Coronavirus-Impfstoff Johnson & Johnson (Ad26.CoV2.S)

Von , (Bio-)Chemiker
und , Medizinredakteurin
Aktualisiert am
Dr. Maximilian Reindl

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Tanja Unterberger

Tanja Unterberger studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. 2015 begann sie ihre Arbeit als Medizinredakteurin bei NetDoktor in Österreich. Neben dem Schreiben von Fachtexten, Magazinartikeln sowie News bringt die Journalistin auch Erfahrung im Podcasting und in der Videoproduktion mit.

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Der Coronavirus-Impfstoff von Johnson & Johnson zählt zu den Vektorimpfstoffen. Er nahm im Kreis der verfügbaren Coronavirus-Impfstoffe eine Sonderstellung ein: Für eine vollständige Impfserie war eine Einzeldosis vorgesehen. Doch zeichnet sich nun ab, dass der vermittelte Impfschutz einer einzigen Impfdosis gegenüber der Omikron-Variante deutlich vermindert ist. Warum nun nicht nur eine Zweit-, sondern sogar eine Drittimpfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen wird, erfahren Sie hier.

Eine Ampulle mit Impfstoff.

Aktueller Stand zur Anwendung: Ist eine dritte Impfung notwendig?

Eine einzelne Impfdosis des Johnson & Johnson Impfstoffs reduziert zwar noch immer das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs. Dennoch mehren sich zahlreiche Berichte von Durchbruchsinfektionen.

Die Wirksamkeit einer Einzeldosis des Johnson & Johnson-Impfstoffs ist gegenüber der Omikron-Variante also (deutlich) herabgesetzt.

Daher passte die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) ihre Empfehlungen in den vergangenen Wochen und Monaten an: Derzeit (Stand: 21.01.2022) empfiehlt die EKIF, die Grundimmunisierung mit einer einzelnen Dosis des Impfstoffs von Johnson & Johnson mit einer Dosis mRNA-Impfstoff zu ergänzen. Wer sich aus medizinischen Gründen nicht mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen kann oder dies ablehnt, kann stattdessen auch eine zweite Dosis des Johnson & Johnson Impfstoffs erhalten (frühestens zwei Monate nach der letzten Dosis).

Eine dritte Impfung zur Auffrischung („Booster") ist frühestens vier Monate nach der letzten Impfdosis zur Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen. Grundsätzlich sollte die Auffrischimpfung dabei möglichst mit demjenigen mRNA-Impfstoff verabreicht werden, der für die Grundimmunisierung verwendet wurde.

Personen im Alter von 18 bis 29 Jahren empfiehlt die EKIF vorzugsweise die Auffrischimpfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Begründet wird diese Empfehlung damit, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen in dieser Altersgruppe nach der Impfung mit dem Moderna-Impfstoff häufiger vorkamen als nach der Biontech/Pfizer-Impfung

Wer sich aus medizinischen Gründen nicht mit einer dritten Dosis eines mRNA-Impfstoffs impfen lassen kann oder dies ablehnt, kann stattdessen auch eine Dosis des Johnson & Johnson Impfstoffs erhalten (ebenso frühestens vier Monate nach Grundimmunisierung).

Was ist Johnson & Johnson für ein Impfstoff?

Der Impfstoff Ad26.CoV2.S ist ein Vektorimpfstoff, den das belgische Pharmaunternehmen Janssen Pharmaceutical (in Deutschland: Janssen-Cilag GmbH) entwickelte – Janssen gehört zum US-amerikanischen Unternehmen Johnson & Johnson.

Ad26-CoV2.S ist der dritte zugelassene Coronavirus-Impfstoff in der Schweiz und der vierte in der Europäischen Union (EU). Er ist zunächst nur für Erwachsene vorgesehen. Eine Impfempfehlung für den Johnson & Johnson-Impfstoff in der Schweiz liegt seit dem 29. September 2021 vor und besitzt seit dem 11. März 2021 eine bedingte Zulassung für die EU. Die Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson ist in der Schweiz ab 18 Jahren zugelassen.

Wie gut wirkt der Johnson & Johnson-Impfstoff gegen Covid-19?

