Diabetes-Werte

Von 
Aktualisiert am
Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Die wichtigsten Diabetes-Werte zur Diagnosestellung und zur Überprüfung des Behandlungserfolgs sind der Nüchtern-Blutzuckerwert und der HbA1c-Wert. Mit dem oralen Glukosetoleranztest (oGTT) lässt sich auch schon eine Diabetes-Vorstufe ("Prädiabetes") entdecken. Da erhöhte Blutzuckerspiegel auf Dauer dem gesamten Organismus massiv schaden, ist es wichtig, die Werte regelmässig zu kontrollieren. Hier lesen Sie alles Wichtige über Diabetes-Werte.

Diabetes: Werte

Welche Werte hat man bei Diabetes?

Der Blutzucker wird in Europa in der Regel in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) gemessen. International verbreitet (insbesondere auch in den USA), ist jedoch die Angabe in Millimol pro Liter (mmol/l).

Die wichtigsten Werte sind der Nüchtern-Blutzucker und der HbA1c-Wert. Letzteren bezeichnet man auch als "Blutzucker-Langzeitgedächtnis". Daneben weisen auffällige Werte im oralen Glukosetoleranztest (oGTT) auf eine Diabetes-Vorstufe ("Prädiabetes") oder einen Diabetes hin. Auch ein Nachweis von Zucker im Urin wird zur Diagnose herangezogen.

Diabetes: Ab welchem Wert ist es gefährlich?

Das Wichtigste vorweg: Die grosse Gefahr bei Diabetes mellitus ist, dass die Blutzuckerwerte gefährlich entgleisen und – in extremen Fällen – ein diabetisches Koma droht. Zuckerwerte über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) sind ein Alarmsignal für eine Überzuckerung. Bei einer Unterzuckerung liegen sie unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l).

Wann spricht man von Diabetes?

Um einen Diabetes mellitus festzustellen, werden verschiedene Werte gemessen. Die Grenzwerte für die einzelnen Blutzucker-Parameter entnehmen Sie der folgenden Diabetes-Tabelle. Dort finden Sie die wichtigsten Blutzuckerparameter, die zur Diagnosestellung oder zur Verlaufskontrolle genutzt werden. Nähere Erklärungen zu den einzelnen Tests finden Sie unterhalb der Tabelle.

Nüchtern BlutzuckeroGTT: 2-Std-WertHbA1c (%)
Gesund< 100 mg/dl< 140 mg/dl4,5 bis 5,7 %
< 5,6 mmol/l< 7,8 mmol/l
Gestörte Glukosetoleranz100 - 125 mg/dl140 - 199 mg/dl5,7 bis 6,4 %
5,6 - 6,9 mmol/l7,8 - 11 mmol/l
Diabetes mellitus≥ 126 mg/dl≥ 200 mg/dl≥ 6,5 %
≥ 7 mmol/l≥ 11,1 mmol/l

Nüchtern-Blutzucker

Der Nüchtern-Blutzuckerwert ist der wichtigste der Diabetes-Blutwerte für die Diabetes-Diagnostik. Er liegt bei Gesunden zwischen 60 und 99 mg/dl beziehungsweise 3,3 und 5,6 mmol/l. Sofern der Nüchtern-Blutzucker zwischen 100 und 125 mg/dl liegt, spricht man bereits von einer abnormen Nüchtern-Glukose (IFG = impaired fasting glucose). Bei Werten über 125 mg/dl ist das Vorliegen eines Diabetes mellitus bereits sehr wahrscheinlich. Um Fehlmessungen auszuschliessen, wird der Wert in der Regel ein zweites Mal bestimmt.

Nach dem Verzehr einer Mahlzeit steigt der Blutzucker bei Gesunden auf Werte bis zu 140 mg/dl an. Der Blutzucker wird daher erst nach achtstündigem Nahrungsverzicht (Nahrungskarenz) bestimmt.

Diabetes - HbA1c (Langzeit-Blutzuckerwert)

Sowohl beim Gesunden als auch beim Diabetiker lagern sich Zuckermoleküle an einen Teil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) an. Das mit Zucker beladene Hämoglobin wird als Glykohämoglobin A (auch HbA1c) bezeichnet. Normalerweise ist jedoch nicht an mehr als 5,7 Prozent des Hämoglobins ein Zuckermolekül angelagert.

