Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Intoleranz Laktose, Milchzuckerunverträglichkeit
Die Beschwerden treten üblicherweise etwa 30-120 Minuten nach der Nahrungsaufnahme auf. (spukkato / iStockphoto)

Personen mit Laktoseintoleranz können Milchzucker nicht oder nur unzureichend verdauen. Häufig auftretende Beschwerden sind Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall.

Kurzfassung:

  • Laktoseintoleranz entsteht aufgrund eines Enzymmangels.
  • Bei einer Unverträglichkeit kann die Laktose im Darm nicht aufgespalten werden.
  • Symptome sind unter anderem ein geblähter Bauch, Blähungen und Bauchschmerzen.
  • Die Behandlung basiert auf dem Verzicht von laktosehaltigen Milchprodukten.

Laktoseintoleranz ist angeboren. Ihre Häufigkeit ist extrem unterschiedlich: So sind etwa in Skandinavien nur 5% der Bevölkerung betroffen, im Süden Europas ist die Häufigkeit schon wesentlich höher, im arabischen Raum und in Asien liegt sie sogar bei rund 90%.

Welche Ursache hat eine Laktoseintoleranz?

Bevor der über die Nahrung aufgenommene Milchzucker verdaut und über die Darmschleimhaut aufgenommen werden kann, muss er im Dünndarm vollständig in seine Bestandteile aufgespalten werden. Dies geschieht mithilfe des Enzyms Laktase. Im Säuglingsalter – während der Stillzeit – arbeitet die Laktase noch auf Hochtouren. Im Laufe des Älterwerdens und der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch sinkt jedoch ihre Aktivität immer weiter ab und geht im weiteren Verlauf des Lebens auf bis zu 10% ihres Ausgangswertes zurück. Eine gewisse Intoleranz gegen Milchzucker ist also für die meisten Erwachsenen ein natürlicher Zustand.

Nehmen Menschen mit geringer Laktaseaktivität große Mengen an Milchzucker auf, kann nur ein Teil davon im Darm aufgespalten werden. Der unverdaute Rest gelangt in den Dickdarm und wird von den dort ansässigen Bakterien abgebaut. Als Gärungsprodukte entstehen dabei verschiedene Säuren und Gase, die letztlich die Beschwerden verursachen.

Welche Beschwerden verursacht die Laktoseintoleranz?

Während manche Menschen mit Laktoseintoleranz kleine Mengen an Milchprodukten noch gut vertragen, entwickeln andere schon bei sehr geringen Mengen Beschwerden. Diese treten typischerweise etwa 30 Minuten bis zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf.

Wie wird eine Laktoseintoleranz diagnostiziert?

Häufig ergibt sich der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz schon allein aufgrund der Krankengeschichte. Zur Absicherung der Diagnose stehen zwei verschiedene Testverfahren zur Verfügung. Als Goldstandard gilt der Wasserstoff-Atemtest: Dabei erhält der Patient 50 g Laktose in Form eines Getränks, anschließend wird der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen. Patienten mit Laktoseintoleranz haben aufgrund der Fehlverdauung des Milchzuckers einen viel höheren Wasserstoffanteil im Darm, der über das Blut zur Lunge gelangt und abgeatmet wird.

Neben der H2-Atemtest-Bestimmung besteht die Möglichkeit einer genetischen Untersuchung im Rahmen einer Blutabnahme. Dieser Test bietet ebenfalls eine sehr hohe Genauigkeit.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Laktoseintoleranz +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Kurt König
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr.med. Kerstin Lehermayr, Thomas Auinger, Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE): Laktoseintoleranz. http://www.oege.at/index.php/component/content/article/55-bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1810-laktoseintoleranz (abgerufen am 19.10.2015)

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