Leben mit Schlaganfall

Von , Medizinredakteurin und Biologin
und , Biologin und Medizinredakteurin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

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Ein Schlaganfall verändert oft das ganze Leben – das des Betroffenen und jenes seiner Angehörigen. Kann und darf der Patient weiterhin Auto fahren? Wie sieht die berufliche Zukunft aus? Sind Urlaubsreisen möglich? Worauf haben Angehörige im alltäglichen Umgang mit Schlaganfall-Patienten zu achten? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Leben nach dem Schlaganfall finden Sie hier!

Leben mit Schlaganfall

Wie lässt sich das Leben nach dem Schlaganfall gestalten?

Die Diagnose Hirnschlag bedeutet für viele Betroffene, dass sich eine Menge in ihrem Leben ändert. Ein Schlaganfall ist eine ernste Erkrankung, die häufig schwere Folgen hat – dazu zählen körperliche sowie geistige Behinderungen. Diese bedeuten einerseits eine teils langjährige Therapie und Rehabilitation und andererseits Umstellungen im alltäglichen Leben.

Für manche Betroffene sind schon einfachste Dinge wie sich anzukleiden oder selbstständig zu essen auch mit abgeschlossener Reha weiterhin schwierig oder gar unmöglich. Da gilt es, die persönliche Umgebung an die neuen Bedingungen anzupassen, beispielsweise indem man den Wohnraum behindertengerecht umgestaltet oder pflegerische Hilfe in Anspruch nimmt. Oft kommen diese Aufgaben den Angehörigen zu, die dadurch ebenso betroffen sind wie der Schlaganfall-Patient selbst und entsprechende Unterstützung benötigen.

Je nach Ausmass der Erkrankung und Verlauf der Therapie sind manchmal auch nur vereinzelte Fähigkeiten wie das Auto- oder Radfahren eine gewisse Zeit lang beeinträchtigt. Hier gilt es, diese wieder zu trainieren und Sicherheit darin zu gewinnen. Aber auch wenn Sie möglicherweise nicht stark eingeschränkt sind, braucht es immer etwas Zeit, bis sich der gewohnte Alltag wieder einstellt.

Sowohl die Krankenkassen, Kranken-/Sozialversicherungen (AHV/IV) als auch Pflegedienste, Sozialämter und Selbsthilfegruppen sowie Gesundheits- und Behinderten-Organisationen stehen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen bei der Versorgung von Schlaganfall-Patienten und deren Angehörige.

Schlaganfall & Autofahren

Wenn Sie ein Auto fahren, ist Ihre Fahrtüchtigkeit nach einem Schlaganfall in gewisser Hinsicht zweifach beeinträchtigt. Zum einen besteht die Gefahr, dass Sie plötzlich einen erneuten Schlaganfall erleiden. Zum anderen besteht die Gefahr, dass Ihre Leistungsfähigkeit durch die Folgen des Schlaganfalls vermindert ist – etwa durch Lähmungen, Seh-Störungen oder eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit. In beiden Fällen gefährden Sie am Steuer eines Autos somit sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.

Selbstverantwortung gefordert

Der Gesetzgeber verlangt von allen Menschen mit Führerschein Eigenverantwortung – ob Schlaganfall-Patient oder nicht. Überprüfen Sie sich daher immer wieder selbst, ob Sie ein Fahrzeug sicher durch den Verkehr lenken. Nach einer Erkrankung wie einem Schlaganfall verlangt das Gesetz aber, dass Betroffene "in geeigneter Weise Vorsorge" treffen, damit sie am Lenkrad nicht zur Gefahr werden. Dazu gehört, dass sich Patienten sachkundige Hilfe holen.

Arzt fragen

Die erste Anlaufstelle ist Ihr behandelnder Arzt. Er ist in der Lage, einzuschätzen, ob Sie sich noch beziehungsweise schon wieder ans Steuer setzen sollten oder aus Sicherheitsgründen auf das Autofahren verzichten sollten. Dieser Verzicht ist entweder vorübergehend – solange bis Sie wieder fit genug zum Fahren ist – oder dauerhaft, etwa bei bleibenden Lähmungen.