Durch die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte ist beim Diabetiker ein höherer Anteil des Hämoglobins mit einem Zuckermolekül beladen. Da die roten Blutkörperchen im Durchschnitt etwa 120 Tage leben, eignet sich der HbA1c-Wert als Diabetes Langzeitwert und liefert damit eine Information über die Blutzuckereinstellung der letzten acht bis zwölf Wochen. Tagesindividuelle Schwankungen beeinflussen den HbA1c-Wert nicht. Die Bestimmung des HbA1c erfolgt vor allem, um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Beim Verdacht auf Diabetes mellitus oder eine Diabetesvorstufe, wird oft der orale Glukosetoleranztest (oGTT) eingesetzt. Dem Patienten wird dafür nüchtern (nach achtstündiger Nahrungskarenz) Blut entnommen und der Nüchtern-Blutzuckerwert bestimmt. Im Anschluss trinkt der Patient eine Glukoselösung mit 50 oder 75 Gramm Glukose. Die Zuckerlösung schmeckt wie süsser Traubensaft und wird von den meisten Patienten gut vertragen.

Nach 120 Minuten findet eine erneute Blutentnahme zur Blutzucker-Bestimmung statt. Dieser Zweistundenwert liefert eine Aussage darüber, wie viel der aufgenommenen Glukose aus dem Blut mit Hilfe von Insulin in die Zellen aufgenommen wurde. Bei Zweistundenwerten über 200 mg/dl ist ein Diabetes mellitus sehr wahrscheinlich. Bei bekanntem Diabetes darf der oGTT nicht angewendet werden, um eine Entgleisung des Blutzuckerspiegels zu vermeiden.

Erwünschte Diabetes-Werte im Verlauf der Behandlung

Die anzustrebenden Blutzuckerwerte werden stets individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen. Denn sie unterscheiden sich abhängig von der Konstitution und dem Alter des Patienten. Die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft empfohlenen Diabetes-Normalwerte gelten jedoch für die meisten Patienten. Sie unterscheiden sich bei Typ-1-Diabetikern und Typ-2-Diabetikern nur geringfügig.

Diabetes-Typ-1-Werte

Beim Diabetes Typ 1 wird mit Hilfe der Insulinzufuhr (Insulin-Spritze oder -Pumpe) der Blutzucker konstant in einem Bereich um 100 mg/dl gehalten. Der HbA1c-Wert liegt idealerweise unter 7,5 Prozent. Die Einstellung der Zuckerwerte wird möglichst genau vorgenommen, jedoch ohne dabei eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu riskieren.

Diabetes-Typ-2-Werte

Bei Typ-2-Diabetes erfolgt die Steuerung der Behandlung über den Nüchtern-Blutzuckerwert sowie den HbA1c Wert. Bei einem Typ-2-Diabetiker liegt der Nüchtern-Blutzuckerwert vor einer Mahlzeit bestenfalls zwischen 80 und 120 mg/dl liegen. Liegt er höher, muss die Medikation angepasst werden.

Sofern Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie), eine Nieren-Schädigung (Nephropathie) oder eine Störung des Fettstoffwechsels (Hyperlipidämie) vorliegen, müssen diese unbedingt mitbehandelt werden, da zu hohe Blutzuckerspiegel diese Krankheiten verschlimmern. Empfohlen wird ein HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent. Die individuellen Bedürfnisse der Patienten werden dabei ebenfalls berücksichtigt. Beispielsweise ist es möglich, dass bei älteren Patienten auch ein HbA1c-Wert von 8,0 unter Umständen noch tolerabel ist.

Welche Diabetes-Werte gelten in der Schwangerschaft?

Um einen Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen, wird bei Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Blutzucker-Suchtest (Glukosetoleranztest) durchgeführt. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn einer dieser Blutzuckerwerte erreicht wird:

  • Nüchtern-Blutzucker: 92 mg/dl (5,1 mmol/l)
  • Blutzucker nach einer Stunde: 180 mg/dl (10,0 mmol/l)
  • Blutzucker nach 2 Stunden: 153 mg/dl (8,5 mmol/l)

Sowohl in der Schwangerschaft als auch bei nicht-schwangeren Patienten gilt es, die Diabetes-Werte regelmässig zu kontrollieren.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
E11E10E13O24H36E12E14
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus: Update 2021, unter: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de (Abruf: 06.05.2022)
  • Deutsche Diabetes Hilfe: Stoffwechselentgleisung bei Diabetes Typ 1 oder 2: Bei schwerer Unter- oder Überzuckerung sofort Notarzt rufen!, unter: www.diabetesde.org (Abruf: 06.05.2022)
  • Diabinfo: Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?, unter: www.diabinfo.de (Abruf: 06.05.2022)
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich