtert sie wiederum aus dem Blut heraus. Mit dem Urin gelangen sie in die Blase und entfalten dort ihre schädliche Wirkung, bis sie der Körper wieder ausscheidet.

Etwa 50 Prozent aller Blasenkrebserkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen, schätzen Mediziner. Das Risiko für Blasenkrebs ist bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern doppelt bis sechsfach erhöht, abhängig davon, wie lange und wie viel man raucht. Wer also den Rauchstopp schafft, senkt das Risiko für Blasenkrebs.

Chemische Substanzen

Der Kontakt mit bestimmten chemischen Stoffen erhöht ebenfalls das Blasenkrebs-Risiko. Besonders gefährlich sind aromatische Amine, die als krebserregend gelten. Sie wurden früher vor allem in der chemischen Industrie, der Gummi-, Textil- oder Lederindustrie sowie im Malerhandwerk eingesetzt.

Bei Menschen, die mit diesen Stoffen im Rahmen ihrer Arbeit umgehen und Blasenkrebs bekommen, wird die Erkrankung in vielen Fällen als Berufskrankheit anerkannt.

Dieser Zusammenhang zwischen Chemikalien und Blasenkrebs ist schon länger bekannt. Am Arbeitsplatz werden solche Chemikalien deshalb heute nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt. Manchmal sind sie sogar ganz verboten. Allerdings ist dies nicht in allen Ländern der Fall.

Blasenkrebs entwickelt sich zudem sehr langsam – zwischen der Einwirkung der Chemikalien und der Entwicklung von Blasenkrebs vergehen durchaus bis zu 40 Jahre (Latenzzeit).

Deshalb ist es möglich, dass Blasenkrebs bei Personen auftritt, die vor langer Zeit mit solchen chemischen Stoffen gearbeitet haben. Neben den aromatischen Aminen gibt es weitere Chemikalien, die bei der Entstehung von Blasenkrebs eine Rolle spielen dürften.

Chronische Blaseninfektionen

Auch chronische Blasenentzündungen sind vermutlich ein Risikofaktor für Blasenkrebs. Häufige Blasenentzündungen treten beispielsweise bei Menschen mit einem Blasenkatheter auf.

Medikamente, die Blasenkrebs-Risiko erhöhen

Cyclophosphamid, Chlornaphazin, Phenazetin und Aristolochiasäure sind Substanzen, die nachweislich das Blasenkrebs-Risiko erhöhen. Cyclophosphamid ist ein Medikament der Chemotherapie und kommt unter anderem bei Leukämien, Brustkrebs und Eierstockkrebs zum Einsatz. Chlornaphazin, Phenazetin und Aristolochiasäure sind etwa in Deutschland nicht mehr zugelassen.

Andere Infektionskrankheiten

Manche langjährigen Infektionskrankheiten stehen in Zusammenhang mit Blasenkrebs. Ein Beispiel ist die Infektion mit Schistosomen (Pärchenegel), die in den Tropen und Subtropen vorkommen. Sie verursachen die Krankheit Bilharziose, bei der manchmal Harnblase und Harnröhre befallen sind (Urogenital-Bilharziose).

Wie wird Blasenkrebs festgestellt?

Blasenkrebs verursacht in der Regel keine oder nur wenige Beschwerden. Die Blasenkrebs-Symptome sind ausserdem zu Beginn so unspezifisch, dass durchaus auch andere Erkrankungen in Betracht dafür kommen.

Bei Blutbeimengung im Urin oder anhaltenden Symptomen einer Blasenreizung ist es jedoch ratsam, einen Arzt aufzusuchen – am besten einen Hausarzt oder Urologen. Denn: Je früher der Blasenkrebs diagnostiziert wird, desto besser ist er therapierbar.

Arztgespräch

Der Arzt fragt Sie zunächst nach Ihren Beobachtungen und Beschwerden (Anamnese). Dazu zählen beispielsweise Angaben zu folgenden Aspekten:

  • Verfärbungen des Urins
  • Probleme beim Wasserlassen
  • Verstärkter Harndrang
  • Beruflicher Kontakt mit Chemikalien
  • Rauchen
  • Weitere vorliegende Erkrankungen

Untersuchungen

Danach führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Nur sehr grosse Blasentumoren lassen sich durch die Bauchwand, den Enddarm oder die Vagina ertasten. Zudem untersucht er eine Urinprobe, bei dieser lässt sich meist Blut im Harn nachweisen. Zusätzlich erfolgt eine genauere Laboruntersuchung des Urins auf bösartige Zellen (Urinzytologie).

Es gibt bestimmte Marker im Urin. Anhand der Bestimmung dieser Marker schätzt der Arzt ein, ob ein Blasenkrebs vorliegt oder nicht. Allerdings sind diese Tests, die es auch als Schnelltests gibt, bislang nicht ausreichend genau im Ergebnis. Aus diesem Grund setzen sie viele Ärzte weder zur Diagnose noch zur Früherkennung ein, da das Ergebnis nicht aussagekräftig genug ist.

