Vulvakarzinom

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Das Vulvakarzinom (Vulvakrebs) ist ein bösartiger Tumor der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Die Erkrankung ist selten und betrifft hauptsächlich ältere Frauen. Seit einigen Jahren erkranken aber auch zunehmend Jüngere daran. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema: Woran kann man ein Vulvakarzinom erkennen? Was verursacht den bösartigen Tumor? Wie wird er behandelt? Wie stehen die Heilungschancen bei Vulvakrebs?

Weibliche Geschlechtsorgane mit Vulva

Kurzübersicht

  • Was ist ein Vulvakarzinom? Bösartige Erkrankung der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Entsteht in der Regel aus Hautzellen und nur selten aus anderen Anteilen der weiblichen Scham (z.B. dem Kitzler).
  • Wie häufig ist Vulvakrebs? Das Vulvakarzinom ist selten. 2017 gab es in Deutschland ca. 3.300 Neuerkrankungen, mittleres Erkrankungsalter 73 Jahre. Es erkranken aber zunehmend auch jüngere Frauen.
  • Wie erkennt man ein Vulvakarzinom? Erste Anzeichen sind unspezifisch (wie Juckreiz, Schmerzen, kleine Hautläsionen). Später zeigt sich eine sichtbare Geschwulst, die immer schneller wächst und teils auch blutet. Evtl. auch Ausfluss mit unangenehmem Geruch.
  • Wie sieht die Behandlung aus? Nach Möglichkeit operative Entfernung; ergänzend oder alternativ Strahlentherapie und/oder Chemotherapie.
  • Ist ein Vulvakarzinom heilbar? Ein Vulvakarzinom im Frühstadium hat gute Heilungschancen. Diese sinken aber sehr rasch bei Befall von Lymphknoten. Bei Befall weiterer Organe gilt das Vulvakarzinom als unheilbar.

Vulvakarzinom: Symptome

Die Vulvakrebs-Symptome im Frühstadium sind sehr unspezifisch – viele betroffene Frauen denken daher gar nicht an eine ernste Erkrankung wie ein Vulvakarzinom. Erste Anzeichen, die auftreten können, sind:

  • anhaltender Juckreiz in der Vulva
  • Schmerzen, entweder spontan oder zum Beispiel beim Wasserlassen (Dysurie) oder beim Geschlechtsverkehr
  • Brennen in der Vulvaregion
  • Scheidenblutung oder blutiger Ausfluss
  • Haut-/Schleimhautläsionen im Vulvabereich, z.B. kleine, rötliche, leicht erhabene Flecken oder weiße, verdickte Verhärtungen oder nässende, nicht blutende kleine Erosionen

Manchmal ist hartnäckiger Juckreiz auch das einzige Vulvakrebs-Anzeichen im Frühstadium. Daneben gibt es viele Frauen, die gar keine Beschwerden in diesem frühen Tumorstadium haben.

Im weiteren Krankheitsverlauf wird dann ein Tumor sichtbar, etwa als spürbarer Knoten oder als Geschwür von blumenkohlartigem Aussehen. Er wächst zuerst langsam, später immer schneller und kann auch bluten.

Weitere mögliche Vulvakarzinom-Symptome im fortgeschrittenen Stadium sind zunehmende Schmerzen und ein unangenehm riechender Ausfluss. Letzterer entsteht durch absterbende Tumorzellen, die von Bakterien zersetzt werden.

Wo entsteht ein Vulvakarzinom?

Prinzipiell kann sich überall im Vulvabereich ein bösartiger Tumor entwickeln. Seit einigen Jahren sind die meisten Vulvakarzinome aber in der vorderen Vulvaregion lokalisiert, also im Bereich der kleinen Schamlippen, zwischen Klitoris und Harnröhre oder direkt an der Klitoris. In den restlichen Fällen entsteht der Tumor in der hinteren Vulvaregion, etwa seitlich von den großen Schamlippen, am hinteren Scheideneingang oder am Damm (Perineum = Bereich zwischen den äußeren Geschlechtsorganen und dem Anus).

