Impfen: Zweifel ist der Beginn der Wissenschaft

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Anlässlich des bevorstehenden 9. NÖ Impftages, der am 10. März im Stift Göttweig stattfindet, haben sich namhafte Experten ausführlich mit dem Thema Impfen und dem Umgang mit Impfskeptikern und Impfgegnern auseinandergesetzt.

Impfen ist die effizienteste und gleichzeitig kostengünstigste Maßnahme, sich vor gewissen Krankheiten zu schützen. Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Impfens für den Erhalt der Gesundheit ist unter Medizinern unumstritten und durch wissenschaftliche Studien hinlänglich nachgewiesen. 

Impfskeptiker ernstnehmen

Menschen, die Impfungen kritisch gegenüberstehen, hat es immer schon gegeben. Waren es vor einigen Jahren noch etwa 40% der Gesamtbevölkerung, die beim Thema Impfungen unsicher sind, so sind es heute bereits rund 50%. Der Anteil der Impfskeptiker ist also weiter angewachsen. Genährt wird diese Skepsis durch eine kleine, aber sehr aktive Gruppe strikter Impfgegner, die ihre obskuren Theorien mit großem Erfolg über soziale Medien verbreiten.

"Über das Internet verbreiten sich die Theorien der Impfgegner natürlich sehr viel schneller als früher und die Menschen lassen sich durch das geschriebene Wort leicht verunsichern", so OA Dr. Robert Weinzettel, Impfreferent der NÖ Ärztekammer. Bewusst verdrehte Fakten, inkorrekt interpretierte Studien und gezielte Falschinformationen führen zu großer Verunsicherung.  Skeptiker werden mit diesen Informationen alleine gelassen: Für sie ist es nahezu unmöglich, Falschinformationen von wissenschaftlich fundierten Inhalten zu unterscheiden. 

Die Sorgen junger Eltern

(v.l.n.r.): Ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi, Prim. Univ-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Dr. Irmgard Lechner, OA Dr. Robert Weinzettel, Mag. pharm. Peter Gonda
(v.l.n.r.): Ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi, Prim. Univ-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Dr. Irmgard Lechner, OA Dr. Robert Weinzettel, Mag. pharm. Peter Gonda (Ärztekammer für Niederösterreich)

"Besonders auffällig ist, dass sich insbesondere Eltern Neugeborener oder kleiner Kinder Sorgen machen, ihrem Nachwuchs möglicherweise mehr zu schaden als zu nützen", so Prim. Univ-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Mitglied des Impfgremiums des Gesundheitsministeriums. Unabhängig davon, ob sie ihre Kinder impfen lassen oder nicht, haben alle Eltern eines gemeinsam: Sie wollen ihren Kindern keinesfalls Schaden zufügen.

Die Behauptung von Impfgegnern, dass insbesondere nichtinfektiöse Erkrankungen von Kleinkindern auf vorangegangene  Impfungen zurückzuführen seien, ist allerdings haltlos. "Da gerade Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr besonders oft geimpft werden, hat praktisch jede Erkrankung, die in diesem Zeitfenster auftritt einen zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung", so Ao. Univ.-Prof. Dr. Michael KundiZentrum für Public Health der MedUni Wien, Mitglied des Impfgremiums des Gesundheitsministerium. "Auch wenn es Impfgegnern subjektiv so erscheint, gibt es hier keinen kausalen Zusammenhang." 

Umso wichtiger ist es, mithilfe von wissenschaftlich fundierten und verständlichen Informationen, Daten und Fakten ein Impfbewusstsein zu schaffen – nicht nur für junge Eltern, sondern für alle Bevölkerungsgruppen.

Verharmlosung schwerer Erkrankungen

Viele Erkrankungen werden von Impfgegnern als harmlos dargestellt, nicht zuletzt deswegen, weil sie aufgrund der guten Durchimpfungsrate nahezu nicht mehr auftreten. Aus gutem Grund: Dank derer, die sich und ihre Kinder impfen lassen, sind Erkrankungen wie Pocken oder Kinderlähmung ausgerottet. Nachholbedarf gibt es jedoch noch bei Masern:  So gibt es beispielsweise bei Masern pro Million Impfungen etwa drei Todesfälle, pro Million Erkrankungen aber 10.000 Todesfälle. 

+++ Video: Was bedeutet Herdenimmunität? +++

"Nebenwirkungen – wenngleich extrem selten – gibt es leider tatsächlich. In Anbetracht der möglichen schweren Folgen der Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar sind, wie beispielsweies FSME, Meningokokken-Meningitis oder Hepatitis, wird das Risiko, einen Impfschaden zu erleiden, mehr als relativiert", so Mag. pharm. Peter Gonda, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich.

Fazit

"Es gilt weiterhin, die Bedeutung von lebenslangem Impfen für den Erhalt der Gesundheit klar verständlich zu machen", ist Dr. Irmgard Lechner, Landessanitätsdirektorin in Niederösterreich, überzeugt. Denn nur wer gut informiert ist, kann auch eine gute Entscheidung treffen.

+++ Mehr zum Thema: #vaccineswork: Impfmüdigkeit bekämpfen +++

Was passiert im Körper beim Impfen?

Ludwig Kaspar Videoblog: Impfen (netdoktor.at)

 

 

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Aktuelles aus dem netdoktor Forum

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