Durch einen Ultraschall des Bauches (Sonografie) lässt sich der Zustand von Nieren, Nierenbecken, Harnleiter und Blase beurteilen und erkennen, ob es möglicherweise andere Ursache für das Blut im Urin gibt, etwa Harnsteine.

Erhärtet sich der Verdacht auf Blasenkrebs, schlägt der Arzt in der Regel eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) vor. Der Patient erhält dazu eine örtliche Betäubung, bei Bedarf auch etwas zur Beruhigung oder eine Vollnarkose.

Bei der Zystoskopie führt der Arzt über die Harnröhre ein spezielles Instrument (Zystoskop) ein, wodurch sich das Innere der Blase begutachten lässt. Diese Untersuchung ermöglicht dem Arzt einzuschätzen, wie tief der Tumor in die Harnblasenschleimhaut eingedrungen ist.

Die Diagnose Blasenkrebs lässt sich anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) aus dem verdächtigen Gewebe sichern. Im Rahmen einer Blasenspiegelung entnimmt der Arzt mittels einer Elektroschlinge die Gewebeprobe (transurethrale Elektroresektion der Blase, TUR-B). Kleine, oberflächlich wachsende Tumoren lassen sich so manchmal schon vollständig abtragen. Anschliessend untersucht ein Pathologe die Zellen unter dem Mikroskop.

Im Blut gibt es keine Tumormarker, die spezifisch für Blasenkrebs sind. Hat sich die Diagnose Blasenkrebs bestätigt, folgen weitere, vor allem bildgebende Untersuchungen, um festzustellen, welches Ausbreitungsrisiko der Tumor birgt, wie weit der Krebs fortgeschritten ist und ob er schon in andere Organe gestreut hat.

Beispiele sind:

  • Ultraschall der Leber
  • Röntgen des Brustkorbs
  • Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauches
  • Knochenszintigrafie bei Verdacht auf Knochenmetastasen

Wie wird Blasenkrebs behandelt?

In der Regel arbeiten bei einer Krebstherapie Spezialisten verschiedener Fachrichtungen eng zusammen, zum Beispiel Chirurgen, Urologen, Onkologen und Psychologen. Wichtig ist, dass Sie gut über den Krebs und die Therapiemöglichkeiten informiert sind, damit Sie die für Sie passenden Entscheidungen treffen. Fragen Sie auf jeden Fall nach, falls Sie etwas nicht verstanden haben.

Die Therapie von Blasenkrebs hängt vor allem vom Stadium der Erkrankung ab. Wichtig sind die Tumorgrösse, der Sitz des Blasentumors, wie weit er sich ausgebreitet hat, wie bösartig die Tumorzellen sind und wie schnell der Blasenkrebs wächst. Aus diesen Ergebnissen ermitteln Ärzte das genaue Krankheitsstadium (Staging, Stadieneinteilung). Sie erstellen in diesem Rahmen sozusagen eine Art Steckbrief des Tumors (TNM-Klassifikation).

Meist richtet sich die Behandlung des Blasenkrebs danach, ob der Tumor im Muskelgewebe oder nur oberflächlich vorliegt.

Endoskopische Operation (TUR) – den Tumor entfernen

Bei etwa 75 Prozent der Betroffenen handelt es sich um einen oberflächlichen Tumor. Das heisst, der Blasenkrebs liegt nur in der Blasenschleimhaut und hat noch nicht die Blasenmuskulatur erreicht. Dann lässt er sich bei der Blasenspiegelung mithilfe des Zystoskops entfernen. Der Operateur trägt den Tumor schichtweise mit einer Elektroschlinge ab. Ein Bauchschnitt ist hier nicht notwendig.

Nach der Operation erfolgt eine feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes. Dadurch lässt sich feststellen, ob es möglich war, den Tumor "im Gesunden", also vollständig zu entfernen.

Risikoabhängige Instillationsbehandlung

Um ein erneutes Auftreten des Blasenkrebses bei oberflächlichen Tumoren zu verhindern, erhalten vor allem Patienten mit einem mittleren und einem hohen Risiko nach der Operation eine sogenannte intravesikale Instillationsbehandlung.

