Jodtabletten

Von , (Bio-)Chemiker
und , Medizinredakteurin
Dr. Maximilian Reindl

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Jodtabletten werden in der Regel in niedriger Dosierung eingenommen. Sie sollen einen Jodmangel ausgleichen, der insbesondere die Schilddrüsenfunktion betrifft. Hochdosierte Jodtabletten hingegen werden im nuklearen Katastrophenfall für eine sogenannte Jodblockade eingesetzt. Sie sättigen die Schilddrüse und verhindern, dass sich dort radioaktives Jod anreichert. Wann und wie Sie Jodtabletten einnehmen und welche Risiken es gibt, lesen Sie hier.

Blister mit Tabletten.

Was sind Jodtabletten?

Jodtabletten sind apothekenpflichtige Arzneistoffe, die Sie nur nach ärztlicher Absprache einnehmen sollten. Jodtabletten enthalten hauptsächlich das Salz Kaliumiodid in unterschiedlichen Dosierungen. Dabei unterschiedet man grob zwischen:

Niedrigdosierte Jodtabletten: Als Ergänzung gleichen sie eine Iodid-Mangelversorgung des Körpers aus (in der Regel rund 200 Mikrogramm-Dosierung). Ein solcher Mangel kann sich entwickeln, wenn Sie über einen längeren Zeitraum zu wenig Jod über Nahrungsmittel aufnehmen. Jodtabletten können dann der Bildung eines Kropfes vorbeugen (Strumaprophylaxe).

Darüber hinaus können Jodtabletten einen vorübergehend erhöhten Jodbedarf etwa in der Schwangerschaft decken – dies jedoch nur nach Bedarf und ärztlicher Rücksprache.

Hochdosierte Jodtabletten: Sie dienen insbesondere der sogenannten Jodblockade im Fall eines nuklearen Zwischenfalls wie eines havarierten Kernreaktors. Sie enthalten je nach Präparat ungefähr 60 bis 70 Milligramm Kaliumiodid pro Tablette. Die Einnahme verhindert, dass sich radioaktives Jod Ihrer Schilddrüse anreichert und diese schädigt.

Nehmen Sie diese hochdosierten Jodtabletten niemals auf eigene Initiative ein! Mehr dazu lesen Sie weiter unten im Abschnitt „Jodblockade bei nuklearer Gefährdung“.

Nebenwirkungen bei Überdosierung

Jodtabletten können die Magenschleimhaut reizen – insbesondere, wenn Sie sie auf nüchternen Magen einnehmen. Eine zu grosse Menge an Kaliumiodid kann darüber hinaus auch Haut- und Schleimhautirritationen sowie Magenschmerzen hervorrufen.

In Einzelfällen kann auch eine vorübergehende Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eintreten. Typische Beschwerden äussern sich dann durch:

  • erhöhten Puls
  • Schlaflosigkeit
  • Schweissausbrüche
  • Gewichtsabnahme
  • Magen-Darm-Beschwerden

In seltenen Fällen treten bei einer Überdosierung lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Komplikationen auf. Das gilt insbesondere, wenn Sie unbehandelte Knoten in der Schilddrüse haben, beispielsweise weil diese noch nicht entdeckt wurden.

In sehr seltenen Fällen kann eine zuvor unerkannte Jodallergie zu Tage treten. Diese äussert sich meist in Form von Hautirritationen, brennenden Augen, Schnupfen, Reizhusten oder Kopfschmerzen.

Sollten Sie wegen einer Schilddrüsenüberfunktion Schilddrüsenhemmstoffe einnehmen, kann eine zusätzliche Jodgabe die Wirkung dieser sogenannten Thyreostatika untergraben.

Nebenwirkungen bessern sich schnell

Da Kaliumiodid schnell über die Nieren ausgeschieden wird, halten die typischen Symptome einer Jodüberdosierung nur kurzzeitig an. Bleiben die Beschwerden längere Zeit bestehen oder verschlimmern sie sich sogar, sollten Sie dies unbedingt ärztlich abklären lassen.

Gegenanzeigen

Sie dürfen keine hochdosierten Jodtabletten einnehmen, wenn Sie an bestimmten Krankheiten leiden (bspw.: der seltenen Hautkrankheit Dermatitis herpetiformis Duhring oder der seltenen Gefässkrankheit hypokomplementämische Vaskulitis).

Beachten Sie zudem, dass eine Radioiodtherapie zur Schilddrüsenbehandlung bei gleichzeitiger Einnahme von Jodtabletten ihre Wirkung verlieren kann. Auch können bestimmte Untersuchungsverfahren der Schilddrüse negativ beeinflusst sein (Schilddrüsenszintigramme, TRH-Test).

Wie wirken Jodtabletten?

Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Die Jodaufnahme erfolgt normalerweise über die Nahrung. Manche Regionen sind von Natur aus jodarm. Das gilt dann auch für die dort angebauten Lebensmittel und das Trinkwasser. Jodtabletten können dann Folgen eines Jodmangels verhindern – beispielsweise die Bildung eines Kropfes (Struma).

Wie hochdosierte Jodtabletten zur Jodblockade in einem nuklearen Zwischenfall funktionieren, lesen Sie im nachfolgenden Abschnitt.

Jodblockade durch Jodtabletten bei nuklearen Gefahren

Bei einem nuklearen Zwischenfall, beispielsweise durch ein havariertes Kernkraftwerk, können grössere Mengen radioaktiven Jods in die Umwelt gelangen, die dann vom Körper aufgenommen werden.

Der Körper unterscheidet nicht zwischen radioaktivem Jod und „normalem“ Jod und reichert es in der Schilddrüse an. Die radioaktiven Isotope können das Gewebe der Schilddrüse durch die Strahlung schädigen und so das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen.

Dem wirken hochdosierte Jodtabletten entgegen. Sie sättigen bei rechtzeitiger Einnahme den Körper mit einem Überangebot an nicht-radioaktivem Jod. So reichern sich keine schädigenden Iod-Isotope in Geweben der Schilddrüse an, die dort verstoffwechselt würden. Damit sinkt das Risiko für eine Krebserkrankung der Schilddrüse deutlich.

Hochdosierte Jodtabletten sind ausschliesslich für den akuten Katastrophenfall vorgesehen. Sie sollten diese niemals auf eigene Initiative vorsorglich einnehmen!

Einnahmezeitpunkt ist entscheidend

Der Zeitpunkt der Einnahme ist für die optimale Schutzwirkung von hochdosierten Jodtabletten entscheidend. Idealerweise erfolgt sie etwa drei bis sechs Stunden vor der erwarteten lokalen radioaktiven Belastung.

Zu frühe Einnahme: Nehmen Sie die Tabletten zu früh ein, hat der Körper das überschüssige Kaliumiodid ausgeschieden, bevor es wirken kann. Zudem belasten Sie Ihren Körper mit der hohen Dosis, ohne dass Sie davon Nutzen haben.

Zu späte Einnahme: Erfolgt die Einnahme zu spät, ist die Wirkung ebenfalls stark herabgesetzt. Die Jodblockade ist dann nicht mehr effektiv.

In der Regel reicht eine einmalige Einnahme für eine Jodblockade aus, da radioaktive Iod-Isotope bereits nach wenigen Tagen zerfallen. In Einzelfällen kann die zuständige Behörde jedoch eine weitere Tabletteneinnahme empfehlen.

Aufforderung der Behörden abwarten

Wird radioaktives Jod in solch einem Ausmass freigesetzt, dass eine Jodblockade nötig wird, besteht meist eine Vorwarnzeit von mehreren Stunden bis Tagen.

In dem Fall erhalten Sie rechtzeitig Informationen zur Ausgabe, Verteilung sowie der vorgesehenen Einnahmedauer der Jodtabletten durch die Nationale Alarmzentrale NAZsowie über das Radio.

Wie werden Jodtabletten im Katastrophenfall verteilt?

Für den Katastrophenfall gibt es in der Schweiz einen klaren Plan für die Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung. In einem Umkreis von 50 km rund um jedes der vier Kernkraftwerke werden alle zehn Jahre Jodtabletten an die betreffenden Haushalte sowie an Personen, die oder sich in regelmässigen Abständen in diesem Gebiet aufhalten verteilt.

Ausserhalbe dieser Zonen sind die Kantone für die Verteilung der Jodtabletten zuständig. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist so die Ausgabe an die Bevölkerung im Ernstfall innerhalb von zwölf Stunden garantiert.

Für wen ist eine Jodblockade sinnvoll?

Das Risiko, nach einer Exposition mit radioaktivem Jod Schilddrüsenkrebs zu entwickeln, ist für Kinder und Jugendliche höher als für Erwachsene.

Das Risiko für Personen, die älter als 45 Jahre sind, schätzen Experten als gering ein. Die Latenzzeit zwischen einer Exposition mit radioaktiven Jod-Isotopen und einer nachfolgenden Krebserkrankung beträgt rund 30 bis 40 Jahre.

Bieten hochdosierte Jodtabletten einen umfassenden Strahlenschutz?

Nein. Die Einnahme von hochdosierten Jodtabletten schützt ausschliesslich vor radioaktivem Jod. Sie bieten keinen Schutz vor radioaktiver Strahlung oder vor weiteren gefährlichen radioaktiven Spaltprodukten, die bei einem nuklearen Zwischenfall in die Umwelt gelangen können. Dazu gehören beispielsweise radioaktives Cäsium, Strontium und andere strahlende Schwermetalle.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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