Latexallergie

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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Bei einer Latexallergie reagiert das Immunsystem überschiessend auf Naturlatex oder synthetisch hergestellte Latexprodukte. Die Haut ist an der Kontaktstelle gerötet, juckt und brennt. Medizinisches Personal ist besonders häufig von einer Latexallergie betroffen. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen und zur Behandlung der Latexallergie.

Latexallergie Handschuhe

Kurzübersicht

  • Symptome: Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Schwellungen der Haut, am gesamten Körper möglich, Symptome entstehen sofort oder zeitverzögert; selten: lebensbedrohliche allergische Reaktion (anaphylaktischer Schock)
  • Behandlung: Latexkontakt vermeiden, Medikamente
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Allergie ist nicht heilbar, durch Meidung latexhaltiger Materialien Beschwerdefreiheit möglich
  • Ursachen und Risikofaktoren: Genaue Ursache nicht bekannt, Überreaktion des Immunsystems, erhöhtes Risiko bei bestimmten Berufen, frühem Kontakt mit Latex wie wiederholte OPs, Kreuzallergien
  • Diagnose: Arztgespräch, Hauttest (Prick-Test), Blutuntersuchung, evtl. Provokationstest
  • Vorbeugen: Frühen Kontakt mit Latex vermeiden, bei bekannter Latexallergie behandelnde Ärzte informieren, Allergiepass und Notfallmedikamente immer bei sich tragen

Was ist eine Latexallergie?

Bei einer Latexallergie handelt es sich um eine allergische Reaktion gegen Naturlatex oder synthetische Latexprodukte. Etwa ein bis zwei Prozent der weltweiten Bevölkerung sind von einer solchen Allergie betroffen. Sie zählt zu den häufigsten berufsbedingten Allergien und ist die zweithäufigste Ursache für eine schwere allergische Reaktion im Rahmen von Operationen.

Viele Personen, die von einer Latexallergie betroffen sind, arbeiten im medizinischen Bereich, da hier deutlich mehr Kontaktmöglichkeiten bestehen als in anderen Berufen. Auch Kinder, die mit einer Spina bifida auf die Welt kommen, haben ein erhöhtes Latexallergie-Risiko – vermutlich durch die wiederholten Operationen. Personen, die häufig Blasenkatheter erhalten, haben ebenso ein höheres Risiko für diese Allergie.

Naturlatex wird aus dem Kautschukbaum gewonnen. Es dient unter anderem der Herstellung von Pflastern, Einmalhandschuhen, Kathetern, Kanülen und weiteren medizinischen Produkten. Latex findet man aber auch in Gebrauchsgegenständen des alltäglichen Lebens, beispielsweise in Schnullern, Gummibündchen der Kleidung, Luftballons, Kondomen oder Wärmflaschen.

Die Latexallergie lässt sich in zwei verschiedene Allergie-Typen einteilen: Die schnelle vom "Soforttyp" (Typ 1) und die langsamere vom "Spättyp" (Typ 4).

  • Bei der Typ-1-Latexallergie reagiert der Körper meist innerhalb von Minuten mit allergischen Zeichen und produziert sogenannte IgE-Antikörper gegen bestimmte Eiweisse im Naturlatex.
  • Bei der Typ-4-Latexallergie sind Zusatzstoffe (Farbstoffe, Antioxidantien et cetera) im Latex die Auslöser der Allergie. Die Typ-4-Allergie tritt meistens erst einige Stunden nach Kontakt mit dem Latex auf. Sogenannte T-Lymphozyten des Immunsystems erkennen die Zusatzstoffe fälschlicherweise als gefährlich an und versuchen, sie abzuwehren.

Latexallergie: Kondome

Einige Menschen reagieren allergisch auf Latexkondome. Die Schleimhäute des Genitalbereichs sind besonders dünn und empfindlich. Dies trifft vor allem auf die weiblichen Geschlechtsorgane wie die Vagina zu, weshalb insbesondere Frauen schnell Symptome im Genitalbereich entwickeln. Männern sind auch betroffen, jedoch seltener. Abhilfe schaffen latexfreie Kondome.

Welche Symptome treten bei einer Latexallergie auf?

Die Symptome einer Latexallergie variieren stark und sind unter anderem davon abhängig, wie die Allergene den Menschen erreichen:

Typ-1-Latexallergie

Bei dieser allergischen Reaktion treten an der Stelle, an der die Haut mit Latex in Berührung kam, meist sofort stark juckende Quaddeln auf. Die Haut ist stark gerötet. Die Veränderungen breiten sich manchmal auf den ganzen Körper aus.

Dies gilt besonders bei den häufig in der Medizin verwendeten, gepuderten Latexhandschuhen. Hier wirbelt das Anziehen der Handschuhe die Allergene auf, wodurch Betroffene sie gelegentlich einatmen. Diese leiden dann unter Reizhusten bis hin zur Atemnot. Die Augen tränen, die Nase läuft. Manchmal löst die Latexallergie einen Asthma-Anfall aus.

Bei der Verwendung von latexhaltigen Kondomen sind insbesondere bei Frauen aufgrund der empfindlichen Schleimhaut im Genitalbereich folgende Symptome möglich:

  • Jucken
  • Brennen
  • Rötungen
  • Schwellungen

Ebenso ist dies bei Männern möglich. Durch die etwas weniger empfindliche Haut des Penis ist dies jedoch seltener der Fall.

Manchmal reagiert das Immunsystem zudem so überschiessend, dass das Kreislaufsystem des Körpers zusammenbricht. Der Blutdruck sinkt, die Bronchien ziehen sich zusammen. Die Betroffenen leiden unter starker Atemnot, Hustenreiz und Kreislaufproblemen bis hin zur Ohnmacht. In dem Fall spricht man von einem anaphylaktischen Schock. Dieser ist unter Umständen lebensgefährlich.

Der anaphylaktische oder allergische Schock ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige ärztliche Betreuung.

Typ-4-Latexallergie

Bei der Latexherstellung werden oftmals Zusatzstoffe hinzugefügt, die allergene Wirkung haben. Bei der Typ-4-Latexallergie treten meist erst nach mehr als zwölf Stunden Beschwerden auf. Die betroffene Hautstelle reagiert mit einer Rötung, Papeln- oder Bläschenbildung, in manchen Fällen mit zusätzlichem Juckreiz. Man spricht auch von einem Kontaktekzem.

Besteht der Kontakt zu den Zusatzstoffen weiterhin, besteht die Möglichkeit, dass das Ekzem chronisch wird. Die Hautstelle wird dicker, schuppig und rissig und ist anfälliger für Infektionen.

Auch bei diesem Allergietyp breiten sich die Hautveränderungen in manchen Fällen auf den ganzen Körper aus, und in seltenen Fällen kommt es zu einem anaphylaktischen Schock.

Wie wird eine Latexallergie behandelt?

Für Menschen, die an einer Latexallergie leiden, ist es wichtig, Kontakt zu Latex zu vermeiden. Latexfreie Handschuhe oder latexfreie Kondome sind mittlerweile überall erhältlich.

Sofern Sie als Betroffener im Beruf häufiger mit Latexprodukten zu tun haben, informieren Sie sich beim Betriebsarzt oder bei der Berufsgenossenschaft über Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz. Manchmal lässt sich ein Berufswechsel nicht vermeiden, um dem Latex zu entgehen.  

Medikamente bei Latexallergie

Ärzte setzen im Rahmen der Behandlung auch verschiedene Medikamente zur Linderung der Beschwerden bei einer Latexallergie ein. Antihistaminika beispielsweise hemmen die Bildung von sogenannten Histaminen. Spezielle Blut- oder Gewebezellen schütten Histamine bei einer Immunreaktion aus und heizen so die allergische Reaktion an. Sie sorgen unter anderem für einen unangenehmen Juckreiz.

Manchmal ist der Einsatz von Kortison in Salben oder Tablettenform erforderlich, um das Immunsystem zu drosseln. Bei einer schweren allergischen Reaktion, bei der der ganze Körper betroffen ist, sind Kortison und Antihistaminika Notfallmedikamente. Diese spritzt der Arzt dann über die Vene direkt in den Blutkreislauf.

