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Cholesterin (Cholesterol, CHOL)

Cholesterin Messung Laborwerte
Cholesterin ist eine Art Blutfett aus der Gruppe der Sterine. (jarun011 / Fotolia.com)

Cholesterin ist eine Art Blutfett aus der Gruppe der Sterine und ein lebenswichtiger Bestandteil aller menschlichen Zellmembranen. Cholesterin wird außerdem zur Herstellung von Gallensäuren, Sexualhormonen sowie Vitamin D benötigt. Verpackt in bösartige Fetttröpfchen im Blut, führt es jedoch zu Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Kurzfassung:

  • Cholesterin ist ein wichtiger Baustein für viele Stoffwechselvorgänge.
  • Es wird vom Körper teilweise selbst hergestellt, der Rest wird über die Nahrung aufgenommen.
  • Cholesterin wird mithilfe von Lipoproteinen im Blut transportiert.
  • Diese werden nach ihrer Dichte in VLDL, IDL, LDL und HDL eingeteilt.
  • Hohe LDL-Werte führen zu Gefäßverkalkungen, HDL hingegen wirkt schützend.
  • Vor allem Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten ihre Fettwerte regelmäßig kontrollieren lassen.

 


Was ist Cholesterin?

Cholesterin findet sich in nahezu allen Geweben unseres Körpers und ist ein wichtiger Grundbaustein für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Damit sichergestellt wird, dass dieser lebenswichtige Stoff in ausreichender Menge vorhanden ist, produziert unser Körper selbst Cholesterin. Normalerweise werden etwa 60% des benötigten Cholesterins im Körper – vor allem in der Leber – hergestellt. Der Rest wird über die Nahrung aufgenommen.

Nicht mehr benötigtes Cholesterin wird über die Galle ausgeschieden, gelangt in den Darm und kann von dort erneut resorbiert werden. Dies verdeutlicht, warum spezielle Diäten bei Hypercholesterinämien (zu hohen Cholesterinwerten im Blut) oft nur eingeschränkt wirksam sind.

Ähnlich wie Fett ist Cholesterin in wässrigen Medien (Blut) nicht löslich. Damit es über das Blut von der Leber zu den Geweben gelangen kann, benötigt Cholesterin ein Transportmedium – die sogenannten Lipoproteine. Lipoproteine sind aus Cholesterin und anderen Fetten (Lipiden) sowie Eiweißmolekülen (Proteinen) aufgebaut und können je nach Dichte in verschiedene Klassen unterteilt werden.

+++ Mehr zum Thema: Blutfette +++

VLDL, IDL, LDL und HDL

Lipoproteine werden nach ihrer Dichte in 4 Kategorien eingeteilt:

  • VLDL (very low density lipoprotein)
  • IDL (intermediate density lipoprotein)
  • LDL (low density lipoprotein)
  • HDL (high density lipoprotein)

Die unterschiedlichen Dichten entstehen dadurch, dass die Lipoproteine im Laufe ihrer Lebenszeit nach und nach Fettsäuren an das Fett- und Muskelgewebe abgeben. Je weniger Fettsäuren, desto höher ist der Proteinanteil im jeweiligen Lipoprotein, und damit nimmt auch die Dichte zu.

Während hohe LDL-Konzentrationen zu Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führen können, wirken hohe HDL-Konzentrationen zu einem gewissen Grad schützend auf die Gefäßwände.

+++ Mehr zum Thema: Cholesterin – die unterschätzte Gefahr +++

Wozu braucht der Körper Cholesterin?

Cholesterin hat in unserem Körper lebenswichtige Aufgaben und Funktionen:

  • Cholesterin ist ein notwendiger Bauteil von Körperzellen.
  • Cholesterin ist ein wesentliches Reparaturmolekül von geschädigten Zellwänden.
  • Cholesterin wird zur Produktion von Gallensäuren benötigt.
  • Cholesterin ist wichtig zur Herstellung bestimmter Hormone (z.B. Cortisol, Östrogen oder Testosteron).
  • Cholesterin ist der Ausgangsstoff für die körpereigene Produktion von Vitamin D.

Wann wird der Cholesterinwert bestimmt?

