Sotrovimab

Von , (Bio-)Chemiker
Dr. Maximilian Reindl

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

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Sotrovimab ist ein Antikörper-Präparat zur Behandlung einer Covid-19-Erkrankung. Es hält eine bedingte Zulassung für Erwachsene und jugendliche Risikopatienten ab einem Alter von 12 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf tragen. Wann das Antikörpermedikament geeignet ist und wie es wirkt, lesen Sie hier.

schematische Darstellung eines Antikörpers

Was ist Sotrovimab?

Sotrovimab ist ein Antikörpermedikament das speziell zur Behandlung von Covid-19 entwickelt wurde. Es ist seit Ende 2021 zur Behandlung von erwachsenen und jugendlichen Risikopatienten mit Vorerkrankungen zugelassen, die keine stationäre Versorgung im Krankenhaus benötigen – allerdings ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf tragen.

Es zeichnet sich innerhalb der Gruppe der Antikörpermedikamente durch eine hohe Wirksamkeit gegenüber der Delta- wie auch der Omikron-Variante des Coronavirus aus. Es schützt wirksam vor schweren Krankheitsverläufen sofern es rechtzeitig binnen der ersten fünf Tage nach einer bestätigten Covid-19-Diagnose angewandt wird.

Sobald Sotrovimab im Körper zirkuliert, bindet es gezielt das Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers und verhindert so, dass Coronaviren an die menschliche Zelle andocken und eindringen können. So kann die Vermehrung des Coronavirus im menschlichen Körper gebremst oder im besten Fall unterbunden werden.

Wie gut wirkt Sotrovimab?

Sotrovimab wirkt gegen eine breite Palette unterschiedlicher Coronavirus-Varianten. Die wichtigsten davon sind Delta (B.1.617.2) und Omikron (B.1.1.529). Die Schutzwirkung gegenüber der Delta-Variante ist sehr hoch.

Die Neutralisierung gegenüber der Omikron-Variante fällt zwar um den Faktor 3 geringer aus, jedoch bietet dies weiterhin eine gute Schutzwirkung. Grund hierfür: Die im Medikament enthaltenen künstlich hergestellten (monoklonalen) Antikörper erkennen eine ganz bestimmte Erkennungsstelle (Epitop) des Spike-Proteins auf der Aussenhülle von Sars-CoV-2. Dieses Epitop gilt als konserviert und weist daher über verschiedene Virus-Varianten hinweg Gemeinsamkeiten auf.

Sotrovimab schliesst damit eine Versorgungslücke im Bereich der Antikörper-basierten Therapien gegen Covid-19.

Sotrovimab wurde in drei Zulassungsstudien geprüft, wobei die sogenannte COMET-ICE-Studie erste belastbare Wirksamkeitsdaten lieferte. Es handelte sich um eine an mehreren Zentren durchgeführte Studie, die insgesamt 1057 Studienteilnehmer umfasste.

Eingeschlossen waren Erwachsene mit bestätigter Covid-19-Labordiagnose und leichter Covid-19-Symptomatik. Weder benötigten die Studienteilnehmer zum Behandlungsbeginn zusätzlichen Sauerstoff, noch war eine stationäre Versorgung im Krankenhaus nötig.

Allerdings lagen bei allen Teilnehmern Risikofaktoren für einen schweren Verlauf vor – etwa:

  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht (Adipositas mit einem BMI grösser als 30)
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Herzleiden
  • chronische Lungenerkrankungen (COPD), Asthma oder waren älter als 55 Jahre

Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt – die eine Gruppe erhielt eine einzelne 500-Milligram-Standardbehandlungsdosis mit Sotrovimab (528 Patienten), die andere erhielt Placebo (529 Patienten).

Im Vergleich beider Gruppen zeichnete sich ein um 79 Prozent verringertes (relatives) Risiko für eine Krankenhauseinweisung bei der Gabe von Sotrovimab ab.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Da Sotrovimab ein Medikament auf Antikörperbasis ist, gelten Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen als unwahrscheinlich. Grund hierfür ist, dass Sotrovimab nicht über die Niere ausgeschieden, oder durch Enzyme der Leber abgebaut, wird.

Allerdings geht auch die Gabe von Sotrovimab bei einem bestimmten Anteil behandelter Patienten mit Nebenwirkungen einher. Häufige unerwünschte Wirkungen sind (moderate) allergische Reaktionen, die eine von zehn Personen betreffen.

Typischerweise äussern sich die allergischen Reaktionen durch:

  • gerötete Hautpartien und Juckreiz (Pruritus)
  • geschwollene Hautpartien im Gesicht (Angioödem)
  • Kurzatmigkeit oder Husten (Bronchospasmus)
  • allgemeines Unwohlsein – ggf. mit Schwächegefühl, Übelkeit oder Kopfschmerzen
  • Hitzegefühl, fiebrige Reaktionen oder Schüttelfrost
  • selten individuell ausgeprägte Herz-Kreislauf-Beschwerden (Hypo- und Hypertonie, Tachykardie und Bradykardie)

Nur in äusserst seltenen Fällen wurden starke Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) im Nachgang einer Behandlung beobachtet.

Wie wird Sotrovimab angewendet?

Sotrovimab wird als einzelne intravenöse Infusion über einen Tropf verabreicht. Dies erfolgt in der Regel in einer medizinischen Einrichtung beziehungsweise stationär in einem Krankenhaus.

Der Behandlungsbeginn sollte so früh wie möglich nach bestätigter Covid-19-Diagnose erfolgen, um eine bestmögliche Wirkung zu entfalten – idealerweise innerhalb von fünf Tagen nach Symptombeginn.

Um Ihnen im Falle einer seltenen Überempfindlichkeitsreaktion die bestmögliche medizinische Versorgung zu bieten, werden behandelte Patienten in der Regel nach der Arzneimittelgabe für mindestens eine Stunde nachbeobachtet. So könnte das fachärztliche Personal schnell die geeigneten Massnahmen gegen eine anaphylaktische Reaktion einleiten.

Anwendung in der Schwangerschaft nur nach Risiko-Nutzen-Abwägung

Zur Anwendung von Sotrovimab in der Schwangerschaft liegen keine Daten vor. Es soll daher nur nach individueller Risiko-Nutzen-Einschätzung erwogen werden. Daten aus Tiermodellen liegen ebenfalls nicht vor.

Da Antikörper (IgG-Antikörper) in der Lage sind von der Plazenta in das Ungeborene überzugehen, kann ein gewisses Restrisiko für den Fötus zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Zudem können keine gesicherten Aussagen darüber getroffen werden, ob Sotrovimab im Speziellen in die Muttermilch übergeht – es ist zumindest naheliegend.

Ob dadurch der Schutz auf den Säugling mit übergeht oder mögliche seltene unerwünschte Reaktionen auftreten könnten, ist nicht untersucht. Die Anwendung sollte daher individuell nach ärztlicher Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen.

Wann wird Sotrovimab nicht eingesetzt?

Je frühzeitiger Sotrovimab angewandt wird, desto höher die Wirksamkeit. Bei einem zu späten Behandlungsbeginn sinkt die Wirksamkeit stark ab.

So zeigt Sotrovimab kaum einen zusätzlichen Nutzen bei Patienten, die bereits im Krankenhaus stationär behandelt werden mussten. Dies ist auch der Grund, warum das Präparat für die Anwendung bei hospitalisierten Patienten keine Zulassung hält.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

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