Wenn sich der Vulvakrebs an der Innenseite einer Schamlippe entwickelt, kann sich mit der Zeit durch die direkte Berührung mit der gegenüberliegenden Schamlippe dort eine Tochtergeschwulst bilden. Mediziner sprechen dann von einer Abklatsch-Metastase.

Vulvakarzinom: Heilungschancen

Mehrere Faktoren beeinflussen beim Vulvakarzinom die Prognose. Entscheidend ist vor allem, wie groß der Tumor ist, wie tief er in darunter liegendes Gewebe eingedrungen ist und inwieweit er bereits gestreut hat.

Vulvakarzinom & Überlebensrate: Das sagt die Statistik

Beim Vulvakarzinom beträgt die relative 5-Jahres-Überlebensrate 71 Prozent, das heißt: Bei 71 Prozent der betroffenen Frauen hat der bösartige Tumor auch fünf Jahre nach der Diagnose nicht zum Tod geführt (Quellen: Zentrum für Krebsregisterdaten und Vulvakarzinom-Leitlinie).

Diese Angabe bezieht sich auf Erkrankungen über alle Stadien hinweg. Betrachtet man die Prognosen in den verschiedenen Tumorstadien, gilt wie bei anderen Krebserkrankungen: Je frühzeitiger eine Behandlung erfolgt, desto eher ist das Vulvakarzinom heilbar.

Tatsächlich wird Vulvakrebs in den meisten Fällen (ca. 60 Prozent) in einem frühen Stadium (Stadium I) entdeckt. Die überwiegende Mehrzahl der betroffenen Frauen kann dann geheilt werden. Sobald der Krebs auf Lymphknoten in der Leiste und gegebenenfalls auch im kleinen Becken übergegriffen hat, verschlechtert sich die Prognose aber sehr schnell. Sind sogar schon andere Organe (wie Lunge, Leber, Knochen, Gehirn) vom Krebs befallen, gilt das Vulvakarzinom als unheilbar.

Prognose kann im Einzelfall abweichen

So aufschlussreich statistische Daten auch sein können, sollte man nicht vergessen: Ob eine Frau an einem diagnostizierten Vulvakarzinom sterben wird oder nicht, hängt auch von individuellen Faktoren ab – die Überlebenswahrscheinlichkeit im Einzelfall kann also von der statistischen Überlebensrate abweichen.

Vulvakarzinom: Ursachen & Risikofaktoren

Ein Vulvakarzinom entsteht, wenn Zellen im Schambereich entarten und sich unkontrolliert zu vermehren beginnen. Je nachdem, welche Zellen das sind, unterscheidet man verschiedene Arten von Vulvakrebs:

In etwa neun von zehn Fällen entarten Zellen der obersten Haut- beziehungsweise Schleimhautschicht (Plattenepithel) in der Vulva – dann ist der Vulvakrebs ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom, also eine Form von weißem Hautkrebs. Der Tumor bildet meist eine Hornschicht auf der Oberfläche (verhornendes Plattenepithelkarzinom), kann aber auch unverhornt bleiben (nicht verhornendes Plattenepithelkarzinom).

Die häufigste Form von Vulvakrebs - ein verhornendes Plattenepithelkarzinom - entsteht meist unabhängig von einer Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV; siehe Risikofaktoren) und bevorzugt bei älteren Frauen. Am zweithäufigsten sind nicht verhornende Plattenepithelkarzinome, die eher HPV-abhängig sind und meist jüngere Frauen (mittleres Alter: 55 Jahre) betreffen.

