Atkins-Diät / Low-Carb-Diät

Spiegelei liegt mit gebratenem Speck am Teller
Spiegelei liegt mit gebratenem Speck am Teller (Benjamin Brosdau )

Die nach ihrem Erfinder, dem New Yorker Kardiologen Dr. Robert Atkins benannte Diät hört sich zunächst einmal verführerisch an: Essen - so viel man will, mit so viel Fett und Eiweiß, wie man nur verschlingen kann.

Eine Diät also, die sich auch bequem bei einer Vorliebe für Schweinsstelzen einhalten lässt. Medizinische Bedenken richten sich vor allem gegen die Auswirkungen der Fettorgie auf den Lipidstoffwechsel, die Höhe der Fette im Blut. Aktuelle Studien stellen der modischen Ernährungslehre jedoch ein recht gutes Zeugnis aus: Im Vergleich mit fettreduzierten Diäten purzeln die Pfunde demnach schneller und die Auswirkungen auf den Stoffwechsel sind nicht so gravierend wie angenommen.

Das Atkins-Prinzip ist inzwischen in vielen Varianten populär geworden: Low-Carb-, Logi-, South-Beach- und Glyx-Diät arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip: weniger Pasta, mehr Steaks. Nach einer Schätzung des "Time Magazine" verzichten inzwischen fast 100 Millionen Europäer und US-Amerikaner auf Kohlenhydrate in ihren Mahlzeiten. Robbie Williams und Kylie Minogue haben die Werbetrommel mit einigem Erfolg gerührt.

Natürlich entsprechen solche Diäten in keiner Weise den Empfehlungen der großen wissenschaftlichen Ernährungsgremien - vielmehr behaupten sie das Gegenteil: Die altbekannte Nahrungsmittelpyramide - mit Kohlenhydraten an der Basis und fettem Fleisch an der Spitze - wird von Glyx & Co auf den Kopf gestellt. Deren einfache Erklärung: "Low-Fat hat nicht funktioniert, also stimmt das Gegenteil." Ob sich hier eine Ernährungsrevolution anbahnt, oder lediglich eine kurzfristige Modeerscheinung ihren Höhepunkt erreicht - wer weiß?

Was ist verboten, was erlaubt?

Kalorien werden nach Atkins nicht gezählt, erlaubt sind Fett und Eiweiß in jeder Menge. Einzige Einschränkung ist der fast völlige Verzicht auf Kohlenhydrate: Brot, Kartoffeln und Nudeln gelten als "Dickmacher" und sind vom Speiseplan verbannt. Milchprodukte sollten ebenfalls nur in kleinsten Dosen verzehrt werden. Ausnahmen sind Käse und Schlagobers, die laut Atkins fettig genug sind, um schlank zu bleiben. Speck, Wurst, Fisch und Eier dürfen in unbegrenzter Menge gegessen werden. Es wird empfohlen, ausreichend zu trinken, sogar Alkohol ist erlaubt: "Zur Stelze noch drei Schnaps, Herr Ober!" Obst und Gemüse fehlen fast völlig, einzig Blattsalate und Broccoli sind als nahezu kohlenhydratfreies "Grünzeug" Teil der Diät.

In der ersten Phase muss auf Kohlenhydrate radikal verzichtet werden. Nach zwei Wochen wird dem Speiseplan grammweise etwas Gemüse und Obst zugefügt und die Diät infolge "idealerweise" ein Leben lang aufrecht erhalten. Ausreichende Bewegung gehört nach Atkins ebenfalls dazu.

Wie soll Gewicht verloren werden?

Atkins-Anhänger versprechen trotz völlig enthemmten Konsums eine tägliche Gewichtsabnahme von bis zu einem halben Kilogramm. Möglich wird dieses Paradoxon dadurch, dass zur Verstoffwechslung der Nahrungsfette eine gewisse Menge an Kohlenhydraten erforderlich ist. Sind diese nicht ausreichend vorhanden, wird Fett vom Körper nur schlecht verwertet und setzt nicht an. Auf Kohlenhydrat-Mangel reagiert der Körper zudem mit der Produktion so genannter Ketonkörper, die vor allem dem Gehirn als Nährstoff dienen. Da Ketonkörper aus Fett hergestellt werden, geht es also den Fettdepots an den Kragen.

Fettes Essen schmeckt gut und macht rasch satt. Skeptiker behaupten, dass vor allem die Wirkung als Sattmacher für die Abnehm-Erfolge verantwortlich ist - demzufolge werden einfach weniger Kalorien gegessen.

Was sind die Nachteile der Diät?

Die einseitige Ernährung spottet sämtlichen etablierten Empfehlungen. Die Mahlzeiten sind extrem einseitig und müssen ohne die wertvollen Inhaltsstoffe von Obst & Gemüse auskommen. Einige Stoffwechselexperten sind der Meinung, dass sich im Blut genau das, was eigentlich mit einer Diät verhindert werden sollte, verschlimmert: Der Cholesterinspiegel steigt an, und mit ihm das Risiko von Herz- und Gefäßkrankheiten. Ein hoher Eiweißgehalt schädigt auf Dauer die Nieren - zudem sind Fleisch und Fisch die Hauptlieferanten von Purinen, der Ursache von Gicht. Auch die Verdauung nimmt die Fett-Diät übel: Verstopfung oder schleimig-fettiger Stuhlgang sind häufig die Folge. Durch den Mangel an Ballaststoffen aus Gemüse und Vollkornprodukten steigt das Risiko von Darmkrebs. Schon nach kurzer Zeit führt diese einseitige Ernährung zu Mangelzuständen, die durch Vitamin- und Mineralstoffpräparate ausgeglichen werden müssen.

Testurteil: nur kurzfristig empfehlenswert

Es scheint erwiesen, dass sich mit den Lehren von Dr. Atkins, der im letzten Jahr (angeblich stark übergewichtig) verstarb, anfänglich gute Erfolge erzielen lassen. Welche Auswirkungen die Fleischmast jedoch langfristig auf den Stoffwechsel hat, ist noch unklar. Aktuelle Studien konnten zwar einige der Bedenken bezüglich der Blutfettwerte entkräften - Ernährungswissenschafter raten jedoch nach wie vor von einer dauerhaften Einhaltung der Atkins-Regeln ab. "Unausgewogen und ungesund", so ihr Urteil.

Und so satt man auch ist: Die Atkins-Diät hält niemand lange durch. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich ein solcher Heißhunger auf etwas gesundes Obst und Gemüse, Reis und Kartoffeln, dass die Fettorgie bald ihr Ende findet. Und der Appetit auf Stelzen ist erst einmal dahin.

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