Laut den Zulassungsdokumenten besitzt der Johnson & Johnson-Impfstoff Ad26.COV2.S eine gemittelte Wirksamkeit von 66 Prozent gegenüber dem ursprünglichen (Wildtyp-)Coronavirus.

Zulassungsstudien: Wirksamkeit über alle Altersgruppen

Der Grossteil der 44.000 Studienteilnehmer der ENSEMBLE-Zulassungsstudie befand sich im Alter von 18 bis 59 Jahren. Doch einige Tausend Teilnehmer waren auch älter als 60 Jahre. Die Wirksamkeit des Impfstoffs liess sich folglich auch in dieser Altersgruppe, die besonders anfällig für schwere Verläufe ist, gut bestimmen.

Die Studienergebnisse deuteten an, dass der Impfstoff über alle Altersgruppen ähnlich wirksam ist. Das heisst, er ist im jungen Alter wohl ebenso wirkungsvoll wie bei älteren Personen ab dem 60. Lebensjahr.

Wirksamkeit des Johnson & Johnson-Impfstoffs gegen Virusvarianten

Der Johnson & Johnson-Impfstoff schützt auch gegen bestimmte Coronavirus-Varianten. Generell schwanken die Angaben zur Wirksamkeit (je nach betrachteter Studie jedoch) beträchtlich.

Nach derzeitiger Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA beträgt der Schutz vor symptomatischen Covid-19-Erkrankungen (einer Einzeldosis) gegenüber den jeweiligen Virusvarianten:

  • 70 Prozent gegenüber der Alpha-Variante
  • 52 Prozent gegenüber der Beta-Variante
  • 37 Prozent gegenüber der Gamma-Variante

Gegenüber der Delta-Variante zeigt der Johnson & Johnson Impfstoff (als Einzeldosis) eine deutlich verringerte Wirksamkeit vor Ansteckung. Dennoch verhindere das Vakzin wohl auch weiterhin schwere Verläufe.

Der Wirkungsverlust einer Einzeldosis gegenüber der nun vorherrschenden Omikron-Variante fällt dagegen stark aus. Eine Einzeldosis bietet keinen ausreichenden Schutz mehr vor Ansteckung mit Omikron. Laut Herstellerangaben kann eine doppelte Impfung (homologe Impfserie) mit dem J&J-Impfstoff den Schutz vor schweren Verläufen erneut auf hohe Werte anheben.

Oftmals folgt eine Auffrischimpfung in der Praxis jedoch einem gekreuzten Impfschema: Das heisst es wird zeitlich versetzt eine Kombination aus dem J&J-Impfstoff und anderen Coronavirus-Impfstoffen verabreicht – insbesondere mRNA-Impfstoffe bewährten sich in diesem Zusammenhang.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass die allgemeinen Angaben zur Wirksamkeit bisher zugelassener Coronavirus-Impfstoffe schwer miteinander vergleichbar sind. Die Zeiträume der jeweiligen (Zulassungs-)Studien unterscheiden sich. In einem frühen Stadium der Pandemie zirkulierten weit weniger Varianten des Erregers Sars-CoV-2 („Variants-of-Concern“) – diese Verteilung, beeinflusst die Angaben zu den jeweiligen studienbezogenen Wirksamkeitsangaben jedoch massgeblich.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen des Johnson & Johnson-Impfstoffs

Der Johnson & Johnson-Impfstoff Ad26.COV2.S wird von Experten als sicher und gut verträglich bewertet.

In den Zulassungsstudien gaben Geimpfte typische Impfnebenwirkungen wie Schwellungen an der Einstichstelle oder Fieber an. Nur sehr selten beobachteten Ärzte schwere unerwünschte Ereignisse, etwa starke Unverträglichkeitsreaktionen.

Typische Impfreaktionen

Rund die Hälfte aller Studienteilnehmer berichteten typische milde bis moderate Impfreaktionen. Zu den Nebenwirkungen des Johnson & Johnson-Impfstoffs zählen demnach:

  • Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle
  • Abgeschlagenheit
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Fiebrige Reaktionen
  • Frösteln

Diese Impfreaktionen können auch nach anderen Impfungen wie die gegen Masern oder Windpocken auftreten. Sie beruhen darauf, dass das Abwehrsystem auf die Impfung reagiert.

Impfreaktionen klingen üblicherweise binnen Stunden oder weniger Tage wieder ab. Sie betreffen jüngere Personen häufiger als ältere Impflinge über 60 Jahre.

