Amputation

Von Andreas Hofmann
Aktualisiert am
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Unter einer Amputation versteht man die Abtrennung eines Körperteils. Dies kann sowohl bei Unfällen als auch im Rahmen einer Operation geschehen. Häufig machen zum Beispiel Blutgefässerkrankungen mit schwerem Verlauf, bei denen Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet wird, eine Amputation notwendig. Lesen Sie alles Wichtige über das Operationsverfahren, wann es durchgeführt wird und welche Risiken es birgt.

Amputation

Was ist eine Amputation?

Bei einer Amputation wird ein Körperteil (meist eine Gliedmasse) entweder chirurgisch oder durch einen Unfall abgetrennt. Wenn zwischen dem abgetrennten Körperteil, dem sogenannten Amputat, und dem Körper noch eine Verbindung durch Gewebe wie Haut oder Muskulatur besteht, bezeichnet man das als subtotale Amputation. Dem gegenüber steht die totale Amputation, also die vollständige Durchtrennung.

Wann führt man eine Amputation durch?

Eine chirurgische Amputation erfolgt immer dann, wenn Körpergewebe irreparabel geschädigt beziehungsweise bereits abgestorben ist. Denn von totem Gewebe am lebenden Körper – auch als Nekrose oder Gangrän bezeichnet – geht ein hohes Risiko für Infektionen aus, die sich über das Blut weiter im Körper ausbreiten können. Um dieser lebensbedrohlichen Komplikation vorzubeugen, wird das betroffene Gewebe entfernt.

Wenn nur ein kleines Areal von der Nekrose betroffen ist, kann der Arzt sie eventuell herausschneiden. Ist sie aber weiter fortgeschritten, hilft meist nur eine Amputation. Dabei trennt man immer so wenig wie möglich ab. Weitere Anlässe für Amputationen sind Unfälle und Krebserkrankungen.

Amputation bei Gefässerkrankungen

Störungen des arteriellen Blutflusses zählen zu den häufigsten Gründen für Amputationen. Wenn Gewebe nicht ausreichend durchblutet wird, erhalten die Zellen nicht genügend Sauerstoff und sterben ab.

Verantwortlich dafür kann zum Beispiel die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, "Raucherbein") sein, bei der vor allem die Arterien in den Beinen "verkalken". Zwar versuchen Ärzte zunächst, den Blutfluss durch gefässchirurgische Operationen zu verbessern. Das zögert eine Amputation aber oft nur hinaus. Die pAVK kann alleine oder als Spätfolge einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) auftreten.

Amputation bei Zuckerkrankheit

Auf Dauer schädigen die hohen Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus nicht nur kleine und grosse Blutgefässe, sondern auch die Nerven. Deshalb nehmen Zuckerkranke Sinnesreize wie Schmerz, Temperatur oder Druck oft viel schwächer wahr als gesunde Menschen.

Verletzt sich ein Zuckerkranker zum Beispiel am Fuss, spürt er oft keine oder kaum Schmerzen und sucht deswegen auch keinen Arzt zur fachgerechten Wundbehandlung auf. In der Folge kann es im Bereich der Verletzung zum Gewebeuntergang (Nekrosen) und Infektionen kommen (diabetischer Fuss). In schweren Fällen lassen diese sich nur durch eine Amputation eindämmen.

85 Prozent aller Zehen- und Fussamputationen in Deutschland und Österreich und 70 Prozent in der Schweiz sind die Folge eines "diabetischen Fusssyndroms".

Amputation bei Krebs

Auch bei bösartigem Knochenkrebs bedarf es manchmal einer Amputation. Oberschenkel, Unterschenkel und Oberarme sind hier besonders häufig betroffen. Ziel des Eingriffs ist es, die Aussaat von bösartigen Krebszellen in andere Körperregionen zu verhindern. Den Funktionsverlust durch die Amputation nimmt man zugunsten besserer Überlebenschancen in Kauf.

Auch Weichgewebstumoren können eine Amputation notwendig machen. So stellt beispielsweise eine Penisamputation bei bestimmten Krebsarten die letzte therapeutische Möglichkeit dar, auch wenn dies mit grossen psychischen Belastungen für den Betroffenen einhergeht.

Amputation bei Unfällen

Gerade bei Verkehrsunfällen oder Arbeitsunfällen mit landwirtschaftlichen oder industriellen Maschinen werden Extremitäten oft sehr stark verletzt. Es ist dann unter Umständen nicht mehr möglich, die durchtrennten Gefässe und Nerven miteinander zu vernähen. In solchen Fällen entscheidet sich der Chirurg für eine Amputation. Unterschenkel und Unterarme sind besonders oft betroffen.

