Mundsoor

Von Christina Trappe
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Mundsoor ist eine Infektion im Mund- und Rachenraum mit bestimmten Hefepilzen – meist Candida albicans. Der Mundpilz befällt etwa die Innenseite der Wangen und Lippen, manchmal auch die Zunge (Zungenpilz) und den Gaumen. Charakteristisch für Mundsoor sind weissliche Beläge auf geröteter Schleimhaut, aber es gibt auch andere Erscheinungsformen. Hier erfahren Sie, woran Sie Mundsoor erkennen und wie er behandelt wird.

Kind streckt die Zunge raus

Kurzübersicht

  • Behandlung: Je nach Ausprägung Antipilzmittel (Antimykotika) zum Auftragen oder Einnehmen, Massnahmen zu Mundhygiene
  • Symptome: Weisse, abstreifbare Beläge an Wangenschleimhaut, Zunge oder Gaumen, gerötete, brennende Zunge, Geschmacksstörungen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Hefepilzinfektion (Candida albicans), Ansteckungsrisiko erhöht bei Babys, Zahnprothesenträgern, bei mangelnder Mundhygiene, Abwehrschwäche durch Erkrankungen, Einnahme bestimmter Medikamente (Antibiotika, Kortison)
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei entsprechender Behandlung heilt Mundsoor nach kurzer Zeit aus. Bei Menschen mit einer Abwehrschwäche kommen Komplikationen vor.
  • Diagnose: Anhand des typischen Aussehens, Abstrich vom betroffenen Bereich und Erregernachweis mithilfe einer Pilzkultur
  • Vorbeugung: Sorgfältige Mundhygiene, Hygiene in der Säuglingspflege, Behandlung von Grunderkrankungen, welche die Abwehr schwächen

Was ist Mundsoor?

Mundsoor ist eine Hefepilz-Infektion im Mundraum. Der Mundpilz kommt verhältnismässig oft bei Neugeborenen und Babys vor. Mundsoor bei Erwachsenen betrifft häufiger alte Menschen und Personen mit bestimmten Grunderkrankungen (zu Beispiel Diabetes mellitus oder HIV). Auch nach der Einnahme bestimmter Medikamente (zu Beispiel Antibiotika, Kortison) kommt Mundsoor mitunter vor.

Ärzte bezeichnen Mundsoor auch als orale Candidose, da es sich um eine Infektion mit einem Pilz aus der Candida-Gruppe (meist Candida albicans) handelt.

Wie wird Mundsoor behandelt?

Zur Behandlung von Mundsoor verschreibt der Arzt Medikamente, die gegen Pilze wirken, sogenannte Antimykotika. Bei einem leichten Soor im Mund reichen meist Mittel, die örtlich angewendet werden. Sie sind zum Beispiel verfügbar als Lutschtabletten, Mundgel, Lösung oder Suspension (flüssig mit einer Pipette).

Die eingesetzten Mundsoor-Medikamente enthalten oft die Wirkstoffe Amphotericin B, Nystatin oder Mittel aus der Gruppe der sogenannten Azole. Geht der Mundsoor durch die örtliche Behandlung nicht weg oder besteht der Verdacht, dass sich der Mundpilz auf andere Organe (wie Speiseröhre oder Darm) ausgebreitet hat, verschreibt der Arzt Antimykotika zum Einnehmen.

Wichtig ist bei der Mundsoor-Behandlung, dass Sie die Behandlungsdauer einhalten. Es ist zudem empfehlenswert, bei Soor im Mund auf eine sorgfältige Mundhygiene zu achten. Ist der Mundsoor bei Ihrem Baby aufgetreten, ist es ratsam, alle Schnuller, Flaschensauger und Spielzeuge wie Beissringe auszuwechseln oder gründlich zu sterilisieren (zu Beispiel durch Auskochen).

In Apotheken sind manche Mundsoor-Medikamente rezeptfrei erhältlich. Es ist dennoch empfehlenswert, Mittel gegen Mundpilz nur auf ärztlichen Rat hin anzuwenden. Das gilt insbesondere, wenn Mundsoor beim Säugling oder Kleinkind auftritt.

Welcher Arzt behandelt Mundsoor?

Besteht bei einem Erwachsenen der Verdacht auf eine Candidose im Mund, sind der Hausarzt, Zahnarzt oder Hautarzt (Dermatologen) die richtigen Ansprechpartner. Ein Kinderarzt behandelt den Mundpilz beim Säugling oder Kleinkind.

Mundsoor: Welche Hausmittel helfen?

In manchen Ratgebern ist zu lesen, dass bei Mundsoor Hausmittel wie Apfelessig oder Knoblauch helfen sollen. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Weder für Erwachsene noch Babys mit Mundsoor sind Hausmittel zur alleinigen Behandlung ratsam.

Bleibt die orale Candidose ohne angemessene Behandlung, besteht das Risiko, dass sie sich weiter ausbreitet. Bei Verdacht auf einen Mundsoor beim Kind wie beim Erwachsenen, ist es daher empfehlenswert sich in ärztliche Therapie zu begeben.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Welche Symptome treten bei Mundsoor auf?

Grundsätzlich sind Mundsoor-Symptome an verschiedenen Stellen im Mund möglich. So findet man Anzeichen von Mundsoor an der Zunge, den Lippen, am Gaumen oder in den Mundwinkeln.

Es gibt verschiedene Erscheinungsformen von Mundsoor:

  • Am häufigsten ist die pseudomembranöse Candidose mit den weissen, ablösbaren Belägen auf einer geröteten, entzündeten Mundschleimhaut.
  • Seltener treten Mundsoor-Symptome wie brennende, rote Schleimhäute im Vordergrund (akute erythematose Candidose)
  • Bei der ebenfalls seltenen hyperplastischen Candidose sitzen die Beläge fest auf der Schleimhaut.

Pseudomembranöse Candidose

Die klassischen Symptome bei dieser Form von Mundpilz sind stark gerötete Mundschleimhäute, auf denen weisse Stippchen aufliegen. Am Anfang sehen diese Stippchen aus wie kleine, milchig-weisse Sprenkel.

Sie finden sich häufig an folgenden Stellen:

  • Innenseite der Wangen und Lippen
  • Gaumen
  • unter der Zunge (Zungenpilz)

Beschwerden von Mundsoor betreffen manchmal ausserdem das Zahnfleisch, besonders, wenn sich die Pilze unter einer Zahnprothese einnisten.

Die kleinen, weissen Beläge lassen sich meist leicht abwischen. Unter ihnen kommt eine rote, glänzende Stelle zum Vorschein. Im weiteren Verlauf vermehren und vergrössern sich die Stippchen und fliessen teilweise zu grösseren weissen Flecken zusammen. Wenn man diese ablöst, beginnt die Haut darunter leicht zu bluten.

Manchmal breitet sich der Mundpilz bis in den Rachen und die Speiseröhre aus.

Darüber hinaus löst diese Form von Mundsoor mitunter folgende Symptome aus:

  • Gefühl der "Pelzigkeit" und Trockenheit im Mund
  • vermehrter Durst
  • Geschmacksstörungen (evtl. metallischer Geschmack)
  • Mundgeruch
  • brennendes Gefühl auf der Mundschleimhaut

Diese Symptome treten jedoch in vielen Fällen gar nicht auf, solange der Mundpilz sich noch im Anfangsstadium befindet. Ein Anzeichen für Mundsoor bei Babys ist manchmal, dass sie nicht mehr trinken wollen. Wenn der Hefepilz im Mund sich ausbreitet, zeigen sich beim Säugling mitunter Pilzbeläge auf den Lippen oder in den Mundwinkeln.

Akute erythematose Candidose

Bei dieser selteneren Form von Soor sind Mundhöhle (und Rachen) nicht von weissen Belägen gekennzeichnet. Stattdessen ist die Schleimhaut gerötet und es besteht ein brennendes Gefühl im Mund. Vor allem der Zungenrücken ist oft davon betroffen.

Diese Candidose im Mund entwickelt sich vor allem unter einer Antibiotikatherapie oder bei einer HIV-Infektion. Sie tritt oft als Folge einer pseudomembranösen Candidose auf.

Hyperplastische Candidose

Bei der chronischen hyperplastischen Candidose (auch: Candida-Leukopathie) finden sich auf Schleimhaut und Zunge festhaftende, weisse Beläge mit roten Rändern, die sich nicht leicht lösen lassen. Diese Form von Mundsoor kommt gehäuft bei Menschen mit Störungen des Immunsystems vor und bleibt manchmal über Monate oder Jahre bestehen.

Was ist die Ursache von Mundsoor?

Die Ursache von Mundsoor ist meist eine Infektion mit Candida albicans, einem weit verbreiteten Pilz aus der Familie der Hefepilze. Bei rund 50 Prozent der gesunden Menschen lässt er sich in der Mundhöhle nachweisen, und auch im Darm und auf verschiedenen Schleimhäuten kommt er häufig vor.

Aus dieser normalen Besiedelung entwickelt sich bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem manchmal eine sogenannte opportunistische Infektion: Die Pilze nutzen eine Lücke in der Abwehr und beginnen, sich stark zu vermehren. Deswegen ist Mundsoor typisch bei Neugeborenen und Babys, die noch kein ausgeprägtes Immunsystem haben.

Aber auch beim älteren Kind und bei Erwachsenen kommt eine Pilzinfektion im Mund vor – besonders dann, wenn die Abwehr durch bestimmte Medikamente unterdrückt wird oder infolge einer Krankheit (zum Beispiel Diabetes mellitus oder HIV) geschwächt ist. Antibiotika und Kortison zählen zum Beispiel zu den Mitteln, nach deren Einnahme gelegentlich Mundsoor auftritt.

Ältere Menschen mit fehlenden Zähnen und Zahnprothesen sind ebenfalls gefährdet.

Neben Candida albicans lösen in seltenen Fällen andere Hefepilze wie Candida tropicalis (kommt in Erdreich, Kot, auf Fischen, in Kefir und Joghurt vor) und Candida stellatoidea Mundsoor aus.