Behörden informieren

Informieren Sie ausserdem das zuständige Strassenverkehrsamt freiwillig über den Schlaganfall. Beim Begutachtungszentrum Verkehrsmedizin (bzvm) haben Sie die Möglichkeit, sich für ein verkehrsmedizinisches Gutachten anzumelden, um Ihre Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen.

Erhält das Strassenverkehrsamt die Information über eine mögliche Einschränkung der Fahrtauglichkeit wegen einer schweren Erkrankung, ordnet es unter Umständen auch eine entsprechende Kontroll-Untersuchung an. Ein Experte des Strassenverkehrsamtes entscheidet dann, ob zum Beispiel zusätzliche Fahrstunden, der Gang zum Augenarzt oder weitere medizinische Gutachten erforderlich sind.

Meist entscheidet die Behörde auf Basis der Unterlagen, ob Sie (eventuell mit Auflagen beziehungsweise Beschränkungen) weiter Auto fahren dürfen oder Ihren Führerschein abgeben müssen.

Die verkehrsmedizinische Untersuchung

Die verkehrsmedizinische Untersuchung führen Begutachtungsstellen für Fahreignung durch. Eine solche zertifizierte Prüfstelle ist beispielsweise das Begutachtungszentrum Verkehrsmedizin (bzvm). Die Untersuchung gliedert sich in mehrere Teile:

  • Persönliches Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese) zu Beginn und teils zwischendurch (beispielsweise für ein Zweitgutachten)
  • Körperliche Untersuchung inklusive Augen-Test
  • Blut- und/oder Haar- sowie Urin-Analyse (abhängig vom Untersuchungsgrund)

Je nach Krankengeschichte holt der Prüfarzt mit Ihrer Zustimmung weitere Informationen von anderen behandelnden Ärzten ein, erstellt abschliessend das Gutachten und stellt es dem Strassenverkehrsamt zu.

Fahr-Test

Viele Schlaganfall-Patienten sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und brauchen ein umgerüstetes Fahrzeug. Das ist zum Beispiel ein Wagen mit einem Lenkrad-Knauf. Es gibt Fahrschulen, die auf Schlaganfall-Patienten spezialisiert sind und umgerüstete Autos haben, mit denen die Patienten Fahrstunden nehmen.

Die Kontrollfahrt führt ein Verkehrsexperte des Strassenverkehrsamtes mit Ihnen durch und erfolgt im realen Strassenverkehr. Sie dürfen eine Kontrollfahrt zudem nur einmal machen, eine Wiederholung ist ausgeschlossen. Die Fahrerlaubnis lässt sich danach lediglich über den normalen Weg im Rahmen der Fahrschule neu erwerben.

Die Entscheidung

Auf Basis der von Ihnen eingereichten Unterlagen entscheidet das Strassenverkehrsamt über Ihre Fahrtauglichkeit. Bestehen Zweifel, zieht die Behörde in der Regel die Fahrerlaubnis vorsorglich bis zur endgültigen Entscheidung ein.Im besten Fall kommt die Behörde zum Schluss, dass Sie Ihre Fahrerlaubnis ohne Einschränkung behalten dürfen.

Oft kommt es aber aufgrund des Gutachtens zu Auflagen beziehungsweise Beschränkungen und zu einem entsprechenden Eintrag in den Führerschein. So dürfen manche Personen nach einem Schlaganfall beispielsweise nur noch ein Auto mit speziell angepasster Lenkung fahren. Andere dürfen nicht mehr nachts oder auf Autobahnen unterwegs sein.

Kosten

Die verkehrsmedizinische Untersuchung kostet je nach Auftrag und Aufwand mehrere hundert bis zu 1.500 CHF, die von Schlaganfall-Patienten selbst zu zahlen sind. Eine (Teil-)Erstattung durch die Krankenkassen erfolgt nicht.

Gewissheit verschaffen

Obwohl es nicht ganz billig ist und die Führerscheinstelle Ihnen am Ende möglicherweise den Führerschein entzieht, lassen Sie nach einem Schlaganfall Ihre Fahrtauglichkeit unbedingt überprüfen. Eine objektive Einschätzung von Fachleuten bringt bei möglichen Selbstzweifeln Gewissheit.

