Cefpodoxim

Von , Apotheker, Arzt
und , Apotheker und Pharmazie-Journalist
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Mag. pharm. Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

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Cefpodoxim gehört zur Klasse der Cephalosporin-Antibiotika, wirkt also gegen bakterielle Infektionen. Als Cephalosporin der dritten Generation wirkt es gegen eine Vielzahl von Bakterien und ist stabiler gegen bakteriellen Abbau als ältere Vertreter dieser Wirkstoffklasse. Hier lesen Sie alles Wissenswerte zu Cefpodoxim: Wirkweise, Anwendung sowie Wechsel- und Nebenwirkungen.

So wirkt Cefpodoxim

Cephalosporine wie Cefpodoxim beeinträchtigen den Aufbau der bakteriellen Zellwand. Diese feste Hülle ermöglicht es Bakterien, gegen mitunter sehr extreme Umweltbedingungen resistent zu sein.

So überleben viele Bakterien Trockenheit, hohe Salzkonzentrationen, hohe und tiefe Temperaturen und andere harsche Umwelteinflüsse. Bei jeder Zellteilung, die bei optimalen Bedingungen teilweise alle 20 Minuten stattfinden kann, müssen Bakterien ihre Zellwand aufspalten, neu bilden und wieder quervernetzen.

Diesen letzten Schritt – das Quervernetzen – kann Cefpodoxim bei vielen Bakterien verhindern. So sind die Keime nicht mehr ausreichend gegen harte Umweltbedingungen wie Änderungen des Salzgehaltes oder des Wassergehalts gewappnet und sterben ab.

Cefpodoxim hat damit eine bakterizide Wirkung, es bewirkt das Absterben von Bakterien. Andere Antibiotika hemmen lediglich deren Vermehrung, besitzen also eine bakteriostatische Wirkung.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Die Einnahme des Antibiotikums erfolgt als Cefpodoxim-Proxetil, einem sogenannten „Prodrug“, das erst nach Aufnahme im Körper in die Wirkform Cefpodoxim umgewandelt (in der Darmschleimhaut) wird. Der Vorteil der Prodrug-Form ist, dass sie besser über den Darm ins Blut aufgenommen werden kann als der aktive Wirkstoff.

Zwei bis drei Stunden nach der Einnahme werden wirksame Blutspiegel erreicht. Das Antibiotikum wird grösstenteils unverändert über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Nach etwa zweieinhalb Stunden hat sich der Bluthöchstspiegel wieder halbiert.

Wann wird Cefpodoxim eingesetzt?

Das Antibiotikum kann gegen Infektionen mit Cefpodoxim-empfindlichen Erregern angewendet werden. Beispiel sind Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, der Atemwege, der Harnwege, der Haut und Weichteile sowie Geschlechtskrankheiten (wie Gonorrhoe = „Tripper“).

Dabei sollte jedoch auf den sachgerechten Umgang mit dem Medikament geachtet werden. Jedes Antibiotikum muss genau nach den Vorgaben des Arztes angewendet werden, besonders was Dosierung und Anwendungsdauer betrifft.

So wird Cefpodoxim angewendet

Je nach Ort der Infektion werden 100 bis 200 Milligramm Cefpodoxim mit einer ausreichenden Menge Flüssigkeit zweimal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen. Die Tageshöchstdosis von 400 Milligramm sollte nicht überschritten werden.

Die Therapiedauer wird meist auf fünf bis zehn Tage festgelegt. Eine Ausnahme bildet eine unkomplizierte Gonorrhoe, bei der eine Einzelgabe von 200 Milligramm ausreichend ist.

Auch wenn sich die Symptome durch das Antibiotikum schnell bessern, muss die Therapie unbedingt über die verordnete Dauer fortgeführt werden. Anderenfalls könnten einige Bakterien überleben und Resistenzen gegen das Antibiotikum bilden.

Für Säuglinge, Kinder und Patienten mit Schluckstörungen stehen flüssige Cefpodoxim-Zubereitungen zur Verfügung.

Welche Nebenwirkungen hat Cefpodoxim?

Während der Behandlung mit Cefpodoxim entwickeln ein bis zehn Prozent der Patienten Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz, Rötung) und Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Letztere können sich als Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blähungen oder Durchfall äussern.

Sie werden dadurch verursacht, dass das Antibiotikum nicht nur auf die krankmachenden Bakterien, sondern auch die gesunden Darmbakterien wirkt. Gelegentlich zeigen sich Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Ohrensausen, Missempfindungen, Schwindel, Blutarmut, erhöhte Leberenzymwerte, Unwohlsein, Ermüdung und Schwächegefühl.

Was ist bei der Einnahme von Cefpodoxim zu beachten?

Wechselwirkungen

Die zusätzliche Einnahme von Magensäurehemmern kann die Aufnahme von Cefpodoxim behindern. Beispiele hierfür sind Ranitidin, Cimetidin und basische Wirkstoffe wie Calcium- und Magnesiumcarbonat, Magaldrat, Sucralfat und Hydrotalcit. Sie sollten in einem Abstand von zwei bis drei Stunden zu Cefpodoxim eingenommen werden.

Die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln ("Pille") kann durch das Antibiotikum beeinträchtigt sein. Während des restlichen Zyklus sollten daher zusätzliche nicht-hormonelle Verhütungsmassnahmen wie Kondome verwendet werden.

Altersbeschränkung

Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Patienten mit Nierenfunktionsstörungen können in entsprechend reduzierter Dosierung mit Cefpodoxim behandelt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Das Antibiotikum gelangte in Studien an Ratten über die Plazentaschranke. Ob dies auch beim Menschen der Fall ist wurde nicht untersucht. In den Tierstudien wurden keine reproduktionstoxischen Effekte beobachtet.

Cefpodoxim tritt in die Muttermilch über. Deshalb sollte das Arzneimittel nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Falls eine Behandlung notwendig ist empfiehlt sich für die Dauer der Einnahme eine Unterbrechung des Stillens.

So erhalten Sie Medikamente mit Cefpodoxim

Wie auch andere Antibiotika ist Cefpodoxim in Deutschland, Österreich und der Schweiz nur nach ärztlicher Verschreibung in der Apotheke erhältlich.

Seit wann ist Cefpodoxim bekannt?

Das erste Cephalosporin wurde 1945 in einem Schimmelpilz an der Universität Cagliari entdeckt. Es hatte jedoch nur eine schwache Wirkung gegen Bakterien.

Durch chemische Veränderung seiner Struktur konnten immer neue Cephalosporine mit breiterem Wirkspektrum und mehr Stabilität entwickelt werden. Cefpodoxim ist als Cephalosporin der dritten Generation 1991 in Europa zugelassen worden.

Da der Patentschutz inzwischen abgelaufen ist, gibt es auch Generika mit dem Wirkstoff Cefpodoxim.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Christopher Waxenegger
Mag. pharm.  Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 12. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017.
  • Friese, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 8. Auflage, 2015.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
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