Varikozele

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Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Eine Varikozele (Krampfader-Bruch, Varicocele testis) ist eine Krampfader-Bildung am Hodensack. Das Venen-Geflecht an dieser Stelle ist tast- oder sichtbar erweitert. Mitunter treten Schmerzen und ein Schwere-Gefühl des betroffenen Hodens auf, oft bestehen auch keine Symptome. Die Varikozele lässt sich meist durch einen kleinen Eingriff behandeln. Informieren Sie sich hier über Therapie, Symptome und Diagnose der Varikozele!

Varikozele Männliche Geschlechtsorgane

Kurzübersicht

  • Behandlung:Nicht immer erforderlich; verschiedenen Therapie-Optionen, wie Verödung oder Verschluss des Gefässes oder Operation
  • Symptome: Oft keine Beschwerden; möglich sind Schwellung, Druck- oder Schwere-Gefühl des Hodens, Schmerzen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Gestörter Blutfluss, Rückstau in den Blutgefässen, seltener Tumore
  • Untersuchung und Diagnose: Betrachtung und Tast-Untersuchung, Ultraschall-Untersuchung
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Prognose meist gut; in manchen Fällen erhöhtes Risiko für Unfruchtbarkeit

Was ist eine Varikozele?

Die Varikozele ist eine krampfaderartige Erweiterung des Venen-Geflechts (Plexus pampiniformis) des Hodens. In fast 90 Prozent der Fälle befindet sich die Erweiterung auf der linken Hodenseite. Hauptursachen für einen Krampfader-Bruch sind eine Schwäche der Venen-Klappen, die den Rückstrom des Bluts verhindern sollen, oder ein Abfluss-Hindernis.

Neben dieser sogenannten primären Form der Varikozele gibt es auch eine sekundäre (oder symptomatische) Form, die Ausdruck einer anderen Krankheit ist, zum Beispiel eines Tumors.

Die Hodenvene (Vena spermatica oder V. testicularis) führt mit ihrem linken und rechten Ast das Blut aus dem Hoden in die untere Hohlvene ab – entweder direkt (rechte Hodenvene) oder indirekt über die linke Nierenvene (linke Hodenvene). Ist dieser Abfluss an irgendeiner Stelle gestört, staut sich das Blut im Hoden. Dadurch erweitern sich die Gefässe, und es entsteht eine Krampfader.

Hoden-Krampfadern führen unbehandelt in manchen Fällen zu Unfruchtbarkeit. So ist ein Drittel aller Infertilitäts-Fälle durch eine Varikozele bedingt.

Varikozele: Häufigkeit

Insgesamt hat etwa jeder dritte Mann eine Varikozele. Besonders betroffen sind 14- bis 25-jährige Männer. In der Kindheit ist die Varikozele eher selten. Bei älteren Patienten mit einer Varikozele ist eine genaue Diagnostik notwendig, da es sich dabei mitunter um sogenannte sekundäre oder symptomatische Varikozelen handelt. Der Arzt wird in diesem Fall einen Tumor als Ursache für den Krampfader-Bruch ausschliessen.

Wie lässt sich eine Varikozele behandeln?

In vielen Fällen ist bei einer Varikozele keine Behandlung erforderlich. Ist eine Therapie aufgrund der Beschwerden notwendig, sind gelingt die Behandlung der Krampfader am Hoden in den meisten Fällen gut.

Eine Varikozele lässt sich nicht durch Medikamente behandeln. Auch gibt es keine sinnvolle Möglichkeit eine Varikozele selbst zu behandeln.

Um die Krampfadern am Hoden zu entfernen, ist die Therapie der Wahl stattdessen ein kleiner operativer Eingriff. Ärzte empfehlen ihn zum Beispiel, wenn:

  • es wiederholt zu Schmerzen kommt,
  • sich das Hodenvolumen verkleinert hat,
  • es sich um eine Varikozele Grad III handelt oder
  • die Varikozele als Einschränkung wahrgenommen wird.

Es gibt eine Reihe verschiedener Verfahren, um die primäre Varikozele zu behandeln. Die Therapie der sekundären Varikozele ist abhängig von der zugrundeliegenden Krankheit, zum Beispiel dem Tumor.

Varikozelen-Sklerosierung

Die erweiterten Blutgefässe im Hoden lassen sich sklerosieren: Das bedeutet, dass man eine Substanz in die Gefässe spritzt, welche diese "verödet". Das Blut fliesst anschliessend gut über andere Blutgefässe ab.

Das Verödungsmittel verabreicht der Arzt über einen Katheter in das Blutgefäss. Bei der sogenannten retrograden Transkatheter-Sklerosierung schiebt er unter lokaler Betäubung (Lokal-Anästhesie) einen Katheter über eine Leistenvene und Nierenvene bis zum Venen-Geflecht im Hoden vor. Dann spritzt er das Verödungsmittel durch den Katheter. In rund 30 Prozent der Fälle führt diese Form der Varikozele-Therapie allerdings nicht zum Erfolg.