Allergiepass und Notfallset

Es ist wichtig, dass jeder Allergiker einen Allergiepass bei sich trägt. In diesem Pass ist aufgelistet, auf welche Stoffe der Betroffene allergisch reagiert. Es empfiehlt sich, bei jedem Arzttermin den Allergiepass vorzuzeigen, sodass das medizinische Personal entsprechende latexfreie Produkte verwendet.

Zudem ist es je nach Schwere der Allergie erforderlich, dass Menschen mit Allergien ein Notfallset bei sich haben. Darin sind Medikamente enthalten, die bei einer ausgeprägten allergischen Reaktion das Immunsystem drosseln und den Kreislauf stabilisieren.

Wie entsteht eine Latexallergie?

Naturlatex selbst ist eine allergene Substanz. Das industriell hergestellte Latex beinhaltet ausserdem viele Zusatzstoffe wie Antioxidantien oder Farbstoffe, die manchmal Allergien auslösen.

Latex findet sich in vielen alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Luftballons, Kauringen, Turnschuhen und vielem mehr. Ein häufiger Kontakt führt bei manchen Menschen mit der Zeit zu einer "Sensibilisierung", das heisst der Körper entwickelt eine Immunabwehr gegen Latex oder seine Zusatzstoffe. Wenn er dann erneut der allergenen Substanz ausgesetzt wird, reagiert das Immunsystem übermässig.

Warum genau Allergien entstehen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Forscher gehen von einem Zusammenspiel vieler Faktoren als Ursache für Allergien aus.

Forscher haben herausgefunden, dass der besonders frühe Hautkontakt zu Latex einen Risikofaktor für die Entstehung einer Latexallergie darstellt. Beispielsweise wurden Babys mit einem "offenen Rücken" (Spina bifida) früher mit latexhaltigen Handschuhen operiert. Diese Kinder zeigten im höheren Lebensalter viel häufiger eine Latexallergie als Kinder ohne Spina bifida.

Ärzte vermuten, dass der frühe Kontakt zu Latex bei der Operation die Ursache für die Allergie-Entstehung ist.

Risikofaktoren

Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Latexallergie-Risiko:

  • Medizinisches Personal ist Latex sehr häufig ausgesetzt. Daher ist die Latexallergie in dieser Berufsgruppe verbreitet. Daneben zählen dazu unter anderem Raumpflegekräfte, Gärtner sowie Personal aus der Kautschukindustrie oder dem Friseurgewerbe.
  • Kamen Menschen durch medizinische Eingriffe häufig mit Latex in Kontakt, haben auch sie ein erhöhtes Risiko, eine Latexallergie zu entwickeln. Beispielsweise sind das Kinder mit Spina bifida, deren Behandlung meist viele Operationen umfasst.
  • Menschen, die häufig einen Blasenkatheter erhalten sowie Pflegebedürftige.
  • Wenn bereits eine Allergie oder eine andere Erkrankung mit einer überschiessenden Immunreaktion wie bei Asthma oder Neurodermitis besteht, geht das mit einer erhöhten Neigung für eine Latexallergie einher.

Latex im Alltag meiden

Da der Latexgehalt in vielen Gebrauchsgegenständen nicht ausreichend gekennzeichnet wird, ist es nicht leicht, Latex im Alltag vollständig zu meiden. Besonders häufig beinhalten folgende Produkte Latex:

  • Kondome und Diaphragma
  • Matratzen
  • Klebstoffe
  • Luftballons
  • Schnuller und Nuckelflaschen-Aufsätze
  • Radier- und Kaugummis
  • Gummibänder (in Kleidung eingenäht)
  • Schuhe
  • Haushaltshandschuhe
  • Autoreifen

Kreuzallergien bei Latexallergie

Patienten, die an einer Latexallergie leiden, reagieren teilweise auch allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel. Man spricht in diesen Fällen von einer Kreuzallergie. Banane, Kiwi, Feige oder Avocado sind häufige Auslöser. Auch bestimmte Pflanzen haben in vielen Fällen eine allergene Wirkung. Hierzu zählen der Maulbeerbaum, Gummibäume, Weihnachtssterne, Hanf oder Oleander.

