Lebertransplantation

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Der Begriff Lebertransplantation bezeichnet die chirurgische Verpflanzung einer Leber oder von Teilen einer Leber in einen leberkranken Patienten. Die Spenderleber kommt entweder von einem Verstorbenen oder - bei einer Teilspende - von einem Angehörigen. Lesen Sie alles Wichtige über die Lebertransplantation, wann sie notwendig ist und welche Probleme dabei auftreten können. 

Leber

Wann benötigt man eine Lebertransplantation?

Für Patienten mit akutem oder chronischem Leberversagen ist die Transplantation die einzige Überlebensmöglichkeit. Häufige Gründe für den Funktionsausfall der Leber sind:

  • Leberzirrhose (zum Beispiel durch Alkoholmissbrauch, Leberentzündung = Hepatitis, Medikamente oder Chemikalien)
  • bösartige Krebserkrankungen
  • angeborene Stoffwechselstörungen der Leber (wie Hämochromatose, Morbus Wilson)
  • angeborene Fehlbildungen (zum Beispiel des Gallengangs)

Für jeden Patienten ermittelt der Arzt den sogenannten MELD-Score (Model for End-stage Liver Disease). Dieser wird anhand verschiedener Laborwerte berechnet und dient der Einstufung des Schweregrades der Lebererkrankung.

Im Arztbrief kürzen Ärzte eine Lebertransplantation oft mit LTx ab.

Wie laufen die ersten Tage nach der Lebertransplantation ab?

Da es sich um einen vergleichsweise grossen Eingriff handelt, wird der Patient nach der Operation zunächst für etwa zwei bis sieben Tage auf die Intensivstation gebracht. Daran schliessen sich in der Regel weitere ein bis zwei Wochen auf der Normalstation des Transplantationszentrums an. In dieser Zeit wird die medikamentöse Therapie möglichst optimal eingestellt. Ausserdem erhält der Patient physiotherapeutische Unterstützung, die ihn auf seinen Alltag vorbereiten soll.

Lebertransplantation: Risiken

Neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Blutgerinnselbildung oder Wundinfektion, die jeder chirurgische Eingriff mit sich bringt, können bei der Lebertransplantation einige typische Komplikationen auftreten:

  • Nichtfunktion des Transplantats (eventuell wird dann eine Zweittransplantation notwendig)
  • erhöhtes Blutungsrisiko
  • Verschluss der Leberarterie
  • Gallengangsstenose (Verengung der Gallenwege)

Da der Patient nach einer Lebertransplantation Medikamente einnehmen muss, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), besteht ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko.

Bei manchen transplantierten Patienten reagiert der Körper mit einer Abstossungsreaktion: Der Körper nimmt das fremde Organ nicht an, weil das Immunsystem sich dagegen wendet. Mögliche Zeichen einer Abstossungsreaktion sind: Schwächegefühl, schnelles Ermüden, erhöhte Temperatur über mehrere Stunden, Appetitlosigkeit, Schmerzen im Bauchraum, lehmfarbener Stuhl, dunkler Urin und Gelbfärbung von Augen und Haut.

Grundsätzlich kann nach einer Lebertransplantation die Grunderkrankung wieder auftreten oder die Leber erneut versagen. Dann muss eine weitere Lebertransplantation durchgeführt werden.

Lebertransplantation: Lebenserwartung

Dank des medizinischen Fortschrittes der letzten Jahre hat sich die Lebenserwartung lebertransplantierter Patienten deutlich gebessert, insbesondere durch die Fortschritte in der Immuntherapie. Im Durchschnitt liegt die Einjahres-Überlebensrate bei über 90 Prozent, die 10-Jahres-Überlebensrate bei über 70 Prozent. In erster Linie ist die Lebenserwartung nach der Lebertransplantation vom allgemeinen Gesundheitszustand und von der Grunderkrankung des Patienten abhängig. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Klinikum der Universität München: "Die ersten Tage nach der Lebertransplantation" unter: www.klinikum.uni-muenchen.de (Abruf: 17.03.2022)
  • Klinikum der Universität München: "Erfolgsaussichten nach einer Lebertransplantation" unter: www.klinikum.uni-muenchen.de (Abruf: 17.03.2022)
  • Schlitt, H. J.: Lebensqualität nach Transplantation: Möglichkeiten und Grenzen einer maßgeschneiderten Immunsuppression, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2006
  • Schumpelick, V. et al.: Kurzlehrbuch Chirurgie, Georg Thieme Verlag, 8. Auflage, 2010
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