Nierensteine – Behandlung

Von , Medizinredakteurin und Biologin
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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Behandlung eines Nierensteins zielt entweder darauf ab, dessen spontanen Abgang abzuwarten oder ihn operativ zu entfernen. Zur operativen Entfernung eines Nierensteins stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, darunter Methoden, mit denen der Stein in einzelne Fragmente zerlegt und anschliessend entfernt wird. Eine offene Operation hingegen wird heute nur noch selten durchgeführt. Erfahren Sie hier, was bei Nierensteinen zu tun ist.

Frau hält sich Wärmflasche ans Becken

Wie werden Nierensteine behandelt?

Es gibt im Grunde zwei Herangehensweisen, die bei Nierensteinen helfen: Man wartet den spontanen Abgang eines Nierensteins ab oder greift aktiv ein. Bei der Entscheidung berücksichtigt der Arzt verschiedene Faktoren, zum Beispiel die Art und Schwere der Beschwerden, eventuell drohende Komplikationen (wie eine Blutvergiftung) sowie eventuelle Begleiterkrankungen.

Wie werden Nierensteine entfernt?

Wenn ein spontaner Abgang des Nierensteins nicht möglich ist (meist bei Steinen über sieben Millimeter Durchmesser), die Schmerzen unter den Schmerzmitteln nicht nachlassen oder eine Nierenschädigung droht, wird eine der nachfolgenden Therapien angewandt.

Die Auswahl der Therapie von Nierensteinen hängt unter anderem von der Zusammensetzung, Lage und Grösse des Steins ab. Besonders wichtig ist die Unterscheidung, ob der Stein noch im Nierenbecken liegt oder sich schon im Harnleiter befindet.

Wie lange eine Nierenstein-OP dauert, variiert von Fall zu Fall und hängt auch von der jeweiligen Behandlungsmethode ab.

Litholyse

Spezielle Substanzen lösen in manchen Fällen Nierengriess und Nierensteine auf. Sie werden entweder eingenommen (orale Aufnahme) oder über einen Katheter zugeführt.

Extrakorporale Stosswellen-Lithotripsie (ESWL)

Hierbei ortet der Arzt die Nierensteine zunächst mithilfe eines Ultraschalls oder einer Röntgendurchleuchtung. Dann werden gezielt von aussen mechanische Druckwellen darauf ausgerichtet (Stosswellentherapie), die das Körpergewebe durchdringen und die Nierensteine zerlegen. Die dabei entstehenden Fragmente gehen meist spontan ab.

Perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL)

Mit einer Punktionsnadel wird ein dünner Kanal von aussen zur Niere gebohrt. Durch den Kanal führt der Arzt ein optisches Instrument ein, um die Nierensteine zu zerlegen und zu entfernen.

Ureterorenoskopie (URS)

Diese Nierenstein-Operation wird bei Harnleitersteinen angewendet – also Nierensteinen, die in den Harnleiter gerutscht sind. Ein halbstarres oder flexibles, dünnes Rohr wird mit einem optischen Instrument (ähnlich wie bei einer Blasenspiegelung) über die Harnröhre in die Blase und weiter in den Harnleiter eingeführt. Über den Arbeitskanal des optischen Instruments führt der Operateur unterschiedliche Geräte (spezielle Sonden und Zangen) ein, mit deren Hilfe sich der Nierenstein in der OP zerlegen und entfernen lässt.

Manchmal wird im Rahmen der Nierenstein-OP ein Katheter als Platzhalter (Stent, Schiene) für einige Tage im Harnleiter belassen, um den natürlichen Abgang weiterer Nierenstein-Fragmente zu fördern.

Das Einsetzen einer entsprechenden Schiene (Harnleiterschiene) wird gegebenenfalls bereits vor einer geplanten Ureterorenoskopie in Erwägung gezogen. Dies ist nicht zwingend notwendig, erleichtert aber unter Umständen die Nierenstein-OP.