Weiterführende Informationen zu den typischen Impfreaktionen finden Sie in ausführlicher Form hier.

Impfung in der Schwangerschaft?

Es liegen noch keine ausreichenden Daten vor, die Auskunft über die Sicherheit oder Wirksamkeit in der Schwangerschaft geben. Es ist nicht bekannt, ob der Johnson & Johnson-Impfstoff Ad26.COV2.S in die Muttermilch übergeht.

Impfung von Kindern und Jugendlichen

Die vorliegenden Zulassungsstudien schlossen Personen ein, die mindestens 18 Jahre alt waren. Folglich gibt es noch keine Daten zu Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Nebenwirkungen für Kinder und Jugendliche jünger als 18 Jahre.

Impfung bei bestehenden Allergien?

Noch liegen keine Empfehlungen vor, ob sich Allergiker mit Ad26.COV2.S impfen lassen sollten. Leiden Sie jedoch unter bekannten Allergien, teilen Sie dies unbedingt Ihrem Impfarzt mit.

In der Regel gelten die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen: Lassen Sie sich mindestens 15 Minuten nach einer Impfung auf frühe Impfreaktionen medizinisch überwachen (z.B. im Impfzentrum oder in der Praxis). Das Fachpersonal kann dann plötzliche Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) rasch entgegenwirken.

Impfung im Krankheitsfall?

Sollten Sie akut erkrankt sein, also Fieber ab einem Wert von 38,5 Grad Celsius haben, sollte ein vereinbarter Impftermin verschoben werden. Eine Impfung kann dann nach einer Genesung erfolgen. Geben Sie dazu Ihrem impfenden Arzt rechtzeitig telefonisch Bescheid, um einen angesetzten Impftermin zu verschieben.

Eine leichte Erkältung – oder eine nur geringfügig erhöhte Temperatur – ist jedoch in der Regel kein Hindernis für eine Impfung.

Impfung bei Gerinnungshemmern?

Die Coronavirus-Impfung erfolgt immer in einen Muskel, üblicherweise in den Oberarm. Dabei könnten kleinere Blutgefässe getroffen werden. Teilen Sie daher Ihrem Arzt im Vorfeld einer Impfung mit, falls Sie gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulation) einnehmen oder spritzen.

In diesem Fall verabreicht Ihr Arzt den Impfstoff mit einer besonders dünnen Nadel und drückt anschliessend länger auf die Einstichstelle, um mögliche Blutungen und Blutergüsse zu vermeiden.

Impfung bei Immunschwäche?

Es liegen keine gesicherten Daten vor, wie der Johnson & Johnson-Impfstoff Ad26.COV2.S bei immungeschwächten Personen wirkt. Vermutlich ist eine verminderte Wirksamkeit zu erwarten, da das geschwächte Abwehrsystem Betroffener nur bedingt auf eine Impfung reagieren kann.

Eine besondere Gefahr für Immunschwache ist hingegen nicht anzunehmen, da es sich nicht um eine Lebendimpfung handelt.

Gefahren einer Überdosierung?

Fälle von Überdosierungen wurden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gemeldet. Aus den Zulassungsstudien geht jedoch hervor, dass auch eine um den Faktor zwei erhöhte Dosis gut von den Impflingen vertragen wurde.

Allerdings berichteten diejenigen Personen, die eine erhöhte Dosis erhielten von verstärkten typischen Impfreaktionen wie vermehrten Schmerzen an der Einstichstelle, sowie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder fiebrigen Reaktionen.

Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit?

Einige der typischen Impfreaktionen – etwa Abgeschlagenheit oder Müdigkeit – könnten möglicherweise Ihre Verkehrstüchtigkeit vorübergehend einschränken. In solchen Fällen ist es ratsam zu warten, bis die Wirkungen abgeklungen sind, bevor Sie sich ans Steuer setzen.

In der Regel beeinträchtigt der Coronavirus-Impfstoff von Johnson & Johnson Ihre Fahrtüchtigkeit – nach aktueller Datenlage – jedoch nicht.

Sehr seltene Impfkomplikationen

Wie bei allen Impfstoffen, können vereinzelte Komplikationen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Seit der Einführung des Johnson & Johnson Präparats traten in diesem Zusammenhang in sehr seltenen Fällen Blutgerinnungsstörungen auf.