Wichtig ist aber vor allem: Wer fahruntauglich ist und sich trotzdem ans Steuer setzt, gefährdet sich und andere, macht sich strafbar und riskiert seinen Versicherungsschutz.

Schlaganfall & Beruf

Für berufstätige Schlaganfall-Patienten stellt sich die Frage nach der beruflichen Zukunft. Sprechen Sie schon während der Rehabilitation mit Ihrem Arzt über eine mögliche Rückkehr in den Beruf beziehungsweise eine Neuorientierung.

Die wichtigsten Ansprechpartner bei solchen Fragen sind die Agentur für Arbeit und die Träger der Rentenversicherung. Sie fördern unter anderem Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung durch Einarbeitungs-Zuschüsse und Umschulung. Zentrale Aufgabe der beruflichen Rehabilitation ist es, die richtige Arbeit für Sie zu finden. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Rückkehr in den früheren Job (gegebenenfalls mit einer Anpassung des Arbeitsplatzes)
  • Stufenweise Wiedereingliederung (wie Teilzeitarbeit)
  • Arbeitsplatz-Wechsel innerhalb des bisherigen Betriebes
  • Umschulung in einen anderen Beruf
  • (Früh-)Pensionierung,
  • Bezug einer IV-Rente (Invaliditätsrente)

Ob für Sie die Möglichkeit besteht, dass Sie Ihre frühere Tätigkeit ganz oder teilweise wieder aufnehmen, hängt von Ihrem Beruf und dem Grad der körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen nach dem Schlaganfall ab. Daher gilt es festzustellen, ob und wie sich Ihre Fähigkeit zur Arbeit verbessert oder wiederherstellen lässt. Holen Sie sich ausführliche Beratung zu den Möglichkeiten der Arbeitsplatz-Anpassung, Umschulung oder Teilzeit-Beschäftigung.

Anspruch auf eine IV-Rente haben Sie beispielsweise, wenn Sie nach dem Infarkt mindestens ein Jahr lang zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig waren und dieser IV-Grad auch nach dem Jahr gleichbleibend oder schlechter ist. Ausserdem besteht frühestens sechs Monate nach Anmeldung ein Anspruch auf eine IV-Rente.

Schlaganfall & Reisen

Wenn Sie sich von Ihrem Schlaganfall erholt haben, dürfen Sie meist auch wieder in den Urlaub fahren. Sogar Flugreisen sind prinzipiell erlaubt. Es kommt aber vor allem darauf an, wie fit Sie sich fühlen. Überschätzen Sie Ihre Leistungsfähigkeit nicht – eine genaue Absprache mit dem Arzt ist wichtig. Er berücksichtigt auch eventuelle Begleit-Erkrankungen, die viele Schlaganfall-Patienten haben. Das ist zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit (KHK), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Bluthochdruck.

Generell gilt: Keine Extreme! Bergtouren über 2.500 Meter Meereshöhe, Tiefsee-Tauchen, eine Foto-Safari durch den Dschungel oder Kreuzfahrten in der Arktis sind keine geeigneten Reisepläne für Schlaganfall-Patienten.

Reise gut vorbereiten

Bereiten Sie sich gut auf die Reise vor. Buchen Sie zum Beispiel, falls notwendig, eine behindertengerechte Unterkunft. Informieren Sie sich über die medizinische Versorgung vor Ort. Erkundigen Sie sich beim Arzt über empfohlene Impfungen. Lassen Sie sich ausserdem von ihm ein Attest über Ihre Diagnose und Behandlung ausstellen (eventuell in Englisch).

Achten Sie auch darauf, dass Sie ausreichende Mengen aller Medikamente (oder entsprechende Rezepte) mitnehmen, die Sie regelmässig einnehmen müssen (wie Gerinnungs-Hemmer oder Blutdrucksenker). Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wie Sie die Medikamente richtig transportieren und lagern.

Vor Reisen ins Ausland ist es ratsam, eine Auslands-Krankenversicherung mit Rücktransport im Krankheitsfall abzuschliessen. Das erspart Ihnen im Notfall hohe Kosten!

Gesund unterwegs

Um Ihr Herz-Kreislauf-System nicht zu überlasten, vermeiden Sie lange Auto- oder Busfahrten bei extremer Hitze. Ungünstig für Herz und Kreislauf sind auch starke Temperatur-Unterschiede, etwa zwischen der Aussentemperatur und der klimatisierten Luft im Hotelzimmer oder im Auto.

Langes Sitzen (etwa im Bus, Auto oder Flugzeug) bremst den Blutfluss in den Bein-Venen. Das begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln, die dann möglicherweise ein Gefäss verstopfen. Regelmässiges Bewegen der Füsse und Beine und das Tragen von Stütz- oder Kompressions-Strümpfen wirkt dem entgegen. Verzichten Sie zudem darauf, die Beine übereinander zu schlagen, und trinken Sie ausreichend.

Teilen Sie benötigte Medikamente auf Ihr Hand- und Reisegepäck auf, für den Fall, dass eines der Gepäckstücke verloren geht. Achten Sie am Urlaubsort auch darauf, dass Sie die Medikamente richtig lagern (wie im Beipackzettel angegeben), damit sie nicht an Wirksamkeit einbüssen.

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Die Folgen eines Schlaganfalls betreffen nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Menschen, die deren Leben teilen. Die Angehörigen benötigen meist viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen. Ausserdem ist es oft notwendig, dass sie ihr eigenes Leben komplett umkrempeln, um bei der Versorgung des Patienten zu helfen. In manchen Fällen stossen auch Pflegekräfte oder Therapeuten an ihre Grenzen und benötigen die Unterstützung der Angehörigen.

Der Fremde im eigenen Haus

Besonders problematisch ist es für Angehörige von Schlaganfall-Patienten, wenn sich durch die Erkrankung die Persönlichkeit eines vertrauten Menschen verändert. Auf die Hilflosigkeit und den plötzlichen Wegfall der eigenen Fähigkeiten reagieren viele Betroffene zunächst mit Verzweiflung und Depression, andere zeigen eher Aggressionen.

Manchmal ist infolge des Hirninfarkts auch die Gefühls-Kontrolle im Gehirn betroffen. Dann kommt es beispielsweise vor, dass der Erkrankte in unpassenden Situationen plötzlich lacht oder weint. Für Angehörige ist dies mitunter erheblich belastend. In solchen Momenten ist es wichtig, Aggressionen und Tränen nicht automatisch auf sich selbst zu beziehen.

Liebevoll und mit Respekt

Treffen Sie als Angehöriger keine Entscheidungen über den Kopf des Betroffenen hinweg. Besser ist es, den Patienten für sich selbst sprechen lassen. Das gilt vor allem dann, wenn es dem Betreffenden aufgrund des Schlaganfalls nicht mehr möglich ist, sich leicht verständlich zu machen. Geben Sie dem Patienten Zeit, sich mitzuteilen.

Zwischen Fordern und Helfen

Angehörige sind die wichtigsten Helfer für Schlaganfall-Patienten auf dem Rückweg in ein möglichst selbstständiges Leben. Denn die Therapiesitzungen allein reichen in der Regel nicht aus, um zum Beispiel Sprache, Aufmerksamkeits-Fähigkeit oder Bewegungskontrolle zurückzugewinnen.

Der ganze Alltag ist ein Trainingsparcours für die Betroffenen. Widerstehen Sie daher der Versuchung, den Betroffenen zu sehr zu bemuttern, ihm jeden Handschlag abzunehmen oder unvollständige Sätze für ihn zu Ende zu sprechen. Greifen Sie nur dann helfend ein, wenn der Betroffene überhaupt nicht dazu in der Lage ist, eine Situation alleine zu bewältigen oder zu erschöpft dazu ist.

Manche Angehörige machen auf der anderen Seite den Fehler, den Tag in ein Dauer-Training zu verwandeln. Das überfordert den Patienten unter Umständen vollkommen. Das Leben mit einer Behinderung ist vor allem anfangs sehr anstrengend, Ruhepausen sind darum dringend notwendig.