Seltener entsteht Vulvakrebs aus anderen Zellen als dem Plattenepithel. So kann sich aus der Basalzellschicht der Haut bzw. Schleimhaut ein Basalzellkarzinom der Vulva entwickeln - die zweite Form von weißem Hautkrebs. Aus pigmentbildenden Hautzellen (Melanozyten) im Schambereich kann durch Entartung schwarzer Hautkrebs (Mailgnes Melanom) hervorgehen. Ganz selten sind andere Formen von Vulvakrebs, etwa ein Adenokarzinom, das aus den Vorhofdrüsen (Bartholinischen Drüsen) am Scheideneingang entsteht.

Ursachen unklar

Ob Plattenepithel, Basallzellschicht oder Bartholin-Drüsen - bislang weiß man nicht genau, warum bei manchen Frauen Zellen im Vulvabereich plötzlich entarten und zu Vulvakrebs führen. Wie bei anderen Krebserkrankungen ist aber auch hier sehr wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Tumorentstehung notwendig.

Risikofaktoren für Vulvakrebs

Zu diesen Risikofaktoren zählen die sogenannten vulvären intraepithelialen Neoplasien (VIN). Darunter versteht man Zellveränderungen in der obersten Zellschicht (Epithel) der Vulva. Sie können zur Krebsvorstufe (Präkanzerose) werden. Mediziner unterscheiden drei VIN-Stadien:

  • VIN I: Leichte Gewebeveränderungen, die auf das untere Drittel des Vulvaepithels beschränkt ist.
  • VIN II: Mittelgradige Gewebeveränderungen, welche die unteren zwei Drittel des Vulvaepithels betreffen.
  • VIN III: Schwere Gewebeveränderungen, die das gesamte Vulvaepithel betrifft.

Das Stadium VIN I gilt nicht als Krebsvorstufe, sondern bildet sich in den meisten Fällen wieder zurück. VIN II und VIN III dagegen können im Verlauf einiger Jahre in ein Vulvakarzinom übergehen.

Eine Sonderform von VIN ist der Morbus Paget der Vulva, eine bösartige Gewebeveränderung, die von Hautanhangsdrüsen ausgeht. Sie gilt ebenfalls als Vulvakarzinom-Vorstufe.

Die Entstehung vulvärer intraepithelialer Neoplasien (VIN) steht fast immer im Zusammenhang mit einer chronischen Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Einige Typen dieser Viren (z.B. HPV 16) können die Bildung von Krebsvorstufen auslösen. Eine andauernde Infektion mit solchen Viren gilt daher ebenfalls als wichtiger Risikofaktor für ein Vulvakarzinom.

Das Gleiche gilt für andere Krebserkrankungen (oder Krebsvorstufen) im Genital- oder Analbereich, deren Entstehung ebenfalls mit Humanen Papillomviren zusammenhängen kann. Dazu zählen Scheidenkrebs, Gebärmutterhalskrebs und das Analkarzinom.

Dass auch eine anhaltende Immunschwäche ein Vulvakarzinom begünstigten kann, hängt meist ebenfalls mit HPV zusammen: Wenn das Immunsystem beispielsweise durch eine HIV-Infektion oder durch die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten (nach Organtransplantation oder bei Autoimmunerkrankungen) dauerhaft geschwächt ist, kann sich leichter eine chronische HPV-Infektion entwickeln, die dann ihrerseits die Entstehung eines Vulvakarzinoms begünstigt.

Neben HPV können aber auch einige andere sexuell übertragbare Krankheitserreger zur Entwicklung von Vulvakrebs beitragen - Herpes-Viren (Genitalherpes), Chlamydien und die Erreger von Syphilis.

Ebenfalls unabhängig von einer HPV-Infektion können autoimmunbedingte Prozesse wie bei der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Lichen sclerosus das Risiko für ein Vulvakarzinom steigern - genauer gesagt für die häufigste Form von Vulvakrebs, das verhornende Plattenepithelkarzinom der Vulva, das vor allem bei älteren Frauen auftritt.

