Cotrimoxazol

Von Felix Hintermayer
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Cotrimoxazol ist ein Kombinationspräparat aus zwei bewährten Antibiotika aus der Gruppe der Folsäureantagonisten: Trimethoprim und Sulfamethoxazol. Es hilft besonders gut bei Infektionen der Harnwege, des Magen-Darm-Trakts sowie der oberen und unteren Atemwege. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Wirkweise, Nebenwirkungen und Anwendung von Cotrimoxazol.

So wirkt Cotrimoxazol

Cotrimoxazol ist ein Kombinationspräparat  aus den Antibiotika Sulfamethoxazol und Trimethoprim. Beide Substanzen hemmen in bestimmten Bakterien und Pilzen die Bildung von Folsäure. Diese wird für die Synthese einiger Bausteine der Erbsubstanz (Thymidin und Purine)  benötigt. Cotrimoxazol unterbricht die Folsäuresynthese auf zwei verschiedenen Wegen:

  • Sulfamethoxazol verhindert die Bildung einer Folsäurevorstufe (Dihydrofolsäure), indem es an das dafür verantwortliche Enzym (Dihydropteroinsäuresynthetase) bindet und dieses ausser Kraft setzt. Da dieser Mechanismus umkehrbar ist, sind allerdings ständig hohe Sulfonamid-Konzentrationen nötig.
  • Trimethoprim hemmt das Enzym Dihydrofolsäure-Reduktase, das die Folsäurevorstufe in das Endprodukt, die Tetrahydrofolsäure, umsetzt. So wird auch hier die Bildung der DNA-Bausteine gestoppt und die Vermehrung der Bakterien verhindert.

Cotrimoxazol wirkt am besten, wenn die beiden Wirkstoffe im Konzentrationsverhältnis 5:1 (Sulfamethoxazol:Trimethoprim) im Körper vorliegen. Die sich unterstützenden Wirkungen der beiden Substanzen erhöhen die Wirksamkeit, erweitern das Wirkspektrum und verzögern die Entwicklung von Bakterienresistenzen gegen das Antibiotikum.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Cotrimoxazol wird nach Einnahme über den Mund (peroral) grösstenteils über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen. Maximale Plasmakonzentrationen der beiden enthaltenen Wirkstoffe werden nach circa zwei bis vier Stunden erreicht.

Trimethoprim ist nach rund zwölf Stunden, Sulfamethoxazol nach rund zehn Stunden zur Hälfte über die Nieren wieder ausgeschieden (Halbwertszeiten). Bei Nierenfunktionsstörungen verlängern sich die Halbwertszeiten entsprechend.

Wann wird Cotrimoxazol angewendet?

Cotrimoxazol wird besonders oft bei bakteriellen Harnwegsinfektionen eingesetzt. Ausserdem hilft es bei bakteriellen Infektionen der oberen und unteren Atemwege, der weiblichen und männlichen Genitalien sowie des Magen-Darm-Trakts.

So wird Cotrimoxazol angewendet

Cotrimoxazol kann als Saft, Lösung oder Tablette mit verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen verschrieben werden.

Für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren beträgt die Dosis im Schnitt 720 bis 960 Milligramm der Wirkstoffkombination pro Tag. Kinder von sechs bis zwölf Jahren sollen zweimal täglich eine Tablette mit 480 Milligramm Cotrimoxazol einnehmen.

Zur Behandlung einer durch Pilze verursachten Lungenentzündung (Pneumocystis jiroveci) bei Patienten mit Immunschwäche soll Cotrimoxazol viermal höher dosiert werden.

Die Dauer der Therapie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und dem Krankheitsverlauf. In der Regel erstreckt sich die Behandlung über fünf bis acht Tage. Die Einnahme soll stets nach einer Mahlzeit erfolgen.

Welche Nebenwirkungen hat Cotrimoxazol?

Häufige Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen der Haut, die sich als Juckreiz (Pruritus) oder Hautausschlag (Exanthem) äussern können. Ebenfalls möglich sind Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Schmerzen im Oberbauch,  Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen sind vermehrter oder verminderter Kaliumgehalt im Blut, eine Leberschädigung durch Rückstau der Galle (cholestatische Hepatose) sowie Tinnitus (Ohrgeräusche).

