Zwerchfellbruch

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Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

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Der Zwerchfellbruch (Hiatushernie) entsteht bei einem Defekt oder einer Schwäche im Zwerchfell (Diaphragma). Dadurch treten unterschiedlich grosse Anteile des Magens oder Bauchinhalts in den Brustraum über und führen etwa zu Schluckbeschwerden und Oberbauchschmerzen. Je nach Art des Zwerchfellbruchs ist eine Operation unumgänglich, in den meisten Fällen jedoch nicht nötig. Erfahren Sie hier alles Wichtige über den Zwerchfellbruch.

Zwerchfellbruch auf Röntgenbild

Kurzübersicht

  • Symptome: Die Beschwerden richten sich nach der jeweiligen Art des Zwerchfellbruchs und treten nicht in allen Fällen auf.
  • Behandlung: Die axiale Hernie muss meist nicht operiert werden. Bei den übrigen Hiatushernien ist eine Operation jedoch immer zu erwägen.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Eine Zwerchfellhernie ist entweder angeboren oder entsteht im Laufe des Lebens. Zu den Risikofaktoren einer erworbenen Zwerchfellhernie zählen unter anderem Übergewicht und Alter.
  • Diagnose: Eine Zwerchfellhernie lässt sich unter anderem durch Röntgen, Magenspiegelung oder Kernspintomografie (MRT) feststellen.
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Die Prognose hängt von der jeweiligen Art des Zwerchfellbruchs und den möglichen Komplikationen ab. Meist handelt es sich um eine Gleithernie, deren Prognose gut ist.
  • Vorbeugen: Um das Risiko einer Zwerchfellhernie zu senken, ist es ratsam, unter anderem Übergewicht zu reduzieren und Bewegungsmangel zu vermeiden.

Was ist ein Zwerchfellbruch?

Bei einem Zwerchfellbruch, medizinisch als Hiatushernie bezeichnet, verlagern sich Anteile der Bauchorgane durch ein Loch im Zwerchfell (Diaphragma) in den Brustraum (Thorax).

Das kuppelförmige Zwerchfell besteht aus Muskel- und Sehnengewebe. Es trennt die Brust- von der Bauchhöhle. Ausserdem gilt es als der wichtigste Atemmuskel. Es hat drei grosse Öffnungen: Vor der Wirbelsäule befindet sich der sogenannte Aortenschlitz, durch den die Hauptschlagader (Aorta) und ein grosses Lymphgefäss ziehen.

Die Hauptschlagader verläuft hinter dem Bauchraum und seinen Organen. Durch die zweite grössere Öffnung verläuft die untere Hohlvene – sie ist fest mit dem umgebenden Sehnengewebe des Zwerchfells verwachsen.

Die Speiseröhre (Ösophagus) tritt durch den Hiatus oesophageus, das dritte grosse Loch, wo sie direkt unterhalb des Zwerchfells in den Magen mündet. Die Speiseröhrenöffnung bildet eine direkte Verbindung zwischen Brust- und Bauchraum. Da das Muskelgewebe an dieser Stelle vergleichsweise locker ist, kommt es vor allem hier zu einem Zwerchfellbruch.

Hiatushernien sind nach Entstehung und Lage der in den Brustraum übertretenden Anteile unterteilt.

Hernie Typ I

= axiale Hiatushernie

Der Mageneingang (Kardia), an dem die Speiseröhre in den Magen übergeht, verlagert sich senkrecht nach oben (genauer gesagt entlang der Längsachse der Speiseröhre) durch die Öffnung. Er liegt dann über dem Zwerchfell. Dieser Zwerchfellbruch betrifft oft auch den gesamten oberen Magenabschnitt, den Magenfundus.

Hernie Typ II

= paraösophageale Hiatushernie

Ein unterschiedlich grosser Magenanteil tritt neben der Speiseröhre in den Brustraum über. Der Mageneingang bleibt allerdings – im Unterschied zur Typ-I-Hernie – unterhalb des Zwerchfells.

Hernie Typ III

Dieser Zwerchfellbruch ist eine Mischform aus Typ I und II. Es beginnt meist mit einer axialen Hiatushernie. Mit der Zeit verlagern sich immer mehr Magenabschnitte auch seitlich der Speiseröhre in den Brustraum. Die Extremform dieser Hiatushernie ist der sogenannte „Upside-down-Magen“: Der Magen liegt komplett im Brustkorb.

