Scheidenkrebs

Von , Ärztin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

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Der Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) ist ein seltener, bösartiger Tumor, der vor allem bei Frauen in höherem Lebensalter vorkommt. In frühen Stadien verursacht ein Scheidenkrebs keine Symptome, sodass er häufig erst spät entdeckt wird. Er entwickelt sich meist aus Krebsvorstufen, die sich noch gut behandeln lassen. Hier lesen Sie unter anderem, wie man Scheidenkrebs möglichst frühzeitig erkennt und wie er behandelt wird.

Scheidenkrebs Weibliche Geschlechtsorgane

Kurzübersicht

  • Symptome: Zu Beginn meist symptomlos, auffälliger Scheidenausfluss, Zwischenblutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Rückenschmerzen, ggf. Gefühlsstörungen in den Beinen
  • Untersuchungen und Diagnose: Gynäkologische Untersuchung, Kolposkopie, Abstrichuntersuchung, Gewebeprobe (Biopsie) zur Beurteilung des Ausmasses des Tumorwachstums, Ultraschalluntersuchung, MRT, CT
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Abhängig vom Stadium der Erkrankung. Im frühen Stadium ist eine Heilung möglich, in fortgeschrittenen Stadien sind die Heilungschancen geringer.
  • Ursachen und Risikofaktoren: HPV-Infektionen, häufige Partnerwechsel, Lichen sclerosus und Rauchen erhöhen das Risiko für Scheidenkrebs.
  • Behandlung: Abhängig vom Stadium: Lasertherapie, operative Verfahren, Kombination von Strahlen- und Chemotherapie, psychoonkologische Betreuung
  • Vorbeugen: Vorsorgeuntersuchungen, "Safer-Sex", HPV-Impfung

Was ist Scheidenkrebs?

Der Scheidenkrebs ist ein bösartiger Tumor im weiblichen Geschlechtsorgan. Die Scheide gehört zusammen mit der Gebärmutter, den Eileitern und den Eierstöcken zu den inneren Geschlechtsorganen. Die Schamlippen, der Schamhügel und die Klitoris zählen zu den äusseren Geschlechtsorganen (Vulva) der Frau.

Ein bösartiger Scheidentumor wird in der Fachsprache als Vaginalkarzinom bezeichnet, wenn die bösartigen Zellen von der Scheide ausgehen. Der bösartige Tumor im Bereich der äusseren Geschlechtsorgane wie etwa der Schamlippen heisst Vulvakarzinom.

Es gibt mehrere Arten von Scheidenkrebs. Die Unterschiede bestehen in der Zellart, aus der sich der Vaginalkrebs entwickelt. In über 95 Prozent entsteht ein bösartiger Scheidenkrebs aus der obersten Schleimhautschicht, dem Plattenepithel.

Bildet sich der Scheidenkrebs aus Drüsengewebe, sprechen Ärzte von einem Adenokarzinom. Nimmt er seinen Ursprung von den Muskelzellen, handelt es sich um ein Rhabdomyosarkom. Auch ein schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) kommt in der Scheide vor.

Vorstufen und Stufen von Scheidenkrebs

Eine mögliche Vorstufe von Scheidenkrebs ist die Vaginale Intraepitheliale Neoplasie (VaIN). Dabei handelt es sich um eine Schleimhautveränderung (Dysplasie), die sich unbehandelt in der Regel zu einem Scheidenkrebs entwickelt. Es gibt drei Entartungsgrade der VaIN: geringe, mittelgradige und schwere Dysplasie.

Handelt es sich um ein Vaginalkarzinom, verwenden Ärzte zur Einteilung der Stadien die sogenannte FIGO-Klassifikation. Sie umfasst vier Krankheitsstadien. Die Einteilung berücksichtigt, in welche Gewebeschichten der Tumor hineinwächst, ob er benachbarte Organe durchsetzt oder ob er in Lymphknoten oder Organe gestreut hat.

Meistens wächst ein Vaginalkarzinom in der Scheidenhinterwand oder­­ im oberen Scheidendrittel. Es ist möglich, dass sich der Krebs schon früh auf die benachbarten Organe ausdehnt und über die Lymphbahnen in die Leisten- und Beckenlymphknoten verbreitet.

Das Vaginalkarzinom ist eine seltene Krebsart. Schätzungsweise eine von 100.000 Frauen im Jahr erkrankt an Scheidenkrebs. Jede zweite betroffene Frau ist älter als 70 Jahre, etwa 15 Prozent sind zwischen 20 und 49 Jahren alt.

Welche Symptome treten bei Scheidenkrebs auf?