Rauchen ist ein weiterer Risikofaktor für ein Vulvakarzinom. Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle: Wie eingangs erwähnt, ist Vulvakrebs vor allem eine Erkrankung älterer Frauen, wobei mittlerweile aber zunehmend auch jüngere Frauen daran erkranken.

Als ungünstig gilt zudem falsche Genitalhygiene: Mangelnde Hygiene im Genitalbereich kann ebenso schädlich sein wie die häufige Verwendung von Vaginallotionen oder Intimsprays.

Vulvakarzinom: Untersuchungen & Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Vulvakarzinom ist der Frauenarzt (Gynäkologe). Er kann anhand verschiedener Untersuchungen feststellen, ob eine Frau tatsächlich einen bösartigen Vulvatumor hat:

>> Inspektion und Abtasten

Im Rahmen einer umfassenden gynäkologischen Untersuchung wird der Arzt zunächst die Vulva, die Scheide (Vagina) und den Gebärmutterhals (Zervix) genau inspizieren – oftmals entstehen krankhafte Gewebeveränderungen nämlich gleich an mehreren Stellen. Der Arzt achtet bei der Inspektion auf die Färbung der Haut und eventuelle Auffälligkeiten im Gewebe wie etwa Flecken, Risse, Verdickungen, Schuppungen oder Geschwüre.

Außerdem tastet der Art den gesamten Genitalbereich ab. Er achtet dabei auf eventuell vorhandene Knoten oder Verdickungen im Gewebe. Auch die Lymphknoten in der Leistengegend werden in die Tastuntersuchung mit einbezogen. Sind sie vergrößert und/oder schmerzhaft, kann dies auf einen Befall mit Krebszellen hindeuten, aber auch viele andere Gründe haben.

>> Kolposkopie

Auffällige Gewebestellen kann der Arzt mittels Kolposkopie genauer begutachten. Er verwendet dazu eine spezielle Lupe mit 10- bis 20-facher Vergrößerung (Kolposkop).

Um die verdächtigen Stellen besser einschätzen zu können, kann der Arzt die Essigsäureprobe durchführen: Er tupft mit einem Wattebausch eine stark verdünnte Essigsäurelösung auf die Stellen auf. Gesundes Gewebe reagiert darauf nicht mit einer Farbänderung, während sich veränderte Zellen in der Regel weißlich verfärben (Leukoplakie) – ein möglicher Hinweis auf Krebs.

Achtung: Im Unterschied zu VIN-Läsionen zeigt der Morbus Paget der Vulva keine Weißfärbung bei der Essigsäureprobe!

>> Biopsie

Von jeder unklaren Gewebeveränderung entnimmt der Arzt eine oder mehrere Gewebeproben (Biospie) – entweder als Stanzbiopsie oder als Exzisionsbiopsie:

Bei der Stanzbiopsie wird mithilfe eines speziellen Instruments ein Gewebezylinder aus der verdächtigen Stelle herausgestanzt. (z.B. einer Stanze). Bei der Exzisionsbiopsie wird gleich die gesamte verdächtige Stelle herausgeschnitten (z.B. bei pigmentierten Läsionen, bei denen es sich möglicherweise um schwarzen Hautkrebs handelt).

Die feingewebliche (histologische) Untersuchung der Proben im Labor kann endgültig klären, ob es sich um Krebs oder eine Krebsvorstufe handelt.

Die Gewebeentnahme erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Die entstandene Wunde kann der Arzt mit einer Naht verschließen.

Weitere Untersuchungen bei bestätigtem Vulvakarzinom

Steht die Diagnose Vulvakarzinom fest, wird der Arzt je nach Einzelfall diverse weitere Untersuchungen anordnen. Dazu zählen etwa folgende Untersuchungen:

Eine umfassende gynäkologische Untersuchung der gesamten Genital- und Analregion hilft, die Tumorgröße und -lokalisation genauer zu ermitteln.