Selbstvertrauen und Lebensfreude stärken

Ein Schlaganfall raubt einem Menschen viele Fähigkeiten, auf die er sich bislang verlassen und über die er sich definiert hat. Das nagt meist sehr am Selbstwertgefühl und an der Lebensfreude. Angehörige leisten somit einen wichtigen Beitrag, indem sie etwa mit gemeinsamen Unternehmungen, Ausflügen oder Treffen mit Freunden helfen, dass Betroffene verlorene Fähigkeiten zurückgewinnen. Aber Achtung: Für Menschen mit einer Aphasie (Sprach-Störung) sind viele alltägliche Situationen sehr anstrengend – dazu gehören vor allem laute Geräusch-Kulissen.

Umgang mit Aphasikern – Besonderheiten

Der Umgang mit Menschen, die unter einer eingeschränkten Sprach-Fähigkeit (Aphasie) leiden, ist für Angehörige wegen der Verständigungs-Probleme meist schwierig. Einige hilfreiche Tipps:

Dem Aphasiker nicht das Wort aus dem Mund nehmen: Menschen mit einer Aphasie sprechen oft stockend und suchen lange nach Worten. In dem Fall heisst es, abzuwarten, ob der Aphasiker den gesuchten Begriff nicht doch findet. Für ihn ist jedes sprachliche Erfolgserlebnis wichtig. Häufig gelingt es ihm, sich auszudrücken, wenn man ihm genügend Zeit lässt.

Die Kommunikation erleichtern: Sprechen Sie mit einem Aphasiker langsam und deutlich und unterstreichen Sie das Gesagte durch Mimik und Gesten.

Das Verständnis sichern: Manchmal ist jemand nicht sicher, einen Aphasiker richtig verstanden zu haben. Dann helfen einfache Ja-/Nein-Fragen, um sicherzustellen, dass man richtig liegt. Fragen Sie nach, ob er alles verstanden hat, wenn der Aphasiker verwirrt erscheint.

Nicht zu viel korrigieren: Korrigieren Sie nicht direkt, wenn ein Aphasiker Fehler beim Satzbau oder der Verwendung eines Begriffs macht. Denn das frustriert und verunsichert den Betroffenen zusätzlich. Manche Aphasiker weigern sich dann aus Angst vor beschämenden Fehlern, überhaupt noch zu sprechen.

Den Kontakt mit anderen erleichtern: Die meisten Menschen sind in der Begegnung mit Aphasikern zunächst unsicher. Ermutigen Sie als Angehörige andere Menschen, mit dem Schlaganfall-Patienten zu kommunizieren, und helfen Sie ihnen dabei mit eigenen Tipps und Erfahrungen weiter.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Christiane Fux
Autoren:

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

ICD-Codes:
I63I66I64I61I67I69I62I65I68I60
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Allgemeiner Deutscher Automobil-Club (ADAC) e.V.: AutoRecht aktuell: Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) (Stand: April 2018), unter: www.adac.de (Abrufdatum: 10.03.2022)
  • Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen: www.behindertenbeauftragte.de (Abruf: 28.02.2018)
  • Berufsverbände für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland: Informationen für Angehörige von Schlaganfallpatienten, unter: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de (Abrufdatum: 10.03.2022)
  • Bundesagentur für Arbeit: Was nach Unfall oder bei Erkrankung zu tun ist, unter: www.arbeitsagentur.de (Abrufdatum: 15.03.2022)
  • Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungs­renten, unter: www.deutsche-rentenversicherung.de (Abrufdatum: 15.03.2022)
  • Kompetenznetz Schlaganfall: Was ist ein Schlaganfall?, unter: www.kompetenznetz-schlaganfall.de (Abrufdatum: 10.03.2022)
  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Schlaganfall (Stand: Februar 2020), unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 15.03.2022)
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Autofahren nach Schlaganfall – Eine Anleitung zu mehr Mobilität. Broschüre (Stand: 05/2019), unter: www.schlaganfall-hilfe.de (Abrufdatum: 15.03.2022)
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Den Alltag trotz Schlaganfall meistern, unter: www.schlaganfall-hilfe.de (Abrufdatum: 10.03.2022)
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