TSH-Wert

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und , Ärztin
Dr. med. Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Der TSH-Wert (TSH basal) im Blut sagt viel über die Schilddrüsenfunktion aus: Veränderte TSH-Werte werden gemessen, wenn die Schilddrüse nicht mehr ausreichend oder aber zu viel Hormone produziert. Lesen Sie alles Wichtige über das Hormon TSH und seine Bedeutung.

Was ist der TSH-Wert?

Die Abkürzung TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyreotropin genannt. Dieses Hormon wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet, genauer gesagt im Hypophysenvorderlappen. Bei Bedarf wird das Hormon ins Blut abgegeben, um die Hormonproduktion in der Schilddrüse anzuregen.

Der TSH-Wert spiegelt also die Funktion der Schilddrüse wider: Höhere Werte werden gemessen, wenn die Hormonproduktion in der Schilddrüse angeregt werden muss, weil die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) noch Trijodthyronin (T3) zu niedrig sind.

Man spricht von einer TSH-Basalwert-Bestimmung, wenn die TSH-Konzentration für die Untersuchung nicht durch die Gabe andere Hormone künstlich stimuliert oder gebremst wird. Ist der TSH-Basalwert normal, kann man von einer normalen Schilddrüsenfunktion ausgehen.

Es ist wichtig zu wissen, dass der TSH-Wert auch natürlicherweise schwankt: Das TSH sinkt im Laufe des Tages bis zum Nachmittag und steigt dann bis Mitternacht wieder an. Darüber hinaus ist der Wert bei Kindern und älteren Menschen in der Regel höher.

Wann wird der TSH-Wert bestimmt?

Der TSH-Wert wird bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bestimmt.

Ausserdem wird er routinemässig vor allen Untersuchungen gemessen, bei denen die Patienten ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel erhalten. Ein solches darf nämlich nur dann verabreicht werden, wenn die Schilddrüsenfunktion nicht beeinträchtigt ist.

Auch vor einer Therapie mit Jod-haltigen Medikamenten (zum Beispiel zur Wundversorgung) sowie vor grösseren Eingriffen mit Vollnarkose wird die TSH-Konzentration im Blut bestimmt.

TSH-Wert: Kinderwunsch und Schwangerschaft

Wenn eine Frau mit Kinderwunsch nicht schwanger wird, ist ebenfalls eine Messung der TSH-Konzentration im Blut unerlässlich. Denn eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann die Funktion der Geschlechtsorgane beeinträchtigen und zur (vorübergehenden) Unfruchtbarkeit führen.

Zu Beginn einer Schwangerschaft ist es ebenfalls wichtig, den TSH-Blutwert zu kontrollieren. Der Grund: Das Ungeborene kann sich nur bei einem intakten Schilddrüsenstoffwechsel der Mutter gut entwickeln. Bei Neugeborenen wird drei Tage nach der Geburt der TSH-Wert im Blut bestimmt, um eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschliessen.

TSH-Normalwerte

TSH-Werte werden normalerweise in den Einheiten µIU/l oder mIU/l angegeben, also Menge beziehungsweise Einheiten pro Volumen. Abhängig vom Alter des Patienten gelten folgende Schilddrüsen-Normalwerte:

Alter

TSH-Normalwert

1. Lebenswoche

0,71 – 57,20 µIU/ml

1 Woche bis 1 Jahr

0,61 – 10,90 µIU/ml

1 bis 3 Jahre

0,60 – 5,80 µIU/ml

Erwachsene

0,27 – 4,20 µIU/ml

Diese Normwerte variieren abhängig vom Labor, da unterschiedliche Messmethoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Die TSH-Obergrenze für Erwachsene kann zum Beispiel zwischen 2,5 und 5,0 mIU/l liegen.

Menschen ab 70 Jahren haben generell höhere TSH-Normalwerte. Allerdings fehlen Studien, um einen konkreten Referenzbereich für Ältere anzugeben. Auch in der Schwangerschaft sind die TSH Werte verändert. Es gelten engere und niedrigere Referenzwerte:

Schwangerschaftsdrittel

TSH-Normalwert

1. Trimester

0,1 – 2,5 mIU/l

2. Trimester

0,2 – 3 ,0 mIU/l

3. Trimester

0,3 – 3,0 mIU/l

Wann ist der TSH-Wert zu niedrig?