Hernie Typ IV

Dabei handelt es sich um einen sehr grossen Zwerchfellbruch, bei dem auch andere Bauchorgane wie beispielsweise Milz oder Dickdarm in die Brusthöhle übertreten.

Extrahiatale Zwerchfellbrüche

Der im Volksmund gebräuchliche Begriff Zwerchfellbruch meint meistens die Organverlagerung durch den Speiseröhrenschlitz (Hiatus oesophageus), deshalb auch Hiatushernie genannt.

Darüber hinaus gibt es Zwerchfellhernien, bei denen Organe des Bauchraums durch andere Öffnungen des Diaphragmas treten. Diese fassen Fachleute unter dem Begriff extrahiatale (also ausserhalb des Speiseröhrenschlitzes liegende) Zwerchfellbrüche zusammen.

So befindet sich an der Verbindungsstelle zum Brustbein beispielsweise ein Loch (Morgagni), durch das sich bevorzugt Darmschlingen verlagern (Morgagni-Hernie, parasternale Hernie). Und eine dreiecksförmige Lücke im hinteren Teil des muskulären Zwerchfells (Bochdalek-Lücke) verursacht möglicherweise ebenfalls einen Eingeweidebruch.

Häufigkeit

Der Zwerchfellbruch durch den Speiseröhrenschlitz ist die mit Abstand häufigste Form. Darunter finden sich in ungefähr 90 Prozent der Fälle axiale Hernien. Brüche seitlich der Speiseröhre, die paraösophagealen Hernien, treten hingegen sehr selten allein auf. Sie finden sich in der Regel in Mischformen (Typ-III-Hernien).

Bei älteren Menschen treten Zwerchfellbrüche häufiger auf. Entsteht die Hernie aufgrund eines fehlentwickelten Zwerchfells, so handelt es sich um die angeborene Form. Ärzte finden bei etwa 2,8 von 10.000 Geburten einen Zwerchfelldefekt.

Der Zwerchfelldefekt entsteht dabei in der achten bis zehnten Schwangerschaftswoche. Wie genau es zu dieser Entwicklungsstörung kommt, ist bislang nicht abschliessend geklärt.

In deutschen Krankenhäusern wurden laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes im Jahr 2012 rund 10.000 Zwerchfellbrüche diagnostiziert. Frauen waren ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer. Angeborene Zwerchfellhernien wurden in demselben Jahr bei 237 Neugeborenen festgestellt.

Woran erkennt man einen Zwerchfellbruch?

Ob man bei einem Zwerchfellbruch Symptome hat, richtet sich in der Regel nach Art und Ausmass der jeweiligen Hernie.

Axiale Hiatushernie

Beim Typ-I-Zwerchfellbruch treten meist keine Symptome auf. Patienten berichten zwar oft von Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein oder im Oberbauch. Auch nehmen Personen mit einem Zwerchfellbruch gegebenenfalls einen chronischen Husten bei sich wahr.

Es handelt sich jedoch weniger um Zwerchfellbruch-Beschwerden; vielmehr sind die Symptome auf eine begleitende Refluxkrankheit zurückzuführen.

Dabei fliesst Mageninhalt, vor allem der saure Magensaft, in die Speiseröhre. Normalerweise verhindert ein Schliessmechanismus diesen Rückfluss: Muskelzüge am Mageneingang (unterer Ösophagussphinkter) spannen sich an und schützen so die Speiseröhre vor Magensäure. Ausserdem mündet der Ösophagus sehr steil in den Magen. Dieser Umstand erschwert einen Rückfluss zusätzlich.

Das gesunde Zwerchfell unterstützt diesen Vorgang, weshalb bei einem Bruch des Zwerchfells das Risiko für einen Reflux steigt. Eventuell verengt sich das obere Ende des Zwerchfellbruches und ein sogenannter Schatzki-Ring entsteht. Infolgedessen leiden Patienten an Schluckstörungen oder am Steakhouse-Syndrom: Ein Fleischstück bleibt hängen und verstopft die Speiseröhre.

In einzelnen Fällen treten bei einem Zwerchfelldurchbruch krampfartige Schmerzen im Oberbauch auf. Diese entstehen, wenn der Bruchsack eingeklemmt wird. Drückt die Zwerchfellöffnung zu sehr auf den ausgetretenen Magenabschnitt, kommt es möglicherweise zu Schädigungen der Magenwand. Mediziner sprechen hierbei vom Cameron-Ulkus.