Anzeichen für solche Komplikationen sind beispielsweise schwere (lang) anhaltende Kopfschmerzen, Krampfanfälle, verschwommenes Sehen, unerklärliche Blutungen sowie unerklärliche Blutergüsse auf der Haut – besonders an anderen Körperpartien als der eigentlichen Einstichstelle.

Auch können (ausgeprägte) Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltende Bauchschmerzen ein Hinweis auf mögliche Komplikationen sein.

Solche Komplikationen treten in der Regel in einem Zeitraum von bis zu drei Wochen nach erfolgter Impfung auf. Nehmen Sie in solchen Fällen umgehend Kontakt mit einem Arzt auf, da Blutgerinnungsstörungen unbehandelt sehr gefährlich sein können!

Zur Gruppe der beobachteten Blutgerinnungsstörungen zählen:

Venöse Thromboembolie: In sehr seltenen Fällen beobachteten Ärzte die Bildung von Blutgerinnseln im Nachgang einer Impfung, die zu einem Gefässverschluss führten. Personen, die ein allgemein erhöhtes Risiko für Thrombosen tragen, sollten dies unbedingt ihrem impfenden Arzt im Vorfeld einer Impfung mitteilen.

Immunthrombozytopenie: Dies ist eine Nebenwirkung, die mit einer sehr niedrigen Zahl an Blutplättchen und ungewöhnlichen Blutungen einhergeht.

Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom: Hierbei handelt es sich um eine Komplikation, die mit der Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Kombination mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) einhergeht. Die Blutgerinnsel können in schweren Fällen an ungewöhnlichen Stellen des Körpers auftreten – etwa in bestimmten Arealen des Gehirns (sog. Sinusvenenthrombosen), aber auch in den Milz-, Leber- und Darmvenen.

Die Häufigkeit solcher Komplikationen beträgt – zum Stichtag des 20. September 2021 – eine Person bei rund 217.000 verabreichter Impfdosen des Johnson & Johnson Impfstoffs. Anders gesprochen wurden in Summe seit Beginn der Impfkampagne insgesamt 13 Fälle bei rund drei Millionen verabreichter Impfdosen beobachtet.

Die Symptome können innerhalb von drei Wochen nach erfolgter Impfung auftreten und sind entgegen ersten Annahmen geschlechtsunabhängig. Der Grund für die beobachteten Symptome wird in einer fälschlicherweise aktivierten Gerinnungskaskade gesehen. Diese wird durch vorübergehend auftretende Antikörper gegen den sogenannten Plättchenfaktor 4 vermittelt.

Der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA liegen zudem vereinzelte Berichte zur seltenen neurologischen Komplikation des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) vor. Gemäss Mitteilung der FDA entwickelten Betroffene typische GBS-Symptome im Zeitraum von 42 Tagen nach Impfung. Derzeit sei jedoch noch nicht klar, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit der Gabe des Vakzins besteht.

Weiterführende Informationen zum Guillain-Barré-Syndroms finden Sie hier.

Gegenanzeige bei vorherigem Kapillarlecksyndrom

Gemäss einer Mitteilung des Herstellers Janssen-Cilag vom 19. Juli 2021 wurde, mit einer Häufigkeit von einem Fall auf rund sechs Millionen verabreichter Impfdosen, ein sogenanntes Kapillarlecksyndrom (CLS) beobachtet.

CLS zählt zu den seltenen Erkrankungen, bei denen die Funktion der Blut- und Lymphgefässe gestört ist.

Die Blutgefässe von Betroffenen werden dabei durchlässig, so dass Flüssigkeit in die Gewebe strömt. Dadurch fällt der Blutdruck in Folge rasch ab. Es tritt eine fortschreitende Schwellung der Arme und Beine ein. Diese veränderte Flüssigkeitsverteilung in den Geweben kann zu Schock oder sogar Organversagen führen.

Es handelt sich um eine sehr seltene Nebenwirkung, die nun in die aktualisierten Produktinformationen aufgenommen wurde. Ärzte klären nun also im Vorfeld ab, ob bereits in der Vergangenheit CLS-Episoden aufgetreten sind. In einem solchen Fall weichen Ärzte auf einen alternativen Coronavirus-Impfstoff aus.