Meistens verursacht Scheidenkrebs erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium Symptome. Die Krebsvorstufen VaIN I, II und III verursachen in der Regel keine Beschwerden.

Die ersten Anzeichen von Vaginalkrebs sind vermehrter Scheidenausfluss oder ungewöhnliche Zwischenblutungen. Solche Blutungen haben in vielen Fällen harmlose Ursachen, deuten manchmal aber auch auf ein Vaginalkarzinom hin. Es ist daher ratsam, solche Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.

Häufig treten bei Scheidenkrebs Blutungen während oder nach dem Geschlechtsakt auf. Erreicht der Scheidenkrebs eine bestimmte Grösse, sind Wasserlassen oder Stuhlgang mitunter erschwert.

Drückt der Tumor auf Nervenwurzeln am Rückenmark, sind Symptome wie Rückenschmerzen, Gefühlsstörungen oder Schmerzen in den Beinen möglich.

Wie lässt sich Scheidenkrebs erkennen?

Manche Frauen fragen sich, wie Scheidenkrebs aussieht. Doch die Veränderungen lassen sich nicht von Betroffenen selbst erkennen, da sich der Krebs im Inneren der Scheide entwickelt.

Da Scheidenkrebs erst spät Symptome verursacht, entdeckt der Frauenarzt ihn oft eher zufällig bei einer Routineuntersuchung. Vor der Untersuchung fragt der Arzt Sie nach neu aufgetretenen Beschwerden.

Zudem wird er Ihnen möglicherweise folgende Fragen stellen:

  • Haben Sie (noch) Regelblutungen? Treten diese regelmässig auf?
  • Haben sich Ihre Blutungen verändert?
  • Hatten Sie in letzter Zeit Zwischenblutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr?
  • Haben Sie einen ungewohnten Ausfluss aus der Scheide bemerkt?
  • Haben Sie Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang?

Die körperliche Untersuchung umfasst neben den Geschlechtsorganen den Enddarm und die Lymphknoten in der Leiste. Schwellungen oder Tumoren lassen sich hier bereits mit den Händen ertasten. Mit dem sogenannten Kolposkop betrachtet der Arzt die Scheide bis zum Muttermund.

Mithilfe eines Wattestäbchens entnimmt er eine Zellprobe von der Scheidenschleimhaut. Dazu streicht er an der Scheidenschleimhaut entlang, um einen Abstrich zu gewinnen. Ist die Schleimhaut offensichtlich verändert, entnimmt der Gynäkologe unter Umständen eine Gewebeprobe (Biopsie).

Mit einem Ultraschallgerät lassen sich Veränderungen unterhalb der Schleimhaut aufspüren. Die Ultraschalluntersuchung erfolgt dabei entweder direkt über die Scheide oder von aussen über die Bauchdecke.

Weisen die Untersuchungen Scheidenkrebs nach, sind weitere sogenannte Staging-Untersuchungen erforderlich. Sie dienen dazu festzustellen, ob und wie weit sich der Tumor bereits in umliegendes Gewebe oder über die Lymphbahnen verbreitet hat.

Als Staging-Untersuchungen kommen Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Knochenszintigrafie infrage, unter Umständen zudem endoskopische Untersuchungen der Harnwege und des Enddarms.

Wie ist die Lebenserwartung bei Scheidenkrebs?

Wird Scheidenkrebs nicht behandelt, breitet er sich ins umgebende Gewebe und in die benachbarten Organe aus. Vor allem der Gebärmutterhals, die äussere Scheide (Vulva), die Harnblase und der Enddarm sind betroffen.

Über die Lymphwege wandern Tumorzellen auch in entfernte Organe, wo sie Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Lymphknoten, Leber, Lunge oder Knochen sind dann mitunter befallen. Ist ein Scheidenkarzinom sehr gross, engt es manchmal die Harnleiter ein und verursacht in den Nieren einen gefährlichen Harnstau.

In vielen Fällen reicht zur Behandlung einer VaIN die einmalige chirurgische Entfernung. Etwa bei jeder zehnten bis zwanzigsten Frau bilden sich erneut Gewebsveränderungen, die entfernt werden müssen.

Wurde die Scheide entfernt oder eine innere Strahlentherapie angewendet, tauchen Krebsvorstufen nur in weniger als einem Prozent der Fälle erneut auf.

Hat sich hingegen schon ein Vaginalkarzinom gebildet, ist die Prognose erheblich schlechter. Sie hängt stark davon ab, in welchem Stadium die Erkrankung erkannt wird. Es ist daher wichtig, frühe Anzeichen von Scheidenkrebs zu kennen.

Was sind die Ursachen für Scheidenkrebs?