Ärzte bringen dabei über einen Blasenkatheter eine Lösung direkt in die Blase ein. Diese Lösung verbleibt dort meist für eine gewisse Zeit (meist für zwei Stunden) und wird über die Blasenentleerung wieder ausgeschieden. Je nach Risiko kommen unterschiedliche Lösungen zum Einsatz:

  • Örtliche Chemotherapie nach TUR: Patienten erhalten direkt im Anschluss an die Operation vorbeugend Medikamente gegen den Krebs, sogenannte Chemotherapeutika. Der Arzt spült sie im Rahmen der Zystoskopie direkt in die Blase ein (intravesikale Chemotherapie).
  • Örtliche Immuntherapie nach TUR: Daneben nutzen Ärzte häufig den Tuberkuloseimpfstoff Bacillus Calmette-Guérin (BCG) und bringen ihn ebenfalls direkt in die Blase ein. Der Impfstoff löst im Körper eine intensive Immunreaktion aus, die mitunter die Tumorzellen bekämpft.

Die medikamentöse Nachbehandlung des Blasenkrebses dauert in der Regel etwa sechs Wochen, in einem wöchentlichen Rhythmus (Induktionsphase). Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert etwa zwei Stunden. Anschliessend gehen die Patienten wieder nach Hause.

In manchen Fällen schliesst sich an diese Induktionsphase eine sogenannte Erhaltungsphase an, diese dauert mehrere Monate bis Jahre.

Blasenentfernung (Zystektomie)

Bei manchen Patienten ist der Blasenkrebs tiefer in die Wand und bereits in den Muskel eingewachsen. Hier ist ein grösserer operativer Eingriff erforderlich, bei dem die Chirurgen die Harnblase teilweise oder vollständig entfernen (Zystektomie). Diese Operation wird entweder offen, per Laparoskop (Bauchspiegelung) oder Roboter-assistiert durchgeführt.

Zusätzlich entnehmen Ärzte die umgebenden Lymphknoten. Dies verringert die Gefahr, dass sich die Erkrankung über möglicherweise befallene Lymphknoten erneut ausbreitet.

Bei Männern entfernen die Operateure zugleich Prostata und Samenblasen, bei Tumorbefall der Harnröhre auch diese. Bei Frauen mit fortgeschrittenem Blasenkrebs werden die Gebärmutter, die Eierstöcke, ein Teil der Scheidenwand und meistens die Harnröhre entfernt.

Ist eine komplette Entfernung der Harnblase erforderlich, legt der Arzt im Anschluss einen künstlichen Harnausgang an, über den der Urin nach aussen abläuft.

Die einfachste Form ist die Einpflanzung der beiden Harnleiter in ein ausgeschaltetes, etwa 15 Zentimeter langes Dünn- oder Dickdarmstück. Das offene Ende dieses Darmstücks leiten Ärzte über die Bauchhaut aus (Ileum conduit). Da bei dieser Form der Harnableitung immer etwas Urin aus der Bauchöffnung läuft, trägt der Betroffene ständig einen Urinbeutel.

Eine andere Möglichkeit ist es, eine "neue" Blase (Neoblase) zu formen. Hierbei formen Ärzte aus einem ausgeschalteten Darmteil ein Sammelbeutel und schliessen ihn an die Harnröhre an. Voraussetzung dafür ist, dass der Übergang von der Blase zur Harnröhre in der feingeweblichen Untersuchung frei von bösartigen Zellen war. Ansonsten ist es erforderlich, auch die Harnröhre mitzuentfernen.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass das Wasserlassen auf ganz normalem Weg möglich ist. Allerdings haben die Patienten keinen Harndrang. Es ist deshalb notwendig, die Blase in regelmässigen Abständen durch Pressen zu entleeren. Je nach Flüssigkeitsaufnahme alle drei bis vier Stunden oder in etwas längeren Abständen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, beide Harnleiter von den Nierenbecken aus mit dem letzten Teil des Dickdarms zu verbinden (Ureterosigmoidostomie). Der Urin läuft dann während des Stuhlgangs ab.

Chemotherapie und Immuntherapie

Zusätzlich zur teilweisen oder vollständigen Entfernung der Blase bei Blasenkrebs, der bereits in tieferes Gewebe (Muskel) eingedrungen ist, erhalten viele dieser Patienten vor und nach der Operation eine Chemotherapie. Ziel dessen ist es, die Überlebenszeit zu verbessern.

Manchmal ist eine Entfernung der Blase nicht möglich oder der Patient lehnt den Eingriff ab – auch hier kommt eine Chemotherapie infrage, die den gesamten Körper betrifft und Tumorzellen ausschalten soll (systemische Therapie).

Eine Chemotherapie hilft bei Blasenkrebs auch, wenn die Geschwulst schon weit fortgeschritten ist (zum Beispiel bei Ausbreitung in die Lymphknoten der Bauchhöhle oder in andere Organe). Die Therapie lindert die Beschwerden und wirkt sich lebensverlängernd aus.

Bei manchen Patienten, die nicht für eine Chemotherapie geeignet sind, empfehlen Ärzte die relativ neue Möglichkeit einer Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren.