Mittels rektaler Untersuchung tastet der Arzt mit einem Finger den Enddarm ab, um nach Hinweisen auf einen eventuellen Krebsbefall zu suchen. Bei entsprechendem Verdacht kann eine endoskopische Untersuchung des Enddarms – die Rektoskopie (Mastdarm-Spiegelung) – Gewissheit bringen.

Auch die Harnwege können endoskopisch untersucht werden (Urethrozystoskopie), falls ein Befall mit Krebszellen vermutet wird.

Ultraschall-Untersuchungen von Scheide, Leistenregion, Beckenorganen und Leber können ebenfalls Aufschluss über die Tumorausbreitung geben.

Bei Verdacht auf Lungenmetastastasen kann man Röntgenbilder des Brustkorbs anfertigen. Noch detailliertere Bilder des Körperinneren und damit genauere Belege für Metastasen liefern Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT).

Einteilung in Krankheitsstadien

Anhand aller Untersuchungsergebnisse lässt sich das Vulvakarzinom einem bestimmten Krankheitsstadium zuordnen. Das ist wichtig für die Therapieplanung.

Die Stadien von Vulvakrebs nach der sogenannten FIGO-Klassifikation (FIGO = Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique) sind:

  • Stadium I: Vulvakarzinom, das auf die Vulva oder die Vulva und den Damm (Perineum = Bereich zwischen äußerem Genital und Anus) begrenzt ist. Kein Befall von Lymphknoten. Je nach maximaler Ausdehnung des Tumors und Eindringtiefe ins Gewebe unterscheidet man Stadium Ia und Stadium IB.
  • Stadium II: Tumor jeder Größe, der sich auf das untere Drittel der Scheide und/oder der Harnröhre und/oder auf den Anus ausgebreitet hat. Kein Befall von Lymphknoten.
  • Stadium III: Tumor jeder Größe, der sich auf das untere Drittel der Scheide und/oder der Harnröhre und/oder auf den Anus ausgebreitet hat. Zusätzlich Befall von Lymphknoten in der Leiste. Je nach Ausmaß des Lymphknotenbefalls unterscheidet man Stadium IIIA, Stadium IIIB, und Stadium IIIC.
  • Stadium IV: Tumor jeder Größe, der sich auf die oberen zwei Drittel der Scheide und/oder der Harnröhre und/oder auf den Anus und/oder auf die Schleimhaut von Harnblase oder Enddarm ausgebreitet hat oder der am Beckenknochen fixiert ist (Stadium IVA) oder der Fernmetastasen gebildet hat (Stadium IVB).

Vulvakarzinom: Behandlung

Wie Mediziner ein Vulvakarzinom behandeln, hängt wesentlich von Art, Stadium und Lage des Tumors ab. Außerdem berücksichtigt man den allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin und ihr Alter (relevant hinsichtlich Familienplanung bzw. Erhalt der Sexualfunktion).

Grundsätzlich stehen für die Behandlung von Vulvakrebs die Optionen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Auswahl. Sie können einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen eingesetzt werden – individuell angepasst an die Patientin.

Operation

Therapie der Wahl bei einem Vulvakarzinom ist die Operation: Nach Möglichkeit versucht man immer, den Tumor vollständig herauszuschneiden und dabei die Vulva so weit es geht zu erhalten. Nur in Ausnahmefällen verzichtet man auf eine Operation, beispielsweise wenn eine Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht operiert werden kann oder der Tumor sich bereits auf den Anus ausgeweitet hat.

Wie ausgedehnt operiert werden muss, hängt vom Krankheitsstadium ab:

>> Kleiner Tumor: Ist der Tumor noch sehr klein und noch nicht sehr tief in die Haut vorgedrungen, genügt es meist, ihn selbst zusammen mit einem Randsaum an gesundem Gewebe herauszuschneiden. Gegebenenfalls entfernt der Chirurg zusätzlich die Lymphknoten in der Leiste. Oder er schneidet zunächst nur die Wächter-Lymphknoten heraus – die ersten im Abstromgebiet des Tumors liegenden Leisten-Lymphknoten. Ergeben Gewebeuntersuchungen, dass sie frei von Krebszellen sind, kann auf die Entfernung der restlichen Lymphknoten in der Leiste verzichtet werden.

>> Größerer Tumor oder mehrere Tumorstellen: Bei Tumoren, die schon größer sind, bereits auf benachbarte Strukturen (wie Harnröhre, Kitzler, Scheide) übergegriffen haben oder an mehreren Stellen auftreten, muss umfangreicher operiert werden. Es wird dann nicht nur das Krebsgewebe selbst mit einem Saum an gesundem Gewebe entfernt, sondern auch ein Teil oder die gesamte Vulva (zusammen mit dem darunterliegenden Fettgewebe). Die Vulva-Entfernung wird Vulvektomie genannt.

Im Rahmen dieses Eingriffs werden immer auch die Lymphknoten in der Leiste entfernt, weil die Gefahr groß ist, dass sie ebenfalls vom Krebs befallen sind. Wenn Gewebeuntersuchungen dies bestätigen, müssen auch die Lymphknoten des Beckens herausgeschnitten werden.

Risiken der Operation

Besonders bei kleinen Tumoren in der Nähe des Kitzlers oder der Harnröhre operiert man meist mit möglichst kleinen Randabständen zum gesunden Gewebe, um Kitzler und Harnröhre zu schonen. Wenn man aber zu wenig gesundes Gewebe am Rand herausschneidet, kann der Tumor zurückkehren.

Bei der kompletten Entfernung der Vulva hat etwa jede zweite Patientin hinterher mit Wundheilungsstörungen zu kämpfen. Weitere mögliche Folgen des radikalen Eingriffs sind zum Beispiel Empfindungsstörungen, Vernarbungen, Engstellen, Harnverlust und wiederkehrende Harnwegsinfekte.

Mit erheblichen Risiken ist auch bei der Entfernung aller Lymphknoten in der Leiste bzw. des Beckens zu rechnen. Betroffene Frauen leiden sehr oft an wiederkehrenden Lymphansammlungen, Lymphödemen in den Beinen und Entzündungen.

Strahlentherapie

Sind Lymphknoten in der Leiste oder im Becken vom Krebs befallen, werden diese Bereiche bestrahlt. Vulvakarzinome selbst sprechen im Allgemeinen nicht besonders gut auf eine Strahlentherapie an. Nichtsdestotrotz kann diese Behandlungsmethode in folgenden Fällen hilfreich sein:

  • Ergänzend zu einer Operation: Eine adjuvante Strahlentherapie wird nach einer Operation durchgeführt, etwa wenn der Tumor nicht vollständig oder nicht mit einem ausreichend großen Randsaum entfernt werden konnte. Eine neoadjuvante Strahlentherapie geht der OP voraus – sie soll einen Tumor, der aufgrund seiner Größe oder Lage (z.B. nahe am Enddarm) nicht operabel ist, so weit verkleinern, dass die chirugische Entfernung dann doch möglich ist.
  • Anstelle einer Operation: Es gibt auch Vulvakarzinome, die gar nicht operabel sind und nur bestrahlt werden (definitive Bestrahlung).

Um eine Strahlentherapie effektiver zu machen, kann sie mit einer Chemotherapie kombiniert werden. Mediziner sprechen hierbei von Radiochemotherapie.

Chemotherapie

Auch eine Chemotherapie ist bei einem Vulvakarzinom eher wenig wirksam. Deshalb wird sie in der Regel mit anderen Therapien kombiniert, etwa als Radiochemotherapie (alternativ oder ergänzend zur Operation). Zur Anwendung kommt die Chemotherapie hauptsächlich bei Vulvakrebs, der bereits Tochterabsiedelungen in weiter entfernten Körperregionen (Fernmetastasen) gebildet hat.