Paraösophageale Hiatushernie

Zu Beginn eines Typ-II-Zwerchfellbruchs treten meist noch keine Beschwerden auf. Im weiteren Verlauf fällt es Patienten schwer zu schlucken.

Bei manchen Betroffenen fliesst Mageninhalt in die Speiseröhre zurück. Besonders nach dem Essen verspüren Patienten oft ein vermehrtes Druckgefühl in der Herzgegend und Kreislaufbeschwerden.

Verdreht sich der Bruchsack, ist seine Blutzufuhr gestört und die darin enthaltenen Abschnitte des Magens sterben möglicherweise ab. Mediziner sprechen bei diesem Geschehen von einer Inkarzeration, die lebensbedrohlich ist.

Wie auch beim axialen Zwerchfellbruch wird das Gewebe der Magenwand gegebenenfalls geschädigt. Unter Umständen bluten die entstandenen Defekte unbemerkt.

Ungefähr ein Drittel aller Typ-II-Hernien fallen daher erst durch eine chronische Blutarmut auf. Die übrigen zwei Drittel finden Ärzte zufällig oder sie zeigen sich durch Schluckbeschwerden. Ruft eine Hiatushernie starke Symptome hervor, ist der Bruchsack meist sehr gross. Im Extremfall verlagert sich der komplette Magen in den Brustraum.

Weitere Zwerchfellbrüche

Die Symptome bei extrahiatalen Zwerchfellbrüchen sind ähnlich. Einige Patienten haben keinerlei Beschwerden, bei anderen verlaufen diese Zwerchfellbrüche komplizierter. Denn wie bei den Hiatushernien stirbt auch hier gegebenenfalls der Inhalt des Bruchsackes – Darmschlingen oder andere Bauchorgane – ab und Giftstoffe werden freigesetzt, die für den Körper lebensbedrohlich sind.

Besondere Vorsicht ist bei Neugeborenen geboten. Ein Zwerchfellbruch ist bei ihnen fast immer lebensbedrohlich. Denn die übergetretenen Anteile des Bauchraumes verdrängen Herz und Lunge im noch kleinen Brustkorb.

Zwerchfellbruch: Wie lässt er sich behandeln?

Bei einem Zwerchfellbruch bedarf es nicht immer einer Behandlung. Die axiale Hiatushernie wird nur dann operiert, wenn Beschwerden wie eine chronische Refluxkrankheit auftreten.

Durch den Rückfluss des Magensaftes entzündet sich die Speiseröhre und die Schleimhaut wird angegriffen. Dadurch folgen möglicherweise Schleimhautschäden und Blutungen.

Besteht die Refluxkrankheit über einen längeren Zeitraum, ist auch das Risiko für einen Speiseröhrenkrebs deutlich erhöht. Ist die Schleimhaut durch einen Zwerchfellbruch geschädigt worden, ist ebenfalls über einen chirurgischen Eingriff nachzudenken.

Um mögliche Beschwerden durch zurückfliessende Magensäure zu vermeiden, verschreibt der Arzt ausserdem entsprechende Medikamente. Sie reduzieren entweder die Säuremenge (Protonenpumpenhemmer, Histamin-Rezeptorblocker) oder gleichen den Säuregehalt aus (Antazida).

Zwerchfellbruch-OP

Alle übrigen Hiatushernien behandeln Spezialisten chirurgisch. So handelt es sich bei einer paraösophagealen Hernie um eine komplikationsreiche Erkrankung, die auch bei beschwerdefreien Patienten operiert wird. Dies dient dazu, mögliche Spätfolgen der Zwerchfellhernie zu verhindern.

Denn auch, wenn bei einer Zwerchfellhernie Symptome womöglich erst spät auftreten, vergrössern sich die Bruchsäcke häufig im Krankheitsverlauf zunehmend.

Bei Komplikationen wie einem gestörten Speisebreitransport, einer Magenverdrehung oder einem eingeklemmten Bruchinhalt, der infolgedessen möglicherweise schnell abstirbt, operieren die Ärzte schnellstmöglich.

Dabei wird der in die Brusthöhle durchgetretene Zwerchfellbruch wieder richtig in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschliessend engt man die Bruchlücke ein und stabilisiert diese (Hiatoplastik). Zusätzlich wird der Magenfundus, also die kuppelförmige obere Wölbung des Magens, an die linke Unterseite des Zwerchfells genäht.