Wie wird eine Latexallergie festgestellt?

Bei Verdacht auf eine Latexallergie ist es ratsam, sich an einen Arzt zu wenden. Dieser stellt zunächst einige Fragen, um das Risiko für eine Allergie abzuschätzen:

  • Was sind Ihre Beschwerden?
  • Leiden Sie unter anderen Allergien?
  • Welchem Beruf gehen Sie nach?

Im Anschluss folgt eine genaue Untersuchung der betroffenen Hautstelle. Dem Arzt stehen schliesslich einige Allergie-Tests zur Verfügung, mit deren Hilfe er die Latexallergie diagnostiziert.

Prick-Test

Beim Prick-Test wird die Haut zunächst an einigen Stellen leicht angeritzt. Anschliessend träufelt man verschiedene Allergene darauf. Nach 15 bis 20 Minuten lässt sich bereits erkennen, ob die Haut allergisch reagiert. Bei einer Latexallergie findet sich dann an der mit Latex beträufelten Stelle eine Rötung und/oder Schwellung.

RAST-Test

Beim RAST-Test wird dem Patienten Blut abgenommen, um zu sehen, ob Antikörper gegen Naturlatex darin vorhanden sind. Da sich die Antikörper nicht in jedem Fall nachweisen lassen, ist dieser Test aber weniger aussagekräftig als der Prick-Test.

Provokations-Test

Man führt diesen Test durch, um eine Latexallergie eindeutig zu diagnostizieren. Der Patient trägt für 20 Minuten einen Latexhandschuh. Wenn Symptome auftreten wie Hautveränderungen oder Kreislaufprobleme, wird der Handschuh sofort entfernt. Die Diagnose gilt als gesichert.

Da es manchmal zu gefährlichen Allergiesymptomen kommt, ist eine strenge Überwachung des Patienten beim Test notwendig.

Wie verläuft eine Latexallergie?

Eine Latexallergie ist nicht heilbar, aber mit entsprechenden Medikamten und vor allem der Meidung von Latexkontakt ist sie in den Griff zu bekommen.

Die Latexallergie entwickelt sich meist erst im höheren Alter und besteht dann in der Regel ein Leben lang. Für die Betroffenen ist es ratsam, den Kontakt mit Latex zu vermeiden, um symptomfrei zu bleiben. Manchmal bedeutet das einen Berufswechsel, um einem weiteren Kontakt zu Latex zu entgehen. Hier unterstützt die Berufsgenossenschaft beziehungsweise der Betriebsarzt.

Mittlerweile gibt es immer mehr latexfreie Produkte, wodurch Ärzte weniger Fälle der Latexallergie beobachten. Elementar ist, dass Betroffene richtig geschult sind und wissen, in welchen Produkten sich Latex befindet. Auch der Hinweis von Betroffenen an behandelnde Ärzte oder Zahnärzte, dass sie an einer Latexallergie leiden, ist wichtig für die Beschwerdefreiheit.

Kann man einer Latexallergie vorbeugen?

Da die genauen Gründe für die Entstehung von Allergien nicht genau bekannt sind, ist dieser nur schwer vorzubeugen.

Es ist notwendig, dass Betroffene bei einer bekannten Latexallergie behandelnde Ärzte und Zahnärzte über die Allergie informieren. Liegt eine schwere Allergie vor, ist es ratsam, das vom Arzt verschriebene Notfallset mit entsprechenden Medikamenten prophylaktisch immer bei sich zu haben.

Im Krankhausbereich gibt es für das Personal und für die Patienten Empfehlungen und Vorgehensweisen, um das Entstehungsrisiko der Latexallergie zu verringern. So wird grundsätzlich empfohlen, im OP-Bereich latexallergenarme OP-Handschuhe zu nutzen, gepuderte Handschuhe sind zudem untersagt.

Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Latexallergie, wie Menschen mit Spina bifida, gibt es für Krankenhäuser vor allem im OP- und Narkosebereich die Empfehlung, naturlatexfreie Handschuhe und Materialien zu verwenden. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Latexallergien bei entsprechenden Vorkehrungen deutlich seltener auftritt.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Katharina Larisch
Autor:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
Z91L23
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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