Sehr selten entwickeln sich nach Anwendung von Cotrimoxazol eine verminderte Anzahl von Blutplättchen (Thrombozytoen) und von Neutrophilen Granulozyten (Untergruppe der weissen Blutkörperchen sowie ein Anstieg der Leberenzyme im Blut. Diese Nebenwirkungen werden vermehrt bei Patienten über 60 Jahren festgestellt.

Wann sollte man Cotrimoxazol nicht einnehmen?

Gegenanzeigen

Cotrimoxazol darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber einen der Wirkstoffe
  • schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung
  • krankhaften Blutbildveränderungen
  • Mangel am Enzym Glukose-6-Dehydrogenase
  • Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung)

Wechselwirkungen

Lokalanästhetika (wie z.B. Benzocain), Magensäure-regulierende Substanzen (mineralischen Antazida) und das Beruhigungsmittel Paraldehyd können die Wirkung von Cotrimoxazol herabsetzen. Eine gleichzeitige Einnahme solcher Wirkstoffe mit dem Antibiotikum sollte deshalb vermieden werden.

Cotrimoxazol wirkt stärker als beabsichtigt, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, die das Wasserlassen erleichtern (z.B. Probenecid). Das Gleiche gilt bei gleichzeitiger Anwendung mit nicht-steriodalen Entzündungshemmern (NSAR, z.B. Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure).

Barbiturate (wie Phenobarbital) und Phenytoin (Epilepsie-Medikament) erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen in Kombination mit Cotrimoxazol.

Andere Medikamente, die ebenfalls in den Folsäurestoffwechsel eingreifen (wie Methotrexat), erhöhen bei gleichzeitiger Anwendung das Risiko für Folsäuremangelzustände.

Die Einnahme von Antibiotika wie Cotrimoxazol kann die Wirkung von oralen Verhütungsmitteln (Pille) beeinträchtigen. Generell gilt daher: Wenn Sie die Pille nehmen, sollten Sie sicherheitshalber während einer Antibiotikabehandlung und sieben Tage darüber hinaus bzw. bis nach Ende der nächsten Pillenpause zusätzlich eine mechanische Verhütungsmethode anwenden, etwa Kondome.

Altersbeschränkung

Cotrimoxazol kann in entsprechend angepasster Dosierung bereits im Säuglingsalter ab der 6. Lebenswoche eingesetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Werdende Mütter dürfen den Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht einnehmen, da noch nicht ausreichend untersucht ist, wie Cotrimoxazol auf das Ungeborene wirkt. Bisherige Untersuchungen sprechen zwar gegen ein schädigende Wirkung, Cotrimoxazol bleibt aber trotzdem ein Antibiotikum zweiter Wahl in der Schwangerschaft.

Die beiden Wirkstoffe von Cotrimoxazol gehen nur wenig in die Muttermilch über. Beim gestillten Kind ist daher mit keinen nennenswerten Symptomen zu rechnen, wenn die Mutter mit dem Antibiotikum behandelt wird. Da aber auch hier die Datenlage keine endgültige Bewertung zulässt, ist Cotrimoxazol in der Stillzeit ebenfalls nur ein Antibiotikum zweiter Wahl.

So erhalten Sie Medikamente mit Cotrimoxazol

Cotrimoxazol ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Saft, Lösung oder in Tablettenform gegen ein ärztliches Rezept in der Apotheke erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Bruhn, C.: "Interaktionen: Cotrimoxazol und Ethinylestradiol", in: Das PTA-Magazin, Ausgabe 8/2012, unter: www.das-pta-magazin.de
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Herdegen, T. et al.: Kurzlehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2014.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Cotrimoxazol, unter: www.embryotox.de (Abruf: 30.10.2021).
  • Renner, K.: "Orale Antibiose: Was der Apotheker raten kann", in: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 25/2017, unter: www.pharmazeutische-zeitung.de
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