Orthopädische Einlagen

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Orthopädische Einlagen sind medizinische Einlagen für Schuhe, mit denen sich Fussfehlstellungen korrigieren lassen. Sie sind eine elegante und diskrete Lösung und können unauffällig in normalen Schuhen getragen werden. Lesen Sie alles über orthopädische Einlagen, wann sie notwendig werden und was Sie dabei beachten müssen. 

Orthopädische Einlagen

Was sind orthopädische Einlagen?

Orthopädische Einlagen sind ein Hilfsmittel zur Behandlung von verschiedenen Fussleiden. Sie werden individuell für den Patienten nach Mass angefertigt und können unauffällig in die normalen Alltagsschuhe gelegt werden. Die Materialien, aus denen Schuheinlagen hergestellt werden, unterscheiden sich je nach Behandlungsziel und reichen von Leder über Kunststoff bis hin zu halbstarren Werkstoffen wie Kork oder Holz-Leder-Kombinationen und Geleinlagen. Schuhe und Einlagen sollten eine funktionelle Einheit bieten, weshalb der Arzt beim Anpassen der Einlagesohlen auch das Schuhwerk des Patienten begutachtet.

Je nach Beschwerden und Therapieziel unterscheidet der Arzt verschiedene orthopädische Einlagesohlen:

  • korrigierende Einlagen
  • stützende Einlagen
  • bettende Einlagen (Gel-Schuheinlagen)
  • Einlagen zur Ruhigstellung
  • Einlagen zum Ausgleich von Bein- oder Fusslängenunterschieden
  • Einlagen zur Stossdämpfung
  • Propriozeptive Einlagen (Aktiveinlagen mit Auswirkungen auf die Muskelspannung)

Wann benötigt man orthopädische Einlagen?

Orthopädische Einlagen dienen der unterstützenden Therapie verschiedener Fussfehlstellungen. Korrigierende Einlagen unterstützen vor allem beim „Knick-Senk-Fuss“ das Fussgewölbe passiv. Einlagen mit stützender Funktion kommen eher bei beginnenden Fussfehlstellungen (Knickhackenfuss, Klumpfuss) zum Einsatz und wirken diesen entgegen. Bei folgenden Fussfehlstellungen und Erkrankungen kann der Arzt orthopädische Einlagen verschreiben

  • Knick-Senk-Fuss
  • Hohlfuss
  • Spreizfuss
  • Instabilität im oberen Sprunggelenk
  • Schmerzen der Mittelfussknochen
  • Fussfehlstellungen bei rheumatischen Erkrankungen
  • Besonders verletzbare Fusssohlen bei Diabetes

Orthopädische Einlagen mit bettender Wirkung und Sohlen zur Stossdämpfung können Beschwerden bei folgenden Erkrankungen lindern:

  • Vermindertes Weichgewebe der Fusssohle
  • verletzbare Fusssohle (zum Beispiel bei Nervenerkrankungen)
  • rheumatische Erkrankungen
  • Platt-, Spreiz- und Hohlfuss,
  • Schmerzhafte Fehlstellungen des grossen Zehs (Hallux valgus)
  • Fersensporn

Einlegesohlen werden häufig nach Operationen zur Ruhigstellung von Gelenken im Mittel- und Vorfussbereich verwendet, um die Operationswunde bis zum Abschluss der Wundheilung zu schonen.

Auch bei unterschiedlichen Bein- oder Fusslängen kann bis zu einer Längendifferenz von fünf bis zehn Millimetern, eine Fehlhaltung durch Einlagen ausgeglichen werden.

Sensomotorische Einlagen

Moderne, „tiefensensible“ sogenannte sensomotorische oder propriozeptive Einlagen dienen der Aktivierung der Fussmuskulatur und beeinflussen das Gangbild bei neurologischen Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks.

Weiterführende Informationen: Sensomotorische Einlagen

Wie sensomotorische Einlagen genau funktionieren lesen Sie im Beitrag Sensomotorische Einlagen

Was macht man beim Anpassen von orthopädischen Einlagen?

Bevor der Arzt orthopädische Einlegesohlen anpasst, untersucht er die Füsse: Dabei überprüft er die Beweglichkeit der Gelenke, misst die Beinlängen und -achsen und achtet auf eventuelle Hautschwielen oder Druckstellen.

Mithilfe der sogenannten Trittspuranalyse lässt sich messen, wie der Patient auftritt. Dabei läuft dieser über eine Art Stempelkissen aus Schaumstoff und hinterlässt dort einen Fussabdruck.

Bei aussagekräftigeren elektronischen Fussdruckmessungen läuft der Patient über eine Platte, die den Abrollvorgang des Fusses beim Gehen speichert und analysiert. Am Computer wertet der Arzt aus, welche Bereiche der Fusssohle am stärksten belastet werden. 

In komplizierten Fällen macht der Orthopäde einen Gipsabdruck des betroffenen Fusses, der ein umfassendes dreidimensionales Abbild des Fusses liefert. Anhand des Abdrucks werden die Einlagen mit einer computergesteuerten Fräse individuell und passgenau anfertigt.

Welche Risiken bergen orthopädische Einlagen?

Orthopädische Einlagen sind weitgehend risikofrei. Dennoch können auch sorgfältig angepasste Einlagesohlen Druck- oder Scheuerstellen an Ihren Füssen verursachen. Insbesondere Diabetiker und  Patienten mit einem herabgesetzten Schmerzempfinden an den Füssen sollten daher in den ersten Tagen nach Erhalt der Sohlen regelmässig Ihre Füsse auf Verletzungen untersuchen.

Orthopädische Einlagen: Was muss ich beachten?

Der Erfolg der Behandlung hängt in erster Linie von der konsequenten Nutzung ab. Tragen Sie orthopädische Einlagen daher möglichst täglich. Die Einlagen sind in der Regel so angepasst, dass sie in den Alltagsschuhen verwendet werden können. Anfangs ist es ganz normal, dass sich das Gehen mit den Einlagesohlen noch ungewohnt anfühlt. Solange Sie keine Schmerzen verspüren, sollten Sie die orthopädischen Einlagen dennoch konsequent nutzen; bereits nach kurzer Zeit werden Sie sich eingewöhnt haben. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Baumgartner, R. & Greitemann, B.: Grundkurs technische Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2015.
  • Bischoff, H. P. et al.: Praxis der konservativen Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 2009.
  • Grifka, J.: Einlagen, Schuhzurichtungen, orthopädische Schuhe, Georg Thieme Verlag, 2005.
  • Grifka, J. & Kuster, M.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer Verlag, 2011.
  • Infobroschüre des GKV-Spitzenverbandes „Festbeträge für Einlagen“, 2011 (Abruf 17.08.2015).
  • Mutschler, W.-E. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013.
  • Sabo, D.: Vorfußchirurgie, Springer Verlag, 2010.
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