Was macht man bei einer Amputation?

Im Vorfeld der Amputation planen die Ärzte genau, an welcher Stelle der Körperteil abgetrennt werden soll. Dafür stehen verschiedene Verfahren der Bildgebung zur Verfügung, zum Beispiel die Computertomografie (CT). Ausserdem wird mit einem Ultraschallgerät die Durchblutung des Gewebes überprüft. Diese sorgfältigen Untersuchungen im Vorfeld sollen verhindern, dass nach der Operation am Stumpf erneut totes Gewebe entsteht.

Nachdem man den Patienten in Vollnarkose versetzt hat, beginnt die eigentliche Amputation. Bein, Arm oder andere betroffene Körperteile (wie Zehen) werden vom Narkosearzt zusätzlich örtlich betäubt. Das erleichtert vor allem nach der Operation die Schmerzversorgung, und auch Phantomschmerzen (= Schmerzwahrnehmung im amputierten Körperteil) treten dann seltener auf.

Während der Operation unterbindet der Arzt mit Druckmanschetten die Blutversorgung zum Amputationsgebiet, um den Blutverlust möglichst gering zu halten.

Amputation am Fuss

Speziell auf den Fuss bezogen unterscheidet man:

  • Minoramputation: "kleine Amputation"; nur Vorfussanteile (Mittelfussknochen und Zehen) werden entfernt
  • Majoramputation: Jede höher gelegene Amputation

Bei Amputationen im Bereich des Fusses versuchen Ärzte, möglichst wenig Knochen zu entfernen, damit der Patient nach der Operation weiterhin gut stehen und laufen kann.
Die kleinstmögliche Amputation ist die eines oder mehrerer Zehen. Oft genügt das aber nicht, weil etwa eine Nekrose schon zu weit fortgeschritten ist. Dann muss man an einer höheren Stelle amputieren, zum Beispiel im Bereich der Mittelfussknochen (transmetatarsale Amputation).

Weitere Möglichkeiten sind die sogenannten Lisfranc- und Chopart-Amputationen, bei denen nur die Fusswurzel- bzw. Fersenknochen übrig bleiben. Hier ist die Standstabilität nach der Operation bereits deutlich eingeschränkt.

Amputation am Bein

Bei einer Amputation am Unterschenkel hinterlässt der Chirurg nach Möglichkeit einen circa zehn Zentimeter langen Stumpf unterhalb des Knies. Daran lässt sich später eine Prothese anlegen.

Manchmal ist es aber auch nötig, den gesamten Unterschenkel unterhalb des Knies zu entfernen. Mediziner sprechen dann von einer sogenannten Exartikulation. Weil die Funktion des Kniegelenks dann nicht mehr gegeben ist, sind die Patienten deutlich eingeschränkter in der Bewegung.

Bei Amputationen am Oberschenkel kann der Knochen grundsätzlich auf jeder Höhe abgetrennt werden. Da allerdings sehr viele Muskeln am Oberschenkelknochen ansetzen, versucht man auch hier, den Schnitt möglichst tief durchzuführen, also nahe am Knie. Damit lässt sich eine möglichst hohe Beweglichkeit am Oberschenkelstumpf erhalten.

Im Rahmen einer Hüftexartikulation entnehmen Ärzte das gesamte Bein - nur die Hüftpfanne im Becken bleibt zurück. Wenn aufgrund der Schwere einer Erkrankung oder Verletzung auch das nicht ausreicht, entfernt man zusätzlich die knöchernen Beckenanteile einer Seite. Mediziner nennen diese Form der Amputation Hemipelvektomie.

Amputation am Arm

Bei Amputationen im Bereich der Hand ist das grösste Ziel der Erhalt der Greiffunktion. Wenn zum Beispiel die Finger entfernt werden müssen, gibt es die Möglichkeit, die verbleibende Mittelhand zu spalten. Damit können Patienten weiterhin Gegenstände greifen, auch wenn dies sehr viel Training erfordert.

Eine ähnliche Operation ist am Unterarm möglich. Nachdem dieser amputiert wurde, trennen die Chirurgen Elle und Speiche, die dann wie zwei Finger nebeneinander liegen. Auch das ermöglicht dem Patienten, Dinge zu greifen.

Bedarf es einer Amputation im Bereich des Ellbogens, Oberarms oder der Schulter, gilt es, möglichst viel Muskulatur zu erhalten, damit der Patient den Stumpf später gut bewegen kann. Ausserdem schafft der Operateur einen birnenförmigen Stumpf, weil daran eine Prothese besser hält.