Zum Ende der Zwerchfellbruch-OP befestigen die Chirurgen einen Teil des Magens entweder an der vorderen Bauchwand oder an einer anderen Stelle des Zwerchfells (Gastropexie).

Ist das Ziel der Zwerchfellbruch-OP lediglich, die Refluxkrankheit zu beheben, erfolgt die sogenannte Fundoplicatio nach Nissen. Der Chirurg schlingt den Magenfundus um die Speiseröhre und vernäht die entstandene Manschette. Dadurch wird der Druck auf den unteren Ösophagussphinkter am Magenmund erhöht und Magensaft fliesst kaum mehr nach oben.

Kunststoffnetze

Ist der Zwerchfelldefekt zu gross, setzen Ärzte meist Kunststoffnetze ein, um die Bruchlücke zu schliessen. Vor allem bei angeborenen Fehlern des Diaphragmas ist Vorsicht geboten.

Die Neugeborenen müssen intensivmedizinisch betreut werden, da der Zwerchfellbruch eine ausreichende Atmung kaum ermöglicht. Eine künstliche Beatmung ist dann notwendig. Erst wenn Kreislauf und Atmung stabil sind, wird operiert.

Wie entsteht ein Zwerchfellbruch?

Bei einem Zwerchfellbruch unterscheidet man zwischen angeborener und erworbener Form. Letztere hat verschiedene Ursachen und Ausmasse. Angeborene Zwerchfellhernien hingegen entstehen in der Regel aufgrund einer Fehlentwicklung des Zwerchfells.

Entwicklungsstörungen während der Embryonalzeit

Das Zwerchfell bildet sich in zwei Phasen aus. Zunächst trennt eine Wand aus einfachem Bindegewebe die Brust- von der Bauchhöhle. Da sich das Zwerchfell aus zwei Teilen (Septum transversum und Pleuroperitonealmembran) zusammenschliesst, besteht zunächst eine Lücke. Diese schliesst sich rechts schneller als links.

In der zweiten Phase wachsen die Muskelfasern ein. Kommt es in dieser Zeit (vierte bis zwölfte Schwangerschaftswoche) zu einer Störung, entsteht ein Defekt im Zwerchfell.

Durch diese Lücken verlagern sich möglicherweise Bauchanteile in den Brustkorb. Da zu Beginn Organhüllen, wie zum Beispiel das Bauchfell, noch nicht ausgebildet sind, liegen die Organe frei in der Brusthöhle.

Ungefähr 70 bis 80 Prozent aller paraösophagealen Hiatushernien beruhen auf einem angeborenen Zwerchfelldefekt. Häufig besteht bei Entwicklungsstörungen des Zwerchfells eine grosse Öffnung, durch die Speiseröhre und Hauptschlagader gemeinsam verlaufen (Hiatus communis).

Risikofaktor Körperlage

Der axiale Zwerchfellbruch wird auch Gleithernie genannt. Der durchgebrochene Bauchrauminhalt rutscht wieder zurück und tritt erneut in den Brustraum ein. Er gleitet also zwischen Brust- und Bauchraum hin und her.

Die Magenabschnitte verlagern sich hauptsächlich im Liegen oder wenn der Oberkörper tiefer liegt als der Unterleib. Stehen Betroffene aufrecht, so kehren die verlagerten Anteile der Schwerkraft folgend wieder zurück in den Bauchraum.

Risikofaktor Pressen

Die Wahrscheinlichkeit eines Zwerchfellbruches wird erhöht, wenn Personen die Bauchmuskeln anspannen. Durch dieses „Pressen“ erhöht sich der Druck im Bauchraum. Der direkt unter dem Zwerchfell liegende Magen wird infolgedessen nach oben durch das schwache oder defekte Zwerchfell geschoben. Das Risiko steigt damit auch bei gezwungen schneller Ausatmung, Bauchpressen und beim Stuhlgang.

Risikofaktoren starkes Übergewicht und Schwangerschaft

Ähnlich wie beim Pressen steigern auch Adipositas (Fettsucht) und Schwangerschaft das Risiko für einen Zwerchfellbruch. Durch eine übermässige Menge an Fettgewebe im Bauchraum (peritoneales Fett) erhöht sich vor allem im Liegen der Druck auf die Organe.

