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Glioblastom (Glioblastoma multiforme)

Gehirn Tumor Untersuchung CT MRT
Das Glioblastom ist eine von vielen Arten von Tumoren im Gehirn. Der aggressive Krebs wir derzeit intensiv erforscht.

Das Glioblastom ist ein relativ häufiger und zugleich sehr bösartiger Hirntumor. Bei 100.000 Einwohnern kommt es in den westlichen Industrienationen jährlich zu zwei bis drei Neuerkrankungen. Männer sind etwas öfter betroffen als Frauen. Mit zunehmendem Alter wächst die Wahrscheinlichkeit, ein Glioblastom zu entwickeln; der Erkrankungsgipfel liegt im sechsten Lebensjahrzehnt. Bei Kindern stellen Glioblastome eine Seltenheit dar.

Kurzfassung:


Der Name des Tumors leitet sich von den Stützzellen des Gehirns ab, aus denen er entsteht, den Gliazellen. Von diesen Zellen in der weißen Hirnsubstanz geht eine Gruppe von unterschiedlichen gut- bzw. bösartigen Tumoren aus, die als Gliome bezeichnet werden.

Die aggressivsten Vertreter dieser Gruppe sind die Glioblastome: Sie wachsen sehr schnell, insbesondere das Glioblastoma multiforme, manchmal auch "buntes Glioblastom" genannt. Breitet sich ein Glioblastom von einer Gehirnhälfte über den verbindenden Balken auf die andere Seite aus, spricht man auch von einem Schmetterlingsgliom.

Die Fortschritte in der Behandlung dieser Krankheit waren lange Zeit äußerst bescheiden. Alles in allem lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Glioblastom-Patienten unter fünf Prozent. Dies auch, weil der Tumor Metastasen bildet, wenngleich auch nicht außerhalb des Nervensystems. In den letzten Jahren konnte ein erster Durchbruch in der Behandlung des Hirntumors erzielt werden. Die Überlebenschancen der Betroffenen haben sich in Folge deutlich verbessert.

Diagnose: Hirntumor

Es gibt 120 Formen von Hirntumoren. Die Symptome und Behandlungsoptionen unterscheiden sich je nach Tumorart und betroffenem Hirnareal.

Welche Ursachen hat ein Glioblastom?

Obwohl Hirntumore von Seiten der Wissenschaft intensiv untersucht werden, konnte die Ursache der Geschwulste bisher nur in wenigen Ausnahmefällen geklärt werden. Die immer wieder geäußerte Vermutung, dass elektromagnetische Felder – beispielsweise von Mobiltelefonen oder Hochspannungsleitungen – Hirntumore auslösen können, blieb in mehreren Untersuchungen unbestätigt. Ebenso wenig ließen sich bestimmte Ernährungsgewohnheiten oder Kopfverletzungen für spätere Glioblastome verantwortlich machen.

Da sowohl Risikofaktoren als auch Gründe für die Entstehung von Glioblastomen gegenwärtig unbekannt sind, existieren auch keine Empfehlungen in Hinblick auf eine mögliche Vorbeugung. Zwar sind sehr hohe Dosen radioaktiver Strahlung als Auslöser bösartigen Wachstums allgemein anerkannt. Zu Strahlenbelastungen dieses Ausmaßes kommt es allerdings nur bei atomaren Explosionen, schwersten Störfällen in Kernkraftwerken oder im Rahmen einer Strahlentherapie.

In extrem seltenen Fällen ist eine Veränderung im Erbmaterial Ursache des Tumors: So kann das Turcot-Syndrom neben Hautverfärbungen und Darmpolypen bei Kindern auch zu Medulloblastomen (Tumoren im Kleinhirn) sowie bei Erwachsenen zu Glioblastomen führen. Weltweit wurde das Turcot-Syndrom bisher jedoch nur bei etwa 160 Menschen diagnostiziert.

Welche Symptome treten auf?

Wie bei vielen Erkrankungen des Gehirns sind die Beschwerden weniger von der Art des Tumors, als von seiner Lokalisation abhängig: Je nachdem, wo sich die Geschwulst im Gehirn ausbreitet und welche Hirnregionen dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden, können völlig unterschiedliche Symptome zu Tage treten.

Kopfschmerzen in der Nacht

Häufig kommt es zu Kopfschmerzen, die typischerweise während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auftreten und sich im Laufe des Tages spontan bessern. Im Verlauf von Tagen und Wochen werden diese Schmerzen immer heftiger, Medikamente bleiben oftmals wirkungslos.

Wichtig: Kopfschmerzen sind ausgesprochen häufig und deshalb noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn die Schmerzen hartnäckig sind und immer wiederkehren, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, damit die Ursachen abgeklärt werden können.

+++ Mehr zum Thema: Kopfschmerzen ernst nehmen +++

Lähmung und Taubheitsgefühle

Anfangs leichtgradige Lähmungen oder Taubheitsgefühle in einer begrenzten Körperregion können ebenfalls Hinweise auf ein Tumorgeschehen im Gehirn sein. Neu auftretende Sprachstörungen, die sich langsam verstärken, sind ebenso typisch wie Veränderungen der Persönlichkeit. Letztere können sich an einem aggressiveren oder distanzlosen Verhalten, an Antriebslosigkeit oder unerklärbaren Stimmungsschwankungen zeigen.

Epileptische Anfälle

Epileptische Anfälle, besonders bei ansonsten gesunden, älteren Menschen sollten immer mithilfe bildgebender Verfahren abgeklärt werden, nicht zuletzt, um einen Hirntumor auszuschließen. Übelkeit und Erbrechen – vor allem in den frühen Morgenstunden – können Folgen eines erhöhten Hirndrucks sein, der durch das Tumorwachstum entsteht.

Da im knöchernen Schädel wenig Raum vorhanden ist, in den das Gehirn ausweichen könnte, steigt bei einer Raumforderung, wie Tumore im Fachjargon auch genannt werden, der Druck im System an. Diese Beschwerden sind allerdings typisch für fortgeschrittenere Stadien.

Wie wird ein Glioblastom diagnostiziert?

Am Beginn der Diagnosefindung steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) durch den Arzt oder die Ärztin, gefolgt von einer neurologischen Untersuchung. Besteht Verdacht auf einen Hirntumor, wird der Schädel mithilfe bildgebender Verfahren untersucht.

Unter Verwendung der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) können Glioblastome noch exakter dargestellt werden als mittels Computertomographie (CT). Weil Glioblastome dazu neigen, Kontrastmittel in sich aufzunehmen, wird in der Regel ein solches Mittel über die Vene verabreicht. Das macht den Tumor und seine Ausdehnung besser erkennbar.

Insbesondere für das neurochirurgische Team und dessen Operationsplanung ist es wichtig zu wissen, aus welchen Blutgefäßen sich der Tumor nährt. Dies kann mithilfe einer Gefäßdarstellung (Angiographie) aufgeklärt werden. Gegenwärtig noch wenig verbreitet sind die Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die Stoffwechselvorgänge und die Durchblutung bestimmter Gehirnregionen sichtbar machen können. Es ist davon auszugehen, dass diese sehr präzisen Verfahren in der Diagnostik des Glioblastoms zukünftig an Bedeutung gewinnen werden.

Bei einigen Hirntumoren kann eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich sein, etwa, wenn die Ausbreitung (Metastasierung) eines bereits entdeckten Tumors überprüft werden soll (sog. Staging). Mit der Elektroenzephalographie (EEG) lässt sich die Anfallsbereitschaft des Gehirns abschätzen. Im Anschluss daran entscheidet der Arzt gemeinsam mit seinem Patienten, ob aufgrund des Tumorwachstums antiepileptische Medikamente notwendig sind.

Sofern das von der Lage des Tumors her möglich ist, sollte eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Diese wird durch einen Pathologen untersucht, der Art und Grad der Gut- bzw. Bösartigkeit bestimmt. Diese Angaben sowie die Position des Tumors sind entscheidend für die weitere Vorgehensweise, die im ausführlichen Gespräch zwischen dem Patienten und dem behandelnden Team festgelegt wird.

+++ Mehr zum Thema: Diagnose Hirntumor +++

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Bei der Behandlung eines Glioblastoms ist entscheidend, wie gut es gelingt, das Tumorgewebe während einer Operation zu entfernen. Meistens ist nach der Operation auch eine Strahlentherapie notwendig, um die verbliebenen Tumorzellen zu zerstören.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung Glioblastom +++

Prognose: Krankheitsverlauf & Überlebenschancen

Todesursache ist letztlich die Raumforderung durch den Tumor sowie die tumorbedingte Anreicherung von Flüssigkeit im Hirngewebe (Hirnödem). Beide Faktoren erhöhen den Hirndruck, was in weiterer Folge dazu führt, dass jener Teil des Gehirns eingeklemmt und abgedrückt wird, in dem sich lebenswichtige Areale wie das Atemzentrum befinden.

+++ Mehr zum Thema: Innovation- Sonde macht Hirntumor sichtbar +++

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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Georg Thieme Verlag Stuttgart 2005.

Schwartzbaum JA et al.: Epidemiology and molecular pathology of glioma. Nature Clinical Practice. In: Neurology 2 (9) 2006, S. 494-503.

Brandt, Dichgans, Diener: Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen. Kohlhammer Verlag Stuttgart 2003.

Stupp R et al.: Radiotherapy plus Concomitant and Adjuvant Temozolomide for Glioblastoma. In: New England Journal of Medicine (352) 2005, S. 987-996.

Marosi C. et al.: State of the Art-Therapiestandard bei neu diagnostiziertem Glioblastoma multiforme. Jatros Hämatologie & Onkologie (4) 2006.

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