Unterstützende (supportive) Therapie

Hierunter fallen Therapiemaßnahmen, die therapie- oder tumorbedingte Symptome verhindern oder verringern sollen. Einige Beispiele:

Gegen Übelkeit und Erbrechen – mögliche Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie – werden antiemetische Medikamente gegeben. Auch Durchfall infolge von Bestrahlung oder Chemotherapie lässt sich medikamentös behandeln.

Eine Strahlentherapie im Urogenitalbereich kann eine akute Blasenentzündung auslösen. Dann helfen zum Beispiel krampflösende und schmerzlindernde Medikamente und gegebenenfalls Antibiotika.

Krebspatienten leiden oft unter Blutarmut (Anämie) – verursacht entweder vom Tumor selbst oder aber von der Tumortherapie. Zur Behandlung kann der Arzt zum Beispiel Bluttransfusionen verabreichen.

Bei Vulvakrebs im Endstadium ist keine Heilung mehr möglich. Therapiemaßnahmen wie Operation, (Radio-)Chemotherapie oder die Gabe von Schmerzmedikamenten haben hier vielmehr das Ziel, die Beschwerden der Patientin zu lindern, um so ihre Lebensqualität zu verbessern.

Vulvakarzinom: Vorbeugung

Ein Teil der Vulvakarzinom-Fälle entsteht im Zusammenhang mit einer chronischen HPV-Infektion. Wenn man also eine Ansteckung mit Humanen Papillomviren verhindert, beugt man VIN-Läsionen als möglichen Vorstufen von Vulvakrebs vor. Eine solche Ansteckung zu vermeiden, ist aber nicht leicht, weil die Viren weit verbreitet sind. Empfohlene Maßnahmen umfassen angemessene Hygiene und die Verwendung von Kondomen bei häufiger wechselnden Sexualpartnern – sowie in bestimmten Fällen die Schutzimpfung gegen HPV:

Die Impfung wird für alle Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren empfohlen, am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr, weil man sich beim Sex sehr schnell infiziert. Verpasste Impfungen sollten spätestens bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Im Einzelfall kann die HPV-Impfung auch zu einem späteren Zeitpunkt noch sinnvoll sein – Interessierte besprechen dies am besten mit ihrem Arzt (z.B. Frauenarzt).

Die HPV-Impfung bietet Schutz vor einer Ansteckung mit Hochrisiko-HPV-Typen – also Virustypen, die mit einem erhöhten Risiko für Krebs verbunden sind. Das betrifft in erster Linie Gebärmutterhalskrebs, aber beispielsweise auch Peniskrebs, Scheidenkrebs, Analkrebs und eben Vulvakrebs.

Wichtig ist auch, (mögliche) Krebsvorstufen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, darunter vor allem vulväre intraepitheliale Neoplasien (VIN): Diese Gewebeveränderungen im Schambereich haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen, besonders bei Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Kritisch sind dabei die Stadien VIN II und VIN III: Sie entwickeln sich in 15 bis 22 Prozent der Fälle über einen mittleren Zeitraum von drei bis vier Jahren weiter zu einem Vulvakarzinom.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C51
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Berufsverband der Frauenärzte & Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Gebrutshilfe: "Vulvakrebs/Vulvkarzinom" (Stand: 11.07.2018), unter: www.frauenaerzte-im-netz.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft: "Vulvakreb", unter: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 22.07.2021)
  • MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise: "Vulvakarzinom" (Stand: Februar 2019), unter: www.msdmanuals.com
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 22.07.2021)
  • S2k-Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Vulvakarzinoms und seiner Vorstufen" der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Stand: August 2015)
  • Weyerstahl, T. & Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2013
  • Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: "Krebs der Vulva (Vulvakarzinom)" (Stand: 14.04.2021), unter: www.krebsdaten.de
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich