Hashimoto-Thyreoiditis

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Form der Schilddrüsenentzündung – sie macht etwa 80 Prozent aller Fälle von Thyreoiditis aus. Frauen erkranken etwa neunmal häufiger an einer Hashimoto-Thyreoiditis als Männer. In den meisten Fällen tritt die Krankheit im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Lesen Sie hier mehr zu Ursachen, Diagnose und Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis!

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Zwei Verlaufsformen

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird auch chronisch-lymphozytäre Thyreoiditis, chronische Thyreoiditis Hashimoto oder (seltener) Morbus Hashimoto genannt. Manchmal stösst man auch auf die Begriffe Autoimmunthyreoiditis, Hashimoto-Syndrom, Hashimoto-Krankheit oder die Kurzbezeichnung Hashimoto.

Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Das heisst, das eigene Immunsystem greift die Schilddrüse an. Die Patienten bilden sogenannte Autoantikörper, die ihre Schilddrüse zerstören. Mediziner grenzen klinische Fälle (mit Symptomen) von Fällen ab, in denen Menschen zwar Autoantikörper im Blut, aber trotzdem keine Probleme mit der Schilddrüse haben.

Es gibt zwei Verlaufsformen der Hashimoto-Thyreoiditis:

  • Bei der klassischen Form vergrössert sich die Schilddrüse (Struma-Bildung), büsst aber an Funktion ein.
  • Bei der atrophischen Form wird Schilddrüsengewebe zerstört und das Organ verkümmert.

Die atrophische Form der Hashimoto-Thyreoiditis wird häufiger beobachtet als die klassische Form. Die Hashimoto-Thyreoiditis verursacht auf Dauer eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hashimoto-Thyreoiditis: Ursachen und Risikofaktoren

Die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis ist autoimmun bedingt: Der Körper beginnt hier aus noch unbekannter Ursache Antikörper gegen Eiweisse der Schilddrüse zu bilden. Das führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse.

Auf Dauer zerstört die Entzündung die Follikelzellen der Schilddrüse, die die Hormone T3 und T4 produzieren. Dadurch werden grosse Mengen an T3 und T4 freigesetzt. Der Patient kann vorübergehend Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion haben (Hashitoxikose). Mit der Zeit verschwindet dieser Effekt jedoch.

Danach produziert die beschädigte Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone, was eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zur Folge hat. Tatsächlich ist die Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Ursache einer Hypothyreose.

Die Hashimoto-Thyreoiditis kann familiär gehäuft auftreten. Auch wenn die genaue Entstehung unklar ist, scheinen Genveränderungen einer Hashimoto-Krankheit zugrunde zu liegen. Kommen weitere Faktoren hinzu, beispielsweise Infektionen (v.a. Leberentzündung vom Typ C/Hepatitis C) oder Stress, begünstigt das die Krankheitsentstehung. Ein Überschuss an Jod sowie Rauchen erhöhen das Erkrankungsrisiko zusätzlich.

Ebenfalls eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt offenbar die das Geschlecht. Mediziner gehen davon aus, dass die weiblichen Östrogene Hashimoto begünstigen, wohingegen Progesteron und Testosteron entgegenwirken.

Manchmal leiden Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zusätzlich noch an weiteren Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Addison, Typ-1-Diabetes, Zöliakie oder einer schweren Form von Blutarmut (perniziöse Anämie).

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine häufige Erkrankung, etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, überwiegend Frauen (etwa neun Mal häufiger als Männer). Die Krankheit tritt meist im Alter von 30 bis 50 Jahren auf.

Hashimoto-Thyreoiditis: Symptome

Eine Hashimoto-Thyreoiditis verläuft schmerzlos. Auch sonst treten kaum Symptome auf, weshalb die Erkrankung oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird – dann, wenn sie zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) geführt hat. Es treten dann deutlichere Beschwerden auf wie etwa:

  • ständige Müdigkeit, Schwäche und Abgeschlagenheit
  • Desinteresse und Unlust
  • Konzentrationsprobleme und Gedächtnisschwäche
  • Heiserkeit
  • Kälteüberempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährungsgewohnheiten
  • trockene Haut und brüchige Nägel
  • spröde Haare und vermehrter Haarausfall
  • Zyklusstörungen und verminderte Fruchtbarkeit
  • erhöhte Blutfettwerte

Anfangsstadium mit Schilddrüsenüberfunktion

Im Anfangsstadium der Erkrankung können Patienten auch vorübergehend eine Schilddrüsenüberfunktion haben. Mögliche Symptome sind:

Diese Symptome legen sich aber nach einiger Zeit und es entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hashimoto-Enzephalopathie

Im Zusammenhang mit einer Hashimoto-Thyreoiditis kann sich eine Erkrankung des Gehirns entwickeln. Diese Hashimoto-Enzephalopathie führt zu vielfältigen neurologischen und psychiatrischen Symptomen wie kognitiven Defiziten, Verwirrtheitszuständen, Psychosen, vorübergehender Schläfrigkeit bis hin zu Koma, epileptischen Anfällen und Bewegungsstörung (Ataxie). Auslöser sind vermutlich jene Autoantikörper, die auch die Schilddrüse entzünden.

Hashimoto-Thyreoiditis: Diagnose

Am Anfang wird der Arzt in einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten dessen Krankengeschichte erheben (Anamnese). Es folgt die körperliche Untersuchung.

Eine anschliessende Blutuntersuchung kann eine Funktionsstörung der Schilddrüse feststellen. Dabei werden die Konzentration der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie jene desTSH gemessen. TSH ist ein Hormon der Hypophyse, welche die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt. Mehr zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut lesen Sie im Beitrag Schilddrüsenwerte.

Ausserdem wird die Blutprobe auf Autoantikörper gegen Eiweisse der Schilddrüse untersucht. Diese weisen auf eine Autoimmunerkrankung hin. Bei vielen Hashimoto-Thyreoiditis Patienten sind unter anderem Antikörper gegen zwei bestimmte Eiweisse zu finden: Thyreoperoxidase (TPO) und Thyreoglobulin (Tg). Beide spielen eine wichtige Rolle in der Produktion der Schilddrüsenhormone.

Eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse unterstützt als bildgebendes Verfahren die Hashimoto-Diagnose. So lautet der typische Befund bei Hashimoto: Schilddrüse kleiner als normal und mit einer gleichmässig dunklen Struktur im Ultraschall.

In seltenen Fällen macht der Arzt auch eine Schilddrüsenszintigrafie. Bei Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zeigt sich ein verminderter Stoffwechsel.

Mittels Feinnadelbiopsie kann der Arzt eine Gewebeprobe der Schilddrüse entnehmen, um sie genauer zu untersuchen: Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich im Gewebe deutlich mehr weisse Blutkörperchen finden als normalerweise.

Zur Abklärung einer Hashimoto-Enzephalopathie können noch weitere Untersuchungen notwendig werden wie zum Beispiel die Analyse einer Probe der Gehirnflüssigkeit (Liquor) sowie eine Messung der elektrischen Hirnaktivität (EEG).

Hashimoto-Thyreoiditis: Therapie

Es gibt keine Therapie gegen die Ursache von Hashimoto. Symptome, die sich durch die auftretende Schilddrüsenunterfunktion ergeben, lassen sich aber durch den Ersatz des fehlenden Schilddrüsenhormons behandeln: Die Patienten erhalten Tabletten mit dem künstlichen Hormon Levothyroxin. Es entspricht dem T4 und wird im Körper ins das Stoffwechsel-aktivere T3 umgewandelt.

Hat die Erkrankung zu einer Vergrösserung der Schilddrüse (Struma) geführt, wird das Organ (oder Teile davon) entfernt. Eine Hashimoto-Enzephalopathie lässt sich meist gut mit einem hochdosierten Kortison (Prednisolon) behandeln. Gegen die Hashimoto-Thyreoiditis ist Kortison jedoch nutzlos.

Manche Mediziner empfehlen ausserdem die Einnahme von Selen, wenn die Schilddrüsenwerte T3 und T4 normal sind. Die Studienlage ist jedoch nicht eindeutig.

Leben mit Hashimoto: Ernährung

Eine vermehrte Jodzufuhr kann bei der Entstehung von Hashimoto-Thyreoiditis eine Rolle spielen und möglicherweise auch den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen. Daher sollten Patienten mit Hashimoto Jod in zu hoher Dosis meiden.

Das heisst: Es sollten keine Jodtabletten eingenommen und die Jodzufuhr über die Nahrung im Auge behalten werden. Sehr reich an Jod sind zum Beispiel Seefische (wie Makrele, Hering, Seelachs), Meeresalgen und Meeresfrüchte.

Hashimoto-Behandlung in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft steigt der Hormonbedarf. Ärzte kontrollieren daher die Schilddrüsenwerte im Blut engmaschig und passen die Dosis der Thyroxin-Tabletten an. Das ist wichtig, damit sich das Kind normal entwickeln kann.

Experten empfehlen Schwangeren generell, zusätzlich Jod einzunehmen. Das gilt auch für Hashimoto-Patientinnen, die ihre Jodzufuhr sonst in Grenzen halten sollten. Vor der Einnahme halten Betroffene am besten Rücksprache mit ihrem Arzt.

Hashimoto bei Kindern und Jugendlichen

Bekommen Kinder und Jugendliche mit Hashimoto-Thyreoiditis einen Kropf (Struma) oder eine Schilddrüsenunterfunktion, wird der Arzt die Einnahme von Schilddrüsenhormonen verordnen.

Hashimoto-Thyreoiditis: Prognose

Der Krankheitsverlauf bei Hashimoto-Thyreoiditis lässt sich nicht vorhersagen. Nur selten bildet sich die Krankheit spontan zurück. Wichtig sind regelmässige Kontrollen der Schilddrüsenwerte. In der Schwangerschaft, aber auch im Alter verändert sich der Hormonbedarf.

Die durch die Entzündung bedingte Zerstörung von Schilddrüsengewebe lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Die Schilddrüsenunterfunktion, die sich im Zuge der Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt, erfordert eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Die meisten Patienten kommen damit gut zurecht und haben keine weiteren Einschränkungen sowie eine normale Lebenserwartung.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
E06
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Ahmadzadehfar, H.: Schilddrüse, novum publishing GmbH, 2011
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Hashimoto-Thyreoiditis - Ratgeber, unter: www.endokrinologie.net (Abrufdatum: 26.03.2021)
  • Herold, G. (Hrsg.): Innere Medizin, Eigenverlag/De Gruyter, 2021
  • Hoffmann, G.F.: Stoffwechselerkrankungen in der Neurologie, Georg Thieme Verlag, 2004
  • Hufschmidt, A. et al.: Neurologie compact, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Prinz, C.: Basiswissen Innere Medizin, Springer Verlag, 2012
  • Rinninger, F. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2010
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