Strahlentherapie

Ein Blasenkarzinom ist strahlenempfindlich – die Tumorzellen lassen sich oft durch eine Bestrahlung völlig vernichten. Die Strahlenbehandlung ist eine Alternative zur Blasenentfernung – so lässt sich die Blase manchmal erhalten.

Meist gibt es eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie. Die eingesetzten Medikamente (Zytostatika) machen den Tumor noch empfindlicher gegenüber radioaktiven Strahlen. Mediziner sprechen von Radiochemotherapie. Die Bestrahlung dauert oft mehrere Wochen und erfolgt meist täglich für wenige Minuten.

Rehabilitation und Nachsorge

Vor allem für Blasenkrebs-Patienten nach einer Zystektomie und einer alternativen Harnableitung oder mit einer Neoblase ist in vielen Fällen eine Anschlussbehandlung notwendig. Hier bekommen die Betroffenen Unterstützung in Bezug auf die Harnentleerung, beispielsweise in Form von Physiotherapie sowie in Schulungen zu künstlichen Harnausgängen.

Daneben sind in die Beratung und in Hilfsangebote weitere Themenfelder eingebunden, wie Lymphdrainage und aktive Bewegungstherapie aufgrund entfernter Lymphknoten, die psychologische Betreuung sowie vor allem bei Männern die Adressierung möglicher sexueller Störungen nach der Behandlung.

Wichtig ist zudem, dass Betroffene regelmässig Nachsorgetermine wahrnehmen. Dadurch ist es Ärzten möglich, frühzeitig zu erkennen, ob es zu einem Rückfall des Blasenkrebs kommt. Aber auch um zu sehen, ob es Komplikationen gibt, wie gut es dem Betroffenen mit der Therapie geht und ob möglicherweise Nebenwirkungen bestehen. Je nach Risiko richtet sich der Rhythmus der Kontrolltermine.

Kann man Blasenkrebs vorbeugen?

Um einem Blasenkrebs vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, sowohl den aktiven als auch den passiven Tabakkonsum zu minimieren. Im Idealfall verzichten Sie komplett auf das Rauchen, da dies ihr Erkrankungsrisiko senkt.

Falls Sie einen Beruf ausüben, bei dem Sie mit Gefahrstoffen in Kontakt kommen, ist es wichtig, dass Sie Sicherheitsvorschriften beachten. Bedenken Sie, dass der Zeitraum von Kontakt mit Gefahrstoffen bis zur Krebsentstehung möglicherweise sehr lang ist (bis zu 40 Jahre).

Vergessen Sie nicht, dass es keine eindeutigen Symptome für Blasenkrebs gibt und die Erkrankung in der Regel lange keine Beschwerden macht. Sollten Sie an chronischen Blasenentzündungen leiden, Verfärbungen im Urin feststellen oder an Blasenentleerungsstörungen oder Schmerzen leiden, ist es ratsam, dies zeitnah von einem Arzt abklären zu lassen.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Heribert Schorn
Autor:
Ingrid Müller

Ingrid Müller ist Chemikerin und Medizinjournalistin. Sie war zwölf Jahre Chefredakteurin von NetDoktor.de. Seit März 2014 arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin unter anderem für Focus Gesundheit, das Gesundheitsportal ellviva.de, den Verlag living crossmedia und den Gesundheitschannel von rtv.de.

ICD-Codes:
C68C67D09
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Deutsche Krebshilfe: Blasenkrebs. Aus der Reihe "Die blauen Ratgeber" (Stand: März 2011)
  • European Association of Urology, EAU (www.uroweb.org; Abruf: 27.07.2012)
  • European Association of Urology Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (TaT1 and Carcinoma In Situ), 2019 Update, unter www.uroweb.org (Abrufdatum: 21.01.2022)
  • European Society for Medical Oncology. Bladder cancer: ESMO Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up (Stand: November 2021), unter: www.esmo.org (Abrufdatum: 20.01.2021)
  • Kaseb, H., Aeddula, NR.: Bladder Cancer. StatPearls Publishing; Stand: 30.10.2021, unter: www.ncbi.nlm.nih.gov (Abrufdatum: 20.01.2022)
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Blasenkrebs, unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Onkopedia: Blasenkarzinom (Urothelkarzinom), Stand: März 2019, unter www.onkopedia.com (Abrufdatum: 24.01.2022)
  • Patienteninformation des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (www.urologenportal.de; Abruf: 27.07.2012)
  • Preiß, J. et al.: Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt Verlag, 14. Auflage 2008
  • Robert Koch-Institut: Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland. Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010 (Stand: Februrar 2010)
  • S3-Leitlinie des Leitlinienprogramms Onkologie: Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms (Stand: März 2020), unter: www.leitlinienprogramm-onkologie.de (Abrufdatum: 20.01.2022)
  • Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut: www.krebsdaten.de (Abrufdatum: 20.01.2022)
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich