Beruhigungsmittel (Hypnotika, Sedativa)

Beruhigungsmittel
(Doucefleur / iStockphoto)

Medikamente, die zur Behandlung von Schlafstörungen, also Problemen beim Einschlafens und Durchschlafen, eingesetzt werden, bezeichnet man als Schlafmittel oder Hypnotika.

Beruhigungsmittel dienen zwar streng genommen in erster Linie der Therapie von Nervosität und Unruhe am Tage. Doch der Übergang zwischen den beiden Substanzgruppen ist fließend, da die Wirkstoffe zumeist sowohl beruhigend als auch – in höherer Dosierung – schlaffördernd wirken. Deshalb werden sie häufig unter dem Begriff Schlaf- und Beruhigungsmittel zusammengefasst.

Die wichtigsten Schlaf- und Beruhigungsmittel sind:

  • Benzodiazepine
  • Nicht-Benzodiazepin-Agonisten
  • Antihistaminika
  • Pflanzliche Beruhigungsmittel
  • Melatonin Präparate

Benzodiazepine

Benzodiazepine verstärken im Gehirn die Wirkung des Neurotransmitters GABA. Dadurch wirken sie angstlösend, muskelentspannend und beruhigend. Der bekannteste Wirkstoff der Benzodiazepine ist Diazepam, das unter dem Handelsnamen Valium ® vertrieben wird. 

++ Mehr zum Thema: Benzodiazepine ++

Nicht-Benzodiazepin-Agonisten (Nicht-Benzodiazepine)

Substanzen dieser Stoffgruppe gehören von ihrer chemischen Struktur her nicht zu den Benzodiazepinen, haben aber den gleichen Wirkort im Gehirn. Das heißt, auch die Nicht-Benzodiazepine greifen an den Rezeptoren an, die durch den hemmenden Neurotransmitter GABA aktiviert werden. Dementsprechend ähneln ihre Wirkungen denen der Benzodiazepine.

Allerdings liegt der Haupteffekt in der schlaffördernden Komponente. Die muskelentspannende, die krampflösende und die angstlösende Komponente fallen im Vergleich schwächer aus, wobei sich die einzelnen Präparate dieser Wirkstoffgruppe hier etwas unterscheiden.

In den letzten Jahren haben die Nicht-Benzodiazepine den Benzodiazepinen als Schlafmittel der ersten Wahl zunehmend den Rang abgelaufen. Der Grund ist, dass die Gewöhnungseffekte und die Gefahr der Abhängigkeit geringer ausgeprägt sein sollen. Daran gibt es aber inzwischen zunehmend Zweifel, nicht zuletzt aufgrund wissenschaftlicher Studien.

Mögliche Nebenwirkungen von Nicht-Benzodiazepinen

Deshalb gilt auch hier: Nicht-Benzodiazepine sollten nur über einen kurzen Zeitraum und in möglichst geringer Dosierung eingenommen werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen:

  • körperliche Abhängigkeitspotenzial
  • psychische Abhängigkeitpotenzial
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen

Antihistaminika als Beruhigungsmittel

Antihistaminika dienen eigentlich der Behandlung von Allergien. Allerdings haben bestimmte Vertreter dieser Stoffgruppe auch eine sedierende, müde machende Wirkung, die auf eine Hemmung der Effekte des Histamins an den H1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem zurückzuführen ist. Deshalb können diese sogenannten H1-Antihistaminika der ersten Generation auch als Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt werden.

Ihre schlaffördernde Wirkung ist aber deutlich geringer ausgeprägt als beispielsweise die der Benzodiazepine. Dementsprechend eignen sich Antihistaminika am ehesten bei leichten, nicht chronischen Schlafstörungen, wobei es fragwürdig ist, ob diese überhaupt einer medikamentösen Therapie bedürfen. Zumal die als Schlafmittel zugelassenen Antihistaminika zwar zum Teil rezeptfrei erhältlich, aber keineswegs frei von Nebenwirkungen sind.

Nebenwirkungen von Antihistaminen

Zu den unerwünschten Effekten zählen unter anderem:

Vor allem bei längerer Anwendung kann es Untersuchungen zufolge zu Gewöhnungsprozessen kommen. Dies legt nahe, dass auch die Antihistaminika ein gewisses Abhängigkeitspotenzial besitzen, wenn auch nicht in dem Maße wie etwa die Benzodiazepine.

Pflanzliche Beruhigungsmittel

Pflanzliche Beruhigungsmittel werden bereits seit tausenden Jahren eingesetzt. Baldrian, Hopfen oder Johanniskraut gelten bei vorrübergehender Einnahme als weitgehend frei von Nebenwirkungen.

++ Mehr zum Thema: Pflanzliche Beruhigungsmittel ++

Andere Schlaf- und Beruhigungsmittel

Chloralhydrat war das erste synthetisch hergestellte Schlafmittel überhaupt. Es wurde bereits 1832 entwickelt und lange Zeit ähnlich häufig eingesetzt wie später die Benzodiazepine. Heute wird das Medikament vor allem wegen seiner beträchtlichen Nebenwirkungen kaum noch verwendet.

Gar nicht mehr zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen sind die früher ebenfalls häufig als Beruhigungs- und Schlafmittel verabreichten Barbiturate. Grund dafür ist nicht nur die hohe Suchtgefahr, sondern auch, dass es sehr leicht zu tödlichen Überdosierungen kommen kann.

Melatonin gegen Schlafstörungen

Seit einigen Jahren ist in Österreich ein synthetisch hergestelltes Melatonin-Präparat als Arzneimittel zugelassen. Melatonin wird natürlicherweise von der Zirbeldrüse im Gehirn produziert und trägt maßgeblich zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus bei.

Angewendet werden darf das Medikament bei Patienten ab 55 Jahren mit primärer Insomnie, das heißt bei Schlafstörungen, die nicht durch eine körperliche oder psychiatrische Störung bedingt sind. Als häufigste Nebenwirkungen werden Reizbarkeit, Nervosität, Unruhe, Rastlosigkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung und Mundtrockenheit genannt.

++ Mehr zum Thema: Melatonin ++

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Herdegen T: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. Thieme Verlag, Stuttgart, 2. aktualisierte Auflage 2010

Gräfe KH: Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Thieme Verlag, Stuttgart, 1. Auflage 2011

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