Dienogest

Von Felix Hintermayer
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Dienogest ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der synthetischen Gestagene, also ein Gelkörperhormon. Oft wird es mit einem Östrogen kombiniert und als Verhütungsmittel eingesetzt. Als Monosubstanz hilft Dienogest aber auch bei der Behandlung von Endometriose. Alles Wichtige über Wirkung, Anwendung und mögliche Nebenwirkungen von Dienogest lesen Sie hier!

So wirkt Dienogest

Dienogest ist ein Abkömmling von Nortestosteron und besitzt eine antiöstrogene und antiandrogene Wirkung. Im Grunde heisst das, dass der Wirkstoff die Wirkung der weiblichen Sexualhormone (Östrogene) und der männlichen Sexualhormone (Androgene) abschwächt.

Dienogest wird in Kombination mit einem Östrogen (wie Estradiol) als orales Verhütungsmittel eingesetzt. Als Gestagen erfüllt es dabei verschiedene Funktionen:

Es hemmt den Eisprung, macht den Schleimpfropf am Gebärmutterhals undurchdringlich für Spermien und verändert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine eventuell doch befruchtete Eizelle nicht einnisten kann. Darüber hinaus ist das Gestagen in kombinierten oralen Verhütungsmitteln wichtig für die Verträglichkeit des Medikaments - Dienogest kann Nebenwirkungen des Östrogens lindern oder sogar verhindern.

Darüber hinaus wird Dienogest als Einzelsubstanz bei Endometriose verordnet, also bei gutartigen, jedoch meist schmerzhaften Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter (etwa im Bauchraum, an den Eierstöcken und Eileitern).

Für das Wachstum dieser Wucherungen sorgt das im Körper natürlich vorhandene Östrogen. Dienogest mit seiner antiöstrogenen Wirkung lässt den Östrogen-Spiegel sinken, was die Beschwerden der Endometriose verringert.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Das Gestagen wird oral, also über den Mund, eingenommen und schnell und nahezu vollständig über die Dünndarmwand ins Blut aufgenommen. Bereits in der Darmschleimhaut und später auch in der Leber findet eine Verstoffwechslung statt.

Ein bis zwei Stunden nach der Einnahme werden die höchsten Blutspiegel erreicht. Etwa zehn Stunden nach der Einnahme hat der Wirkstoff den Körper zur Hälfte wieder verlassen (Halbwertszeit). Der Grossteil wird über den Urin ausgeschieden.

Wann wird Dienogest angewendet?

Dienogest wird bei der Behandlung von Endometriose (als Monotherapie) und zur Empfängnisverhütung (in Kombination mit einem Östrogen) eingesetzt.

Ausserdem ist Dienogest in Kombination mit Ethinylestradiol bei Frauen mit starker Akne indiziert, die gleichzeitig eine orale Verhütung durchführen wollen, wenn andere Aknetherapeutika nicht wirksam oder verträglich sind.

So wird Dienogest angewendet

Dienogest wird in Form von Tabletten angewendet. Bei Endometriose werden Präparate mit zwei Milligramm Dienogest pro Tablette und Tag eingenommen. Die Einnahme erfolgt im Allgemeinen längerfristig und unabhängig von den Mahlzeiten.

Auch in kombinierten Verhütungspillen liegt der Gestagenanteil in der Regel bei zwei Milligramm. Das Einnahmeschema hängt vom Präparat ab.

Welche Nebenwirkungen hat Dienogest?

Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme, depressive Verstimmung, Verringerung der sexuellen Lust (Libido), Übelkeit, Leistungsabfall, Kopfschmerzen, schmerzende Brüste/Brustwarzen (Mastodynie) und starke Monatsblutungen, die über den Menstruationszyklus hinausgehen (Menometrorrhagie).

Was ist bei der Anwendung von Dienogest zu beachten?

Gegenanzeigen

Dienogest darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoff
  • schweren Leberfunktionsstörungen
  • Gefässverengungen durch (verschleppte) Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien wie Beinvenenthrombose, Schlaganfall oder Lungenembolie)
  • schwerem Bluthochdruck
  • Gerinnungsstörungen
  • Diabetes mellitus mit geschädigten Blutgefässen
  • östrogenabhängigen Tumoren

Wechselwirkungen

Dienogest und andere Wirkstoffe können bei gleichzeitiger Anwendung miteinander wechselwirken, was die Wirkung und Nebenwirkungen des Gestagens und/oder der anderen Arzneistoffe beeinflussen kann.

So können zum Beispiel Arzneistoffe, welche die Menge an Leberenzymen erhöhen (Enzyminduktoren), den Abbau von synthetischen Gestagenen wie Dienogest beschleunigen. Solche Arzneistoffe sind etwa Barbiturate (als Narkosemittel und gegen Epilepsie), das Antibiotkum Rifampicin (gegen Tuberkulose) sowie die Krampflöser Phenytoin und Carbamazepin (gegen Epilepsie).

Weitere Wechselwirkungen sind möglich. Informieren Sie deshalb ihren Arzt vor der Verordnung von Dienogest über alle Präparate, die sie anwenden (auch frei verkäufliche).

Altersbeschränkung

Dienogest darf nicht vor der Menarche (erste Menstruationsblutung eines Mädchens) eingenommen werden. Beim männlichen Geschlecht ist es generell kontraindiziert.

Schwangerschaft und Stillzeit

Umfangreiche Untersuchungen an schwangeren Frauen, die in der Frühschwangerschaft versehentlich orale Kontrazeptiva (darunter Dienogest) eingenommen haben, ergaben keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.

Reine Gestagenpillen (Dienogest-Monopräparat) beeinflussen weder die Qualität noch Menge der gebildeten Muttermilch. Auch die heute sehr niedrig dosierten Kombinationspräparate erfordern keine Einschränkung des Stillens.

Grundsätzlich wird aber empfohlen, Dienogest weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit einzunehmen (weder in Kombination mit Östrogen als Verhütungsmittel noch als Monopräparat bei Endometriose).

So erhalten Sie Medikamente mit Dienogest

Dienogest ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig und nur gegen ein Rezept in der Apotheke zu erhalten.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Feige, A. et al.: Frauenheilkunde, 3. Auflage, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 2006.
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  • Göretzlehner, G. et al.: Praktische Hormontherapie in der Gynäkologie, Walter de Gruyter Verlag, 2012.
  • Kirschbaum, M. et Münstedt, K.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2005.
  • Leidenberger, F. et al.: Klinische Endokrinologie für Frauenärzte, 5. Auflage, Springer-Verlag, 2014.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Orale Kontrazeptiva, unter: www.embryotox.de (Abruf: 25.11.2021).
  • Stalla, G.K.: Therapielexikon Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten, Springer-Verlag, 2007.
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