Dadurch werden diese verdrängt – insbesondere nach oben. Während der Schwangerschaft kommt hinzu, dass das in der Gebärmutter heranwachsende Kind zunehmend Platz in der Bauchhöhle benötigt. Die Organe werden nach oben gedrückt. In der Regel bildet sich ein solcher Zwerchfellbruch nach der Geburt problemlos zurück.

Risikofaktor Alter

Das Alter spielt bei der Entwicklung von Zwerchfellhernien offenbar eine Rolle. So lassen sich beispielsweise bei 50 Prozent der Menschen, die älter als 50 Jahre sind, Gleithernien nachweisen.

Fachleute gehen davon aus, dass das Bindegewebe des Zwerchfells schwächer wird und sich der Speiseröhrenschlitz weitet (ausleiert). Zudem lockern sich die Bänder zwischen Magen und Zwerchfell dort, wo die Speiseröhre in den Magen übergeht.

Die Speiseröhre mündet dadurch flacher in den Magen als normalerweise. Ärzte sprechen von einer kardiofundalen Fehlanlage beziehungsweise einem geöffneten Speiseröhren-Magen-Übergang, was das Zwerchfellbruch-Risiko erhöht.

Diagnose und Untersuchung

Viele Hiatushernien werden zufällig entdeckt, wenn der Arzt ein Röntgen oder eine Kontroll-Magenspiegelung durchführt. In der Regel macht das der Facharzt für Gastroenterologie im Bereich der Inneren Medizin, manchmal auch ein Lungenspezialist (Pulmologe).

Manche Patienten leiden bei Zwerchfellbrüchen unter Sodbrennen und suchen mit solchen Beschwerden ihren Hausarzt auf.

Krankengeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung

Sucht ein Patient mit Zwerchfellbruch-Beschwerden einen Arzt auf, befragt dieser ihn speziell zu den auftretenden Symptomen: wie sich die Beschwerden genau äussern, seit wann und in welchen Situationen sie auftreten und wodurch sie sich eventuell verstärken.

In diesem Zusammenhang sind vor allem schon bekannte, frühere Zwerchfellhernien des Patienten wichtig. Da auch traumatische Geschehen wie eine Operation oder ein Unfall das Diaphragma schädigen, spielen derartige Informationen eine entscheidende Rolle.

Bei circa 30 Prozent der Patienten finden Ärzte neben dem Zwerchfellbruch auch ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis) und Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulose). Medizinisch nennt man diese drei gehäuft miteinander auftretenden Erkrankungen Saint-Trias.

Der Arzt geht daher auch auf die bisherige Krankheitsgeschichte ein. Sind bei dem Zwerchfellbruch Darmschlingen verlagert, hört der Arzt möglicherweise mit dem Stethoskop Darmgeräusche über dem Brustkorb.

Weitere Untersuchungen

Für die genaue Einteilung und Planung einer Zwerchfellbruch-Behandlung führt der Mediziner weitere Untersuchungen durch.

Methode

Erklärung

Röntgen

In einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs lässt sich bei einem Zwerchfellbruch oft eine Luftblase hinter dem Herzen und über dem Diaphragma erkennen. Dieser Befund weist vor allem auf eine Hiatushernie Typ II und III hin.

Breischluck, Kontrastmittel

Bei dieser Untersuchung schluckt der Patient einen Kontrastmittelbrei. Anschliessend führt der Arzt ein Röntgen durch. Der für Röntgenstrahlen weitgehend undurchlässige Brei ist deutlich sichtbar und zeigt mögliche Verengungen, die er nicht passiert. Oder er stellt sich oberhalb des Diaphragmas im Brustraum im Bereich des Zwerchfellbruchs dar.

Magenspiegelung

(Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, ÖGD)

Bei einer Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms wird manchmal zufällig ein Zwerchfellbruch entdeckt. Die axiale Hiatushernie zeigt sich dann durch eine Einschnürung unterhalb des eigentlichen Mageneingangs beziehungsweise des unteren Ösophagussphinkters. Mit dieser Methode lässt sich auch eine deutliche Verengung, der Schatzki-Ring, diagnostizieren. Ein paraösophagealer Zwerchfellbruch lässt sich nur schwer von der Mischform unterscheiden. Bestehen eine begleitende Speiseröhrenentzündung durch Magensaft (Refluxösophagitis), eine Magenentzündung (Gastritis) oder ein Gewebeschaden (Ulkus), ist es wichtig, diese zu entdecken oder, falls sie nicht bestehen, auszuschliessen.