Anwendung

Ärzte verabreichen den Johnson & Johnson-Impfstoff intramuskulär. Üblicherweise in den Deltamuskel des Oberarms. Eine einmalige Impfung ist beim Johnson & Johnson-Impfstoff nach aktueller Erkenntnis nicht ausreichend.

Prinzipiell ist der Johnson & Johnson-Impfstoff auch für eine Zweitimpfung in der Schweiz zugelassen. Eine zweite Dosis könnte mindestens zwei Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen.

In der Praxis empfiehlt die EKIF in der Schweiz allen Personen ab 18 Jahren jedoch als Folgeimpfungen mRNA-Impfstoffe – sowohl als Zweit- wie auch als Drittimpfung.

Transport und Haltbarkeit

Anders als die besonders empfindlichen mRNA-Impfstoffe ist Johnson & Johnsons Ad26.COV2.S weitaus stabiler. Er ist mindestens drei Monate bei zwei bis acht Grad Celsius haltbar. Bei sehr niedrigeren Temperaturen – also bei einer Temperatur von minus 20 Grad Celsius – ist er gemäss Herstellerangaben sogar zwei Jahre lagerfähig.

Demnach ist der Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson – mit Einschränkungen – deutlich unabhängiger von einer aufwändigen Kühlkette. Das erleichtert etwa Hausbesuche durch mobile Impfteams. Auch für den Einsatz in Arztpraxen wäre der Impfstoff somit geeignet.

Trotz einer höheren Stabilität verimpfen Ärzte eine angebrochene Ampulle idealerweise binnen zwei Stunden. Der Impfstoff selbst wird in gekühlten Ampullen ausgeliefert. Jede Ampulle beinhaltet jeweils fünf Impfdosen. Jede Impfdosis entspricht 0,5 Milliliter.

Wie wirkt der Johnson & Johnson-Impfstoff?

Der Johnson & Johnson Impfstoff ist der zweite Coronavirus-Impfstoff in den westlichen Ländern, der die sogenannte Vektortechnik einsetzt (Vektorimpfstoffe).

Ähnlich wie auch Vaxzevria (AZD1222) von AstraZeneca, enthält der Vektor die vollständige genetische Bauanleitung für das Spike-Protein, ein Eiweiss auf der Oberfläche von Sars-CoV-2. Durch die Impfung gelangt dieser Bauplan vorübergehend in menschliche Zellen.

Als Folge produzieren sie das virale Eiweissmolekül. Darauf reagiert das Immunsystem und „trainiert“ so für den tatsächlichen Kontakt mit dem Erreger Sars-CoV-2.

Vektor aus „Schnupfenviren“

Ad26.COV2.S basiert auf einer speziell von Janssen Pharmaceutical entwickelten Technologie. Anders als bei den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna liegt hier die genetische Information des Bauplans für das Spike-Protein in Form von DNA vor.

Um diese genetische Information in die menschliche Zelle zu befördern, benötigt man ein „Transportvehikel“. In Fachkreisen spricht man von einem Vektor.

Der Vektor des Johnson & Johnson-Impfstoffs stammt ursprünglich von einem harmlosen menschlichen Schnupfenvirus (Adenovirus) ab. Um als „Transportvirus“ funktionieren zu können, veränderten es die Wissenschaftler: Es ist nun nicht mehr in der Lage, sich selbstständig zu vermehren und so eine Krankheit auszulösen (nicht-replizierender Vektor).

Janssen/Johnson & Johnson sammelte mit dieser Technologie bereits sehr gute Erfahrungen. Der kürzlich in Europa zugelassene Ebola-Impfstoff beispielsweise – von der EMA zugelassen am 01. Juli 2020 – beruht auf derselben Technologie. Es liegen also bereits viele Angaben zu Sicherheit und Verträglichkeit dieser Impfstofftechnologie vor.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Tanja Unterberger
Tanja Unterberger

Tanja Unterberger studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. 2015 begann sie ihre Arbeit als Medizinredakteurin bei NetDoktor in Österreich. Neben dem Schreiben von Fachtexten, Magazinartikeln sowie News bringt die Journalistin auch Erfahrung im Podcasting und in der Videoproduktion mit.

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