Magenspiegelung (Gastroskopie, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, ÖGD)

Magenspiegelung mit Endoskop
Im Rahmen einer Gastroskopie wird der obere Teil des Verdauungstraktes mithilfe eines Endoskops untersucht. (romaset / iStockphoto)

Im Rahmen einer Gastroskopie wird der obere Teil des Verdauungstraktes mithilfe eines Endoskops untersucht. Gleichzeitig können Gewebeproben entnommen und therapeutische Maßnahmen gesetzt werden. Die Untersuchung kann entweder im Wachzustand, aber auch in Sedierung (Dämmerschlaf) vorgenommen werden.

Kurzfassung:

  • Ein Gastroskop ist ein spezielles Endoskop für die Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm.
  • Eine Gastroskopie kann im Wachzustand, aber auch in Sedierung vorgenommen werden. 
  • Die Untersuchung dauert etwa 15 Minuten und ist nicht schmerzhaft.
  • Gleichzeitig können Gewebeproben entnommen und therapeutische Maßnahmen gesetzt werden.
  • Die Magenspiegelung ist eine äußerst sichere Routineuntersuchung.

Das Gastroskop

Das Gastroskop ist ein medizinisches Gerät zur endoskopischen Untersuchung des oberen Verdauungstraktes. Es besteht aus folgenden Komponenten:

  • Flexibler, beweglicher Schlauch mit weniger als 1 cm Durchmesser; das untere Ende ist durch drehbare Räder am oberen Ende in verschiedene Richtungen steuerbar, sodass alle Regionen gezielt und unter Sicht eingesehen werden können.
  • Der Schlauch enthält verschiedene Arbeitskanäle zum Spülen, Absaugen und Einführen von Instrumenten wie Zange, Nadel, Schlinge oder Clip.
  • Am unteren Ende des Schlauches befinden sich eine hochauflösende Kamera und eine starke Lichtquelle.
  • Die Bilder aus dem Inneren des Körpers können über einen Monitor betrachtet und für Dokumentationszwecke gespeichert werden.

Ist eine Gastroskopie schmerzhaft?

Die Untersuchung selbst bereitet keine Schmerzen. Für manche Menschen ist jedoch das Einführen des Endoskops in die Speiseröhre unangenehm, da es unter Umständen ein Würgegefühl im Hals verursachen kann. Bereits vor Einführen des Schlauches wird der Rachen örtlich mit einem betäubenden Spray (Wirkstoff: Lidocain) eingesprüht. Dadurch wird das unangenehme Gefühl etwas gemindert. Das Gastroskop muss aber aktiv und eigenständig geschluckt werden.

Auf Wunsch des Patienten kann die Gastroskopie auch in Sedierung durchgeführt werden. Bei dieser sogenannten „sanften Gastroskopie“ bekommt der Patient während der Untersuchung ein beruhigendes und schläfrig machendes Medikament (Wirkstoff: Propofol oder im Falle einer Allergie Midazolam) injiziert. Sowohl das Einführen des Endoskops als auch die eigentliche Untersuchung wird dann vom Patienten nicht wahrgenommen. Die Herz-Kreislauf-Funktion wird mittels Blutdruck-, Herzfrequenz- und Sauerstoffsättigungsmonitoring überwacht.

Personen, die eine Sedierung erhalten haben, dürfen nach der Untersuchung für insgesamt 24 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen (also nicht Auto, Motorrad oder Fahrrad fahren), keine schweren Maschinen betätigen, bei denen sie sich oder andere Personen verletzen können, Verträge unterschreiben oder auf Kinder aufpassen. Auch sollte nach einer Sedierung nicht (in liegender oder sitzender Position) geraucht werden, da die heiße Glut bei Unachtsamkeit und Schläfrigkeit Verletzungen und Brände auslösen kann.

Wann wird eine Gastroskopie durchgeführt?

Mithilfe eines Gastroskops kann der gesamte obere Teil des Verdauungstraktes eingesehen werden. Eine Gastroskopie wird bei folgenden Beschwerden durchgeführt:

  • Oberbauchbeschwerden wie Übelkeit, Druckgefühl, Ziehen, Schmerzen etc.
  • blutiges Erbrechen, Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl bzw. Blutarmut und Anämie
  • häufiges und unklares Erbrechen
  • Schluckbeschwerden
  • Sodbrennen
  • Verdacht auf ein Magengeschwür oder bei unklarem Gewichtsverlust oder Ekel vor dem Essen oder manchen Speisen

Die endoskopische Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (erster Abschnitt des Dünndarms) ermöglicht nicht nur die Begutachtung, sondern auch die gleichzeitige Entnahme von Gewebeproben und die Durchführung therapeutischer Maßnahmen:

  • Blutstillung bei gastrointestinalen Blutungen aus z.B. Ösophagus- oder Magenvarizen, einem Ulkus, einer Verletzung oder einer Angiodysplasie
  • Entfernung von Polypen oder Fremdkörpern
  • Mukosaresektion (z.B. bei unklaren Raumforderungen, Dysplasien oder kleineren oberflächlichen malignen Veränderungen in der Speiseröhre oder im Magen)
  • Gummibandligatur bei Verklebung bei Magenvarizen
  • Ballondilatation bei Ösophagus-, Anastomosen- oder Pylorusstenosen
  • Verschorfung von Angiodysplasien mittels APC-Sonde
  • Verschorfung eines Barrett-Ösophagus mit Dysplasien mittels Radiofrequenzablation

Vor der Magenspiegelung

Zum Zeitpunkt der Untersuchung sollte der Patient nüchtern sein. Das heißt, er sollte sechs Stunden vor der Untersuchung nichts mehr essen und zwei Stunden vor der Untersuchung nichts mehr trinken.

Im Vorfeld der Untersuchung ist es notwendig, den Arzt ehrlich über folgende Punkte zu informieren:

  • bisherige Krankengeschichte
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme, Verwendung von medizinischen Geräten oder Sauerstoff
  • vorhandene Allergie oder Unverträglichkeiten
  • Blutungsneigung oder Blutungskomplikationen bei Voreingriffen
  • bestehende Infektionserkrankungen
  • Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Klappenfehler, arterielle Hypertonie
  • Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma, Emphysem
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes 
  • andere wichtige Erkrankungen oder Krebs
  • Metall oder Implantate im Körper
  • bereits stattgehabte Operationen
  • Schwangerschaft oder Stillen
  • Nikotin oder Alkoholkonsum
  • Tabletten- oder Drogenabhängigkeit

Ablauf der Magenspiegelung

Eine Gastroskopie dauert meist nicht länger als 15 Minuten. Während der Untersuchung liegt der Patient in linker Seitenlage. Zum Schutz der Zähne, aber auch der empfindlichen Geräte erhält der Patient einen Beißring, der mit den Zähnen festgehalten und im Nacken mit einem Gummiband fixiert wird. Der Endoskopieschlauch wird vorsichtig über den Mund Richtung Rachen vorgeschoben. Im wachen Zustand muss der Patient aktiv schlucken, im Dämmerschlaf schiebt der Arzt sanft das Gerät in die Speiseröhre vor.

Im wachen Zustand ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und langsam und regelmäßig am besten durch die Nase zu atmen – die Atmung wird durch den Endoskopieschlauch nicht behindert. Der Speichel soll nicht geschluckt zu werden, er fließt aus dem Mund und wird aufgefangen.

Im Inneren des Körpers ist es dunkel, weshalb man eine starke Lichtquelle benötigt. Unter Sicht wird das Endoskop vorsichtig über die Speiseröhre und den Magen bis in den Anfangsteil des Dünndarms vorgeschoben. Der Magen ist im nüchternen Zustand in Falten gelegt. Um die Schleimhautoberfläche und vor allem die Regionen zwischen den Falten optimal einsehen zu können, muss Luft eingebracht und der obere Verdauungstrakt wie ein Luftballon aufgeblasen werden. Der Patient verspürt dabei ein Völlegefühl. Krankhafte Veränderungen findet der Gastroenterologe dann schnell. Die häufigsten Diagnosen sind entzündliche Veränderungen des Magens (Gastritis in allen Varianten), des Dünndarms (Bulbitis, Duodenitis), der Speiseröhre (Ösophagitis in allen Varianten), Hiatushernie, Drüsenkörperzysten, Fremdkörper, Verengungen, Geschwüre, Varizen, Angiodysplasien, gutartige Raumforderungen und bösartige Veränderungen (Karzinome).

Der Gastroenterologe achtet auf folgende Veränderungen:

  • Schleimhautveränderungen durch Entzündungen oder Geschwüre
  • Narbenbildung
  • bösartige Veränderungen
  • Verletzungen

Routinemäßig werden mehrere Gewebeproben aus der Magenschleimhaut sowie von allen auffälligen Schleimhautveränderungen im oberen Gastrointestinaltrakt entnommen und anschließend zum Histologen geschickt, welcher die Gewebestückchen unter dem Mikroskop untersucht und zur Diagnosebestätigung oder Diagnosefindung hilfreich beiträgt. Am Ende der Magenspiegelung zieht der Arzt das Gastroskop vorsichtig wieder aus der Speiseröhre und dem Mund.

Im Anschluss an die Untersuchung verfasst der Arzt den Endoskopie-Befund und leitet – wenn notwendig – eine Behandlung ein. Der histologische Befund ist meist nach einigen Tagen fertig und wird dann mit dem Patienten besprochen; falls nötig, wird die Therapie oder Behandlung erweitert.

Nach der Magenspiegelung

Sobald die örtliche Betäubung im Rachen abgeklungen ist – meist innerhalb von ein bis zwei Stunden –, kann wieder gegessen und getrunken werden. Patienten, die sich für eine Sedierung entschieden haben, dürfen 24 Stunden lang weder Auto fahren, Verträge unterschreiben noch Maschinen bedienen.

Nach der Untersuchung kann ein unangenehmes, taubes Gefühl im Rachenbereich entstehen, manche Patienten sind zudem einige Tage heiser. Dies bedarf jedoch meist keiner Behandlung und verschwindet von selbst wieder.

Komplikationen

Die Magenspiegelung ist eine äußerst sichere Routineuntersuchung, die von Spezialisten mehrmals täglich komplikationsfrei durchgeführt wird. Dennoch können in sehr seltenen Fällen Komplikationen auftreten.

Heutzutage fürchtet man sich nicht so sehr vor Blutungen, welche meist selbstlimitierend verlaufen bzw. von geübten Gastroenterologen leicht endoskopisch mittels blutstillender Maßnahmen erfolgreich behandelt werden können. Deshalb darf nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Setzen eines Gefäßstents ein gerinnungshemmendes Medikament in Absprache mit dem Arzt weiter eingenommen werden. Man fürchtet sich eher vor einem neuerlichen Herzinfarkt, Re-Insult oder Verschluss eines Gefäßes.

Darüber hinaus beeinträchtigt die Betäubung des Rachens auch die Schutzreflexe. Dies kann dazu führen, dass aufgestoßener oder heraufgewürgter Mageninhalt in die Lunge gelangt und dort eine sogenannte Aspirationspneumonie verursacht.

Verletzungen der Speiseröhre bis hin zum Durchbruch (Perforation) der Magenwand oder des Zwölffingerdarms sind möglich, kommen aber insgesamt nur sehr selten vor. Bei Interventionen wie oben angeführt ist das Risiko einer möglichen Komplikation statistisch gering erhöht. Genauere Informationen wird der Untersucher im Aufklärungsgespräch mit Ihnen besprechen.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Rainer Watzak
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Gesundheit.gv.at: Gastroskopie, Stand 2017; https://www.gesundheit.gv.at/labor/untersuchungen/endoskopie/gastroskopie (letzter Zugriff am 22.05.2019)

Forum Gesundheit: Gastroskopie, Stand 2018; https://www.forumgesundheit.at/cdscontent/?contentid=10007.794242 (letzter Zugriff am 22.05.2019)

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