Psoriasis im Berufsalltag

Psoriasis im Berufsalltag: Ja, das geht!
Psoriasis im Berufsalltag: Ja, das geht! (Nastco / iStockphoto)

Schuppenflechte kann in jedem Alter auftreten und je nach Schweregrad einen enormen Einfluss auf das Arbeitsleben der Betroffenen haben.

Rötungen, Schuppen, Juckreiz, Schmerzen und die fragenden Blicke von Fremden – Schuppenflechte kann nicht nur das Alltagsleben, sondern vor allem auch das Berufsleben der Betroffenen zur Qual machen. In Österreich sind rund 250.000 Menschen von der entzündlichen Hauterkrankung betroffen . Falsche Vorstellungen der Öffentlichkeit, zum Beispiel Schuppenflechte sei eine ansteckende Krankheit oder eine Folge mangelnder Hygiene, führen bei Betroffenen oftmals zu Ausgrenzung und zu einem geringen Selbstwertgefühl.

Hilflosigkeit und Scham

Das Leben der Patienten wird besonders erschwert, wenn Schuppenflechte (Psoriasis)  an gut sichtbaren Hautarealen auftritt, wie etwa im Gesicht oder an der Kopfhaut bzw. an den Händen oder Nägeln.

Über 80 Prozent der Betroffenen berichten, dass die Erkrankung ihren Selbstwert hemmt und Frust, Angst, Hilflosigkeit sowie Scham hervorruft. Die damit zusammenhängende psychische Belastung kann alltägliche gesellschaftliche Aktivitäten stark beeinträchtigen. Besonders im Berufsalltag führt die Erkrankung zu groben Einschnitten. 

Worauf man bei der Berufswahl achten soll

Schuppenflechte kann bei Menschen aller Altersgruppen zum ersten Mal auftreten, am häufigsten jedoch zwischen 15 und 35 Jahren sowie um das 60. Lebensjahr. Grundsätzlich kann trotz Erkrankung jeder Beruf ausgeübt werden. Wer ein möglichst zufriedenes Arbeitsleben führen möchte, sollte jedoch einige Punkte beachten. Denn durch mechanische oder sonstige physikalische Einwirkungen auf ungeschützte Körperstellen kann Schuppenflechte am Arbeitsplatz verschlimmert werden.

Davon sind vor allem Berufsgruppen betroffen, die:

  • mit hautreizenden Substanzen in Berührung kommen
  • extremer Hitze oder Kälte ausgesetzt sind
  • stark schwitzen
  • häufigem Wasserkontakt ausgesetzt sind
  • in der Nahrungsmittelverarbeitung tätig sind

Bei Unsicherheiten können Fachärzte hilfreiche Tipps geben. OA Priv. Doz. Dr. Hans Skvara, Dermatologe am Landesklinikum Wr. Neustadt, bestätigt: "Die häufigsten Auslöser für eine Psoriasis sind in erster Linie Stress, Infektionen, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, bestimmte Medikamente und hormonelle Veränderungen. Aber auch Reize, die direkt von außen auf die Haut einwirken, wie Hautverletzungen oder auch Sonnenbrände oder toxische Substanzen, können eine Psoriasis auslösen oder verschlechtern. Somit können alle Substanzen, die eine potentiell reizende Wirkung auf die Haut haben, im Arbeitsalltag eine Rolle spielen: Reinigungsmittel, Schmieröle, Färbemittel, Duftstoffe usw."

Ist es nicht möglich, eine Beanspruchung der Haut zu vermeiden, muss auf einen gründlichen Hautschutz geachtet werden. Wichtig sei eine präventive – in diesem Fall kortisonfreie – Basispflege für die Haut, um einen gewissen "Schutzmantel" zu gewährleisten. Das Tragen von Schutzhandschuhen oder von weicher, feuchtigkeitsregulierender Kleidung kann zusätzlich helfen.