Es ist auch möglich einen kleinen Schnitt in Höhe der Peniswurzel zu machen und den Katheter direkt in das Venengeflecht einzuführen. Auch hier wird wieder ein Verödungsmittel eingespritzt. Diese Vorgehensweise bezeichnen Ärzte als antegrade oder anterograde Sklerosierung.

Gefäss-Verschluss durch Embolisation

Eine weitere Therapie-Möglichkeit bei einer Varikozele besteht darin, das betroffene Gefäss künstlich zu verschliessen. Dazu bringt der Arzt in das Gefäss entweder einen Gewebe-Kleber oder eine winzige Spirale ein.

Operative Verfahren

Als letzte Therapie-Möglichkeit stehen bei einer Varikozele operative Verfahren zur Verfügung. Dabei wird das betroffene Gefäss abgebunden und durchtrennt. Dies lässt sich etwa im Rahmen einer grösseren, offenen Varikozele-OP durchführen oder mittels Knopfloch-Chirurgie (Laparoskopie): Bei dieser werden nur mehrere kleine Schnitte gemacht, über die man die OP-Instrumente einführt.

Um eventuell auftretende Beschwerden nach der Behandlung der Varikozele zu lindern, tut es manchen Betroffenen gut, den Hoden leicht zu kühlen.

Welche Symptome treten bei einer Varikozele auf?

Die Varikozele ist oft symptomlos und ein Zufallsbefund bei einer Untersuchung.

Bei manchen Betroffenen zeigen sich auch typische Varikozele-Symptome: ein (gefühlt) schwerer, gespannter und voller Hodensack. Besonders intensiv sind die Varikozele-Schmerzen im Stehen. Auf dem Hodensack zeichnen sich wurmartige Schwellungen ab, die entweder mit oder ohne erhöhten Bauchdruck beim Pressen sichtbar sind. Erektions-Störungen treten durch eine Varikozele nicht auf.

Der Hoden auf der betroffenen Seite ist manchmal kleiner, besonders bei Kindern, da er in seinem Wachstum gehemmt wird. Dies gilt später als ein Hinweis auf eine gestörte Spermien-Produktion. Im Extremfall werden gar keine Spermien produziert (komplette Infertilität).

Was sind die Ursachen einer Varikozele?

Mediziner unterscheiden eine primäre und eine sekundäre Varikozele.

Primäre (idiopathische) Varikozele

Die primäre (idiopathische) Varikozele ist anlagebedingt. Sie macht die überwiegende Mehrzahl aller Fälle von Krampfaderbruch aus und kommt vor allem am linken Hoden vor.

Der Grund: Die linke Hodenvene mündet rechtwinkelig in die linke Nierenvene, die dann weiter zur unteren Hohlvene führt. Dies erschwert den Blutfluss und begünstigt einen Rückstau. Die rechte Hodenvene mündet dagegen in einem spitzeren Winkel direkt in die untere Hohlvene. Der spitze Winkel ist günstiger für den Blutfluss.

Häufige Ursache für den Blut-Rückstau ist ein Defekt der Venen-Klappen in der Hodenvene oder eine angeborene Gefässwand-Schwäche. Auch eine venöse Abfluss-Störung infolge eines erhöhten Gefässdrucks ist manchmal Ursache einer primären Varikozele. Der Druck steigt, weil die linke Nierenvene zwischen zwei grossen Arterien eingeklemmt wird (Nussknacker-Phänomen). Der Blut-Rückstau schädigt dann die Hodenvenen.

Sekundäre (symptomatische) Varikozele

Die sekundäre oder symptomatische Varikozele tritt in manchen Fällen auch beidseitig auf. Ursache ist oft ein Blut-Stau durch ein Hindernis, etwa einen Tumor. Dabei handelt es sich zum Beispiel um einen Tumor der Niere, des Nierenbeckens oder der Harnleiter. Auch ein Blut-Pfropf (Thrombus) oder Riss (Ruptur) in den Hodenvenen ist eine mögliche Ursache für eine sekundäre Varikozele.

Unfruchtbarkeit

Sowohl bei der primären als auch bei der sekundären Form kommt es zu einem verminderten Blut-Rückstrom aus dem Hoden. Das Blut im Hoden fliesst immer langsamer. Dadurch erwärmt sich der Hoden, was die Spermien-Produktion und -Qualität in manchen Fällen beeinträchtigt. Es besteht die Gefahr einer Unfruchtbarkeit (Infertilität).

Zusätzlich besteht das Risiko, dass die Hormon-Produktion, die mit dem Hoden in Verbindung steht (wie FSH = follikel-stimulierendes Hormon), gestört ist. In anderen Fällen gelangen durch den Blut-Rückstau oder sogar Blut-Rückfluss Hormone der Nebenniere in den Hoden und führen dort zu Schäden.

Wie erkennt man eine Varikozele?

Spezialist für Erkrankungen des Hodens und somit auch für die Varikozele ist der Urologe. Im Gespräch mit dem Patienten (Anamnese) erfasst er zunächst die Symptomatik. Mögliche Fragen dabei sind zum Beispiel:

  • Fühlt sich Ihr Hoden schwer oder geschwollen an?
  • Sind die Symptome im Stehen schlimmer?
  • Haben Sie Schmerzen?

