Gynäkologische Untersuchung

Von Lena Machetanz, Ärztin
und , Medizinjournalistin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die gynäkologische Untersuchung, auch frauenärztliche Untersuchung genannt, dient der Vorsorge und Diagnose von Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie beinhaltet unter anderem ein Beratungsgespräch und eine vaginale Untersuchung. Lesen Sie hier mehr über die gynäkologische Untersuchung beim Frauenarztbesuch, Ablauf sowie Dauer der Untersuchung und wie oft sie durchgeführt werden sollte.

Gynäkologische Untersuchung

Was ist eine gynäkologische Untersuchung?

Die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung  ist eine wichtige Kontrolluntersuchung. Sie dient unter anderem der Früherkennung von Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs, bietet aber auch Beratung bei Fragen zu Themen wie Schwangerschaft, Regelblutung, Sexualität, Verhütung und Missbrauchserfahrungen.

Wann führt man eine gynäkologische Untersuchung durch?

Die gynäkologische Untersuchung ist in erster Linie eine Vorsorgeuntersuchung. Frauen sollten diese regelmässig wahrnehmen, insbesondere damit der Arzt frühzeitig bösartige Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane feststellen kann.

Abgesehen davon sollten Frauen auch dann zur gynäkologischen Untersuchung gehen, wenn sie Beschwerden haben. Folgende Symptome sind häufig Grund für die gynäkologische Untersuchung:

  • Schmerzen, Brennen oder Jucken im Genitalbereich, zum Beispiel beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr
  • Ausfluss aus der Scheide
  • Regelbeschwerden, zum Beispiel Schmerzen, sehr starke oder sehr lange Blutung
  • auffällige Veränderungen der Brust, zum Beispiel Knoten oder Verhärtungen

Der Frauenarzt ist ausserdem der richtige Ansprechpartner für Fragen zu Sexualität, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Verhütung.

Wie oft sollten Frauen zur Vorsorgeuntersuchung?

Eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung ist für Frauen ab 18 Jahren beziehungsweise nach Beginn der sexuellen Aktivität empfohlen. Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für die ersten beiden Untersuchungen im Jahresintervall und danach für Untersuchungen alle drei Jahre. Dies gilt, wenn die Untersuchungsbefunde unauffällig sind. Wenn nicht, erfolgen die gynäkologischen Untersuchungen in Zeitintervallen, wie sie von ärztlicher Seite als notwendig erachtet werden.

Die gynäkologische Untersuchung zu Lasten der Grundversicherung beinhaltet ein Arztgespräch (Anamnese), die Untersuchung der äusseren Genitalregion, die vaginale Tastuntersuchung, einen Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (wie Pap-Test) sowie die Tastuntersuchung der Brust. Mehr zu den einzelnen Massnahmen lesen Sie weiter unten.

Ein Gebärmutterhalsabstrich, wie er für den Pap-Test entnommen wird, kann auch auf Humane Papillomaviren untersucht werden (HPV-Test) - Erreger, die sehr oft an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. Die Kosten für den HPV-Test werden aber nicht von der Grundversicherung übernommen.

Gynäkologische Untersuchung bei Kindern

In folgenden Fällen ist eine Frauenarztuntersuchung bereits bei jungen Mädchen notwendig:

  • Schmerzen, Brennen, Ausfluss oder Juckreiz im Genitalbereich
  • Blutungen aus der Scheide vor Beginn der Regelblutung
  • Verdacht auf Fehlbildungen, Entwicklungsstörungen
  • Verdacht auf sexuellen Missbrauch

Meist genügt zur Abklärung dieser Beschwerden eine äussere Betrachtung der Genitalien, sodass keine Tastuntersuchung der Scheide notwendig ist.  

Gynäkologische Untersuchung: Ablauf

Vor der eigentlichen Untersuchung bittet der Arzt die Patientin, eine Urinprobe abzugeben. Der Urin wird mit einem Teststreifen auf Keime, Entzündungszeichen oder Blut untersucht. Bestehen Hinweise auf eine Schwangerschaft, lässt sich auch dies anhand des Urins überprüfen. Ist die Blase geleert, erleichtert das ausserdem die später folgende Ultraschalluntersuchung des Unterbauchs.

Beratungsgespräch und Erhebung der Krankengeschichte

Zu Beginn der Untersuchung beim Gynäkologen befragt der Arzt die Patientin nach aktuellen Beschwerden oder ungewöhnlichen Vorkommnissen. Ausserdem möchte er wissen, ob in der engeren Familie vermehrt  Brust- oder Gebärmutterhalskrebs aufgetreten ist - das kann ein wichtiger Hinweis für eine familiäre Vorbelastung sein. Weitere Themen, die der Frauenarzt anspricht und zu welchen er die Patientin berät, sind:

  • Regelmässigkeit, Stärke und Dauer der Regelblutung
  • Auftreten von Zwischenblutungen oder Scheidenausfluss
  • derzeitige Verhütung beziehungsweise Verhütungswunsch
  • Medikamenteneinnahme
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Sexualität und Partnerschaft

Gynäkologische Untersuchung der Genitalregion

Der Arzt bittet die Patientin nun, den Unterleib frei zu machen und auf dem gynäkologischen Stuhl Platz zu nehmen. Dabei handelt es sich um eine Liege mit leicht nach hinten gekipptem Rückenteil. Die Patientin liegt darauf mit leicht angehobenem Becken und gespreizten Beinen, wobei sie die Füsse bequem auf Stützen ablegen kann. Der Arzt erhält so einen ersten Blick auf die äusseren Geschlechtsorgane der Frau und kann bereits äusserliche Veränderungen wie zum Beispiel Rötungen, Auffälligkeiten der Schleimhaut, Verletzungen oder Fehlbildungen begutachten. Ausserdem tastet er die Lymphknoten der Leistenregion und den Unterbauch ab.

Gynäkologische Untersuchung vaginal

Um Scheide und Muttermund zu untersuchen, verwendet der Frauenarzt ein sogenanntes Spekulum. Das bestreicht er mit etwas Gleitmittel und führt es dann vorsichtig in die Scheide der Patientin ein. Durch Öffnen des Spekulums wird die Scheidenwand leicht gespreizt, sodass der Arzt freie Sicht auf das Scheidengewölbe und den Muttermund erhält.

Für eine genauere Untersuchung kann er den Scheidenkanal von aussen auch mit dem sogenannten Kolposkop untersuchen, einer Art Lupe mit kleiner Lichtquelle.

Zur Krebsfrüherkennung nimmt der Arzt aus dem Übergangsbereich von der Scheide zum Muttermund einen Abstrich, etwa für den sogenannten Pap-Test. Wie dieser abläuft und warum er so wichtig ist, lesen Sie im Beitrag Pap-Test.

Nachdem der Arzt die Instrumente wieder zurückgezogen hat, folgt die Tastuntersuchung der Scheide mit beiden Händen (bimanuelle Untersuchung): Zunächst führt der Frauenarzt seinen Zeigefinger vorsichtig ein und überprüft die Dehnbarkeit des Gewebes sowie das Vorliegen von Knoten, Vorwölbungen oder Verhärtungen.

Dann legt er zusätzlich seine zweite Hand auf die Bauchdecke im Bereich des Unterbauchs. So kann der Arzt die Gebärmutter und ihre Anhangsgebilde vorsichtig abtasten; bei jungen, schlanken Frauen im geschlechtsreifen Alter lassen sich so auch die Eierstöcke beurteilen. Wichtig ist auch die Überprüfung des Portio-Schiebeschmerzes: Der Arzt wackelt mit dem Finger an der Portio, das ist der Übergangsbereich zwischen Scheide und Gebärmutterhals. Ruft das Schmerzen hervor, kann eine Entzündung im kleinen Becken vorliegen.

Gynäkologische Untersuchung: Ultraschall

Nicht routinemässig bei einer gynäkologischen Untersuchung, sondern nur in bestimmten Fällen ist auch eine gynäkologische Ultraschalluntersuchung mit einem speziellen Schallkopf erforderlich. Dieser ist so geformt, dass er sich leicht in die Scheide einführen lässt. Der Frauenarzt kann dadurch die Wand und Schleimhaut der Gebärmutter, die Zyklusphase, die Eierstöcke und die Räume des kleinen Beckens beurteilen.

Gynäkologische Untersuchung der Brust

Im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung erfolgt auch eine Brustuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs oder anderen krankhaften Veränderungen. Dafür muss die Patientin ihr Oberteil und den BH ablegen. Der Arzt tastet die Brust auf Knoten, Verhärtungen oder Schmerzen ab. Ausserdem kann er der Patientin zeigen, wie sie selbst ihre Brust regelmässig untersuchen kann - das ist sinnvoll, da die Patientin so sehr früh Veränderungen feststellen und einen Arzt aufsuchen kann.

Ebenfalls der Früherkennung von Brustkrebs dient das Bruströntgen - Mammografie genannt. Ab dem vollendeten 50. Lebensjahr haben Frauen alle zwei Jahre Anspruch auf diese Untersuchung.

Was muss ich nach einer gynäkologischen Untersuchung beachten?

Nach dem Frauenarztbesuch sollten Sie Ihre Brust regelmässig selbst abtasten, so wie Ihr Arzt es Ihnen gezeigt hat. Das empfiehlt sich etwa einmal im Monat. Am einfachsten ist die Selbstuntersuchung zwischen dem dritten und siebten Tag nach Beginn Ihrer Regelblutung: Das Brustdrüsengewebe ist zu diesem Zeitpunkt besonders weich, sodass Gewebeveränderungen eher auffallen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Britta Bürger
Autoren:
Lena Machetanz
Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Baltzer, J. et al.: Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2006.
  • Behördenübergreifende Plattform oesterreich.gv.at: "Screeening-Programm: Brustkrebs-Früherkennung" (Stand: 01.09.2021), unter: www.oesterreich.gv.at (Abruf: 27.06.2022)
  • Breckwoldt, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe, 5. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2008.
  • Bundesministerium für Gesundheit, Deutschland: "Krebsfrüherkennung" (Stand: 08.06.2022), unter: www.bundesgesundheitsministerium.de (Abruf: 27.06.2022)
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: "Krebsvorsorge bei Gebärmutterhalskrebs" (Stand: 30.09.2019), unter: www.sozialministerium.at (Abruf: 27.06.2022)
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Gynäkologische Krebsfrüherkennung (Stand: 03.03.2022), unter: www.krebsgesellschaft.de (Abruf vom 27.06.2022)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, DKfZ: Brustkrebs-Früherkennung (Stand: 28.04.2017), unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abruf vom 27.06.2022)
  • Oppelt, P. G. und Dörr, H.-G.: Kinder- und Jugendgynäkologie, Georg Thieme Verlag, 2014
  • Österreichische Gesundheitskasse: "Österreichische Gesundheitskasse zum Weltkrebstag: Wichtige Untersuchungen retten Leben" (Stand: 03.02.2022), unter: www.gesundheitskasse.at (Abruf: 27.06.2022)
  • Schweizerische Eidgenossenschaft: "Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung" (Stand: 01.04.2022), unter: www.fedlex.admin.ch (Abruf: 27.06.2022)
  • Spital Thurgau: "Gynäkologische Vorsorgeuntersuchung", unter: www.stgag.ch (Abruf: 27.06.2022)
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