Endometriose

Unterbauchschmerzen bei Endometriose
Schmerzen im Unterbauch können auf Endometriose hindeuten (Vonschonertagen / iStockphoto)

Die Gebärmutter ist innen mit einer Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet, die im monatlichen Zyklus auf- und abgebaut wird. Endometriose ist eine Erkrankung bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter - meist im kleinen Becken - wächst und dadurch krankheitsspezifische Symptome verursacht.

Kurzfassung:

  •  Endometriose bezeichnet eine Erkrankung, bei der  die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst und Beschwerden verursacht.
  • Die genauen Ursachen für Endometriose sind nicht bekannt.
  • Endometriose macht sich häufig durch starke Menstruationsbeschwerden und häufig wiederkehrende Unterbauchschmerzen bemerkbar.
  • Die Diagnose von Endometriose stellt der Frauenarzt nach einer Spiegel- und Tastuntersuchung.
  • Die Therapie bei Endometriose hängt von der individuellen Situation der Frau ab. 

Informationen auf dieser Seite:

Ursachen
Symptome
Diagnose
Endometriose & Krebs
Behandlung
Endometriose & Kinderwunsch
Prognose
Vorbeugung

Die Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der die Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst und dadurch Verklebungen, Schmerzen und Unfruchtbarkeit verursachen kann. Es wird geschätzt, dass ungefähr 15 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter von Endometriose betroffen sind; bei Frauen zwischen 15 und 45 Jahren stellt sie die zweithäufigste gutartige gynäkologische Erkrankung dar.

Wie entsteht Endometriose?

Endometriose entsteht, wenn sich Zellen außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedeln und sich dort wie Zellen der Gebärmutterschleimhaut verhalten. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass Endometriose familiär gehäuft auftritt. Die Vererbungsmechanismen und genauen Ursachen sind bis heute jedoch unklar.

Typische Lokalisation von Endometriose-Herden ()

Am häufigsten finden sich Endometrioseherde an der äußeren Gebärmutterwand, den Bindegeweben der Gebärmutter oder den Eierstöcken.

Weiters können sich Endometrioseherde auf dem Bauchfell, das diese Organe bedeckt, und an anderen Organen im Bauchraum, wie Darm und Blase, bilden. In seltenen Fällen finden sich Endometrioseherde auch in der Scheide mit Einengung des Harnleiters.

Wie die Gebärmutterschleimhautzellen innerhalb der Gebärmutterhöhle reagieren Endometrioseherde auf Östrogene. Östrogene veranlassen den Aufbau von Gebärmutterschleimhaut, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, baut der Körper dieses Gewebe wieder ab. Dabei stößt die Gebärmutter die obere Schleimhautschicht ab und die Monatsblutung setzt ein.

Auch die Endometrioseherde außerhalb der Gebärmutter wachsen bei vermehrter Östrogenproduktion und setzen Entzündungsstoffe frei, die das umliegende Gewebe irritieren. Zudem können die Zellen zum Zeitpunkt der Menstruation abbluten. Dies kann bewirken, dass sich diese Gewebe entzünden. Auch Blutzysten in den Eierstöcken können bei Endometriose entstehen.

Wenn die Endometrioseherde zu wuchern beginnen, treten Verwachsungen und Narbengewebe an verschiedenen Stellen des Beckens auf, etwa bei Ei- und Harnleiter, Scheide, Harnblase sowie im Enddarm. All dies kann mitunter zu starken Schmerzen führen, die viele Frauen als typische Symptome der Regelblutung interpretieren. Endometriose wird deshalb oft erst sehr spät diagnostiziert.

Mit welchen Beschwerden geht Endometriose einher?

Die Symptome der Endometriose sind sehr vielfältig und von Patientin zu Patientin unterschiedlich.

Starke Regelschmerzen als Leitsymptom

Das Leitsymptom sind intensive Regelschmerzen, die typischerweise ein bis drei Tage vor der Blutung einsetzen. Die Regelschmerzen werden oft auch von Bauch-, Rücken- und Beckenbodenschmerzen begleitet. Die Regelblutung kann zudem sehr stark ausfallen. Unabhängig von den Menstruationsbeschwerden deuten häufig wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch auf Endometriose hin.

Sonstige Symptome

Haben sich Endometrioseknoten im Beckenbereich gebildet, können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang sowie Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl oder Urin auftreten. Bei Darmbefall treten unterschiedliche Symptome wie Verstopfung, Durchfall und Blähungen auf.

Wenn Eileiter verkleben bzw. verwachsen kann auch der Befruchtungsmechanismus behindert sein. Dies führt vielfach dazu, dass betroffene Frauen Sterilitätsprobleme aufweisen: Bei etwa 30 der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist dies auf Endometriose zurückzuführen.