Schlingenextraktion

Bei dieser Methode führt der Arzt eine Schlinge über den Harnleiter ein und versucht, den Nierenstein damit herauszuziehen. Wegen der hohen Verletzungsgefahr kommt diese Behandlungsform heute nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Offene Operation oder Laparoskopie

Eine Nierenstein-Behandlung mittels offener Operation ist heute nur noch selten notwendig (etwa bei sehr grossen Steinen, die das Hohlsystem der Niere komplett ausfüllen).

Wie lange Patienten im Krankenhaus bleiben, nachdem bei ihnen ein Nierenstein zerlegt beziehungsweise entfernt wurde, ist individuell verschieden. Auch dazu, wie lange sie krank beziehungsweise krankgeschrieben sind, lässt sich keine pauschale Aussage machen.

Dies hängt sowohl von der durchgeführten Behandlungsmethode als auch vom Heilungsverlauf ab. Das gilt auch für die Schmerzen, die Betroffene nach einer Nierenstein-OP haben.

Behandlung auf konservativem Wege

Für Patienten besteht unter Umständen die Möglichkeit, in Absprache mit ihrem Arzt, den spontanen Abgang von Nierensteinen aktiv zu unterstützen. Die konservative Behandlung von Nierensteinen meint die Entfernung ohne Operation und umfasst vor allem folgende Massnahmen:

  • Reichliche Flüssigkeitsaufnahme (2,5 bis drei Liter pro Tag), bei Nierensteinen allerdings möglichst auf koffeinhaltigen Kaffee, schwarzen Tee sowie auf zuckerhaltige Limonaden und Cola-Getränke und alkoholhaltige Getränke verzichten
  • Wärmeanwendungen (Wärmflasche, Heizkissen, warme/heisse Bäder etc.)
  • Viel körperliche Bewegung wie Treppensteigen, Tanzen, Kniebeugen
  • Wenig purinreiche Lebensmittel (Innereien, manche Fischsorten wie Makrele), da Purine zu Harnsäure abgebaut werden (Harnsäuresteine)
  • Fleischkonsum einschränken (es ist ratsam, fünf bis sieben Portionen pro Woche nicht zu übersteigen)
  • Kochsalzarme Ernährung
  • Viel Gemüse und viele Früchte essen
  • Normale bis kalziumreiche Ernährung (800 Milligramm Kalzium pro Tag aus Milch und Milchprodukten)
  • Übergewicht abbauen
  • Krampflösende und schmerzstillende Medikamente bei Nierenkolik

Bei ausgeprägten Schmerzen der Nierenkolik verschreibt der Arzt bei normaler Nierenfunktion in der Regel Diclofenac. Erst wenn dieses nicht wirkt, kommen andere Schmerzmittel zum Einsatz.

Die Wirkung der konservativen Behandlung überprüft der Arzt regelmässig mittels Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchungen. Dabei lässt sich feststellen, ob der Nierenstein weiterwandert oder nicht und ob er Komplikationen (wie Harnstau) verursacht.

Welche Hausmittel können helfen?

Um Nierensteine auf natürliche Weise loszuwerden oder aufzulösen, werden in Ratgeberbüchern und im Internet verschiedene Hausmittel alternativ oder begleitend zur Schulmedizin empfohlen.

Dem in der Zitrone enthaltenen Zitrat wird beispielsweise eine reinigende Wirkung auf die Nieren nachgesagt. Es soll dabei helfen, Nierensteinen vorzubeugen. Allerdings fördert ein Überschuss an Vitamin C, welches unter anderem in Zitrusfrüchten und somit auch in Zitronen enthalten ist, wiederum die Entstehung von Nierensteinen.

Auch Bier soll helfen, Nierensteinen vorzubeugen, indem es die Harnwege durchspült.

Ob solche Hausmittel allerdings wirklich gegen Nierengriess und Nierensteine helfen, ist Umständen nicht wissenschaftlich belegt oder nicht ausreichend untersucht.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Wie Nierensteinen vorbeugen?

Um (neue) Nierensteine zu verhindern, ist es wichtig, dass Patienten ausreichend (circa zwei bis drei Liter täglich) trinken. Dabei wird vor allem abends zu einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme geraten, um nachts einen hochkonzentrierten Urin zu vermeiden. Alkohol, Kaffee und Tee gilt es, nur in Massen zu konsumieren. Bei Neigung zu kalziumhaltigen Steinen wird empfohlen, kalziumarmes Wasser zu bevorzugen.

Ein wichtiger Punkt ist ausserdem die Ernährung. Hier gelten folgende Empfehlungen:

  • Auf salz- und fettarme Ernährung achten
  • Aufnahme von tierischem Eiweiss einschränken
  • Pflanzliche Lebensmittel (wie Gemüse und Obst) bevorzugen, da sie den Harn basischer machen und Substanzen enthalten, welche die Nierenstein-Bildung hemmen
  • Purinreiche Lebensmittel (Innereien, manche Fischsorten wie Heringe, Makrelen, Sardellen etc.) meiden, weil Purine zu Harnsäure abgebaut werden und so die Bildung von Harnsäuresteinen begünstigen
  • Bei erhöhtem Risiko für oxalsäurehaltige Steine (Oxalatsteine) auf oxalsäurereiche Lebensmittel wie Kakao (Schokolade), Rhabarber, Rote Bete, Spinat, schwarzen Tee und Nüsse verzichten
  • Auf ausreichende Kalziumzufuhr achten, da dies paradoxerweise die Bildung von Kalziumoxalatsteinen vermindert; das gilt aber nur für das Kalzium in der Nahrung – kalziumhaltige Nahrungsergänzungsmittel hingegen fördern die Steinbildung

Neben kalziumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln begünstigt die medikamentöse Einnahme von Vitamin D die Entstehung von Kalziumoxalatsteinen. Die Entstehung von Phosphatsteinen wird hingegen durch Harnweginfekte und Harnsäuresteine beispielsweise durch Gicht begünstigt.

Diese Empfehlungen gelten vor allem für Menschen, die bereits Nierensteine hatten. Denn die Rückfallquote ist hoch – die Hälfte aller Patienten bekommt innerhalb von zehn Jahren erneut Nierensteine. Hier sind eine konsequente Ernährungsumstellung und gegebenenfalls eine zusätzliche medikamentöse Vorbeugung notwendig.

Medikamente zur Nierenstein-Vorbeugung

Je nach Zusammensetzung der früheren Nierensteine wird der Urin über Medikamente basischer gemacht oder angesäuert, oder es werden Thiazide, Allopurinol oder Mineralien gegeben. Alle diese chemischen Veränderungen zielen darauf ab, dass von der Niere ausgeschiedene Stoffwechselprodukte nicht als Kristalle ausfallen und sich nicht zusammenlagern.

Bei konsequenter Steinprophylaxe bilden sich in nur etwa fünf Prozent der Fälle erneut Nierensteine.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Heribert Schorn
Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
N20N13
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bankhofer, H. et al.: Meine ganz persönlichen Gesundheitstipps. Bassermann. 2. Auflage 2013
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 20.12.2021)
  • European Association of Urology (EAU): EAU Guidelines on Urolithiasis (Stand: März 2021), unter: uroweb.org
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, 11. Auflage 2022
  • Krieger, S.: Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker. Georg Thieme Verlag, 6. Auflage 2011
  • Kuhlmann, U. et al.: Nephrologie. Georg Thieme Verlag, 5. Auflage 2008
  • Leitlinie der Dt. Ges. f. Urologie (DGU): Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis (Stand: Mai 2019), unter: www.awmf.org
  • Lundgren, C.: Arzneimitteltherapie im Alter. Urban & Fischer Verlag, 1. Auflage 2018
  • New England Journal od Medicine, Vol. 350, Februar 2004
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer Verlag, 2. Auflage 2013
  • Ploch, S.: Zitrone – Multitalent für Gesundheit und Schönheit. Komplett-Media, 1. Auflage 2017
  • Richter, I.: Lehrbuch für Heilpraktiker – Medizinische und juristische Grundlagen. Urban & Fischer Verlag, 10. Auflage 2020
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