Warum Scheidenkrebs entsteht, ist nicht vollständig geklärt. Allerdings gehen Mediziner inzwischen davon aus, dass eine Infektion mit dem HP-Virus (HPV = Humanes Papillomavirus) Scheidenkrebs begünstigt – insbesondere, wenn ein Tumor bei einer jüngeren Frau auftritt.

HP-Viren werden meist durch Geschlechtsverkehr übertragen. Ein höheres Risiko für Scheidenkrebs haben Frauen, die bereits aufgrund von HPV-bedingten Veränderungen behandelt wurden.

Als Risikofaktoren für Scheidenkrebs gelten ausserdem:

  • Häufig wechselnde Geschlechtspartner
  • Früher Beginn der sexuellen Aktivität
  • Rauchen
  • Lichen sclerosus, eine Autoimmunerkrankung, die meist den Intimbereich betrifft

Welche Behandlung erfolgt bei Scheidenkrebs?

Wie sich Scheidenkrebs behandeln lässt, richtet sich nach dem Krankheitsstadium und dem Sitz des Tumors. Bei einer sehr frühen Krebsvorstufe genügt in manchen Fällen eine regelmässige Verlaufskontrolle.

Hat sich bereits ein Vaginalkarzinom gebildet, sind eine Operation, eine Strahlentherapie oder die Chemotherapie Optionen für die Behandlung. Experten empfehlen die Therapie von Scheidenkrebs in einem onkologischen Zentrum, in fachübergreifender Zusammenarbeit der Ärzte.

Behandlung von Scheidenkrebs-Vorstufen

Welche Behandlung bei Frauen mit einer Vaginalen Intraepithelialen Neoplasie (VaIN) infrage kommt, hängt von unter anderem vom Schweregrad und von der örtlichen Verteilung der Veränderungen ab. Ärzte setzen zur oberflächlichen Entfernung von Tumorgewebe meist einen Laser ein.

In manchen Fällen wird der Tumor aber auch mit einem Skalpell in einer Operation entfernt. Bei ausgeprägteren Formen ist es manchmal erforderlich, einen Teil oder die gesamte Scheide operativ zu entfernen.

Lediglich bei VaIN I beobachten Ärzte zunächst in regelmässigen Kontrollen den Verlauf.

Operation

Befindet sich der Scheidenkrebs im oberen Drittel der Scheide, entfernt der Chirurg bei der Operation in der Regel auch die Gebärmutter und einige Lymphknoten. Sitzt der Tumor im unteren Bereich der Scheide, entfernt er meistens nur die Lymphknoten aus der Leiste.

Ein kleines Scheidenkarzinom lässt sich operativ entfernen, ohne dass die Patientinnen eingeschränkt sind. In solchen Fällen gelingt es oft, die Scheide mit einer weiteren Operation wiederherzustellen (plastisch-rekonstruktive Operation).

Bei grösseren Tumoren lässt sich die Scheide nicht vollständig erhalten. Hat sich der Tumor auf die Harnblase, den Darm oder andere Organe des Beckens ausgebreitet, müssen Teile dieser Organe ebenfalls entfernt werden.

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie wird bei Scheidenkrebs in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien III und IV oft als einzige Behandlungsmassnahme eingesetzt. Dabei werden die Krebszellen entweder durch die Haut von aussen bestrahlt (perkutane Therapie) oder von innen (Brachytherapie).

Bei der Brachytherapie wird ein kleines strahlungsaktives Röhrchen in der Scheide platziert. Es ist auch möglich, kleine radioaktive Nadeln direkt in den Tumor einzubringen.

Beide Bestrahlungsformen werden in bestimmten Zeitabständen wiederholt und miteinander kombiniert. Durch die Strahlenwirkung besteht die Gefahr, dass sich die Scheide verengt oder verklebt. Meistens setzen Ärzte bestimmte Salben oder Tamponaden ein, um dies zu verhindern.

Auch Blutungen oder Juckreiz treten mitunter auf. Reizungen der Nachbarorgane durch die Strahlentherapie sind möglich.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie erfolgt bei Scheidenkrebs meist dann, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken oder der Tumor sehr weit fortgeschritten ist. Mediziner kombinieren diese Therapie meistens mit einer Bestrahlung (Radio(chemo)therapie).

Vorbeugung von Scheidenkrebs

Man geht heute davon aus, dass Infektionen mit HP-Viren Scheidenkrebs begünstigen. In der erwachsenen Bevölkerung ist dieses Virus stark verbreitet. Gegen einige Typen dieses Virus schützt die HPV-Impfung. Auch Kondome ("Safer Sex") bieten einen Schutz.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Martin Kolben
Autor:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

ICD-Codes:
C52C51
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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