Interessant ist, dass die Größe der Herde nicht zwingend mit der Stärke der Symptome zusammenhängt: Sehr kleine Herde im Bauchfell können massive Schmerzen verursachen, während Frauen mit großen Herden bzw. Knoten oder Endometriosezysten unter Umständen nichts von der Krankheit bemerken.

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Nach einer Erhebung der Beschwerden, bisherigen Behandlungen sowie Operationen führt der Frauenarzt eine Spiegel- und Tastuntersuchung durch, bei der die möglichen Endometrioseknoten identifiziert werden können. Wenn sich der Verdacht auf Endometriose erhärtet, wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide durchgeführt. Eine weitere diagnostische Option ist die Magnetresonanztomographie.

Dass es sich tatsächlich um Endometriose handelt, muss letztlich durch die Begutachtung einer Gewebeprobe bestätigt werden. Diese wird im Rahmen einer Bauchspiegelung gewonnen, bei welcher der Arzt über den Nabel in die Bauchhöhle eindringt und mithilfe optischer Instrumente den Bauchraum, die Eierstöcke sowie Blasen- und Darmoberflächen inspiziert. Sichtbare Endometrioseherde können dabei gleich entfernt oder mit Hitze, Laser oder Hochfrequenzstrom zerstört werden.

+++ Mehr zum Thema: Video "Vom Kinderwunsch zum Wunschkind" +++

Endometriose und Krebs

Auch wenn es kein allgemein erhöhtes Risiko einer bösartigen Erkrankung für Frauen mit Endometriose gibt, können doch einzelne Tumorarten häufiger vorkommen. Bei der Abklärung und der Behandlung von Endometriose sollte diese Tatsache berücksichtigt werden. Somit können im Einzelfall gezielte zusätzliche Untersuchungen erforderlich werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie hängt vom Ausmaß der Beschwerden ab. Wird die Endometriose zufällig festgestellt und bereitet keine Beschwerden, muss sie nicht zwingend behandelt werden. Meist werden bei der zur Diagnosestellung durchgeführten Bauchspiegelung alle Endometrioseherde entfernt. Alternativ kann auch eine Hormonbehandlung helfen die Schmerzen zu lindern.

++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Endometriose ++

Endometriose und Kinderwunsch

Bei leichteren Formen der Endometriose ist die Fruchtbarkeit möglicherweise gar nicht oder nur minimal eingeschränkt. Generell gilt, je ausgeprägter die Erkrankung, desto früher sollte mit einer Behandlung zur Verbesserung der Fruchtbarkeit begonnen werden.

++ Mehr zum Thema: Endometriose und Kinderwunsch ++

Prognose

Bei einer sorgfältig durchgeführten Operation und vollständig entfernter Endometriose bleiben bei einem großen Teil der betroffenen Frauen nur in seltenen Fällen chronische Schmerzen bestehen. In etwa fünf bis acht Prozent können nach längerer Zeit wieder neue Endometrioseherde auftreten, welche jedoch nach primärer Entfernung meist geringgradig ausgeprägt sind.

Wichtig ist, dass nicht alle Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch nach der Behandlung fruchtbar werden. Nach den Wechseljahren lassen die Beschwerden jedoch meist nach, weil die Produktion an weiblichen Geschlechtshormonen abnimmt.

Um die körperlichen und seelischen Probleme, unter denen Frauen mit Endometriose leiden, zu bewältigen, bieten Selbsthilfegruppen Unterstützung an.

Wie kann man der Erkrankung vorbeugen?

Da die Ursachen für die Endometriose-Entstehung noch nicht genau bekannt sind, können auch keine Empfehlungen gegeben werden, wie man der Erkrankung vorbeugt.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.at


Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Doz. Dr. Gernot Hudelist, MSc, Abteilung für Gynäkologie; Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. (FH) Silvia Hecher, MSc (2011), Silke Brenner (2017)

Stand der Information: August 2017
Quellen

S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2013-10-verlaengert.pdf AWMF-Register Nr. 015/045 Stand: 31.08.2013; gültig bis 30.08.2018 Letzter Zugriff: 22.08.2017
 
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Endometriose: Therapie unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/weibliche-sexualorgane/endometriose-therapie Letzter Zugriff: 22.08.201
 

Aktuelles aus dem netdoktor Forum

Weitere Artikel zum Thema

Endometriose kann leider auch zu Unfruchtbarkeit führen. Um trotzdem schwanger zu werden, gibt es jedoch gute Möglichkeiten.

Frage: Vor acht Tagen wurde von meinem linken Eierstock eine fünf Zentimeter große Endometriosezyste entfernt. Besteht bei Endometriose die … zur Antwort

zur Behandlung