Metronidazol

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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Der Wirkstoff Metronidazol gehört zu den wichtigsten Antibiotika, die bei bakteriellen Infektionen mit anaeroben Keimen eingesetzt werden. Daneben wird Metronidazol auch in Form von Cremen oder Gelen bei Rosazea verwendet. Es zählt zur Wirkstoffgruppe der Nitroimidazole und ist mittlerweile in zahlreichen Medikamenten enthalten. Hier lesen Sie alles Wichtige über die Anwendung und Wirkung von Metronidazol, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen.

So wirkt Metronidazol

Metronidazol ist ein Antibiotikum. Es kann dosisabhängig anaerobe Bakterien (Bakterien, die in sauerstofffreiem Milieu leben können oder müssen) und auch einige tierische Einzeller (Protozoen) abtöten, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. Lokal auf die Haut aufgetragen hat es zudem einen entzündungshemmenden Effekt bei der Hauterkrankung Rosazea.

Metronidazol reichert sich nach der Aufnahme in anaeroben Bakterien und den Protozoen an. Erst spezielle Enzyme im Inneren der Keime wandeln die Substanz in die eigentlich aktiven Verbindungen um, die das Erbgut der Krankheitserreger schädigen. Dadurch sterben die Keime.

Auf sauerstoffliebende Bakterien sowie menschliche Zellen hat Metronidazol kaum eine Wirkung.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Das Antibiotikum wird nach oraler Einnahme fast vollständig (also zu fast 100 Prozent) aus dem Darm in den Körper aufgenommen. Es dauert etwa acht Stunden, bis die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut und ausgeschieden wurde (hauptsächlich über die Nieren).

Wird Metronidazol in Form von Zäpfchen rektal angewendet, gelangen etwa 80 Prozent des Wirkstoffes ins Blut. Bei vaginaler Anwendung sind es nur etwa 20 Prozent.

Wann wird Metronidazol eingesetzt?

Das Antibiotikum wird zur Behandlung von Infektionen mit anaeroben Bakterien (besonders im Vaginal-, Magen-Darm-, Hals-Nasen-Ohren- und Mundbereich) sowie deren Vorbeugung bei Operationen eingesetzt.

Zusätzlich findet Metronidazol Anwendung bei Infektionen durch krankheitserregende Einzeller (Protozoen) wie Trichomonaden (Trichomoniasis), Amöben (Amöbiasis) oder Giardien (Giardiasis/Lambliasis).

Metronidazol-Creme oder -Gel wird äußerlich bei Hautkrankheiten wie Rosacea (Kupferrose) und Entzündungen um den Mundbereich (periorale Dermatitis) angewendet. Die Gründe: Zum einen besitzt das Antibiotikum auch entzündungshemmende Eigenschaften. Zum anderen werden solche Hautkrankheiten teilweise mit manchen Bakterienarten in Verbindung gebracht, welche das Antibiotikum abtöten kann. Hierbei kommt auch eine längerfristige Anwendung in Betracht.

So wird Metronidazol angewendet

Die am weitesten verbreitete Darreichungsform von Metronidazol bei inneren Infektionen sind Tabletten oder Kapseln. Daneben gibt es speziell für vaginale Infektionen Vaginalzäpfchen. Bei schweren Infektionen wird das Antibiotikum im Krankenhaus als Infusion (intravenös) verabreicht.

Zur Behandlung von Hautkrankheiten stehen Metronidazol-Creme und -Gel zur Verfügung.

Bei der Anwendung des Antibiotikums müssen sich Patienten strikt an die ärztliche Anweisung halten, was die Dosierung und Anwendungsdauer betrifft. Anderenfalls kann es zu Rückfällen kommen.

Welche Nebenwirkungen hat Metronidazol?

Unter der Therapie mit Metronidazol kommt es sehr häufig (also bei mehr als jedem zehnten Behandelten) zu Übelkeit und Leibschmerzen (wie Magendrücken).

Häufig (also bei einem von zehn bis hundert Behandelten) treten als Metronidazol-Nebenwirkungen ein metallischer Geschmack im Mund, Erbrechen, Durchfall und Dunkelfärbung des Urins (durch Abbauprodukte des Wirkstoffs) auf.

Des Weiteren sind Kopfschmerzen, Schwindel und Missempfindungen (Parästhesien) möglich.

Was ist bei der Anwendung von Metronidazol zu beachten?

Während der Therapie mit Metronidazol sollte man auf Alkohol verzichten. Selbst kleine Alkoholmengen können sonst Hautrötungen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel hervorrufen.

Gegenanzeigen

Bei lebensbedrohlichen Infektionen gibt es keine Gegenanzeigen für Metronidazol. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, schweren Leberschäden, Störungen der Blutbildung und Erkrankungen des Nervensystems ist bei der Anwendung Vorsicht geboten.

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Metronidazol und verschiedenen anderen Arzneistoffen sind Wechselwirkungen zu erwarten. So kann das Antibiotikum beispielsweise die Wirkung von oralen Gerinnungshemmern (Warfarin, Phenprocoumon) steigern.

Umgekehrt können Epilepsie-Medikamente mit dem Wirkstoff Phenytoin die Metronidazol-Wirkung verringern. Weitere Wechselwirkungen sind bei gleichzeitiger Anwendung von beispielsweise Lithium (bei manisch-depressiver Erkrankung etc.), Barbituraten (Schlaf- und Beruhigungsmittel) und Cimetidin (bei Sodbrennen, Magen-Darm-Geschwüren etc.) möglich.

Altersbeschränkung

Bei Kindern unter 6 Jahren sollte auf orale Darreichungsformen (z.B. Tabletten) wegen möglicher Schluckbeschwerden besser verzichtet werden. Für diese Altersgruppe stehen zum Beispiel Zäpfchen zur Verfügung.

Die Wirksamkeit einer lokalen Anwendung als Creme oder Gel ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht erwiesen. Die Anwendung wird hier daher nicht empfohlen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Bislang gibt es keine gesicherten Hinweise, dass Metronidazol schädliche Auswirkungen auf Kinder im Mutterleib hat. Trotzdem sollte es sicherheitshalber in der Schwangerschaft möglichst nicht angewendet werden, außer es ist unbedingt erforderlich.

Auch in der Stillzeit wird eine Anwendung des Antibiotikums sehr sorgfältig überlegt. Ist eine Behandlung mit Metronidazol indiziert, muss nicht abgestillt werden.

So erhalten Sie Medikamente mit Metronidazol

Unabhängig von der Darreichungsform ist der Wirkstoff in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptpflichtig und nur über die Apotheke zu erhalten.

Seit wann ist Metronidazol bekannt?

Metronidazol wurde 1959 zuerst als Mittel gegen Protozoen entwickelt, und zwar auf der Basis eines natürlichen Antibiotikums, das von Bakterien der Gattung Streptomyces produziert wird (Azomycin).

Im Jahr 1962 wurde dann zufällig auch die antibakterielle Wirksamkeit von Metronidazol entdeckt, als der Wirkstoff einen Patienten sowohl von seiner Protozoeninfektion als auch von seiner bakteriellen Zahnfleischentzündung befreite.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Metronidazol, unter: www.embryotox.de (Abruf: 04.06.2021)
  • Samuelson, J.: Why metronidazole is active against both bacteria and parasites. Antimicrobial agents and chemotherapy (1999), 43(7), 1533–1541. https://doi.org/10.1128/AAC.43.7.1533
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