Vernähen des Stumpfes

Nachdem der Arzt den Knochen und das zugehörige Weichteilgewebe entfernt hat, rundet er den Knochenstumpf ab. Dadurch verhindert er, dass scharfe Kanten umliegendes Gewebe verletzten. Zum Schluss wird über den Stumpf ein Hautlappen gelegt und vernäht, damit keine Keime in die Wunde eindringen können.

Welche Risiken birgt eine Amputation?

Wie jede Operation birgt auch eine Amputation allgemeine und spezielle Risiken. Dazu zählen:

  • Infektion der Wunde
  • Wundheilungsstörungen
  • Nachblutungen im Bereich des Stumpfes

Spätere Komplikationen nach einer Amputation können unter anderem sein:

  • Druckgeschwüre im Bereich des Stumpfes durch falsche Protheseneinstellungen
  • Haltungsschäden aufgrund des veränderten Stand- und Gangbilds des Patienten
  • Phantomschmerz

Wenn sich die Wunde nach der Amputation entzündet und/oder nicht richtig verheilt, ist unter Umständen eine erneute Operation nötig.

Phantomschmerz

Viele Patienten haben nach einer Amputation sogenannte Phantomschmerzen. Dabei empfinden sie Schmerzen im Bereich des Körperteils, der entfernt wurde. Also zum Beispiel Fussschmerzen nach einer Unterschenkelamputation. Aber auch andere Missempfindungen wie Wärme, Kälte oder Jucken sind möglich. Das klingt paradox und lässt sich nur verstehen, wenn man weiss, wie das Gehirn die Nervensignale des Körpers verarbeitet.

Für jeden Körperbereich gibt es eine entsprechende Abbildung im Gehirn. Dort werden die Empfindungen zugehöriger Sinnesreize verarbeitet. Wenn man sich beispielsweise mit einem Hammer auf den rechten Daumen schlägt, wird das Schmerzsignal zunächst über Nerven zum Gehirn weitergeleitet. Dort verarbeitet das für den rechten Daumen reservierte Areal das Signal und es wird zur bewussten Empfindung, in diesem Fall Schmerz.

Nach einer Amputation ist zwar der abgetrennte Körperteil nicht mehr vorhanden - das Hirnareal, das für die Bearbeitung seiner Nervensignale zuständig war, aber schon. Wird dieses Hirnareal nun aktiviert, können beim Patienten Empfindungen aus dem amputierten Körperteil auftreten.

Wie genau es zu so einer Aktivierung kommt und warum diese Empfindungen oft Schmerzen sind, konnte man bis jetzt noch nicht eindeutig klären. Weil man aber mittlerweile besser verstanden hat, wie Phantomschmerz entsteht, kann man ihn mithilfe spezieller Techniken wesentlich besser behandeln als noch vor einigen Jahren.

Was muss ich nach einer Amputation beachten?

Für viele Patienten ist der Verlust eines Körperteils nach einer Amputation sehr belastend. Falls Sie betroffen sind, haben Sie die Möglichkeit, nach der Operation mit spezialisierten Psychologen darüber zu sprechen.

In die weitere Nachsorge sind neben den Ärzten und Psychologen auch Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Orthopädietechniker eingebunden. Diese Fachkräfte helfen Ihnen, sich im Leben wieder zurechtzufinden. Zum Beispiel trainieren sie mit Ihnen in einer Rehabilitationsklinik den Umgang mit der neuen Prothese. Auch wenn diese Therapie sehr anstrengend ist - es ist wichtig, dass Sie regelmässig üben, um sich an die Prothese zu gewöhnen.

Achten Sie nach der Operation ausserdem auf die Wunde am Stumpf. Sollten Sie hier Blutungen, Schwellungen, Rötungen oder eine zu feste, schmerzhafte Wickelung des Verbandes feststellen, teilen Sie dies umgehend Ihrem Chirurgen mit. Auch bei starken Schmerzen nach der Amputation müssen Sie zügig einen Arzt aufsuchen, damit er mögliche Komplikationen behandeln kann.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Grifka, J. & Krämer, J.: Orthopädie Unfallchirurgie, Springer, 10. Aufl. 2021
  • S2k-Leitlinie: „Rehabilitation nach Majoramputation an der unteren Extremität (proximal des Fußes)“ der Sektion Physikalische Medizin und Rehabilitation und VereinigungTechnische Orthopädie der DGOOC und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO) (Stand: 2019)
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