Da das Cholesterin über die Arteriosklerose zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führt, wird es routinemäßig bei einem "großen Blutbild“ und im Rahmen jährlicher Vorsorgeuntersuchungen bestimmt.

Dabei wird der Cholesterinwert im Blutserum gemessen. Wichtig ist, dass nicht zu viel Cholesterin im Blut enthalten sein sollte und das HDL-Cholesterin nicht zu niedrig ist.

Regelmäßig bestimmt werden sollte das Cholesterin außerdem bei Menschen mit:

+++ Mehr zum Thema: Gefäßverkalkung +++

Welche Cholesterinwerte sind normal?

Zusätzlich zum (Gesamt-)Cholesterinwert im Blutserum werden immer auch das LDL- und das HDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride (freie Fettsäuren, welche nicht an Transportproteine gebunden sind) gemessen, um ein aussagekräftiges Bild zu erhalten. Wie hoch der jeweilige Cholesterinwert sein sollte, hängt vom Lebensalter, Geschlecht und von anderen individuellen Risikofaktoren wie etwa der Ernährung oder bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab.

Grundsätzlich gelten ein Gesamtcholesterin von unter 200 mg/dl und ein HDL-Wert von über 40 mg/dl bzw. über 50 mg/dl für Männer bzw. Frauen als erstrebenswert. Sehr viel wichtiger in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist jedoch der LDL-Cholesterin-Wert. Je nach errechnetem Risiko ergeben sich folgende LDL-Cholesterin-Zielwerte:

  • bei sehr hohem Risiko: < 55 mg/dl
  • bei hohem Risiko: < 70 mg/dl
  • bei moderatem Risiko: < 100 mg/dl
  • bei niedrigem Risiko: < 115 mg/dl

+++ Mehr zum Thema: Cholesterin senken +++

Wer sollte besonders auf seine Cholesterinwerte achten?

Gesundheitsgefährdend ist ein zu hoher Cholesterinspiegel insbesondere für Menschen mit einem sehr hohen Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis. Hierzu zählen:

Zu den Patienten mit hohem Risiko gehören jene mit:

  • familiärer Hypercholesterinämie (vererbte erhöhte LDL-Cholesterin-Spiegel)
  • Diabetes Typ 1 oder Typ 2
  • schwerem Bluthochdruck
  • hohem 10-Jahres-Risiko-Score

Zu den Patienten mit moderatem Risiko gehören jene mit:

  • einem Alter von: Männer > 45 Jahre, Frauen > 55 Jahre
  • positiver Familienanamnese für frühzeitig auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen (männliche Verwandte 1. Grades unter 55 Jahren; weibliche Verwandte 1. Grades unter 65 Jahren)
  • Diabetes und einer Diabetesdauer von weniger als zehn Jahren
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • niedrigem HDL-Cholesterin
  • moderatem 10-Jahres-Risiko-Score

Ein niedriges Risiko haben Menschen mit maximal einem klassischen Risikofaktor.

Ursachen für einen erhöhten Cholesterinspiegel:

  • häufiger Verzehr von rotem Fleisch, Wurstwaren und gesättigten Fettsäuren
  • genetische Vorbelastung
  • Adipositas
  • nephrotisches Syndrom (Symptomenkomplex aus erhöhtem Eiweiß im Urin, erhöhten Blutfettwerten und peripheren Ödemen)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Gallenstau
  • Diabetes
  • Schwangerschaft
  • Einnahme bestimmter Medikamenten (u.a. Kortison und Gestagene)

Ursachen für einen zu niedrigen Cholesterinspiegel:

  • Unterernährung
  • Leberzirrhose
  • seltene genetisch bedingte Fettstoffwechselkrankheiten
  • Manganmangel
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)

Behandlung

In der Behandlung von zu hohen Cholesterinwerten kommen nach Ausschöpfung nicht-medikamentöser Maßnahmen (Ernährung, Bewegung, Änderung des Lebensstils) primär Medikamente aus der Gruppe der Statine zum Einsatz. Diese können bei Bedarf auch mit anderen Wirkstoffen kombiniert bzw. bei Statin-Unverträglichkeit durch andere ersetzt werden, um die Zielwerte zu erreichen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

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