Mundsoor ist ansteckend

Neugeborene mit Mundsoor haben sich meist bereits bei der Geburt infiziert – durch einen möglicherweise unbemerkten Scheidenpilz bei der Mutter. Der Pilz im Mund des Säuglings zeigt sich dann im Allgemeinen bereits in den ersten Lebenstagen. Ältere Babys stecken sich zum Beispiel über Schnuller an, die mit dem Speichel einer Bezugsperson Kontakt hatten.

Beim Stillen infiziert sich ein Kind manchmal an den Brustwarzen der Mutter mit Mundsoor. Bei Babys mit einer Windeldermatitis gelangen die Hefepilze manchmal beim Wickeln aus dem Windelbereich zum Mund des Kinds. Daher ist Hygiene in der Säuglingspflege (Händewaschen, frische Wickelunterlagen) besonders wichtig.

Risikofaktoren

Im Laufe ihres Lebens kommen fast alle Menschen einmal mit Candida albicans in Kontakt, jedoch bricht eine Infektion nur unter bestimmten Umständen aus. Neben sehr niedrigem und sehr hohem Lebensalter sind weitere Risikofaktoren für Mundpilz:

Mundsoor: Wie lange dauert die Heilung?

Normalerweise dauert die Heilung und Behandlung von Mundsoor nicht länger als acht bis zehn Tage. Voraussetzung ist eine konsequente Therapie der oralen Candidose mit einem geeigneten Medikament. Die Beschwerden klingen oft schon in den ersten Tagen der Behandlung ab.

In seltenen Fällen hält sich der Pilz im Mund aber hartnäckig und kehrt immer wieder. Dann verschreibt der Arzt manchmal ein stärkeres Antipilzmittel, das auch im restlichen Verdauungstrakt – vor allem im Darm – wirksam ist. Damit lässt sich in der Regel auch hartnäckigem Mundsoor Herr werden.

Ohne Behandlung geht Mundsoor nicht weg und breitet sich unter Umständen weiter aus. Besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem treten dadurch mitunter Komplikationen auf.

Wie erkennt man Mundsoor?

Die Diagnose Mundsoor stellt ein Zahnarzt, ein Kinderarzt, ein Hautarzt oder ein Allgemeinmediziner. Dazu erhebt der Mediziner zunächst die Vorgeschichte (Anamnese) beim Betroffenen beziehungsweise bei der Bezugsperson des Babys. Der Arzt fragt nach den Beschwerden, Vorerkrankungen oder ob der Patient irgendwelche Medikamente einnimmt.

Oft erkennt der Arzt auf den ersten Blick, wenn Soor im Mund vorliegt – die weissen Stippchen, die meist gut sichtbar auftreten, sind charakteristisch. Mit einem Holzspatel streift der Arzt den Belag an einer Stelle vorsichtig ab, um zu prüfen, wie sich die Schleimhaut unter den Mundsoor-Stippchen verhält. Dadurch unterscheidet er Mundsoor zum Beispiel von einer Leukoplakie.

Sieht der Pilz im Mund untypisch aus, ist eine weitere Untersuchung zur Diagnose notwendig. Dann ist es sinnvoll, einen Abstrich von der betroffenen Schleimhaut zu entnehmen. So lassen sich die Erreger unter dem Mikroskop nachweisen.

Bei einer Blutanalyse finden sich im Falle von Mundsoor Antikörper gegen den Candidapilz. Eine Blutuntersuchung ist für die Diagnose aber nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Wie lässt sich Mundsoor vorbeugen?

Es gibt eine Reihe von Massnahmen, die sich zur Vorbeugung von Mundsoor eignen – sowohl zum Schutz vor Mundpilz bei Erwachsenen als auch beim Kind:

  • Bei Babys und Kleinkindern ist Hygiene zur Mundsoor-Vorbeugung besonders wichtig. Reinigen Sie Schnuller, Sauger und Beissspielzeuge regelmässig und verzichten Sie darauf, z.B. heruntergefallene Schnuller mit dem eigenen Speichel zu "säubern".
  • Wenn Sie eine Zahnprothese tragen, achten Sie genau darauf, dass sie richtig sitzt. Reinigen Sie sie nach jeder Mahlzeit gründlich und betreiben Sie auch sonst eine sorgfältige Mundhygiene, um Mundsoor vorzubeugen.
  • Wenn Sie eine Immunschwäche haben und immer wieder Soor im Mund entwickeln, empfiehlt es sich mitunter, täglich zur Vorbeugung ein Antimykotikum anzuwenden. Besprechen Sie dies auf jeden Fall mit Ihrem Arzt.
  • Ein Scheidenpilz überträgt sich manchmal bei der Geburt von der Mutter auf das Baby und verursacht dann beim Neugeborenen Mundsoor. Wenn Sie schwanger sind, lassen Sie daher eine eventuelle Candida-Infektionen vor der Geburt behandeln.
  • Sehr kranke und alte Patienten, die künstlich ernährt werden, haben meist einen geringen Speichelfluss, sodass sich Bakterien und Pilze im Mund schnell vermehren. Pfleger befeuchten daher den Mund von Betroffenen regelmässig.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

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ICD-Codes:
B37
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