Speiseröhrendruck-messung

Die sogenannte Ösophagusmanometrie bestimmt den Druck in der Speiseröhre und liefert dadurch Hinweise auf mögliche Bewegungsstörungen, die ein Zwerchfellbruch hervorruft.

Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT)

Diese genaueren bildgebenden Untersuchungen sind vor allem bei Zwerchfellbrüchen nützlich, die nicht durch den Speiseröhrenschlitz verlaufen. Die detaillierte Schichtdarstellung spielt auch eine grosse Rolle bei der Planung der Behandlung, in diesem Fall einer Operation.

Ultraschall (des Fetus)

Im Falle eines angeborenen Zwerchfellbruchs zeigt ein Feinultraschall beim ungeborenen Kind relativ früh, ob ein Eingriff notwendig ist. Der Arzt misst das Verhältnis zwischen Lungenfläche und Kopfumfang und schätzt so das Ausmass des Zwerchfellbruches ab.

Krankheitsverlauf und Prognose

In ungefähr 80 bis 90 Prozent der Gleithernien ist keine Therapie notwendig. Und nach einer Operation sind etwa 90 Prozent der Patienten mit Zwerchfellbruch beschwerdefrei.

Bei Neugeborenen hängt die Prognose hauptsächlich davon ab, wie sehr das Lungenvolumen eingeschränkt ist. Da der Zwerchfellbruch bereits vor der Geburt besteht, ist der Lungenflügel auf der betroffenen Seite meist unterentwickelt. In schweren Fällen beträgt die Sterberate circa 40 bis 50 Prozent.

Komplikationen

Ein Zwerchfellbruch verläuft ungünstiger, wenn Komplikationen auftreten. Verdrehen sich etwa der Magen oder der Inhalt des Bruchsacks, wird deren Blutversorgung abgeschnürt. Folglich entzündet sich das Gewebe und stirbt ab. Dadurch freiwerdende Giftstoffe verteilen sich im Körper und schädigen diesen schwer (Sepsis).

Verlagern sich durch den Zwerchfellbruch grosse Anteile der Bauchorgane, werden Lunge und Herz im Brustkorb eingeengt. So kommt es durch einen Zwerchfellbruch unter Umständen zu Kreislaufbeschwerden und Atemproblemen (Atemnot). In diesen Fällen wird zügig operiert und der Betroffene auf einer Intensivstation betreut. Ausserdem verursachen Blutungen von Gewebsschäden eine chronische Blutarmut.

Weil die meisten Hernien harmlose und beschwerdefreie Gleithernien sind, verläuft ein Zwerchfellbruch meist komplikationslos mit guter Prognose.

Vorbeugen

Übergewicht und Bewegungsmangel steigern das Risiko einer Hiatushernie. Es empfiehlt sich daher, Ernährung und Lebensgewohnheiten bei einem Zwerchfellbruch umzustellen und eine Gewichtsabnahme zu erzielen, das heisst, sich häufiger sportlich zu betätigen und kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Ausserdem ist es ratsam, direkt vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen. Vor allem bei einer bekannten Gleithernie verhindert ein nachts etwas erhöht liegender Oberkörper das erneute Hochrutschen von Bauchorganen in die Brusthöhle. Man hat dadurch auch weniger Sodbrennen und senkt das Risiko für die Refluxkrankheit und deren Folgen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

ICD-Codes:
K44
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Berg, C.: Fetale Therapie. De Gruyter, 1. Auflage 2017
  • Classen, M. et al.: Gastroenterologische Endoskopie. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2004
  • Greten, H. et al.: Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, 13. Auflage 2010
  • Hammer, H.: Therapielexikon Gastroenterologie und Hepatologie. Springer Verlag, 1. Auflage 2005
  • Herold, G. et al.: Innere Medizin – Eine vorlesungsorientierte Darstellung. Selbstverlag, 11. Auflage 2022
  • Keck, T. et al.: Minimalinvasive Viszeralchirurgie – Operative Expertise und Evidenz. Springer-Verlag, 1. Auflage 2017
  • Schoppmeyer, M.: Innere Medizin. Krankheitslehre für die Physiotherapie. Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage 2021
  • Schumpelick, V. et al.: Praxis der Viszeralchirurgie – Gastroenterologische Chirurgie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2011
  • Späth, S.: last minute Innere Medizin, Urban & Fischer, 2012
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