Wenn der TSH-Wert zu niedrig ist, während die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone grenzwertig oder erhöht sind, steckt eine primäre Schilddrüsenüberfunktion (primäre Hyperthyreose) dahinter: Aufgrund einer Störung in der Schilddrüse selbst produziert diese vermehrt Schilddrüsenhormone. Die Hirnanhangsdrüse versucht gegenzusteuern, wodurch der TSH-Wert unter den Normbereich absinkt. Mögliche Ursachen dafür sind:

Wenn sowohl der TSH-Wert als auch die Blutwerte für die Schilddrüsenhormone erniedrigt sind, heisst das: Die Hirnanhangsdrüse bildet von sich aus zu wenig TSH (und nicht, weil T3 oder T4 erhöht sind). Mögliche Gründe dafür:

  • Funktionsstörung des Vorderlappens der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz), etwa aufgrund eines Tumors, einer Strahlentherapie oder einer Gehirnoperation (sekundäre Schilddrüsenunterfunktion)
  • selten: Funktionsstörung im Hypothalamus: Als übergeordnete Hirnregion steuert er die TSH-Ausschüttung aus der Hirnanhangsdrüse über den Botenstoff TRH (tertiäre Schilddrüsenunterfunktion)

Darüber hinaus gibt es einige Medikamente, welche die TSH-Ausschüttung aus der Hirnanhangsdrüse verringern können. Dazu zählen zum Beispiel Dopamin und Dopaminagonisten, die unter anderem zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden. Auch Morphin und Morphinabkömmlinge (starke Schmerzmittel), Glukokortikoide ("Kortison") und Heparin (Gerinnungshemmer) können den TSH-Wert absenken.

Wann ist der TSH-Wert zu hoch?

Ist die Konzentration von TSH-basal erhöht, während die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone erniedrigt sind, kann eine primäre Schilddrüsenunterfunktion der Grund sein: Dabei liegt eine Störung in der Schilddrüse selbst vor, aufgrund der zu wenig T3 und T4 produziert werden. Um dem entgegen zu wirken, schüttet die Hirnanhangsdrüse erhöhte Mengen an TSH aus. Mögliche Ursachen einer primären Hypothyreose sind:

  • chronischen Schilddrüsenentzündung, vor allem eine fortgeschrittene Hashimoto-Thyreoiditis
  • operative Teil- oder Komplettentfernung der Schilddrüse

Manchmal liegt auch eine sekundäre Schilddrüsenüberfunktion (sekundäre Hyperthyreose) vor, erkennbar daran, dass sowohl der TSH-Wert als auch die Schilddrüsenhormone erhöht sind: Der Fehler liegt hier in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse): Sie produziert zu viel TSH, wodurch auch die Hormonproduktion in der Schilddrüse übermässig angeregt wird. Der Grund hierfür kann ein Hypophysentumor oder eine Schilddrüsenhormonresistenz sein: Die Hypophyse passt dann die TSH-Produktion nicht mehr an die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone an.

Bestimmte Medikamente können ebenfalls den TSH-Wert übermässig ansteigen lassen. Dazu zählen zum Beispiel sogenannten Dopamin-Antagonisten wie Haloperidol. Das sind Wirkstoffe, die etwa in der Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Veränderter TSH-Wert: Was tun?

Ist der TSH-Basalwert erhöht oder erniedrigt, müssen als nächstes die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone bestimmt werden. Je nachdem, ob es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion oder um eine Überfunktion handelt, wird unterschiedlich therapiert.

Besteht der Verdacht, dass die Hirnanhangsdrüse gestört ist, wird meistens ein TRH-Test durchgeführt. TRH ist ein übergeordnetes Hormon aus dem Hypothalamus. Es regt die Hirnanhangsdrüse zur Ausschüttung von TSH an. So kann der Arzt feststellen, ob die Störung tatsächlich in der Hirnanhangsdrüse liegt, oder aber im Hypothalamus. Bestätigt sich der Verdacht, sind weitere Hormon-Untersuchungen nötig, sowie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels.

Wenn vor einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ein erniedrigter TSH-Wert gemessen wird, muss die Untersuchung verschoben werden (sofern als Alternative zu herkömmlichen Kontrastmitteln kein jodfreies Kontrastmittel zur Verfügung steht).

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autoren:
Dr. med.  Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Classen, M. et al.: Innere Medizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage, 2009
  • Dimpfl, T. et al.: Weiterbildung Gynäkologie und Geburtshilfe, Springer-Verlag, 2017
  • Dormann, A. et al.: Laborwerte, Elsevier Verlag, 8. Auflage, 2021
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag/De Gruyter, 2021
  • Leitlinie Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, Stand: Juni 2016, unter: www.degam.de (Abrufdatum: 25.03.2021)
  • Neumeister, B. et al.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Elsevier/Urban & Fischer, 4. Auflage, 2009
  • Thieme: Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft, unter: www.thieme.de (Abrufdatum: 25.03.2021)
  • Vieten, M.: Laborwerte verstehen leicht gemacht, Trias-Verlag, 2009
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