+++ Mehr zum Thema: Hauteng ärgert die Schuppenflechte +++

Emotionale Belastung zeitgerecht erkennen und bekämpfen 

Typisch für Psoriasis ist ein Auftreten in Schüben. Das bedeutet, dass es Phasen geben kann, in denen die Hautveränderungen kaum sichtbar oder spürbar sind. Ein akuter Schub sollte so rasch wie möglich mit wirkstoffhaltigen Salben behandelt werden, sagt Skvara: "Falls eine unmittelbare Ursache als Auslöser identifiziert werden kann und ein Entgegenwirken möglich ist, wäre das ebenfalls von Vorteil. Zum Beispiel ein Kürzertreten bei beruflichem Stress oder Unterstützung bei emotionalem Stress."

So sei bekannt, dass Gefühle oder seelische Spannungen das Immunsystem beeinflussen. Psychisch belastende Begleitumstände können das Krankheitsbild also verschlechtern: "In vielen Fällen, wenn Patienten über eine Verschlechterung der Psoriasis berichten, sind emotionale Faktoren ausschlaggebend. Trennung, Tod eines geliebten Menschen, Berufsstress aber auch die Angst vor einem neuerlichen Psoriasisschub und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten sind die meistgenannten Auslöser."

Rechtliche Fragen

Wer sich beruflich eingeschränkt sieht, über rechtliche Regelungen und Umschulungsmöglichkeiten informieren möchte oder einen Ratschlag benötigt, kann sich an die Arbeiterkammer in den jeweiligen Bundesländern wenden. Die Entscheidung, ob man den Arbeitgeber über Schuppenflechte informiert, ist eine sehr persönliche. Grundsätzlich muss eine solche Erkrankung am Arbeitsplatz nicht angegeben werden, so eine Sprecherin der Arbeiterkammer. Ein offener Umgang sei aber empfehlenswert, um gegebenenfalls Lösungen für krankheitsbedingte Problemstellungen zu finden. Beispiele dafür sind etwa flexiblere Arbeitszeiten oder Maßnahmen für den Hautschutz.

Auch Kuraufenthalte dienen der vorbeugenden Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Da es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Sozialversicherungsträgers handelt, besteht darauf kein Rechtsanspruch. Der behandelnde Arzt muss beurteilen, ob eine Kur medizinisch notwendig ist.

Ein Kuraufenthalt kann bei medizinischer Notwendigkeit innerhalb von fünf Jahren maximal zweimal beantragt werden. Nach Ablehnung kann ein neuerlicher Antrag bei wesentlicher Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes oder einer erneuten Erkrankung eingebracht werden. 

Online-Plattform

Durch Einleitung von Therapien können schwere Psoriasis-Verläufe, die bis zum Arbeitsausfall oder zur Arbeitsunfähigkeit führen, reduziert werden. Informationen stellt unter anderem die Kampagnen-Seite www.wehrdichgegenpsoriasis.at zur Verfügung (unterstützt von den Patientenorganisationen PSO Austria und Forum Psoriasis). Ziel ist es einerseits, wie auch im globalen Psoriasis-Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert, Kenntnisse und Bewusstsein über Schuppenflechte bei Gesundheitsversorgern und in der Gesellschaft zu vertiefen und andererseits die negativen Auswirkungen der Erkrankung zu verringern.

Grund zur Hoffnung

"Schuppenflechte ist – im Gegensatz zu vielen anderen chronischen Krankheiten – für alle sichtbar. Das stellt die Größte der Belastungen für Betroffene dar und führt dazu, dass sie sich aus Scham und Angst vor Stigmatisierung zurückziehen", sagt Friederike Schönauer, selbst Betroffene und Gründerin der Selbsthilfegruppe Forum Psoriasis, "Ich selbst habe mich in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit regelrecht gequält. Das muss heute nicht mehr sein!“ Gerade in den vergangenen Jahren seien viele innovative Therapien entwickelt worden, sodass gute Aussichten auf Linderung bestehen. 

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Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Quellen

 Presseinformation von Celgene, abgerufen am 28.11.2017

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