Körperliche Untersuchung

Dann wird der Arzt den Hoden zuerst im Stehen untersuchen. Aufgrund der Schwerkraft zeichnet sich die Varikozele meist deutlich ab. Ist dies nicht der Fall, wird der Patient gebeten, durch Pressen oder Anspannen der Bauchmuskulatur den Druck im Bauch zu erhöhen. Dadurch wird die Schwellung der Gefässe oft leichter sichtbar.

Im nächsten Schritt legt sich der Patient hin. Bei einer primären Varikozele wird sich die Gefäss-Zeichnung auf dem Hoden durch das Hinlegen spontan vermindern, das heisst, dass sich die Gefässe aufgrund der Schwerkraft entleeren. Ist dies nicht der Fall, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine sekundäre Varikozele handelt.

Ultraschall-Untersuchung

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Diagnose einer Varikozele ist eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) des Hodens. Der Arzt beurteilt dabei die Varikozele genauer. Ergänzend untersucht er die Nieren und den Bauchraum mit Ultraschall – auf der Suche nach möglichen Erklärungen für die Abfluss-Störung.

Um den Blut-Stau oder sogar -Rückfluss zu bestätigen, eignet sich die Doppler-Sonografie. In dieser speziellen Form der Ultraschall-Untersuchung lassen sich Blutgefässe und der Blutfluss optisch darstellen.

Hormon- und Spermien-Untersuchungen

Die Hoden spielen eine essenzielle Rolle für die Fruchtbarkeit. Bei unerfülltem Kinderwunsch oder auch Verdacht auf eine Unfruchtbarkeit erfolgen meist noch weitere Untersuchungen. So bestimmen Ärzte dann zum Beispiel verschiedene Hormon-Spiegel und fertigen ein Spermiogramm an.

Gefäss-Röntgen (Phlebografie)

Wenn der Verdacht auf eine Gefäss-Missbildung besteht, führen Ärzte mitunter eine sogenannte Phlebografie durch: Mit Hilfe eines Röntgen-Kontrastmittels, das in den Kreislauf verabreicht wird, lassen sich Verlauf und Zustand der Blutgefässe darstellen und beurteilen.

Varikozele: Schweregrad-Einteilung

Eine Krampfader am Hoden lässt sich in drei Schweregrade einteilen:

  • Grad I: beim Pressen im Stehen tastbare Erweiterung des Venen-Geflechts im Hoden; Gefässgrösse < 1 Zentimeter.
  • Grad II: bereits ohne zusätzlichen Druck tastbare Gefäss-Erweiterung; Gefässgrösse 1 bis 2 Zentimeter.
  • Grad III: tast- und sichtbares Gefäss-Knäuel; Gefässgrösse > 2 Zentimeter.

Wie ist die Prognose bei einer Varikozele?

Ein früher und damit rechtzeitiger Therapie-Beginn ist bei einer Varikozele sehr wichtig. Die Prognose nach erfolgreicher Behandlung ist in der Regel gut. Es ist zwar erhöhte Wachsamkeit geboten, aber die Gefahr der Unfruchtbarkeit ist zumeist gebannt.

Eine unbehandelte Varikozele führt in manchen Fällen zu schweren Schäden der Spermien-Entstehung, zu einem reduzierten Hoden-Volumen und einer verminderten Funktion der Hodenzellen (Leydig-Zellfunktion). Symptomlose Varikozelen, die keine Auswirkungen auf die Spermien-Qualität haben, müssen jedoch nicht mit diesen Komplikationen einhergehen.

Bei bereits schweren Spermien-Schäden (wie keine oder zu wenige Spermien, fehlgeformte oder unbewegliche Spermien) ist die chirurgische Therapie nicht erfolgversprechend. In diesen Fällen ist es ratsam sich über alternative Techniken zur künstlichen Befruchtung (Fertilisations-Techniken) zu informieren.

Eine korrekte Therapie der Varikozele führt bei über 80 Prozent der Patienten zu Schmerzfreiheit und einer Zunahme des Hoden-Volumens. Es wird vermutet, dass auch die Spermien-Qualität wieder zunimmt. Wie lange die Heilungsdauer nach der Behandlung einer Varikozele ist, hängt von der Art des Eingriffs ab. Normalerweise dauert die Heilung nur wenige Tage.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Heribert Schorn
Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
I86
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Gasser T. Basiswissen Urologie. Springer Verlag. 4. Auflage 2019
  • Haag P. et al. Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste Breisach. 8. Auflage 2016
  • Hautmann R., Geschwend J.E. Urologie. Springer Verlag. 5. Auflage 2014
  • Jocham D. Praxis der Urologie. Georg Thieme Verlag. 4. Auflage 2020
  • Meier M., John, H.: Varikozele: Klinik und Therapie, Zeitschrift für Urologie und Urogynäkologie in Klinik und Praxis 2013; 20 (1)
  • Nork, J.J. et al.: Youth varicocele and varicocele treatment: a meta-analysis of semen outcomes, Fertility and Sterility 2014; Vol. 102, No. 2
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